Die Gneisenau war ein Schlachtschiff der Kriegsmarine des Deutschen Reiches. Die zweite und letzte Einheit der Scharnhorst-Klasse wurde nach dem preußischen Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau (1760–1831) benannt.

Nach Verzögerungen des Baus wurde sie 1938 noch vor dem Schwesterschiff Scharnhorst in Dienst gestellt und nahm während des Zweiten Weltkrieges an einigen Operationen der Kriegsmarine teil, wobei sie mehrfach beschädigt wurde. Die Gneisenau wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1942 im Schwimmdock der Deutschen Werke Kiel durch einen Bombentreffer schwer beschädigtwww.denkmalprojekt.org und daraufhin außer Dienst gestellt, wobei die Bewaffnung ausgebaut und als Küstenartillerie verwendet wurde. (Turm „Bruno“ kam als Marineküstenbatterie 11/504 in die Festung Fjell.) Im März 1945 wurde sie als Blockschiff in der Hafeneinfahrt von Gotenhafen selbstversenkt.

Auffälligstes Merkmal der beiden Schiffe dieser Klasse war die für Schlachtschiffe schwache Hauptbewaffnung mit einem Kaliber von nur 28 cm. Die ursprünglich vorgesehene Aufrüstung mit 38-cm-Geschützen, die auch die Hauptbewaffnung der Bismarck-Klasse waren, wurde nicht durchgeführt.

Zuvor hatte es in der Kaiserlichen Marine bereits ein Kadettenschulschiff Gneisenau von 1880 und einen Großen Kreuzer Gneisenau von 1908 gegeben. Letzterer gehörte dem von Vizeadmiral Graf Maximilian von Spee befehligten Ostasiengeschwader an und wurde am 8. Dezember 1914 in der Schlacht bei den Falklandinseln versenkt.

Geschichte mini|links|Aufnahme der Gneisenau vor dem Umbau Die haushaltsrechtlich als „Panzerschiff E“ bezeichnete Gneisenau war ursprünglich in den Flottenrüstungsplänen der Reichsmarine mit etwa 18.000 t Verdrängung geplant. Als Reaktion auf den Bau der französischen Schlachtschiffe der Dunkerque-Klasse wurde noch vor dem Baubeginn der Entwurf geändert und mit einer offiziellen Tonnage von 26.000 t neu erstellt; diese wurde tatsächlich um gut 5.000 Tonnen überschritten. Der neue Plan versah die Gneisenau mit einem guten Panzerschutz, und ihre Hochdruck-Heißdampf-Turbinenanlage verlieh ihr eine überlegene Maximalgeschwindigkeit.

Um keine Konflikte mit Großbritannien zu provozieren, wurden die für Schlachtschiffe dieser Zeit unterdimensionierten Geschütze mit dem Kaliber 28,0 cm in Drillingstürmen wie die der Deutschland-Klasse vorgesehen.Bernard Ireland: Jane's – Kriegsschiffe des 20. Jahrhunderts, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-592-4, S. 46 Eine spätere Aufrüstung auf Zwillingstürme mit 38-cm-Kanonen wäre auf Grund gleicher Barbettdurchmesser der Türme möglich gewesen, wurde bei der Planung aber noch nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Die neun Geschütze wurden in einem Turm achtern und zwei überfeuernden Türmen auf dem Vorschiff aufgestellt. mini|links|Gneisenau, 1939 Die Kiellegung der Schiffe „D“ und „E“ war am 14. Februar 1934. Anschließend wurden völlig neue Pläne angefertigt, die vorsahen, dass die Schiffe „D“ und „E“ einen dritten Geschützturm haben sollten. Es folgte ein Baustopp. Die neue Kiellegung des Schiffes „E“ (Gneisenau) war am 6. Mai 1935; das Deutsch-Britische Flottenabkommen, das diese Schiffe legalisierte, wurde erst einen Monat später unterzeichnet. Am 8. Dezember 1936 lief die Gneisenau vom Stapel. Die Taufrede hielt der Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst Freiherr Werner von Fritsch; die Witwe des Kapitäns zur See Maerker, des letzten Kommandanten des untergegangenen Panzerkreuzers Gneisenau, taufte das Schiff. Beim Stapellauf gelang es nicht, den Schiffskörper abzubremsen; die Gneisenau rammte die gegenüberliegende Kaimauer. Das Schiff wurde nicht nennenswert beschädigt, die Kaimauer jedoch um 4 m eingedrückt.

