mini|hochkant|Abbildung der Mondsichelmadonna im Hortus Deliciarum der Herrad von Landsberg (12. Jahrhundert) Als Mondsichelmadonna oder Strahlenkranzmadonna und auch Madonna im Strahlenkranz (auch apokalyptische Madonna)Mondsichelmadonna. In: H. Sachs, E. Badstübner, H. Neumann: Christliche Ikonographie in Stichworten. Leipzig 1988, ISBN 3-7338-0095-8, S. 261. wird in der christlichen Ikonografie ein Marienbildnis bezeichnet, das durch die Perikope der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes geprägt ist. Die Mutter Gottes steht auf der Mondsichel; meist hält sie das Jesuskind in ihren Armen.

Ursprünge Das Bildnis der Mondsichelmadonna geht auf den Bericht der Vision des Johannes von einer kosmischen, von einem Drachen verfolgten schwangeren Frau zurück, die mit Sternen gekrönt und mit der Sonne bekleidet auf dem Mond steht und dem letzten apokalyptischen Gefecht zwischen einem Drachen und einer wasserspeienden Schlange einerseits und dem Erzengel Michael andererseits ausgesetzt wird.

Darstellungen Die älteste bekannte bildliche Darstellung der Mondsichelmadonna findet sich im Hortus Deliciarum.Hortus Deliciarum. In: H. Sachs, E. Badstübner, H. Neumann: Christliche Ikonographie in Stichworten. Unveränderte Auflage. Leipzig 1988, ISBN 3-7338-0095-8, S. 185. In der Gotik wandeln sich die Züge der apokalyptischen Frau zunehmend ins Madonnenhafte wie die Initiale A im Graduale von St. Katharinenthal (um 1312). Die älteste bekannte Holzplastik ist die sogenannte Hirschmadonna (Erfurt, Angermuseum, um 1370).

Im ausgehenden Mittelalter wurde dem Typus auch der Titel Unsere Liebe Frau vom Siege beigelegt. Mondsichelmadonnen wurden im 15. Jahrhundert meist als Einzelfiguren, in Marienleuchtern sowie als Altarbestandteile ausgeführt. Zuweilen stellte man auch die thronende Madonna mit dem Mondsymbol verbunden dar (Madonna aus Ulm, um 1420/25).

Das Mondsichelmotiv wurde so beliebt, dass man ältere Madonnen nachträglich mit Strahlenkranz und Mondsichel versah (Leuchtermadonna Bad Doberan 1300, ergänzt 15. Jahrhundert). Im 16. Jahrhundert kam zur Mondsichel die Schlange als Symbol des Bösen, deren Kopf von Maria zertreten wird, vgl. . Der Typ der Mondsichelmadonna wandelte sich im 17./18. Jahrhundert in den Typ der Maria Immaculata.

Auch die Patrona Bavariae, die Schutzfrau Bayerns, wird als Himmelskönigin mit Krone, Zepter und Jesuskind die Weltkugel haltend und segnend, mit der Mondsichel unter sich dargestellt.

Mondsichelmadonna auf Altären mini|Nottlebener Altar Die Mondsichelmadonna findet sich auf einer Reihe von Altären, besonders in Mecklenburg, aber auch in angrenzenden Teilen Brandenburgs, etwa in der Dorfkirche Pröttlin. Auf dem Schnitzaltar in Röbel, der im 16. Jahrhundert angefertigt wurde und seinen Platz im rechten Seitenschiff von St. Marien fand, ist die gekrönte Mondsichelmadonna mit dem Jesuskind von Heiligenfiguren umgeben: St. Georg und Barbara, St. Katerina und Jacob, St. Jost und Apollonia, St. Hedwig und Nicolaus.Abbildung in: Institut für Denkmalpflege (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Bezirk Neubrandenburg. Berlin 1982, S. 326. In Thüringen häufig zu findende spätgotische Marienaltäre aus Saalfelder Schule zeigen Maria mit dem Jesuskind als Mondsichelmadonna im Strahlenkranz und als Himmelskönigin vor dem gestirnten Firmament. Die Krone symbolisiert einen Kranz von 12 Sternen. Das Jesuskind hält den Erdball in der linken Hand, die Rechte ist erhoben mit zwei segnend ausgestreckten Fingern. Die Mondsichel steht für das Böse, Maria besiegt es, indem sie das Böse mit dem Fuß niederhält.

Mondsichelmadonna auf Siegel und Wappen mini|Wappen von Wittichenau Die Mondsichelmadonna findet sich oft auf Wappen und Siegeln, so etwa im Wappen von Umkirch oder Waldshut-Tiengen. Auch andernorts weist die Mondsichel auf Maria hin; zum Beispiel befinden sich im Wappen von Langenmosen die Mariensymbole Mondsichel (auch „Halbmond“ genannt) und Marienkrone.

Mondsichelmadonna auf Münzen

mini|Madonnentaler von 1754Weite Verbreitung fanden im 18. Jahrhundert so genannte Madonnentaler, die auf der Rückseite eine Madonna auf der Mondsichel zeigen. Münzen dieser Art wurden vor allem in Ungarn, Oberitalien und Bayern geprägt. Die meisten deutschen Madonnentaler stammen aus den Prägewerkstätten der bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph (1745–1777) und Karl Theodor (1777–1799). Hier trägt die Madonna üblicherweise Krone und Zepter und thront mit dem Jesuskind auf dem Schoß in einem Strahlenkranz über einer Mondsichel.

Siehe auch Mond (Heraldik)#Staats- und Ortswappen Mondsichel-Muttergottes (Augsburg) Mondsichelmadonna (Yzeure) Mondsichelmadonna (Kettengasse 12, Sulzfeld am Main) Unsere Liebe Frau von Guadalupe

Literatur Jutta Fonrobert: Art. Apokalytisches Weib. In: Engelbert Kirschbaum, Wolfgang Braunfels (Hrsg.): Lexikon der Christlichen Ikonografie. Herder, Freiburg, Bd. 1 (1968), Sp. 145–150, ISBN 3-451-22568-9. Lexikon der Kunst, Band 5: T–Z. Seemann, Leipzig 1978, ISBN 3-88436-111-2, S. 314, unter dem Stichwort Unbefleckte Empfängnis. Hildegard Gollinger, Anton Ziegenaus, Othmar Steinmann: Art. Apokalytische Frau. I. Exegese; II. Dogmatik; III. Kunstgeschichte. In: Remigius Bäumer, Leo Scheffczyk (Hg.): Marienlexikon, Regensburg 1988–1994, Bd. 1 (1988), S. 190a-193b. Moritz Woelk: Art. Apokalypse(motive). In: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Freiburg i.Br. 1993–2001, Bd. 1 (1993), Sp. 805–807. Vera Henkelmann: Spätgotische Marienleuchter. Formen – Funktionen – Bedeutungen (= Eikoniká. Kunstwissenschaftliche Beiträge, im Auftrag der Görres-Gesellschaft, Band 4). Schnell und Steiner, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7954-2694-1.

Weblinks

Eintrag im großen Kunstlexikon von P.W. Hartmann der FU Berlin

Einzelnachweise

Kategorie:Maria (Bildende Kunst) Kategorie:Mond in der Kultur Kategorie:Sakralbild