Leibertingen ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Sigmaringen.
Geographie Geographische Lage mini|300px|Leibertingen oberhalb des Donautals (1983) Leibertingen liegt in 600 bis 850 Meter Höhe direkt über dem Donautal auf dem Badischen Heuberg am Südrand der Schwäbischen Alb, etwa 22 Kilometer von der Kreisstadt Sigmaringen und 24 Kilometer von Tuttlingen entfernt. Von der Gemarkungsfläche von rund 4720 HektarGemarkungsfläche 47.204.147 m² (Stand: 31. Dezember 2010Angaben nach Auskunft aus dem Vorzimmer des Bürgermeisters der Gemeinde Leibertingen, vom 12. Januar 2011.) sind 2127 Hektar Wald (713 Hektar Gemeindewald), 2328 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche und 257 Hektar Siedlungs- und Verkehrsfläche.Zahlen & Daten auf der Internetseite der Gemeinde Leibertingen; abgerufen am 21. Januar 2021
Dreiländereck Unterhalb der Burg Wildenstein befindet sich das sogenannte „Dreiländereck“. Hier stießen Württemberg (Irndorf), Hohenzollern-Sigmaringen (Beuron) – das 1850 an Preußen kam – und Baden (Leibertingen) aneinander.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus dem namengebenden Leibertingen (mit dem Weiler Lengenfeld, der Burg Wildenstein, den Höfen Erdbeerenbühlhof, Haubhaus, Josefslust [Neu- und Oberbahnhof], Kaltenbrunnerhof, Mühleichenhof und Unterbahnhof und dem Haus Brändle) und den Teilorten Altheim, Kreenheinstetten und Thalheim (mit dem Gehöft Vogelsang).Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 795–882
Wappen Ortsteil Einwohner(Stand: 1. Januar 2018) Fläche(Stand: 31. Dez. 2010) 30px|Leibertingen Leibertingen (Kernort)mit Lengenfeld 662davon rd. 50Hermann-Peter Steinmüller (hps): Kein Geld vom Land?. In: Südkurier vom 24. September 2005 1729 ha 17.291.515 m² 30px|Altheim Altheim 245 456 ha 4.560.063 m² 30px|Kreenheinstetten Kreenheinstetten 632 1588 ha 15.879.990 m² 30px|Thalheim Thalheimmit Vogelsang 593davon rd. 20 947 ha 9.472.579 m²
Schutzgebiete
Leibertingen hat im Norden Anteile am Oberen Donautal, das mit mehreren Schutzgebietskategorien unter Schutz steht. Entsprechend gehört auch der Leibertinger Teil des Donautals zum Landschaftsschutzgebiet Donau- und Schmeiental, zum FFH-Gebiet Oberes Donautal zwischen Beuron und Sigmaringen sowie zum Vogelschutzgebiet Südwestalb und Oberes Donautal.
Leibertingen gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte
Bis zum 19. Jahrhundert Bereits in der Übergangszeit zwischen Römern und Alamannen muss es eine, wenn auch dünne Besiedlung gegeben haben. Der Versteckfund eines großen Bronzekessels im „Kesselloch“ am BandfelsenIsabell Michelberger (imi): Von Kult und Kultur der Vorfahren. In: Südkurier vom 16. Dezember 2009 östlich der Burg WildensteinVera Romeu (vr): Vor- und Frühgeschichte. Hinter Panzerglas wartet eine Rarität. In: Schwäbische Zeitung vom 14. Dezember 2009 deutet auf den Beginn der Alamanneneinfälle in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts und den Rückzug der Römer aus Südwestdeutschland hin.Angela Vielstich, Edwin Ernst Weber: Der »Dreiländerkreis« Sigmaringen im geschichtlichen Überblick. In: Dirk Gaerte (Hrsg.), Edwin Ernst Weber (Konzeption): Der Dreiländerkreis Sigmaringen. Ein Führer zu Natur, Wirtschaft, Geschichte und Kultur. Meßkirch: Gmeiner Verlag, 2007; S. 23–36, hier: S. 24. ISBN 978-3-89977-512-9 Das etwa 40 Zentimeter hohe, bauchige Gefäß mit 65 Zentimetern Durchmesser wurde 1999 gefunden.Hermann-Peter Steinmüller (hps): Tief drunten beim Druiden. In: Südkurier vom 10. August 2005 Eine römische Fundmünze datiert in die Nachlimeszeit zwischen 341 und 354 n. Chr.Liste 3: Enddatierung der nachlimeszeitlichen Münzen in Südwestdeutschland. S. 423–430, hier S. 427. in: Claudia Theune: Germanen und Romanen in der Alamannia: Strukturveränderungen aufgrund der archäologischen Quellen vom 3. bis zum 7. Jahrhundert. Verlag Walter de Gruyter, 2004. ISBN 3-11-017866-4
Leibertingen wurde im Jahre 1275 erstmals urkundlich erwähnt, die Ortsteile Thalheim 1242, Altheim 768 und Kreenheinstetten im Jahre 793. Jedoch deutet das Suffix des Ortsnamens mit -ingen auf eine Gründung in der Zeit der Alamannischen Landnahme ab 233 hin, die Siedlungen waren stets nach dem Hofgründer benannt: Leibertingen kommt von Liutbert.Armin Heim: „Stadt ist älter als 750 Jahre“. In: Südkurier vom 19. März 2011 Leibertingen war lange Zeit durch das Köhlerhandwerk, Glashütten und Bohnerzabbau geprägt.
