Die Münchner Stadtbibliothek ist das Bibliothekssystem der öffentlichen Bibliotheken der Stadtverwaltung München. Dieses besteht aus über 30 Bibliotheken und ist damit heute bundesweit das größte kommunale Bibliothekssystem., auf muenchner-stadtbibliothek.de Der Bestand umfasst ca. 3 Millionen Bücher, Zeitschriften und Neue Medien. Hinzu kommen das Literatur- und Handschriftenarchiv der Monacensia, die Musikbibliothek, die Kinder- und Jugendbibliothek am Gasteig, die philatelistische Spezialbibliothek sowie die Juristische Bibliothek. Damit gehört sie zu den größten Bibliotheken in Bayern. Leiter ist seit dem 1. Januar 2013 Arne Ackermann.

Die Zentralbibliothek im Gasteig ist seit dem 31. Juli 2021 wegen Sanierung geschlossen. Für die Zeit der Sanierungsarbeiten wird der Betrieb in die Interimsstandorte im HP8 in Sendling (Hans-Preißinger-Straße 8) und im Motorama (Haidhausen) in der Rosenheimer Straße 30–32 gegenüber des Gasteig ausgelagert.

Die Zentralbibliothek im Gasteig sowie verschiedene Stadtteilbibliotheken nutzen gemeinsam mit der Münchner Volkshochschule dieselben Gebäude wie z. B. den Gasteig, die Häuser am Harras, am Arabellapark, den Neuhauser Trafo etc. Durch diese gemeinsame Nutzung der Gebäude ergeben sich vielfältige Anknüpfungspunkte und Kooperationen zwischen den beiden Institutionen, die sich in einem breitgefächerten, niederschwelligen und hochwertigen Bildungsprogramm widerspiegeln.

Angebot Die Bibliothek verfügt über die Zentralbibliothek mit mehreren selbständigen Fachabteilungen, 22 Stadtteilbibliotheken, zwei Fachbibliotheken unter dem Dach der Stadtbibliothek, 5 KrankenhausbibliothekenKrankenhausbibliotheken, auf muenchner-stadtbibliothek.de sowie Angebote der Bücherbusse.

Die Zentralbibliothek ist seit 1984 im Gasteig-Kulturzentrum untergebracht. Hier befindet sich der weitaus größte Freihandbereich auf sechs Halbgeschossen zuzüglich der Service-Etage am Eingang. Hinzu kommt ein Lesesaal mit Präsenzbestand an Nachschlage- und Standardwerken. In die Zentralbibliothek sind die Musikbibliothek und die philatelistische Bibliothek integriert, die als eigenständige Abteilungen arbeiten. Angrenzend aber abgetrennt ist die Kinder- und Jugendbibliothek mit zwei Etagen. Unter dem Gebäude befindet sich das Magazin der Stadtbibliothek, dessen Bestände können in die Zentralbibliothek oder eine Stadtteilbibliothek zur Ausleihe bestellt werden. Die Zentralbibliothek und die 22 Stadtteilbibliotheken sind seit 2009 vollständig auf Selbstverbuchung ausgelegt.

Die Monacensia ist hervorgegangen aus dem Literaturarchiv der Stadt München. Sie sammelt Nachlässe von Münchner Autoren und einen eigenen Bestand an Veröffentlichungen zum Thema München und Umland. Das historische Hildebrandhaus wurde von 2011 bis 2016 generalsaniert.

Die Juristische Bibliothek im Neuen Rathaus wurde als Fachbibliothek für die Mitarbeiter der Stadtverwaltung angelegt, ist aber inzwischen öffentlich zugänglich. Sie ist besonders für den Lesesaal über drei Stockwerke mit aufwändiger Dekoration im Stil der Neorenaissance bereits mit Elementen des Jugendstils berühmt.

Seit 1951 gibt es Bücherbusse der Stadtbibliothek München. Derzeit gibt es fünf Bücherbusse, vier Busse richten sich vor allem an Schulkinder.Münchner Stadtbibliothek: Von 1928 bis 1970 fuhr in München eine Büchertram der Stadtbibliothek München.Wanderbüchereiwagen auf www.tramreport.de abgerufen am 13. Dezember 2017The Travelling Library 1932 auf www.britishpathe.com, abgerufen am 13. Dezember 2017. Die Fahrbibliothek befand sich im Triebwagen Nr. 495 (Typ D1.6) und wurde 1958 umgebaut.

