mini|hochkant=1.2|Münster Schwarzach von Südost Das Münster Schwarzach im Ortsteil Schwarzach der Gemeinde Rheinmünster (Landkreis Rastatt in Baden-Württemberg) ist der romanische Nachfolgerbau der 826 erstmals urkundlich erwähnten Kirche St. Peter und Paul der ehemaligen Benediktinerabtei Schwarzach.

Das Münster in Schwarzach ist nicht zu verwechseln mit der Benediktinerabtei Münsterschwarzach in Bayern.

Geschichte des Klosters mini|Schwarzacher Klosterbesitz (ca. 1750) mini|Das barocke Klostertor mini|Barocke Offizin aus dem Kloster Schwarzach, heute im Deutschen Apothekenmuseum Das von Graf Ruthard um 748/749 auf einer damaligen Rheininsel zwischen Drusenheim und Stollhofen gegründete Kloster Arnulfsau wurde später hierher verlegt.Hans Jänichen, Warin, Rudhart und Scrot. Besitzgeschichtliche Betrachtungen zur Frühgeschichte des Stiftes Buchau. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. Bd. 14, 1955, S. 372–384 In der Ende des 9. Jahrhunderts geschriebenen Pirminsvita wird Suarzaha (Schwarzach) als Gründung Pirmins genannt. Die älteste erhaltene Erwähnung des Klosters stammt von 826. Ab wann der Ort Schwarzach am Kloster entstand, lässt sich nicht zweifelsfrei feststellen.

Ein bedeutendes kunsthistorisches Zeugnis ist das Schwarzacher Köpfchen, eine kleine bemalte Glasscheibe, die bei archäologischen Ausgrabungen im heutigen Münster Schwarzach in den 1960er Jahren zu Tage kam. Sie wird auf das Ende des 10. Jahrhunderts datiert, wurde im Kloster Reichenau geschaffen und gilt als die älteste erhaltene figürliche Glasmalerei in Europa.Rüdiger Becksmann: Glasmalereifund aus Kloster Schwarzach. In: Jahrbuch der Staatlichen Kunstsammlungen in Baden-Württemberg 2007. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2007, S. 132. Sie befindet sich heute im Badischen Landesmuseum Karlsruhe.

Nach der Zerstörung des karolingischen Vorgängerbaus des Straßburger Münsters übergab 1014 Kaiser Heinrich II. das Kloster Schwarzach an Werner I. von Habsburg, Bischof von Straßburg, um den Straßburger Neubau zu finanzieren.

1032 gab König Konrad II. das Kloster als Lehen an die Bischöfe von Speyer, die das Kloster finanziell ausbeuteten. Erst Heinrich IV. entließ das Kloster aus der Lehensabhängigkeit von Speyer. Für 1143 meldet die Geschichtsschreibung die Ankunft eines neuen Abts, Konrad aus Hirsau. Seinen Maßnahmen bzw. denen seines Nachfolgers Hiltibert könnte man den Beginn des heute bestehenden Kirchenbaus im Sinne der Hirsauer Reform zuschreiben. Im 13. Jahrhundert musste sich die Abtei mit ihren Vögten, vor allem den Rittern von Windeck, auseinandersetzen. Später lagen die Vogteirecht des Klosters bei den Herren von Lichtenberg.Gisela Probst: Die Memoria der Herren von Lichtenberg in Neuweiler (Elsass). Adelphus-Teppiche, Hochgrab Ludwigs V. (gestorben 1471), Heiliges Grab (1478), Glasmalereien. Deutscher Verlag für Kunstwissenschaft, Berlin 2015. ISBN 978-3-87157-241-8, S. 29.

Die weitere herrschaftliche Zuordnung des Klosters ist schwierig. Gegen die von den Markgrafen von Baden aus ihrer seit 1422 bestehenden Schutzherrschaft über das Kloster abgeleiteten landesherrlichen Rechte klagte das Kloster über die Jahrhunderte. Ein Prozess vor dem Reichskammergericht in Wetzlar wurde bis zum Ende des Klosters nicht entschieden. Das Kloster musste durch den Bauernkrieg 1525 und den Dreißigjährigen Krieg Zerstörungen erdulden. 1653 erfolgte die Übertragung der Gebeine der Heiligen Rufina nach Schwarzach, was ein Wiederaufleben des klösterlichen Lebens bewirkte. Das Kloster wurde auch im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688–1697 beschädigt, aber bereits um 1724/32 nach Plänen von Peter Thumb in barockem Stil umso prächtiger erneuert. 1802/03 beendete die Säkularisation die Existenz des Klosters Schwarzach; Baden übernahm Besitz und Gebäudekomplex. Teile der Abtsjuwelen wurden in der badischen Krone weiterverwendet. Von der ehemaligen Klosteranlage sind außer der Kirche nur noch einige Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude mit dem Klosterportal aus den Jahren 1761 bis 1790 vorhanden.