Der Ortsteil Thalheim war hohenzollerische Exklave inmitten zimmernschem und fürstenbergischem Gebiet.
Im Weiler Lengenfeld existierte bis etwa um 1700 eine Glashütte. Für die Herstellung von 100 Kilogramm Glas wurden 100 Kubikmeter Holz benötigt. Der starke Holzverbrauch prägte die Gegend.
Im 19. Jahrhundert gehörte Leibertingen zum Großherzogtum Baden. 1874/75 ließ der Großherzog von Baden von Rohrdorf nach Hartheim eine Straße bauen, die durch den Ort führte.Sandra Häusler (sah): Ausblick auf die schöne Heimat. In: Südkurier vom 9. September 2011
Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg vereinigte sich am 1. Januar 1975 Gemeinde Leibertingen mit den zuvor selbstständigen Gemeinden Altheim, Kreenheinstetten und Thalheim zur neuen Gemeinde Leibertingen.Gemeinsames Amtsblatt des Landes Baden-Württemberg 803/1974
Einwohnerentwicklung 1961: 1828 Einwohner, davon in Altheim 236, in Kreenheinstetten 531, in Leibertingen 604 und in Thalheim 457 1970: 1886 Einwohner, davon in Altheim 222, in Kreenheinstetten 558, in Leibertingen 628 und in Thalheim 478 1991: 2094 Einwohner 1995: 2191 Einwohner 2005: 2293 Einwohner 2010: 2231 Einwohner 2015: 2087 Einwohner 2020: 2124 Einwohner
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Leibertingen umfasst zwölf ehrenamtliche gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie den Bürgermeister als ebenfalls stimmberechtigten Vorsitzenden. Die letzte Wahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 78,5 Prozent zu folgendem Ergebnis:
+ Gemeinderatswahl 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 51,6 % 6 Freie Wähler 48,4 % 6 Gesamt 100 % 12
Darüber hinaus bestehen für die Ortsteile Altheim, Kreenheinstetten und Thalheim jeweils eigene Ortschaftsräte.
Bürgermeister Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2021 Stephan Frickinger nach Wahlerfolg in der ersten Wahlrunde. 1975–1999: Heinrich Güntner (FWV) 1999–2021: Armin Reitze (FWV) seit 2021: Stephan Frickinger (CDU)
Wappen
Wappen der ehemals selbständigen Gemeinden
Kultur und Sehenswürdigkeiten Leibertingen liegt an der Hohenzollernstraße. Die Kommune ist dem Tourismusverband „Donaubergland“ und dem „Ferienland Hohenzollern“ angeschlossen.
Bauwerke Sakralbauten mini|St. Peter und Paul Die Leibertinger Pfarrkirche St. Peter und Paul beherbergt die sogenannte „Leibertinger Madonna“ von 1525. Die Kirche gilt als Vorbote des Barock. Bis etwa zum Jahr 1825 waren alle Verstorbenen des Dorfes im unmittelbaren Umfeld der Kirche beerdigt worden.Xaver Knittel (xk): Drei Grabsteine erinnern an Kirchhof. In: Südkurier vom 20. April 2005 Die Dorfkirche St. Pankratius im Ortsteil Altheim war einst eine Wallfahrtskirche. Die Kirche St. Michael in Kreenheinstetten hat einen Hochaltar von Schupp, ein Kunstwerk des Hochbarocks, sowie zwei Spätrokokoaltäre und neubarocke Deckenfresken. Die Thalheimer Kirche St. Laurentius wurde zwischen 1841 und 1843 erbaut. Sie verfügt über eine einheitliche neugotische Ausstattung. In Lengenfeld befindet sich die 1724 im Zopfstil erbaute St.-Ottilien-Kapelle. Das Altarbild zeigt die Schutzmadonna und zu ihren Füßen die Bürger in der damaligen Tracht. Der Altarstein der Kapelle entstammt der im Jahr 1777 abgebrochenen St.-Nikolaus-Kapelle aus dem nahen, mittlerweile abgebrochenen Dorf Oberstetten.