Außerdem existiert ein mobiler Bücherhausdienst.Mobiler Mediendienst, auf muenchner-stadtbibliothek.de, abgerufen am 10. März 2022

Geschichte mini|Neues Rathaus – Sitz der Juristischen Bibliothek der Münchner Stadtbibliothek Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgen die ersten Schritte für das Entstehen der Münchner Stadtbibliothek. Dabei sind zwei verschiedene Wege zu erkennen: Einerseits entwickelte sich eine Behördenbibliothek zu einer großen öffentlichen Zentralbibliothek, die auch über historische Sammlungen verfügt. Andererseits entstand durch die Volksbüchereibewegung ein modernes, kommunales Bibliothekssystem.

Anfänge (1843–1906) 1843 erteilte der Magistrat der königlichen Haupt- und Residenzstadt München dem späteren Stadtchronisten Ulrich von Destouches den Auftrag, „sämtliche dem Magistrat und den unter magistratischer Verwaltung stehenden Anstalten gehörige Bücher zu sammeln, abzustempeln, zu verzeichnen und zu katalogisieren“. 23 Jahre später erschien dann 1866 der erste Katalog der Büchersammlung der städtischen Kollegien, der 2.375 Nummern umfasst.

Im Jahr 1873 wurde schließlich die erste Volksbibliothek der Stadt München in der Heilig-Geist-Schule in der Frauenstraße mit einem Bestand von 1.400 Bänden eröffnet. Zunächst war diese aber nur für städtische Bedienstete zugänglich. Erst 1879 wurde sie zaghaft für alle Bürger geöffnet: Jetzt konnten mit Genehmigung des Bürgermeisters auch andere Personen die Magistratsbibliothek nutzen.

Der Bestand der Magistratsbibliothek wuchs um die Jahrhundertwende entscheidend an – durch die Stiftung der Gelehrtenbibliotheken des Juristen Karl Gramm und des Pathologen Theodor von Heßling. Hinzu kamen weitere kleinere Nachlässe und Schenkungen, die den Bestand um wertvolle Erstausgaben und um geistes- und naturwissenschaftliche sowie historische Bestände bereicherten.

1906 umfasste die Bibliothek bereits rund 30.000 Bände und konnte in den prunkvoll gestalteten Bibliothekssaal des neuen Rathauses umziehen. Leider hatten bereits beim Umzug nicht alle Bände Platz. Heute befindet sich hier die Juristische Bibliothek der Münchner Stadtbibliothek.

Weimarer Republik: Goldene Jahre (1920–1933) Im Jahre 1920 wurde die Stelle für die Leitung der Volksbibliothek (inzwischen im Rosental-Schulhaus) und der Magistratsbibliothek im Rathaus geschaffen und darüber hinaus auch ein allgemeines Bibliotheksprogramm beschlossen. Zu Beginn des Folgejahres – am 3. Januar 1921 – konnte dann Hans Ludwig Held diese Leitungsposition antreten. Zugleich wurde die Büchersammlung der städtischen Kollegien in Bibliothek des Stadtrats umbenannt und damit die Rechtssituation als nicht-öffentliche Bibliothek bekräftigt. Aber Held setzte sich bald darauf darüber hinweg. Zunächst fasste er 1922 die monacensischen Bücher in der Bibliothek Monacensia zu einer eigenen Sammlung zusammen.

Ein wichtiger Schritt in der Geschichte der Münchner Stadtbibliothek war, als 1923 Held den Plan vorlegte, die Städtischen Bibliotheken auszubauen. Dabei sollte die Zahl der Volksbibliotheken auf fünf ausgeweitet werden und durch Zeitungslesehallen für Erwachsene und Kinderlesestuben ergänzt werden. Mit seinen Ideen konnte Held sich damals weitgehend durchsetzen: Es wurde die Bibliothek im Rathaus reorganisiert, der Aufbau einer wissenschaftlichen Stadtbibliothek wurde in Angriff genommen, die als Studien- und Bildungsbibliothek konzipiert wurde und sich heute in Form der Zentralbibliothek Am Gasteig in Haidhausen befindet. Darüber hinaus wurde auch die Monacensia-Sammlung erweitert. Nur die gewünschte Studentenbibliothek bekam Held nicht genehmigt.

Ein Jahr später rief Held 1924 als Gegenstück zur Monacensia-Bibliothek eine Handschriftenabteilung ins Leben. Diese sammelt bis heute Manuskripte, Briefe und andere Autographen von Münchner Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts und der Folgezeit.

1925 wurde die Volksbibliothek Schwabing gegründet.

Im Jahre 1926 wurde die „Musikalische Volksbibliothek“ (heute: Musikbibliothek der Zentralbibliothek) den Städtischen Bibliotheken angegliedert. Sie hatte ihren Ursprung in der Privatsammlung des Kulturphilosophen und Musikschriftstellers Paul Marsop, der diese schon 1902 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte.

