mini|Logo des Europäischen Gewerkschaftsbunds Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB; ) ist der europäische Dachverband der Gewerkschaften mit Sitz in Brüssel (Belgien). Er vertritt 90 nationale (sektorübergreifende) Gewerkschaftsbünde aus 39 Ländern und 10 europäische (sektorale) Gewerkschaftsverbände mit insgesamt 45 Millionen Mitgliedern.Homepage des EGB, dort rechts unten "About us", abgerufen am 24. März 2019

Er ist nicht auf die Europäische Union beschränkt.

Geschichte mini|Heinz Oskar Vetter, Vorsitzender von 1974 bis 1979 mini|hochkant|Georges Debunne, Vorsitzender von 1982 bis 1985 Die sektor- und nationenübergreifende Organisation wurde am 9. Februar 1973 von 17 Gewerkschaftsbünden aus 15 Staaten gegründet und vertrat rund 29 Millionen gewerkschaftlich organisierte Mitglieder. Es ist eine Nachfolgeorganisation des Europäischen Bundes freier Gewerkschaften in der EWG und des "Gewerkschaftskongresses" der EFTA-Staaten.

Der erste Präsident des EGB war Victor Feather (Großbritannien), der von drei Vizepräsidenten unterstützt wurde, darunter Heinz Oskar Vetter vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der erste Generalsekretär des EGB war Theo Rasschaert (Belgien).

1974 wurden erste christliche Gewerkschaften und die erste früher kommunistische Gewerkschaft Mitglied. 1991 werden die Europäischen Gewerkschaftsverbände zu Vollmitgliedern; der EGB führt den Beobachterstatus ein, den zehn Bünde aus Ostmittel- und Osteuropa erhalten. 1995 werden erstmals Bünde aus Ostmittel- und Osteuropa als Vollmitglieder aufgenommen.Jon Erik Dølvik: Die Spitze des Eisbergs? Der EGB und die Entwicklung eines Euro-Korporatismus. 1999, S. 247.

Seit der Gründung fanden die folgenden Kongresse statt: 2. Kongress 1976 in London 3. Kongress 1979 in München 4. Kongress 1982 in Den Haag 5. Kongress 1985 in Mailand 6. Kongress 1988 in Stockholm 7. Kongress 1991 in LuxemburgDaten für 1.-7. Kongress s.: Europäisches Gewerkschaftsinstitut, Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB), Brüssel 1991 8. Kongress 1995 in BrüsselWilly Buschak (2003) (s. Literatur), S. 11 9. Kongress 1999 in Helsinki (englisch) 10. Kongress 2003 in Prag (englisch) 11. Kongress 2007 in Sevilla (englisch) 12. Kongress 2011 in Athen (englisch) 13. Kongress 2015 in ParisSeiten zum 13. Kongress 2015 in Paris, abgerufen am 15. März 2018 14. Kongress 2019 in WienDokumente und Resolutionen des 14. Kongresses, abgerufen am 13. Oktober 2021 15. Kongress 2023 in BerlinSeite des EGB zum 15. Kongress, abgerufen am 22. November 2023

Satzungsregelungen In der Präambel der Satzung des EGB (englisch, französisch), abgerufen am 28. März 2018 werden die Ziele des EGB beschrieben, als Adressaten der Aktivitäten insbesondere die Europäische Union, aber auch der Europarat, die EFTA sowie "andere europäische Institutionen und europäische Arbeitgeberorganisationen genannt, die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund und seinen regionalen Organisationen sowie weiteren Organisationen festgeschrieben.

Struktur Kongress (Artikel 8–11 der Satzung)

Der Kongress ist das oberste Gremium des EGB. Er wird alle vier Jahre einberufen. Der letzte Kongress fand im Jahr 2023 in Berlin statt. Der Kongress wählt neben den Mitgliedern des Exekutivausschusses auch den Präsidenten bzw. die Präsidentin. Des Weiteren bestimmt er den Generalsekretär und dessen zwei Stellvertreter.

Exekutivausschuss (Artikel 12–19 der Satzung)

Der Ausschuss trifft sich viermal im Jahr und besteht aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen. Er entscheidet über Mandat und Zusammensetzung der Delegationen für den Europäischen Sozialdialog.

Lenkungsausschuss (Artikel 20–23 der Satzung)

Der Lenkungsausschuss ist dafür verantwortlich, dass die Entscheidungen des Exekutivausschusses umgesetzt werden. Dieses kleinste der EGB-Gremien trifft sich acht Mal pro Jahr.

Aktuelle Situation Dem EGB gehören (Stand: August 2024) 94 nationale Gewerkschaftsbünde aus 40 europäischen Staaten und 10 europäische Branchenverbände mit insgesamt 45 Millionen Mitgliedern an.