Burgen, Burgruinen und Schlösser mini|Burg Wildenstein Burg Wildenstein: Die Festung befindet sich auf einem steil abfallenden Felsen etwa 200 Meter über der Donau in der Nähe von Beuron. Sie wurde angeblich schon 1077 urkundlich als Burg erwähnt, diese Urkunde ist allerdings eine Fälschung der Beuroner Mönche. Tatsächlich wurde sie im 13. Jahrhundert erbaut und unter Graf Gottfried Werner von Zimmern zwischen 1512 und 1554 in spätmittelalterlicher Festungsbauweise umgebaut. Seit 1971 befindet sich auf der vollständig erhaltenen Burg mit Brücke und Burgkapelle eine Jugendherberge, zuvor war die gesamte Anlage durchgreifend renoviert worden. Die Festung verfügt über eine 74 Meter lange Vorburg, zwei Rundtürme, Burggräben, Zugbrücke, eine Hauptbastion mit Kommandoturm, Kasematten, Pulverkammern, einen Burghof mit Zisterne, Wehrgang, Palas mit Rittersaal, Fresken aus dem 15. Jahrhundert und über eine Burgkapelle mit einer Kopie des Wildensteiner Altars aus der Hand des Meisters von Meßkirch. Sie war Mitentstehungsort der Zimmerischen Chronik.Von Mönchen und Rittersleuten. S. 20–22. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004. Die Feste Wildenstein hat auch Vorwerke, diese sind jedoch nur noch als Ruinen erhalten. Sie heißen Altwildenstein (um 1100 erbaut), Unterwildenstein, Wildensteiner Burg Hexenturm und Wildensteiner Burg Hahnenkamm. Im Dorf Leibertingen befand sich die Burg Leibertingen. Thalheim beheimatet ein einfaches Jagdschlösschen der Hohenzollern, es befindet sich heute in Privatbesitz.
Sonstiges Gasthaus AdlerDas wohl 1478 erbaute Gebäude, war ein Erblehenhof und mit 77 Hektar der größte in Leibertingen. Neben dem Pfarrhöfle ist der Adler das älteste Gebäude im Ort.Schlemmen wie damals. In: Südkurier vom 13. September 2008 In der über 500-jährigen Geschichte gab es mehrere Besitzerwechsel, zuletzt 1852, als die Familie Biselli den Adler übernahmen. Die Familie führt den Adler bis heute. Auf dem Anwesen befinden sich zwei freigelegte Gewölbekeller, einer wurde früher als Eiskeller genutzt und diente in den Kriegsjahren auch als Schutzbunker für Kinder und Schüler.Xaver Knittel (xk): Tolle Wirtshausgeschichten. In: Südkurier vom 20. September 2008 Gasthaus zur TraubeDas Geburtshaus des bekannten Wiener Hofpredigers Abraham a Sancta Clara, steht in Kreenheinstetten. In der Gaststube ist heute noch ein funktionsfähiger Kachelofen aus Abraham a Sancta Claras Zeiten in Betrieb. Im Jahr 1929 ging das Gasthaus für 19.000 Reichsmark an die Familie Gröner über. Mittlerweile wird die Traube in der dritten Generation geführt. Im November 1956 wurde eine Abraham-a-Sancta-Clara-Stube eingerichtet, seither wird auch ein Gästebuch geführt. Das Anwesen verfügt ebenfalls über einen großen Gewölbekeller. Hier wurde früher das Brot gebacken. Im hinteren Teil befand sich noch eine Schmiede. FlurkreuzeAuf dem Gemeindegebiet befinden sich diverse als Kleindenkmal registrierte Feldkreuze: in Leibertingen 16 Stück, zwölf in Altheim und ebenso viele in Kreenheinstetten und neun Stück in Thalheim.Bernd-Peter Hermann (bph): Unbekannte Zeugnisse am Wegesrand. In: Südkurier vom 26. Februar 2005