Die Gneisenau wurde am 21. Mai 1938 in Dienst gestellt. Dieser Termin wurde wegen der Sudetenkrise gewählt; die Gneisenau war damals noch nicht fertiggestellt. Nach der Jungfernfahrt vom 30. Juni bis zum 8. Juli 1938 in den Nordostatlantik ging sie noch einmal wegen Rest- und Umbauarbeiten in die Werft, wobei Schornsteinaufsatz und die Stenge an der Vormars-Drehhaube auf dem Turmmast modifiziert wurden. Die deutlichste Veränderung war der Bug: das Schiff erhielt den sogenannten Atlantiksteven. Bei hoher Fahrt kam vorher zu viel Wasser über, das in den vorderen Geschützturm A („Anton“) eindrang und dort Störungen an der elektrischen Turmsteuerung verursachte. Trotz diesen Umbauten wurde die Gneisenau dadurch bei ihren Einsätzen wiederholt in ihrer Gefechtsbereitschaft behindert, ohne Feindkontakt gehabt zu haben.

Weiterer Lebenslauf der Gneisenau 22. August 1938 – Teilnahme an der Flottenparade in der Kieler Bucht Januar 1939 – Rest- und Umbauarbeiten 12. Juni bis 26. Juli 1939 – Sechswöchige Ausbildungsreise in den Mittelatlantik, unterstützt vom Trossschiff Westerwald 3. September 1939 – Kapitän zur See Erich Förste gibt der versammelten Mannschaft den Beginn der Feindseligkeiten mit England und Frankreich bekannt. 21. bis 27. November 1939 – Vorstoß mit Schwesterschiff Scharnhorst in die Gewässer südlich von Island. (23. November: Versenkung des britischen Hilfskreuzers HMS Rawalpindi 145 Seemeilen nordwestlich der Färöer) 7. bis 12. April 1940 – Unternehmen Weserübung (Unterstützung der Landeinheiten bei der Besetzung von Norwegen und Dänemark). Beim Seegefecht vor den Lofoten schweren Treffer vom Schlachtkreuzer Renown in den Vormars erhalten. 4. Juni bis 26. Juli 1940 – Unternehmen Juno (Vorstoß zur Entlastung der in Norwegen bedrängten Truppen. Gemeinsam mit Scharnhorst, Kreuzer Admiral Hipper und vier Zerstörern). Versenkung des britischen Flugzeugträgers Glorious und der beiden Zerstörer Ardent und Acasta. Am 20. Juni erhielt Gneisenau einen schweren Torpedotreffer durch das britische U-Boot Clyde. Der Torpedotreffer riss ein riesiges Loch in das Vorschiff; eines der Beiboote konnte problemlos hindurchfahren. Tote oder Verwundete waren nicht zu beklagen. Das Schiff kehrte nach Trondheim zurück, wo es von dem Werkstattschiff Huascaran provisorisch repariert wurde. Am 25. Juli erfolgte die Überführung nach Kiel, wobei ein auf das Schlachtschiff gezielter Torpedo des britischen U-Bootes Thames das in die Schusslinie fahrende Torpedoboot Luchs versenkte. 26. Juli bis 14. November 1940 – Reparatur in den Deutschen Werken in Kiel. 28. Dezember 1940 – Gemeinsam mit Scharnhorst Durchbruchsversuch in den Atlantik. Der Einsatz musste wegen schwerer Seeschäden an der Gneisenau abgebrochen werden. 2. Januar 1941 – Reparatur der Seeschäden in Gotenhafen. 22. Januar 1941 – Unternehmen Berlin: Mit Scharnhorst erneuter, diesmal erfolgreicher Durchbruch in den Atlantik, um Geleitzüge zu bekämpfen. 22. März 1941 – Einlaufen in Brest. Gneisenau allein hat 66.500 BRT Handelsschiffe versenkt. Es bestand der Plan, nach einer Generalüberholung der beiden Schiffe wieder in den Atlantik auszulaufen. Sofort nahmen jedoch wegen der Anwesenheit der Schiffe die Luftangriffe zu. 6. April 1941 – Eine einzeln fliegende Bristol Beaufort der RAF-Squadron 22 erzielte einen Lufttorpedotreffer im Achterschiff. Die Gefechtsladung des hierbei eingesetzten Torpedos vom Typ Mk XII hatte lediglich ein Gewicht von 176 kg. Als Folge des Treffers wurde die Außenhaut aufgerissen, das etwa 4,5 Meter weiter im Schiffsinneren gelegene Torpedolängsschott hingegen wurde noch nicht einmal deformiert.Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1921–1997 S. 125. 10. April 1941 – Im Trockendock liegend, erhielt die Gneisenau vier weitere Bombentreffer; es gab mehr als 80 Tote. Reparaturen bis Januar 1942. 11. bis 13. Februar 1942 – Unternehmen Cerberus. (Rückführung der in Brest liegenden Kriegsschiffe Gneisenau, Scharnhorst und Prinz Eugen nach Deutschland). Leichten Minentreffer erhalten. 13. Februar 1942 – Eindocken ins Schwimmdock der Deutschen Werke.