Präsident des EGB ist seit 2023 der Österreicher Wolfgang Katzian. Generalsekretärin des EGB ist Esther Lynch. Stellvertretende Generalsekretäre sind Isabelle Schönmann und Claes-Mikael Stahl.https://www.etuc.org/en/organisation-and-people, abgerufen am 17. Jänner 2025

Der EGB arbeitet mit gewerkschaftlichen Akteuren aus den mit der EU assoziierten Ländern und Regionen zusammen und kooperiert auch mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund. Der EGB ist im Rahmen des Paneuropäischen Regionalrats (PERR) auch im IGB vertreten. Der PERR wurde einem Beschluss des im November 2006 in Wien abgehaltenen IGB-Gründungskongresses folgend anlässlich der Gründungsversammlung vom 19. März 2007 in Rom offiziell aus der Taufe gehoben.Die Stimme der europäischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. (Broschüre des EGB; PDF; 1,2 MB), abgerufen am 16. März 2018

11. Kongress (2007, Sevilla) Der 11. EGB-Kongress (21. bis 24. Mai 2007 in Sevilla) nahm u. a. das „Sevilla-Manifest“ (PDF) an. Danach plant der EGB, „in fünf zentralen Bereichen in die Offensive zu gehen“: Für einen europäischen Arbeitsmarkt Für den sozialen Dialog, Tarifverhandlungen und Arbeitnehmerbeteiligung Für eine effektivere wirtschaftliche, soziale und ökologische Governance in Europa Für eine stärkere EU Für stärkere Gewerkschaften und einen stärkeren EGB

12. Kongress (2011, Athen) Unter dem Motto „Mobilising for social Europe“ fand der 12. EGB-Kongress vom 16. bis 19. Mai in Athen statt. Vier Tage debattierten 500 Delegierte aus 36 Mitgliedsländern über die Ausrichtung der europäischen Gewerkschaftspolitik für die nächsten vier Jahre. Die DGB-Delegation war mit 27 Vertretern vor Ort.

Im „Athener Manifest“"Das Athener Manifest" (PDF, 4 S.), abgerufen am 15. März 2018 sind die wichtigsten Prioritäten zusammengefasst, mit denen sich die Gewerkschaften gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, gegen rigide Sparkonzepte und Beschäftigungsabbau stemmen.

So werden sich die europäischen Arbeitnehmerverbände aktiv für qualitatives Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und ein belastungsfähiges europäisches Sozialmodell einsetzen. Sie fordern die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die Harmonisierung der Besteuerungsgrundlagen und obligatorische Mindeststeuersätze für Unternehmen sowie die Auflage von EURO-Anleihen.

Der EGB fordert durchgreifende Regeln zur Kontrolle der Finanzmärkte und der privaten Ratingagenturen, die Schließung von Steuerparadiesen und die Unterbindung von überzogenen Managergehältern, zu Unrecht gewährten Bonuszahlungen und Abfindungen."Europäische Gewerkschaften beschließen 'Athener Manifest' zur Wirtschafts- und Finanzkrise" Pressemitteilung des DGB v. 19. Mai 2011, abgerufen am 15. März 2018

13. Kongress (2015, Paris) Ergebnisse: Das "Manifest von Paris""Das Manifest von Paris" (), abgerufen am 15. März 2018 mit demMotto "Solidarisch für hochwertige Arbeitsplätze, Arbeitnehmerrechte und eine gerechte Gesellschaft in Europe einstehen" undden "Prioritäten": A. Eine starke Wirtschaft, die den Menschen dient B. Stärkere Gewerkschaften für demokratische Werte und Demokratie bei der Arbeit C. Ein Kern ehrgeiziger Sozialstandards Das "EGB Aktionsprogramm 2015-2019""EGB Aktionsprogramm 2015-2019" (), abgerufen am 15. März 2018, das die Aussagen des "Manifests" konkretisiert.

Außerdem verabschiedete der Kongress Dringlichkeitsanträge zu den Themen: Flüchtlingskrise in Europa Grundrechten in Spanien Nordirland Solidarität mit den griechischen Arbeitnehmern Tisa Neuverhandlungsstrategie für das EU-Referendum im VK Betrieblicher Gesundheits- und Gefahrenschutz Solidarität mit den türkischen und kurdischen Journalisten, die Opfer der Repression sind

Nationale Gewerkschaftsbünde und europäische Gewerkschaftsverbände im EGB Nationale Gewerkschaftsbünde

