Die Burg Rehden (im 19. Jahrhundert oft auch Rheden)Johannes Voigt: Geschichte Preussens, von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des deutschen Ordens. Band 2. Königsberg 1827, S. 255. im Kulmerland war eine Deutschordensburg. Die Burg in der heutigen polnischen Ortschaft Radzyń Chełmiński war Sitz eines Konvents und ein Wahrzeichen des Deutschen Ordens in Preußen.

Geschichte mini|Burgruine Rheden, Lithografie nach Maximilian Fajans, 1880 mini|Mittelalterliches Graffito, Templerkreuz Nachdem 1221 Kreuzritter des Deutschen Ordens in das Kulmerland eingefallen waren, begannen die Pruzzen 1224 mit einer Gegenoffensive. Sie entvölkerten das Gebiet und zerstörten die Kirchenorganisation. Nach Niederschlagung dieses Aufstands und endgültigen Eroberung des Gebiets im Jahr 1231 errichtete der Deutsche Orden 1234 eine Befestigung. Aus ihr entstand um 1300 eine steinerne Burg, deren Ruine noch heute zu besichtigen ist.

Nach der Schlacht bei Tannenberg (1410) nahm das polnisch-litauische Heer unter Johann Sokol von Lamberg und Jan Žižka auf dem Rückzug die Burg ein. Nach dem Ersten Thorner Frieden ging sie jedoch 1411 wieder in den Besitz des Deutschen Ordens über. Dieser hielt, unter anderem mit Unterstützung des vor 1450 in den Deutschen Orden eingetretenen bekannten Wundarztes Heinrich von Pfalzpaint,Gundolf Keil: Heinrich von Pfalzpaint, in: Die deutsche Literatur des Mittelalters. Verfasserlexikon. Band 3. 2. Auflage. Berlin / New York 1981, Sp. 856–862, hier: Sp. 857 und 859. die Burg bis 1454, als sie erneut von den Polen erobert wurde und ihnen im Zweiten Thorner Frieden offiziell zugesprochen wurde.

Während des polnisch-schwedischen Krieges erlitt die Burg 1628 schwere Zerstörungen durch die Schweden. Sie lag danach bis zum Jahr 1772 brach, dann nutzten die preußischen Behörden einige ihrer Räume.

Ab 1800 wurde das Bauwerk allmählich zur Baumaterialgewinnung abgebrochen. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Enttrümmerung und Erhaltung als Denkmal in Angriff genommen.

Architektur mini|Lageplan (An linker Seite der Kernburg die Abortanlagen) mini|Burgmodell. Kernburg mit erster Vorburg. Die Burg wurde aus Backstein erbaut und hatte einen annähernd quadratischen Grundriss von 52 × 52 Metern. Im Süden und Osten schlossen sich der Hauptburg zwei Vorburgen an. Modelle der Burg finden sich im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim und im Brandenburg-Preußen Museum in Fehrbellin.

Aborterker-Reihe der Burg Rehden mini|Kragsteine der Aborterker-Reihe (links) mini Der Burgenforscher Otto Piper behandelte etliche Baudetails der Rehdener Burg, obwohl er die Burgen des Deutschen Ordens in seinem Standardwerk „Burgenkunde“ weitgehend mied, da – wie er feststellte – diese keine klassischen Ritterburgen seien, sondern Ritterkasernen. Er wies unter dem Stichwort DanskerOtto Piper: Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. R. Piper & Co., München 1912; Neuauflage Weltbild-Verlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7 (S. 492, Rehdener Abortanlage im Kapitel „Danske(r)“.) auch auf die bemerkenswerte Aborterker-Reihe an einer Außenmauer der Burg (westliche Zwingermauer der Kernburg) hin. Von diesen Erkern blieben nur die Kragsteine erhalten, die aus dem erhaltenen Mauerfragment noch heute herausragen. Diese Mauer befand sich ehemals mit den Aborterkern direkt an einem Wassergraben. Da nur ein Stück der Mauer erhalten blieb, waren ehemals sicher viele Erker vorhanden, also eine ganze Erkerreihe, entsprechend der großen Zahl an stationierten Rittern. Nach Piper waren es hier etwa neun Aborterker. Außerdem wies Piper darauf hin, dass der Begriff „Danske(r)“ in der Zeit des Ordens ein genereller Begriff für Abortanlagen gewesen sei und nicht etwa – wie heute üblich – nur für Aborttürme der Ordensburgen stehe. Die Abortanlage war sicher über einen gemauerten Bogengang vom Obergeschoß der Kernburg zugängig, wie dies noch heute bei den Ordensburgen Thorn, Marienwerder und Marienburg der Fall ist (siehe Lageplan von Burg Rehden).

Otto Pipers Beschreibung der Burg (1912) mini|Detailplan der Kernburg, erstellt von Conrad Steinbrecht. Links die Aborterker. (Oben ist Norden) Otto Piper beschrieb in seiner „Burgenkunde“ als einzige Burg des Deutschen Ordens ausführlich das „Schloss Rheden“ (sowie in Kurzfassung die Marienburg). Zitat zu Rheden:

Die im Zitat genannten Kleinbuchstaben beziehen sich auf einen von Piper abgebildeten Grundrissplan (Fig. 598) der Burg und h auf die gesondert behandelte Anlage der Aborterker an der westlichen Zwingermauer der Kernburg. Nach Pipers Plan befindet sich im Obergeschoß des Westteiles des Südflügels (links neben der Torhalle) der Konvent-Remter. Im Ostteil des Obergeschosses des Südflügels (rechts der Torhalle) liegt die Hauptkapelle. Angrenzend an die Hauptkapelle liegt im Obergeschoß des mittleren Ostflügels der Kapitelsaal.

Literatur Georg Bujack: Die Ruine Rheden. Skizze aus der Geschichte des deutschen Ordens. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter, 1866, Band 3, S. 200–213; Königsberg; . Otto Piper: Burgenkunde. Bauwesen und Geschichte der Burgen. R. Piper & Co., München 1912; . Neuauflage: Weltbild-Verlag, Augsburg 1994, ISBN 3-89350-554-7, S. 138, 331, 467, 479, 484, 493, 600.

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Einzelnachweise

Rehden Rehden Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern Kategorie:Bauwerk in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern Kategorie:Gmina Radzyń Chełmiński Rehden