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Der Truppenübungsplatz Allentsteig (kurz TÜPl Allentsteig; früher Truppenübungsplatz Döllersheim) ist ein militärisches Sperrgebiet und Truppenübungsplatz im niederösterreichischen Waldviertel. Er wurde angelegt, nachdem es im März 1938 zum Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland gekommen war. Das NS-Regime hatte zuvor vehement die Aufrüstung der Wehrmacht betrieben und systematisch Vorbereitungen für den Überfall auf Polen und für andere Angriffskriege getroffen.

Der Truppenübungsplatz wurde zunächst nach Döllersheim benannt. Döllersheim war einer der wichtigsten Orte der insgesamt 40 Dörfer, die kurz nach dem „Anschluss“ 1938 für militärische Zwecke ausgesiedelt wurden.

Der Truppenübungsplatz Allentsteig hat eine Fläche von etwa 157 km² und ist damit der größte Österreichs.Truppenübungsplatz Allentsteig feiert seinen 50er, bmlv.gv.at, 14. September 2007.

Geschichte mini|Sitz des Kommandos des Truppenübungsplatzes: Schloss Allentsteig

Die Wehrmacht benötigte nach dem Anschluss Österreichs Übungsräume. Dazu wurde das relativ dünn besiedelte Döllersheimer Ländchen im Waldviertel ausgewählt. Mit fast 200 km² reichte es in Nord-Süd-Richtung von Göpfritz an der Wild bis zum Kamp, in West-Ost-Richtung von Zwettl bis Neupölla. Die Absiedlung erfolgte in vier Schritten zwischen Juni 1938 und Dezember 1941 und betraf ungefähr 6800 Menschen aus 42 Ortschaften und weiteren Rotten (siehe: Liste der für die Schaffung des Truppenübungsplatzes Döllersheim ausgesiedelten Ansiedlungen). Die Zweigstelle Ostmark der deutschen Ansiedlungsgesellschaft hatte ihren Sitz in Allentsteig. Anfänglich wurden den Bewohnern noch Ersatzhöfe mit entsprechenden Grundstücken zugeteilt; spätere Absiedler wurden dagegen praktisch vertrieben und erhielten nur geringe Abfindungen, die teilweise auf Sperrkonten lagen und nach Kriegsende nicht mehr ausbezahlt wurden.

Die Orte selbst wurden zwar entvölkert, aber auf Befehl von Adolf Hitler verschont, weil Hitlers Vater Alois Hitler in Strones nahe Döllersheim zur Welt gekommen war.

Während oder nach der Aussiedlung wurden militärische Einrichtungen mit Barackenlagern, Bunkern und Schießplätzen errichtet. Die erste Artillerieschießübung wurde am 8. August 1938 durchgeführt. 1941/42 wurde das Gebiet zum Heeresgutsbezirk erklärt und damit gemeindefrei. Im Durchschnitt befanden sich auf dem Übungsplatz 30.000–35.000 Soldaten. Er war damit einer der am stärksten belegten Übungsplätze im Deutschen Reich.

Nach der „Zerschlagung der Rest-Tschechei“, laut NS-Sprachgebrauch,NS-Archiv: Erledigung der Rest-Tschechei vom 21. Oktober 1938 wurde hier zusätzlich ein Sammellager für Beutegut eingerichtet. Auch Kriegsgefangenenlager wurden errichtet. In Edelbach waren französische Offiziere im Oflag XVII A interniert.

Aufstellungsstandort Bis Kriegsende wurden in Allentsteig zahlreiche Kampfverbände zusammengestellt und anschließend an eine der Fronten verlegt, zum Beispiel:

6. Dezember 1939 – Division Nr. 151

10. Oktober 1940 – 137. Infanterie-Division

2. September 1944 – Schatten-Division Niedergörsdorf

Nach dem Kriegsende Das Areal wurde am 9. Mai 1945, sofort nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht, von Soldaten der Roten Armee besetzt. Die provisorische Staatsregierung beschloss am 15. August 1945 die Wiederbesiedlung des Gebietes. Programme zur Organisation wurden erarbeitet und der Bevölkerung im Februar 1946 bekanntgegeben. Vorgesehen war, ehemalige Bewohner, die keine anderen Höfe im Austausch bekamen, sowie Heimatvertriebene aus Südtirol und Deutschböhmen anzusiedeln.

Am 27. Juli 1946 wurde der Truppenübungsplatz als Deutsches Eigentum von der Sowjetunion beschlagnahmt. Bis zu 60.000 Soldaten der Roten Armee übten dort gleichzeitig.