Europäische Gewerkschaftsverbände Dem EGB gehören die folgenden europäischen Gewerkschaftsverbände an:European Trade Union Federations (10) (list of members), Seite des EGB, abgerufen am 17. März 2018 EuroCOP Dachverband europäische Polizeigewerkschaft, engl. European Confederation of Police, Europäische Allianz für Kunst und Unterhaltung, engl. European Arts and Entertainment Alliance (EAEA), Europäische Föderation der Bau- und Holzarbeiter (EFBH), engl. European Federation of Building and Woodworkers (EFBWW), Europäische Journalisten-Föderation (EJF), engl. European Federation of Journalists (EFJ), Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF), engl. European Transport Workers’ Federation (ETF), Europäischer Gewerkschaftsverband für den Öffentlichen Dienst (EGÖD), engl. European Federation of Public Service Unions (EPSU), Europäischer Verband der Landwirtschafts-, Lebensmittel- und Tourismusgewerkschaften, engl. European Federation of Food, Agriculture and Tourism Trade Unions (EFFAT), Europäisches Gewerkschaftskomitee für Bildung und Wissenschaft (EGBW), engl. European Trade Union Committee of Education (ETUCE), IndustriALL European Trade Union sowie UNI-Europa.

Der EGB ist Mitglied in der Europäischen Bewegung International.

Interregionale Gewerkschaftsräte Seit 1976 bestehen innerhalb des EGB Interregionale Gewerkschaftsräte als Strukturen zur Kooperation von Mitgliedsorganisationen in grenzüberschreitenden Regionen

Vorsitzende und Generalsekretäre mini|Ehemaliger Vorsitzender des Europäischen Gewerkschaftsbunds von 2015 bis 2019 Rudy De Leeuw VorsitzenderEuropean Trade Union Confederation Archives; Instituut voor Sociale Geschiedenis Amtszeit Mitglied Land Victor Feather 1973–1974 TUC Heinz Oskar Vetter 1974–1979 DGB Wim Kok 1979–1982 FNV Georges Debunne 1982–1985 ABVV Ernst Breit 1985–1991 DGB Norman Willis 1991–1993 TUC Fritz Verzetnitsch 1993–2003 ÖGB Cándido Méndez Rodríguez 2003–2007 UGT Wanja Lundby-Wedin 2007–2011 LO Ignacio Fernández Toxo 2011–2015 CC.OO Rudy De Leeuw 2015–2019 ABVV Laurent Berger 2019–2023 CFDT Wolfgang Katzian 2023– ÖGB

Generalsekretär Amtszeit Mitglied Land Théo Rasschaert 1973–1975 ABVV Peer Carlsen 1975–1976 LO Mathias Hinterscheid 1976–1991 LAV Emilio Gabaglio 1991–2003 CISL John Monks 2003–2011 TUC Bernadette Ségol 2011–2015 CGT Luca Visentini 2015 – 2022 UIL Esther Lynch 2022 – ICTU

Siehe auch Gewerkschaften in Europa Liste der Gewerkschaften in den EU-Mitgliedstaaten Internationale Gewerkschaftsverbände European Trade Union Institute for Research (ETUI) Europäischer Sozialdialog

Literatur Willy Buschak, Der Europäische Gewerkschaftsbund und die Europäischen Gewerkschaftsverbände (PDF; 262 kB) in: "Europäische Gewerkschaftsorganisationen – Bestände im Archiv der sozialen Demokratie und in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung", hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von U. Optenhögel, M. Schneider, R. Zimmermann, Bonn, 2003, S. 9–19 Andrea Ciampani, Pierre Tilly: National trade unions and the ETUC: A history of unity and diversity. Brüssel (ETUI) 2017 (Seite des ETUI zum Buch) Christophe Degryse, Pierre Tilly: 1973-2013 : 40 years of history of the European Trade Union Confederation, Brüssel (ETUI) 2017 (Seite des ETUI zum Buch) Jon Erik Dølvik: Die Spitze des Eisbergs? Der EGB und die Entwicklung eines Euro-Korporatismus. Westfälisches Dampfboot, Münster 1999, ISBN 3-89691-447-2. Bernhard Pfitzner (2018): Materialien zum Thema "Europäische Gewerkschaftsarbeit" (32 S., PDF)

Weblinks

Die Aktenbestände des Europäischen Gewerkschaftsbundes sind im Historischen Archiv der EU zugänglich Homepage des EGB, abgerufen am 28. März 2018 Satzung des EGB (englisch, französisch), abgerufen am 28. März 2018 Die Stimme der europäischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. (Broschüre des EGB (Mai 2008); PDF; 1,2 MB), abgerufen am 15. März 2018 Europäisches Gewerkschaftsinstitut: Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB). Brüssel 1991. (online-Version; PDF; 211 kB) Informationen zum EGB auf der Seite des DGB