1928 wurde ein Straßenbahntriebwagen zur ersten städtischen „Wanderbücherei“ umgebaut, um die Stadtrandgebiete bibliothekarisch versorgen zu können. Davon profitierten insbesondere die damals ärmeren Stadtviertel. Damit läutete Held eine zukunftsweisende Form einer aufsuchenden Bibliotheksarbeit ein, die direkt zu den Menschen kommt und heute mit fünf mobilen Fahrbibliotheksbussen weitergeführt wird.

Ende der zwanziger Jahre regte Held den Bau eines zentralen Bibliotheksgebäudes am Jakobsplatz an. Es wurden fertige Baupläne für ein dreigeschossiges Gebäude entwickelt, das die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv beheimaten sollte – ergänzt durch einen siebenstöckigen Magazinsturm. Doch die Pläne wurden nie in die Tat umgesetzt.

1929 wurde die Volksbibliothek Sendling gegründet und 1930 die Volksbibliothek Borstei.

Als 1931 der Münchner Briefmarken-Club seine Literaturbestände der Stadtbibliothek übertrug, wurde zusammen mit anderen privaten Schenkungen die Basis für eine philatelistische Spezialbibliothek geschaffen, die heute mit ca. 43.000 Bänden in der Zentralbibliothek Am Gasteig die größte Europas ist.

1932 spitzte sich die räumliche Situation der Bibliothek im Rathaus drastisch zu. In überfüllten Notmagazinen wiesen die Wände Risse auf, und Regale stürzten aufgrund der schweren Bücherlast in sich zusammen. Doch der Umzug in das ehemalige Polizeigebäude in der Weinstraße 13 konnte erst im Folgejahr realisiert werden. Damals verfügte die Stadtbibliothek über 170.000 Bände – viele davon waren Zustiftungen und Geschenke. Im Rathaus blieben die Buchbestände zurück, die für die Stadtverwaltung besonders wichtig waren.

Nationalsozialismus (1933–1945) mini|Salvatorplatz – hier befand sich früher die Musikbibliothek der Münchner Stadtbibliothek Hans Ludwig Held wurde von Anfang an von den Nationalsozialisten in seiner Arbeit behindert und schließlich am 27. Oktober 1933 aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem städtischen Dienst entlassen. 1934 wurde die Volksbibliothek Ramersdorf gegründet, die noch von Held vorbereitet worden war.

Erst 1936 bekamen die Städtischen Bibliotheken einen neuen Leiter: Hermann Sauter. Unter ihm wurden wichtige Sammlungen in die Wissenschaftliche Stadtbibliothek eingegliedert – z. B. die der Altkatholischen Gemeinde, der Bibliotheken des Lehrervereins, des Stadtdolmetschers Lex sowie eine Jean-Paul-Sammlung.

1937 wurde die Volksbibliothek Giesing gegründet, 1939 die Volksbibliothek Englschalking und 1941 die Volksbibliothek Pasing.

1943 wurden Teile der Bibliotheksbestände in Ausweichquartiere verlagert – meist nach Niederbayern.

Viele Bände „verbotenen und unerwünschten Schrifttums“ gelangten aus den Volksbibliotheken in die Stadtbibliothek. Hier konnten sie vor der angeordneten Vernichtung verschont werden. Sie wurden jedoch 1944 und 1945 bei den Luftangriffen auf München größtenteils zerstört: Die Bombardierungen beschädigen das zentrale Bibliotheksgebäude in der Weinstraße 13 erstmals am 18. März 1944 schwer. Weitere Bombardierungen am 17. Dezember 1944 und am 7. Januar 1945 vernichteten die dortigen Bestände. Auch fünf Volksbibliotheken fielen den Bombardements zum Opfer. Die restlichen Volksbibliotheken wurden durch die Luftangriffe mehr oder weniger stark beschädigt.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten alle Kinderlesestuben und Zeitungslesehallen geschlossen werden, da das Personal zu „kriegswichtigen“ Arbeiten abgezogen wurde. Dennoch konnten die größeren Bibliotheken und die Städtische Musikbibliothek – damals am Salvatorplatz – relativ gut über den Krieg gerettet werden, dank des hohen Einsatzes der wenigen verbliebenen Mitarbeiter. Das Schallplattenarchiv wie auch Teile der Noten- und Bücherbestände der Musikbibliothek fielen der Zerstörung zum Opfer.

Kriegsende, Nachkriegszeit und Wiederaufbau