Außerdem wurde das Lager als Durchgangslager für sowjetische Kriegsgefangene genutzt, die in die Sowjetunion transportiert werden sollten. Die ursprünglich von der Wehrmacht nicht zerstörten Gebäude der entsiedelten Orte wurden von sowjetischen Soldaten zerschossen und zerstört. Sie verkauften Material aus den Abbruchhäusern auf dem Schwarzmarkt. Auch die Waldgebiete wurden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die Besatzung zog am 17. September 1955 vom Truppenübungsplatz ab und der Platz ging in das Eigentum der Republik Österreich über.

Niederösterreichische Landtagsabgeordnete und die Landwirtschaftskammer setzten sich für eine Wiederbesiedlung durch Bauern in neu zu errichtenden Bauernhöfen mit Grund ein. Sie planten zehn bis zwölf neue Dörfer. Zeitungen lancierten Projekte wie das einer europäischen Universität und eines Kernreaktors für friedliche Zwecke. Das neu entstehende Bundesheer benötigte ebenfalls Übungsräume und sah eine Übernahme als eine billige Lösung an. Ehemalige Bewohner stellten Anträge auf Rückerstattung.

Die Bundesregierung Raab II unter Julius Raab beschloss im Zuge der Staatsvertrags­durchführungs­gesetze 1957, dass Aussiedler kein Recht mehr auf ihren früheren Besitz hatten. Im selben Jahr wurden 157 km² an das Bundesheer übergeben. Beträchtliche Randgebiete des Truppenübungsplatzes wurden 1959 an die Windhag’sche Stipendienstiftung übergeben, obwohl diese vor 1938 weit weniger Grund besessen hatte. Die in diesen Randgebieten lebenden Menschen wurden in den darauffolgenden Jahren ausgesiedelt. Der Name wurde 1964 auf Truppenübungsplatz Allentsteig geändert und die bisher gemeindefreie Fläche wurde wieder Gemeinden zugeordnet, nämlich Allentsteig im Norden, Göpfritz an der Wild im Nordosten, Röhrenbach im Osten, Pölla im Südosten und Zwettl-Niederösterreich im Westen. Das Gebiet wird bis heute vom Österreichischen Bundesheer als Übungsplatz verwendet und blieb daher unbesiedelt.

Eine Fläche von ca. 3000 ha wurde von Bauern bewirtschaftet, die diese Flächen vom Bundesheer pachteten. Die Pachtverträge galten jeweils nur ein Jahr, da zukünftige Schäden durch das Militär nicht absehbar waren. Für vom Bundesheer verursachte Schäden bekommen sie auch keine Entschädigung; deshalb sind für diese Verträge, die in den meisten Fällen verlängert werden, nur geringe Pachtbeträge zu zahlen.Allentsteig: Darabos verärgert Bauern und Militär in der Presse vom 2. März 2012, abgerufen am 5. März 2012.

In Döllersheim wurden die Kirche und der Friedhof restauriert und 1984 neu geweiht. Auch die Ruine des Bürgerspitals wurde konserviert. Zum Gedenken an die Ausgesiedelten gibt es in Allentsteig ein Museum.www.aussiedlermuseum.at ('Aussiedlermuseum Allentsteig im Schüttkasten').

Für Unmut bei den rund 200 Bauern, die Pachtflächen bewirtschaften, sorgte 2012 der von Minister Norbert Darabos gebrachte Vorschlag, den Heeresforsten, die in diesem Fall die Partner der Bauern sind, die Verwaltung zu entziehen und diese den Bundesforsten zu übertragen. Dadurch könnten sich die Pachtverträge ändern und den Bauern die Existenzgrundlage entzogen werden. Den Protesten der Bauern schloss sich auch die Holzindustrie an, die um die Existenz von rund 30 Sägewerken durch eine Rohstoffmonopolisierung fürchtete.Allentsteig: Weitere Proteste gegen Darabos-Pläne auf ORF vom 9. April 2012

Dass die Aussiedlungen im Jahr 1938 nicht unter politische Verfolgung fallen, hat erst 2012 wieder ein Höchstgericht entschieden – daher erfolgt auch keine Restitution.Keine Restitution von Feldern in Allentsteig in der Presse vom 19. Juli 2012, abgerufen am 20. Juli 2012.

Der Truppenübungsplatz heute

mini|Kirche im Lager Kaufholz

Als Kasernen des Bundesheeres befinden sich heute das Lager Kaufholz und die Liechtenstein-Kaserne auf dem Areal. Heute stehen 38 Trainingslager und 1500 Unterkünfte zur Verfügung. Der Übungsplatz wird jährlich von etwa 30.000 Soldaten genutzt.

