Australien (amtlicher deutscher Name; Commonwealth of Australia, deutsch veraltet Australischer Bund) ist ein Staat auf der Südhalbkugel der Erde, der das Festland des australischen Kontinents, die ihm südlich vorgelagerte Insel Tasmanien, die subantarktische Macquarieinsel mit ihren Nebeninseln und als Außengebiete die pazifische Norfolkinsel, die Kokosinseln, die Weihnachtsinsel, die Ashmore- und Cartierinseln sowie Heard und die McDonaldinseln im Indischen Ozean umfasst. Seit 1933 erhebt das Land auch Ansprüche auf das Australische Antarktis-Territorium. Mit dem Antarktis-Vertrag wurde die Geltendmachung für unbestimmte Zeit aufgeschoben. Die Nachbarstaaten Australiens sind Neuseeland im Südosten sowie Indonesien, Osttimor und Papua-Neuguinea im Norden.
Australien hat knapp über 27,2 Millionen Einwohner und ist dünn besiedelt. Australiens ursprüngliche Bevölkerung, die Aborigines, wurden im Zuge des Siedlerkolonialismus ab 1788 systematisch verdrängt. Mit einer Fläche von mehr als 7,6 Millionen km² nimmt es unter den Staaten der Erde den sechsten Platz ein. Die Hauptstadt ist Canberra, die größte Stadt ist die Metropole Sydney. Weitere Ballungsräume sind Melbourne, Brisbane, Perth, Adelaide und Gold Coast.
Australien ist gemessen an seinem Pro-Kopf- und Gesamtvermögen eines der wohlhabendsten Länder der Welt und belegte 2023 von 193 Staaten den siebten Platz des Index der menschlichen Entwicklung. Das Land verfügt über eine hochmoderne Service- und Dienstleistungsökonomie und über bedeutende Rohstoffvorkommen. Seine Kultur und Wirtschaftskraft machen es zu einem attraktiven Ziel für Migranten, allerdings legt die Migrations- und Asylpolitik Australiens strenge gesetzliche Kriterien für die Einwanderung an.
Landesname Die Bezeichnung „Australien“ ist etymologisch vom lateinischen Begriff terra australis abgeleitet, was „südliches Land“ bedeutet. Schon in der Antike wurde angenommen, dass es einen südlich gelegenen Kontinent gibt, der terra australis incognita genannt wurde. Die Verbreitung des Namens Australien geht auf den Entdeckungsreisenden Matthew Flinders (1774–1814) zurück, der den Namen Australia nach seiner Umrundung des Kontinents von 1801 bis 1803 in seine händisch angefertigte Karte eintrug und sie in einem Buch über seine Reise im Jahr 1814 publizierte. Am Ende der 1820er Jahre hatte sich der Name Australia allgemein durchgesetzt.
Eine andere Version schildert Australien als „zu Ehren des spanischen Hauses Österreich“ so benannt in der Geschichte des Domus Austria, des damaligen Weltreiches des Habsburger, die Maximilian III. bei Franz Guillimann in Auftrag gab.
Heutzutage wird die Bezeichnung „Australien“ mehrdeutig verwendet. Geografisch versteht man darunter die zentrale Landmasse des Kontinents abzüglich der der Südostspitze des Kontinents vorgelagerten Insel Tasmanien. Politisch dient die englische Bezeichnung „Australia“ als Kurzform der offiziellen Staatsbezeichnung „Commonwealth of Australia“, die die Insel Tasmanien als Bundesstaat sowie die australischen Außengebiete einschließt.
Umgangssprachlich bezeichnet man das Land auch als Oz, was sich von der Kurzform des Wortes „Australia“ in der englischen Aussprache herleitet. Die Sammelbezeichnung Down Under fasst die Länder Australien, Neuseeland und deren umliegende Inseln zusammen.
Geografie
mini|Der im Northern Territory 340 km südwestlich von Alice Springs im Outback gelegene 348 m hohe Inselberg Uluṟu („Ayers Rock“) – eines der Wahrzeichen Australiens
Die Fläche des australischen Kontinents umfasst nahezu 7,7 Millionen Quadratkilometer.Ernst Löffler: 1. Einführung, 1.1 Australiens Charakterzüge. In: Ernst Löffler, Reinhold Grotz: Australien (= Wissenschaftliche Länderkunden. Band 40). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1995, ISBN 978-3-534-04134-3, S. 2. Davon sind circa 59.000 km² Wasserfläche. Es handelt sich damit um den flächenmäßig sechstgrößten Staat der Erde. Die Küstenlinie ist nach offizieller Vermessung 25.760 km lang. Den tiefsten Punkt des australischen Kontinents bildet der im Bundesstaat South Australia gelegene Salzsee Lake Eyre, der 17 m unter dem Meeresspiegel liegt. Der höchste Punkt der Hauptlandmasse ist der Mount Kosciuszko mit 2228 m, der höchste Berg des ganzen australischen Hoheitsgebiets ist mit 2745 m der auf der unbewohnten Insel Heard gelegene Big Ben. Das australische Kerngebiet ist in drei Zeitzonen aufgeteilt. Die australischen Außengebiete liegen teilweise in anderen Zeitzonen.
