Arnum ist ein Stadtteil von Hemmingen in der Region Hannover in Niedersachsen.

Geografie Der Stadtteil Arnum liegt an der Bundesstraße 3, die der Strecke der ehemaligen Handelsstraße von Hamburg nach Basel folgt.

Geschichte Der Ort wird erstmals im Jahr 990 urkundlich als Ernun erwähnt. Im Leineschotter bei Arnum wurden Faustkeile und Klingen aus der Altsteinzeit entdeckt, so dass davon auszugehen ist, dass vor 13.000 Jahren Jäger auf den Kiesinseln im weitverzweigten Leinelauf gelebt haben.

Um 1400 wurde die noch heute erhaltene Wehrkapelle erbaut. Im 19. Jahrhundert erhielt Arnum durch den Einsatz des Arnumer Lehrers einen eigenen Friedhof.

Nach der historisch gewachsenen Entwicklung des Dorfes Arnum setzte 1956 eine planmäßige Bebauung ein. Von 1956 bis 1963 entstanden westlich der Bundesstraße im Bereich Bultfeld/Bergfeld 100 Wohneinheiten. Bis 1966 folgten hier rund 420 weitere. In Arnum Mitte entstand das sogenannte „Komponistenviertel“ mit einer Vielzahl von Einzel-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern. Am Harkenblecker Weg baute der Reichsbund Einzel- und Reihenhäuser sowie Eigentumswohnungen. Am Pattenser Feldweg erschloss die Stadt Hemmingen Einzel- und Reihenhausgrundstücke für junge Familien.

1965 folgte die Bebauung im Gebiet südlich der Landwehr (Sieksfeld) und setzte sich am Pattenser Feldweg fort. Am Nordrand erschloss die Gemeinde Arnum ein Gewerbe- und Industriegebiet. 1992 wurde ein Wohnbereich zwischen dem Hohen Eschenweg und der Hiddestorfer Straße geschaffen. Auch östlich der Bundesstraße 3 entstanden Wohnsiedlungen.

An der Wilkenburger Straße im Bereich der historischen Wehrkapelle wurde ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum errichtet, am Moulineauxplatz entstanden Stadthäuser.

Der Ort beging das Jahr 1990 mit einer großangelegten 1000-Jahr-Feier.

Eingemeindungen Zur Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 stattfand, wurde Arnum in die neue Gemeinde Hemmingen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1910 586 1925 600 1933 623 1935 710 1939 711 1950 1283 1960 1388 Jahr Einwohner Quelle 1973 4741 1986 5677 1996 6146 2003 7374 2006 7486 2009 7474 2011 7135

Politik Stadtrat und Bürgermeister Arnum wird auf kommunaler Ebene vom Rat der Stadt Hemmingen vertreten.

Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Arnum stammt von dem Heraldiker und Grafiker Alfred Brecht, der zahlreiche Wappen in der Region Hannover erschaffen hat. Die Genehmigung des Wappens wurde am 8. September 1961 durch den Regierungspräsidenten in Hannover erteilt.

Religion Evangelische Kirchen Die evangelisch-lutherische Friedenskirchgemeinde gehört zur Kirchenregion Hemmingen und verfügt über zwei Gotteshäuser. Die historische Wehrkapelle stammt aus dem 15. Jahrhundert. Da diese nicht mehr den Anforderungen der Gemeinde genügte, entstand 1991 die moderne Friedenskirche.

Katholische Kirche Herz Mariä mini|Ehemalige Katholische Kirche Herz Mariä (2009 abgerissen)Durch den Zuzug von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen stieg ab etwa 1946 auch in Arnum die Zahl der Katholiken stark an. Katholische Gottesdienste fanden zunächst in der evangelischen Kapelle oder in einer Privatwohnung statt, dann in einer dazu errichteten Baracke. 1960/61 entstand an der Straße Pattenser Feldweg 17 eine katholische Kirche als Massivbau mit Turm. Die Pläne stammten vom Architekten Hodler. Am 25. März 1961 erfolgte ihre Benediktion. Geweiht wurde sie als Marienkirche mit dem Namen Unbeflecktes Herz Mariä. Seit Mitte der 1960er Jahre war Arnum Sitz einer katholischen Pfarrei, zu der auch die Ortsteile Devese, Westerfeld und Wilkenburg gehörten. Später gehörte sie als Filialkirche zur katholischen Kirche St.-Johannes-Bosco in Hemmingen-Westerfeld. Am 27. November 2008 erfolgte die Profanierung des Gebäudes durch Generalvikar Werner Schreer, welches im März 2009 zugunsten des Neubaus einer städtischen Kinderkrippe abgerissen wurde. Die Gemeindemitglieder gehören heute der Pfarrgemeinde St. Augustinus in Hannover (Dekanat Hannover des Bistums Hildesheim) an.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die historische Wehrkapelle wurde um 1400 errichtet. Im Jahr 1571 wurde die Kapelle in einem Dokument als „Maria Magdalena Kirche“ bezeichnet, der Name wurde später allerdings nicht mehr verwendet. Während des Dreißigjährigen Krieges kam es 1626 zur Zerstörung und Wiedererrichtung des Gebäudes, das 1985 restauriert und 2006 im Kern saniert wurde. Die 1991 eingeweihte Friedenskirche konnte der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde den nötigen Platz bieten, nachdem die Wehrkapelle zu klein geworden war.

Baudenkmale mini|See im „Naherholungspark Arnum“ → Siehe: Liste der Baudenkmale in Arnum

Freizeit und Naherholung Aus einem Kiesabbaugebiet entwickelte sich der „Naherholungspark Arnum“, ein Campingplatz um einen in die Landschaft eingebundenen See.

Sport In Arnum gibt es drei Fußballplätze, ein solarbeheiztes Freibad, eine Tennisanlage (neun Ascheplätze), Reithöfe und zwei Sporthallen. Außerdem verfügt Arnum seit April 2024 über das Fitnessstudio „Kraftwerk“, betrieben vom Hannoveraner Oliver Giese.

Literatur Anke Sawahn: Arnum. 2 Bände im Schuber:

Weblinks

Website der Stadt Hemmingen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in der Region Hannover Kategorie:Geographie (Hemmingen, Niedersachsen) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Region Hannover) Kategorie:Ersterwähnung 990 Kategorie:Gemeindeauflösung 1974