Sohlengänger sind Landwirbeltiere, die bei der Fortbewegung das gesamte Autopodium (anatomische Hand bzw. anatomischer Fuß), von der Handwurzel bis zu den Fingerspitzen bzw. von der Ferse bis zu den Zehen, auf den Boden aufsetzen. Dies wird auch als plantigrade Gangart (von und ) oder Plantigradie bezeichnet.
Merkmale und Vertreter Sohlengänger verfügen zumeist über fünf funktionale Finger bzw. Zehen. Daneben ist zum einen das Autopodium im Verhältnis zum Zeugopodium (anatomischer Unterarm bzw. Unterschenkel) oft relativ kurz und zum anderen ist das Zeugopodium meist in etwa genauso lang wie das Stylopodium (anatomischer Oberarm bzw. Oberschenkel). Bei Säugetieren ist in der Regel die Haut an der Unterseite (plantaren Fläche) des gesamten anatomischen Fußes bzw. der gesamten anatomischen Hand unbehaart und verhornt („schwielig“).
Zu den Sohlengängern zählen unter anderem Bären (Ursidae), Kleinbären (Procyonidae) und Menschenaffen (Hominidae). Bei den Menschenaffen, einschließlich des Menschen, ist die Plantigradie allerdings auf die Hintergliedmaßen beschränkt: Die Vertreter außerhalb der Gattung Homo gehen auf dem Handrücken (u. a. im Knöchelgang), der Mensch (Homo) ist obligat biped. Auch viele Beuteltiere, darunter Wombats und Kängurus sind prinzipiell plantigrad.Vera Weisbecker, Michael Archer: Parallel Evolution of Hand Anatomy in Kangaroos and Vombatiform Marsupials: Functional and Evolutionary Implications. Palaeontology. Bd. 51, Nr. 2, 2008, S. 321–338, doi:10.1111/j.1475-4983.2007.00750.x (Open Access)
Sohlengänger können, um optimal zu beschleunigen oder um zum Sprung anzusetzen, auf eine Art Zehengang (siehe unten) „umschalten“. Allerdings erreichen Sohlengänger in vollem Lauf im Schnitt geringere Höchstgeschwindigkeiten als obligate Spitzen- oder Zehengänger.
Abgrenzungen Von den Sohlengängern werden die Zehengänger (Digitigradie) und die Spitzengänger (Unguligradie) unterschieden. Jedoch existieren Übergangsformen, die unter anderem mit den Bezeichnungen semi-plantigrad („Ferse“ berührt nicht den Boden), semi-digitigrad (Ferse + proximales Metapodium berührt nicht den Boden) und semi-unguligrad (Ferse + Metapodium + proximalste Phalangen berühren nicht den Boden) bezeichnet werden. So werden Primaten in einigen Lehrbüchern allgemein als plantigrad bezeichnet,B. S. Tomar, S. B. Singh: Evolutionary Biology. 8., überarbeitete Auflage. Rastogi Publications, Meerut 2003, ISBN 81-7133-639-6, S. 145 in spezielleren Abhandlungen werden hingegen nicht-hominide Primaten als semi-plantigrad eingestuft, weil bei ihnen die Fußwurzel („Ferse“) beim Gehen nicht den Boden berührt (engl. auch heel-up plantigrady genannt).C. B. Cunningham, N. Schilling, C. Anders, D. R. Carrier: The influence of foot posture on the cost of transport in humans. The Journal of Experimental Biology. Bd. 213, 2010, S. 790–797, doi:10.1242/jeb.038984 (Open Access)Daniel L. Gebo: Locomotor Function across Primates (Including Humans). S. 530–544 in Clark Spencer Larsen (Hrsg.): A Companion to Biological Anthropology. Wiley-Blackwell, 2010, ISBN 978-1-4051-8900-2, S. 532
Entwicklungsgeschichtliche Aspekte Der Sohlengang im weiteren Sinn (einschließlich Semi-Plantigradie) ist die ursprüngliche Gangart der Landwirbeltiere. Sie tritt bei vielen Landwirbeltieren mit konservativem Habitus auf, beispielsweise bei Schwanzlurchen und „Echsen“ (Lacertilia). Auch die frühen Archosaurier, von denen sich die noch heute plantigraden Krokodile ableiten, besaßen einen plantigraden bis semi-plantigraden Gang. Spurenfossilien wie Chirotherium belegen dies. In den beiden Hauptentwicklungslinien der Amnioten, Sauropsida und Synapsida, entwickelten sich Digitigradie und Unguligradie oder Semi-Unguligradie mehrfach unabhängig voneinander (konvergent).
Anmerkungen
Literatur Christopher McGowan: The Raptor and the Lamb – Predators and Prey in the Living World, Penguin Books, London 1998, ISBN 0-14-027264-X P. David Polly: Limbs in mammalian evolution. S. 245–268 in: Brian K. Hall (Hrsg.): Fins into Limbs: Evolution, Development, and Transformation. University of Chicago Press, Chicago 2007, ISBN 978-0-226-31336-8 Wilfried Westheide, Reinhard Rieger (Hrsg.): Spezielle Zoologie. Teil 2: Wirbel- oder Schädeltiere. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2010, ISBN 978-3-8274-2039-8
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Arten der Fußung