Kirche Die ehemalige Klosterkirche ist heute eine Pfarrkirche der römisch-katholischen Kirchengemeinde Baden-Baden in der Erzdiözese Freiburg.

Baugeschichte Der heute erhaltene Kirchenbau, „das späteste Beispiel der Hirsauer Bauschule“Ulrich Coenen: Die Abteikirche Schwarzach als spätestes Beispiel der Hirsauer Bauschule. In: Martin Walter (Hrsg.): Münster und Kloster Schwarzach – Geschichte, Architektur und Gegenwart (= Sonderveröffentlichung des Kreisarchivs Rastatt, Band 12). BadnerBuch-Verlag, Rastatt 2016, ISBN 978-3-944635-16-3, S. 163–122., wurde als – nach den Ergebnissen archäologischer Untersuchungen in den 1960er JahrenGernot Vilmar: Die Ausgrabungen. In: Arnold Tschira: Die ehemalige Benediktinerabtei Schwarzach, zweite veränderte und erweiterte Auflage der 1969 erschienenen Gedenkschrift für Arnold Tschira. Hrsg. Institut für Baugeschichte an der Universität Karlsruhe und Koldewey-Gesellschaft, Konkordia GmbH für Druck und Verlag, Bühl/Baden 1977, S. 80–86. – bereits vierte Kirche an dieser Stelle errichtet.Peter Marzolff: Zur Baugeschichte der mittelalterlichen Kirche. In: Martin Walter (Hrsg.): Münster und Kloster Schwarzach – Geschichte, Architektur und Gegenwart (= Sonderveröffentlichung des Kreisarchivs Rastatt, Band 12). BadnerBuch-Verlag, Rastatt 2016, ISBN 978-3-944635-16-3, S. 155–162, hier S. 156. Dabei ist das genaue Baudatum mangels schriftlicher Quellen unbekannt. Wissenschaftlich weitgehend etabliert ist eine aus ähnlichen Bauten erschlossene, baustilistische Spätdatierung um 1220/30.Clemens Kieser, Karlfriedrich Ohr, Wolfgang Stopfel, Martin Walter: Kunst- und Kulturdenkmale im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden. Hrsg. Landkreis Rastatt und Stadt Baden-Baden, Konrad-Theiss Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1599-5, S. 308.

Bei genauer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass das Kirchengebäude nicht einheitlich in einem Zug errichtet ist, sondern das Ergebnis mehrerer Planwechsel und „Teilphasen“Peter Marzolff: Zur Baugeschichte der mittelalterlichen Kirche. In: Martin Walter (Hrsg.): Münster und Kloster Schwarzach – Geschichte, Architektur und Gegenwart (= Sonderveröffentlichung des Kreisarchivs Rastatt, Band 12). BadnerBuch-Verlag, Rastatt 2016, ISBN 978-3-944635-16-3, S. 155–162, hier S. 158. ist. Deutliche Zeichen hierfür sind die verschiedenen Baumaterialien der Fassaden sowie eine „Trennlinie“ zwischen Langhaus und Ostteilen.

Auch nach der Fertigstellung wurde im Laufe der Jahrhunderte weitergebaut. Markanteste äußere Zeichen sind der später hinzugekommene Vierungsturm sowie die im 18. Jahrhundert im Zuge einer großen barocken Klostermodernisierung verbreiterten Seitenschiffe.Eckart Rüsch: Der Barockumbau der ehemaligen Abteikirche Schwarzach und dessen Restaurierungen im 19. und 20. Jahrhundert, in: Die Ortenau, Jg. 72, 1992, S. 403–433. (Digitalisat auf dl.ub.uni-freiburg.de, abgerufen am 15. Juni 2024)

Die heutige äußere und innere Gestalt der ehemaligen Klosterkirche blendet die nachromanische Baugeschichte weitgehend aus, weil sie ein stilreines Bild der romanischen Architektur vermitteln soll, das auf einen von dem Karlsruher Bauforscher Arnold Tschira geleiteten Umbau mit einer durchgreifenden Purifizierung von 1964–1969 zurückgeht. Tschira ließ u. a. die barocken Seitenschiffe abreißen und romanisierend rekonstruieren und unternahm zudem den Versuch einer Wiederherstellung der ursprünglichen roten Innenfarbigkeit. Dafür wurde die neoromanische Innenausstattung der von Josef Durm 1887–1897 geleiteten Restaurierung weitgehend entfernt.Joachim Göricke: Die Restaurierungsarbeiten an der Kirche. In: Arnold Tschira: Die ehemalige Benediktinerabtei Schwarzach, zweite veränderte und erweiterte Auflage der 1969 erschienenen Gedenkschrift für Arnold Tschira. Hrsg. Institut für Baugeschichte an der Universität Karlsruhe und Koldewey-Gesellschaft, Konkordia GmbH für Druck und Verlag, Bühl/Baden 1977, S. 72–79.