Australiens Nord-Süd-Ausdehnung von der Kap-York-Halbinsel bis zum Südostkap auf Tasmanien beträgt ungefähr 3860 km. Die Ost-West-Ausdehnung beläuft sich auf circa 4000 km.
Großlandschaften Es lassen sich geographisch drei Großlandschaften unterscheiden: die östliche, die mittlere und die westliche Großlandschaft.
Die westliche Großlandschaft, das Tafelland des westaustralischen Plateaus, nimmt etwa 60 % der australischen Landmasse ein. Hier liegen die großen Trockengebiete der Großen Sandwüste, der Kleinen Sandwüste, der Gibsonwüste, der Großen Victoriawüste und der Nullarbor-Wüste. Kleinere Gebirge wie die MacDonnell Ranges und Inselberge wie der Uluru sind in großer Anzahl vorhanden.
Östlich schließt sich die mittlere Großlandschaft, das Sedimentbecken der Mittelaustralischen Senke beziehungsweise das zentrale Tiefland, an. Hier befindet sich mit der Simpsonwüste sowohl die trockenste Region des Landes als auch das größte Fluss-System, das Murray-Darling-Becken. In der mittleren Großlandschaft befinden sich sowohl periodisch austrocknende Süßwasserseen als auch Salzseen.
Die Mehrheit der australischen Bevölkerung lebt in der östlichen Großlandschaft; die westliche und die mittlere Großlandschaft sind überwiegend unbewohnbar. Die östliche Großlandschaft umfasst die Übergänge vom Gebirge bis hinunter zur Küstenlandschaft. Dabei sind der Küste des Bundesstaates Queensland Korallenriffe vorgelagert, die in ihrer Gesamtheit das Great Barrier Reef bilden. Das diesen Teil des Landes prägende Gebirge ist der Höhenzug der Great Dividing Range, die sich von Norden nach Süden über 3200 km erstreckt. Tasmanien wird geologisch als Fortsetzung der Gebirgskette der Great Dividing Range angesehen. Zur Great Dividing Range gehörenden die Snowy Mountains mit dem Mount Kosciuszko. Zwischen dem Gebirge und dem Küstenstreifen liegt die Ökozone von Wäldern gemäßigten Klimas.
Die großen Wüsten- und Halbwüstengebiete Australiens gehören komplett zum Outback. Damit werden die weitgehend unbesiedelten Wildnisregionen bezeichnet, die über 70 Prozent der gesamten Fläche ausmachen.Jennifer Edgerton: 180 Days of Geography for Sixth Grade: Practice, Assess, Diagnose 180 Days of Practice. Teacher Created Materials, 2018, ISBN 1-4258-3307-1, S. 87.
Schutzgebiete Anfang Juni 2022 gab es in Australien über 11.000 geschützte Landgebiete mit zusammen über 1,8 Millionen km² Fläche, darunter zwölf Weltnaturerbe-Gebiete, 755 Nationalparks (insgesamt rund 353.000 km²) und 91 Indigenous Protected Areas (insgesamt rund 747.600 km² auf dem Land der Aborigines und von ihnen gemanagt). 1997 waren es im Vergleich 5645 Gebiete mit 0,6 Millionen km².Australian State of the Environment Committee: Australia State of the Environment 2006. Commonwealth of Australia 2006, ISBN 0-642-55300-9 Es gibt mit fast 50 Typen sehr viele verschiedene Arten von Nationalparks und Schutzgebieten: Der stärkste Schutz vor Eingriffen besteht in den beiden internationalen IUCN Schutzgebietskategorien 1a und 1b (Strict Nature Reserve/Wilderness Area), von denen es in Australien über 2.500 gibt (die größten liegen fast ausnahmslos im Outback).