Am 7. Oktober 2023 eröffnete Verteidigungsministerin Klaudia Tanner die ersten drei generalsanierten Mannschaftsunterkünfte (M1, M2, M3) und übergab diese zur Nutzung an die übende Truppe. Im Zuge der Bauführung wurde die komplette Infrastruktur von der Wurzel bis zu den Objektanschlüssen erneuert. Besonderes Hauptaugenmerk wurde bei der Generalsanierung auf Umweltschutz und Nachhaltigkeit gelegt. Es erfolgte eine Wärmedämmung und die Installation von Photovoltaik auf den Dächern. In der zweiten Bauphase werden bis 2025 zwei weitere Mannschaftsunterkünfte (M4, M5) ebenfalls generalsaniert und auf denselben, modernen Stand gebracht.

Kommandanten des TÜPl Allentsteig ab dem Jahr 2000

mini|Franz Teszar

2000 – 2002: Brigadier i. R. Franz TeszarEr löste im Jahr 2000 Brigadier Rudolf Wagnsonner ab (vgl. FOInsp Petra Polla: "Zum 100. Jubiläum – Die TÜPl-Rundschau im Laufe der Zeit." TÜPl Rundschau – Truppenzeitung des Truppenübungsplatzes Allentsteig, 25. Jg., 3. Ausgabe 2020 (100), S. 16) 2003 – 2009: Brigadier Leopold Cermak 29. Jänner 2010 – 30. November 2017: Oberst Josef Fritz 8. Jänner 2018 – 31. August 2019: Oberst Konstantin LütgendorfParlamentarische Materialien 6557/J XXVII. GP eingelangt 6. Mai 2021, Anfrage Abg.z.NR Alfred Kainz. - 2019 hat das BMLV eine Organisationsänderung des TÜPl angeordnet. 31. August 2019 – 31. März 2025: Oberst Herbert Gaugusch (interimistisch) 1. April 2025 – 24. April 2026: Brigadier Christian Riener 24. April 2026 – laufend Konstantin Oberleitner

Wichtige Informationen zum TÜPl heute

Am Truppenübungsplatz ist das Aufklärungs- und Artilleriebataillon 4 (ehemalig PzAB3) stationiert, welches von Oberstleutnant Matthias Wimmer kommandiert wird. Dieses Bataillon untersteht derzeit der 4. Panzergrenadierbrigade aus Hörsching.

Durch das Areal führt die Landesstraße 75, die eine wesentliche Fahrzeitverkürzung in den Ort Allentsteig bringt. Diese Landesstraße muss aber bei Übungsbetrieb für den zivilen Verkehr gesperrt werden. Bahnverladungen der auf dem TÜPl übenden Einheiten finden regelmäßig in der Verladestelle Wurmbach der Franz-Josefs-Bahn statt.

Aufgrund seiner isolierten Lage ist der Truppenübungsplatz Allentsteig auch ein in Europa einzigartiges Naturgebiet mit seltener Fauna und Flora.

Das Bundesheer ist ein wichtiger regionaler Arbeitgeber mit etwa 600 Beschäftigten. In den nächsten Jahren soll in ein Sicherheitszentrum investiert werden, in dem auch Schulungs- und Testzentren für in- und ausländische Katastrophenschutzorganisationen vorgesehen sind.Sicherheitszentrum am Truppenübungsplatz orf.at, 8. Oktober 2007, abgerufen am 28. Dezember 2022. Seit 2006 kooperiert der Truppenübungsplatz mit vier Gemeinden der Region in der Kleinregion ASTEG.

Ab Juli 2020 wurde durch Melker Pioniere am TÜPl Allentsteig von der Behörde geforderte Brandschutzstreifen im Wald angelegt. Die Rodung erfolgt mit einem vor einen Panzer gespannten Gerät mit rotierenden Schlägeln, um Blindgänger auszulösen.Die Melker Pioniere schaffen am Übungsplatz Allentsteig behördlich geforderte Brandschutzstreifen. Die splittergeschützten Maschinen zerstören durch einen sich drehenden Vorspann, der durch Drehbewegung in den Boden eindringt Blindgänger und Kampfmittel. Michael Bauer, twitter.com, 28. Juli 2020.

Spätestens ab 1992 haben wiederholt die deutsche Bundeswehr und die Schweizer Armee Übungen am TÜPl Allentsteig abgehalten.Gerald Navara, Eva Roither: Ein Artenschutz-Krimi : Tatort Artenschutz: Bär, Luchs, Adler, Wolf - und ihre schwierige Rückkehr orf.at, Radio Ö1, Hörbilder, gesendet am 29. Mai 2021, 9.05 Uhr, 7 Tage nachhörbar. Abschnitt Wölfe in Allentsteig. Aussage Kommandant Oberst Herbert Gaugusch, 39–40/54:51 min.