mini|hochkant|Hans Grimm prägte den Ausdruck Volk ohne Raum mit seinem gleichnamigen Roman von 1926

Der Ausdruck Volk ohne Raum war ein Schlagwort in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus. Den Begriff prägte der völkische Schriftsteller Hans Grimm mit seinem 1926 erschienenen Roman Volk ohne Raum.

Mit dem Schlagwort wurde suggeriert, dass Not, Elend, Hunger und Armut auf die Überbevölkerung Deutschlands zurückzuführen seien und man deswegen im „Kampf ums Dasein“ neues Land (oft Lebensraum oder Lebensraum im Osten genannt) erobern müsse. Eng verbunden damit war die Behauptung, die Erde sei aufgeteilt und es sei ungerecht, dass ein so großes Volk wie das deutsche so wenig Land besitze. Diese Behauptung ist auch impliziert im geflügelten Wort Platz an der Sonne. Bernhard von Bülow sagte in einer Reichstagsdebatte am 6. Dezember 1897 im Zusammenhang mit der deutschen Kolonialpolitik: „Wir wollen niemand in den Schatten stellen, aber wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.“

An der Debatte um die Deutschen als „Volk ohne Raum“ und Afrika als „Raum ohne Volk“ beteiligte sich beispielsweise auch Konrad Adenauer. So forderte er auf einer Ausstellungstafel unter dem Titel „Raum ohne Volk“ bei der Kölner Ausstellung „Koloniale Sonderschau“ 1928: „Das Deutsche Reich muss unbedingt den Erwerb von Kolonien anstreben. Im Reiche selbst ist zu wenig Raum für die grosse Bevölkerung.“Detailaufnahme von der „Kolonialen Sonderschau“ (Kölner Ausstellung Pressa von 1928), Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft, UB Frankfurt, online einsehbar: Jessica Agoku: Koloniale Sonderschau auf der Pressa – 12. Mai bis 14. Oktober 1928. Ereignisse. Kopfwelten. https://web.archive.org/web/20091209122740/http://www.kopfwelten.org/kp/ereignisse/pressa1928/index.html Auch in seiner Funktion als Geschäftsführender Vizepräsident der Deutschen Kolonialgesellschaft von 1931 bis 1933 trieb er diese Bestrebungen voran.

Die Nationalsozialisten übernahmen das kolonialistische Schlagwort „Volk ohne Raum“, verorteten den Siedlungsraum statt in Übersee aber in Osteuropa. Dies sollte den deutschen Eroberungskrieg im Osten begründen bzw. legitimieren (es sollte ein Feldzug werden wie der Überfall auf Polen und der Frankreichfeldzug; tatsächlich wurde es ein fast vier Jahre währender Krieg). Schon das Parteiprogramm der NSDAP vom 24. Februar 1920 enthielt unter Punkt 3 die Forderung: „Wir fordern Land und Boden (Kolonien) zur Ernährung unseres Volkes und Ansiedlung unseres Bevölkerungsüberschusses.“ Anfang 1936 umriss Reichsbauernführer Walther Darré vor regionalen Mitarbeitern (Fachberatern) des Reichsnährstandes recht konkret die deutschen Eroberungspläne:

Dabei plante man die Ausrottung der Intelligenz in den eroberten Gebieten und die Versklavung der übriggebliebenen Bevölkerung. Dieses Ziel wurde religiös, sozialdarwinistisch und rassistisch begründet, so äußerte der Leiter der DAF, Robert Ley, vor dem Fachamt der DAF „Der Deutsche Handel“ am 17. Oktober 1939:

Siehe auch Agrarwirtschaft und Agrarpolitik im Deutschen Reich (1933–1945) Blut-und-Boden-Ideologie Ober Ost Drang nach Osten Generalplan Ost

Literatur Hans-Ulrich Wagner: Volk ohne Raum. Zur Geschichte eines Schlagwortes. In: Sprachwissenschaft. 17, 1992, , S. 68–109. (sprachwissenschaftliche Untersuchung) Arno Schoelzel: Volk ohne Raum. In: Kurt Pätzold, Manfred Weißbecker (Hrsg.): Schlagwörter und Schlachtrufe. Aus zwei Jahrhunderten deutscher Geschichte. Band 1. Militzke, Leipzig 2002, ISBN 3-86189-248-0, S. 111–118.

Belege

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