Klima
Durch die globale Erwärmung ist die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden und Buschfeuern in Australien gestiegen. Der Klimabericht des Australischen Wetterdiensts und der Forschungsorganisation CSIRO belegt dies. Bereits unterhalb von einem Grad Erwärmung dehnt sich „mit hoher Konfidenz“ die Waldbrandsaison aus. Im Jahr 2019 gab es in Australien Brände auf rund vier Millionen Hektar Fläche.Australiens Marine soll Eingeschlossenen helfen. In: spiegel.de. 1. Januar 2020, abgerufen am 11. April 2020. Dies entspricht der Fläche der Schweiz.
Die Folgen des Klimawandels für Australien sind dramatisch. Es gibt immer mehr Rekordhitze und -dürre. Große Flusssysteme, die für die Süßwasserversorgung kritisch sind (wie das Murray-Darling-Becken), brechen zusammen. Dem gegenüber gibt es mehr katastrophale Überschwemmungen. Klimawissenschaftler Michael E. Mann kritisierte Premierminister Scott Morrison dafür, dass es trotz Akzeptanz des Problems keinen Willen in der australischen Regierung gebe, etwas anderes zu tun, als Anpassung und Widerstandsfähigkeit zu fördern.
Flora und Fauna
Städte und Siedlungen Im Jahr 2023 lebten 87 Prozent der Einwohner Australiens in Städten. Die Hauptstadt Canberra, zwischen Sydney und Melbourne gelegen, ist eine Stadt vom Reißbrett, eine Planhauptstadt. Sie entstand als Kompromiss, weil sich Sydney und Melbourne nicht darauf einigen konnten, welche der beiden Städte Hauptstadt des Commonwealth of Australia werden sollte. Die bevölkerungsreichsten Städte sind die Küstenstädte Melbourne (5,1 Millionen Einwohner), Sydney (5,0 Millionen Einwohner), Brisbane (2,6 Millionen Einwohner), Perth (2,3 Millionen Einwohner) und Adelaide (1,4 Millionen Einwohner); die landeinwärts gelegene Hauptstadt Canberra (503.400 Einwohner) liegt nach Gold Coast und Newcastle nur auf Platz 8.
Bevölkerung Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich im Englischen zur Bezeichnung der Australier der umgangssprachliche Begriff „Aussie“ sowie dessen alternative Schreibweise „Ozzie“ etabliert.
Demografie
mini|Bevölkerungsentwicklung (in Tausend) von 1788 bis 2008 (mit Hinweisen) mini|Bevölkerungspyramide Australiens 2017
Im Jahr 2025 lebten in Australien 26,77 Millionen Menschen. Die Zusammensetzung der australischen Bevölkerung spiegelt die Einwanderungsmuster des Landes wider. 2,4 % der Bevölkerung bezeichnen sich als zumindest teilweise indigener Abstammung, rund 92 % der Bevölkerung sind europäischer und 7 % asiatischer Abstammung. Rund 85 % der Australier mit europäischen Vorfahren sind britischer beziehungsweise irischer Abstammung. Weitere europäische Herkunftsländer bilden Italien (916.121), Deutschland (898.674), Griechenland (378.270), Polen (170.354), Kroatien (126.270), Nordmazedonien (93.570) und Serbien (69.544). Über 1,3 Millionen Australier haben mindestens einen deutschen Vorfahren. Die asiatischen Einwanderer stammen vorwiegend aus China, Indien, Vietnam, Pakistan und Sri Lanka. 79 % der Bevölkerung sprechen Englisch beziehungsweise australisches Englisch, was es zur am meisten gesprochenen Sprache macht. Je rund 2 % der Bevölkerung sprechen entweder Italienisch oder eine der chinesischen Sprachen.
Seitdem in den 1960er Jahren die „weiße“ Einwanderungspolitik Australiens allmählich aufgehoben wurde, verstärkt sich vor allem die Immigration aus den asiatischen Ländern. In den 1990er Jahren wuchs die Bevölkerung durch Einwanderung um 1,4 % jährlich. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist nicht im Land geboren. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,6, die der Region Ostasien und Ozeanien betrug 1,5. Die Lebenserwartung der Einwohner Australiens ab der Geburt lag 2025 bei Frauen bei 86 Jahren, bei Männern bei 81 Jahren. Bei Aborigines lag sie um 20 Jahre niedriger (WHO, 1999). Die Kindersterblichkeit liegt bei 4,7 pro 1000 Geburten. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2025 bei 38,1 Jahren.
Australien ist sehr stark urbanisiert. Im Jahr 2023 lebten 87 Prozent der Einwohner Australiens in Städten. vor allem in den großen Zentren an der Südostküste, auf Tasmanien und im Großraum Perth. Das Zentrum des Landes ist nahezu menschenleer.
Indigene
mini|hochkant=0.8|links|Albert Namatjira (1902–1959), einer der berühmtesten indigenen Maler Australiens