Das Ende der Gneisenau mini|Gneisenau im Schwimmdock der DWK im Februar 1942. Während des Unternehmens „Cerberus“, der Rückführung von drei großen Kriegsschiffen von Brest nach Deutschland, verursachte eine Grundmine einen Schaden am Schiff, der im Schwimmdock der Deutschen Werke in Kiel behoben werden sollte. Der Minentreffer wurde als geringfügig deklariert, und es war geplant, dass die Gneisenau Kiel nach zwei Wochen wieder verlassen sollte. Normalerweise musste während eines Dockaufenthaltes die gesamte Munition von Bord geschafft werden. Da die Gneisenau allerdings nur zwei Wochen Liegezeit haben sollte, wurde auf diese Maßnahme verzichtet, und es wurden lediglich die Zünder der Granaten entfernt.

Bei einem der Luftangriffe auf Kiel erlitt das Schiff in der Nacht vom 26. auf den 27. Februar 1942 einen verheerenden Treffer. Eine Bombe durchschlug Ober- sowie Batteriedeck und detonierte auf dem Panzerdeck nahe der Entlüftung der darunter liegenden Pulverkammer. Glühende Metallsplitter der Bombe und des Schiffdecks trafen Kartuschen und entzündeten deren Treibladungen. Der gesamte Pulvervorrat des Turms A (Anton) verbrannte auf einen Schlag. Der Druck breitete sich aus und hob den Turm aus seiner Barbette. Er fiel verkantet in seine Bettung zurück, wodurch das Schwenkwerk des Turmes zerstört wurde. Ein Teil des Drucks entwich nach oben und zerstörte große Teile des Oberdecks. 112 Männer starben in dieser Nacht. Am nächsten Morgen sah man, dass das gesamte Vorschiff ausgeglüht und nicht mehr zu reparieren war. Weil ohnehin geplant war, die Gneisenau in einigen Wochen zur Aufrüstung nach Gotenhafen zu schicken, machte man sie klar zur Überführung.

Der Schiffskörper und die Antriebsanlage waren unbeschädigt, so dass die Gneisenau am 4. April 1942 aus eigener Kraft mit dem Linienschiff Schlesien und einem Eisbrecher nach Gotenhafen fahren konnte. Dort sollte sie repariert, um etwa 10 m verlängert und mit sechs 38-cm-Geschützen in Zwillingstürmen neu bewaffnet werden. Am 1. Juli 1942 wurde das Schlachtschiff außer Dienst gestellt, um mit der Umrüstung beginnen zu können, für die etwa ein Jahr veranschlagt wurde. Nachdem der Außerdienststellungsbefehl Hitlers für alle schweren Einheiten der Kriegsmarine ergangen war, wurden im Februar 1943 die Arbeiten eingestellt und nicht wiederaufgenommen. Die bereits ausgebaute Bewaffnung wurde als Küstenartillerie in Norwegen und Dänemark (→ Stevnsfort) verwendet. Bis Frühjahr 1945 lag das Schiff – unter Tarnnetzen verborgen – in Gotenhafen still. Am 27. März 1945 wurde es bei der Räumung Gotenhafens durch die Wehrmacht in der Hafeneinfahrt als Blockschiff auf Grund gesetzt. Es wurde ab September 1951 von polnischen Soldaten gehoben und verschrottet.

Verwendung der Geschütze mini|Der Turm „C“ im Museum Austrått fort (Ørland, Norwegen)

Im Januar 1943 wurde die Bewaffnung des Schiffes demontiert. Die Türme „B“ und „C“ dienten fortan dem Schutz der Küste Norwegens: Turm „B“ kam als Festung Fjell auf der Insel Sotra vor Bergen zum Einsatz und war am 1. Juli 1943 fertiggestellt. Turm „C“ wurde als Batterie Örland auf der gleichnamigen Halbinsel am Eingang des Trondheimfjords aufgestellt und war im September 1943 einsatzbereit; später wurde diese Küstenbatterie als Festung Agdenes bezeichnet. Die drei Geschütze von Turm „A“ wurden bei Hoek van Holland (Niederlande) in schwach gepanzerten Einzeltürmen als Batterie Rozenburg weiter verwendet. Zwei Geschütztürme der 15-cm-Mittelartillerie kamen auf die dänische Insel Fanø. Andere Geschütze der Mittelartillerie gelangten nach Wangerooge und wurden dort in den Batterien Jade und Jade-Ost verwendet.