Das Gebäude Die Kirche ist der einzige in Backstein ausgeführte Großbau der Romanik am Oberrhein. An der Ostseite erkennt man, dass die frühesten Bauteile aus rotem Sandstein errichtet sind, doch auf halber Höhe wechselt das Material zu Backstein. Die Westfassade dagegen ist wieder vollständig aus Sandstein. An ihrer Wand sieht man zudem die Ansätze einer Vorhalle.

Das Westportal hat ein Tympanon mit Christus zwischen den Aposteln Petrus und Paulus. Das Langhaus der flachgedeckten Säulenbasilika zeigt reichgeschmückte Würfel- und Kelchblockkapitelle, wie sie in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts im Umfeld von Worms und Straßburg oft zu sehen sind. Lediglich das Altarhaus ist kreuzrippengewölbt. Die Seitenschiffe des Altarhaues enden in Apsiden; ursprünglich waren an den Querarmen noch zwei weitere Apsiden angebaut, so dass eine eindrucksvolle Ostansicht mit einem Staffelchor aus fünf Apsiden entstand (rekonstruiert). Ähnliche Grund- und Aufrisse zeigen die Kirchen reformorientierter Benediktinerklöster etwa in Gengenbach, Hirsau und Alpirsbach. Die stark verjüngten Säulen im Innenraum auf mächtigen, mit Eckknollen ausgestatteten Basen und Kelchblock- sowie Polsterkapitellen weisen ebenso wie die zugespitzten Vierungsbögen auf die spätromanische Entstehungszeit hin. Ein Pfeiler am Ostende der Arkade deutet den »chorus minor« an. Gotische Spitzbögen finden sich an den Schallfenstern des später entstandenen Vierungsturms. Das Chorgestühl, Nebenaltäre sowie der jetzt im nördlichen Querhausarm stehende große Hochaltar stammen ursprünglich aus der barocken Ausstattungsphase der Kirche und sind während der großen Umbaumaßnahme in den 1960er Jahren verändert und versetzt worden.Eckart Rüsch: Die Veränderungen der barocken Ausstattung in Chor und Querhaus der ehemaligen Abteikirche Schwarzach in Baden seit 1803. Ein Beitrag zur Geschichte der Denkmalpflege, in: Freiburger Diözesan-Archiv, Jg. 111, 1991, S. 249–258. (Digitalisat auf freidok.uni-freiburg.de, abgerufen am 15. Juni 2024)

mini|Hauptorgel Westempore

Orgeln Auf der Westempore befindet sich in einem barocken Rohrer-Gehäuse aus dem Jahr 1758 eine Orgel, die 1969 als Opus 1373 von der Firma Klais Orgelbau eingebaut wurde. Sie verfügt über 42 Register auf drei Manualen und Pedal mit zwei Spieltischen. Vorgängerinstrumente waren eine 1896 von Heinrich Volt & Söhne im gleichen Gehäuse eingebaute Orgel und die ursprüngliche Barockorgel von 1758 des Orgelbauers Johann Georg Rohrer. Die heutige Disposition lautet:

I Rückpositiv C–g3 Praestant 8′ Rohrgedackt 8′ Prinzipal 4′ Blockflöte 4′ Doublette 2′ Sesquialter II Mixtur IV 1′ Krummhorn 8′ Tremulant II Hauptwerk C–g3 Praestant 16′ Principal 8′ Bourdon 8′ Viola di Gamba 8′ Octav 4′ Holztraverse 4′ Quint ′ Superoctav 2′ Larigot ′ Cornett V Fourniture IV ′ Cymbale III ′ Trompete 8′ Clairon 4′ III Schwellwerk C–g3 Holzgedackt 8′ Quintatön 8′ Principal 4′ Rohrflöte 4′ Nasard ′ Quarte 2′ Tierce ′ Sifflet 1′ Acuta IV ′ Vox humana 8′ Tremulant Pedal C–f1 Principalbass 16′ Subbass 16′ Octavbass 8′ Gemshorn 8′ Superoctave 4′ Koppelflöte 4′ Hintersatz IV ′ Bombarde 16′ Trompete 8′ Schalmey 4′ Koppeln: I/II, III/II, III/I, I/P, II/P, III/P Spielhilfen: Zwei freie Kombinationen

Als zweites Instrument hat die Kirche eine Chororgel zur Verfügung, die ebenfalls von der Firma Klais stammt und als Opus 1491 im Jahr 1971 entstand. Diese Orgel hat sechs Register und ist nur von dem zweiten Generalspieltisch aus mechanisch anspielbar und besitzt keinen eigenen Spieltisch. Die mechanischen Registerzüge befinden sich im Rücken des Organisten am Gehäuse der Chororgel.

Glocken