miniatur|Joao Cesar Monteiro (1989) João César Monteiro (* 2. Februar 1939 in Figueira da Foz; † 3. Februar 2003 in Lissabon) war ein portugiesischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler des Novo Cinema.

Leben und Werk João César Monteiro ging schon im Alter von 15 Jahren nach Lissabon. Er besuchte dort das private Gymnasium Colégio Moderno (von Mário Soares), welches er vorzeitig verließ. Er nahm verschiedene Tätigkeiten an und lebte eine Zeit lang in Paris. 1960 lernte er Alberto Seixas Santos kennen und wendete sich dem Kino und der Bewegung der Filmklubs zu. Er war Filmkritiker für die Zeitung Diário de Notícias und für die Kinozeitschrift Cinéfilo. 1961 wurde er Regieassistent bei O Milionário (Der Millionär) von Perdigão Queiroga und wechselte damit auf die aktive Seite des Kinos. 1963 erhielt er ein Stipendium der Stiftung Gulbenkian und absolvierte ein Filmstudium an der London School of Film Technique.

1965 begann Monteiro seinen ersten Film zu drehen, den er fünf Jahre später beendete. Er freundete sich mit Paulo Rocha (Os Verdes Anos) und vor allem Fernando Lopes (Belarmino) an, zwei der wichtigsten Protagonisten des Novo Cinema. Dabei blieb er formal außerhalb des Novo Cinema, und auch dem Kollektiv Centro Português de Cinema trat er erst nach langen Diskussionen bei. Nach der Nelkenrevolution 1974 wendete er sich erst einer Art politischem Underground-Film zu mit Que farei eu com esta espada? (Was mache ich mit diesem Schwert?, 1975): er zeigt Massendemonstrationen und Interviews mit Arbeitern, die sich gegen die NATO richten, dazu zeigt er amerikanische Kriegsschiffe und US-Soldaten in Lissabon. Das „Schwert“ der Demokratie richtete Monteiro hier symbolisch gegen die massive, bedrohlich dargestellte NATO-Präsenz, und ließ dabei Don Afonso Henriques (der erste König Portugals), Nosferatu und ein NATO-Geschwader gemeinsam im Tejo auftreten.

Dann schlug Monteiro einen ethnografischen Weg ein mit Filmen wie Veredas (Pfade, mit Margarida Gil) oder Silvestre (Wild, mit Maria de Medeiros), die bei der Kritik bis heute große Anerkennung finden.villagevoice.com, 5.Absatz Schließlich fand er zu seinem sarkastischen und sozialkritischen Werk, das ihm internationale Preise und Anerkennung brachte, aber auch öffentliche Kritik. Die Hauptfigur ist meist der von ihm selbst verkörperte João de Deus. Mit Auf dem Meer (À Flor do Mar, 1986) konnte er aber auch überraschen: an der Algarveküste mit Laura Morante und Georges Claisse in den Hauptrollen gedreht, war dies ein Film voller Melancholie und Poesie, mit warmen Bildern und fragilen Charakteren.

Größere internationale Erfolge stellten sich seit 1989 ein, als Monteiro für Erinnerungen an das gelbe Haus (Recordações da Casa Amarela) den Silbernen Löwen bei den Filmfestspielen von Venedig gewann. Für Die göttliche Komödie (A Comédia de Deus) war er 1995 für den Goldenen Löwen an derselben Stelle nominiert und gewann dort den großen Preis der Jury. Für Passeio com Johnny Guitar (Spaziergang mit Johnny Guitar) war er ein Jahr später für die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes nominiert.

João César Monteiro war einige Zeit mit der Regisseurin und Schauspielerin Margarida Gil verheiratet, mit der er auch zusammenarbeitete. Ihr gemeinsamer Sohn João Pedro Monteiro Gil (* 1984) hat als Praktikant bereits an Filmen der Mutter und des Vaters mitgewirkt. Am 3. Februar 2003 erlag Monteiro einem Krebsleiden.

Rezeption Als Monteiros „populärster“ Film mag Erinnerungen an das gelbe Haus gelten, doch haben seine Filme niemals größeren Publikumszuspruch erfahren. Manche seiner Filme lösten Skandale aus. In seiner Version der Göttlichen Komödie (A Comédia de Deus) spielte er – wie in vielen seiner Filme – die Hauptrolle. Der Protagonist war ein Einzelgänger, der in seiner Freizeit Schamhaar von Frauen sammelte. Im Verlauf des Films baute er eine Beziehung zu einem minderjährigen Mädchen auf.

Zum Eklat kam es mit Branca de Neve (Schneewittchen): in Monteiros polemischsten Film, nach der Schneewittchengeschichte von Robert Walser, ist während 60 der 75 Minuten Filmlänge nur eine schwarze Leinwand zu sehen, und nur die Stimmen der Darsteller sind zu hören, die die Geschichte erzählen. Bei der Premiere 2000 antwortete er auf kritische Fragen verschiedener Fernsehreporter in die Kameras, „das portugiesische Publikum möge sich f*****!“. Der Satz ging in die portugiesische Filmgeschichte ein. Er brachte Monteiro dabei keine besondere Popularität ein und verstärkte die einsetzende öffentliche Diskussion über Fördermittel für Filmproduktionen ohne jede Aussicht auf nennenswerten Publikumszuspruch.

João César Monteiro war eigenwillig und galt mit seinem unangepassten Humor als enfant terrible des portugiesischen Films. Seine Werke fanden große Anerkennung bei der Kritik und bei vielen Filmschaffenden. So äußerten sich bei der kontroversen Premiere von Schneewittchen im Gegensatz zum breiten Publikum viele Filmschaffende anerkennend, darunter Manoel de Oliveira und João Bénard da Costa.

Filmografie Regie 1969: Sophia de Mello Breyner Andresen (Doku., Kurzfilm), auch Drehbuch 1971: Quem Espera por Sapatos de Defunto Morre Descalço (Kurzfilm), auch Drehbuch 1972: Fragmentos de um Filme Esmola (A Sagrada Família), auch Drehbuch 1975: Que Farei Eu com Esta Espada? (Doku.), auch Drehbuch 1975: As Armas do Povo (Teil des Filmkollektivs, Doku.) 1975: Amor de Mãe (Kurzfilm) 1977: Veredas, auch Drehbuch 1979: O Amor das Três Romãs (Fernsehfilm, Kurzfilm), auch Drehbuch 1979: Os Dois Soldados (Kurzfilm), auch Drehbuch 1979: A Mãe: O Rico e o Pobre (Kurzfilm), auch Drehbuch 1981: Silvestre, auch Drehbuch 1986: Auf dem Meer (À Flor do Mar), auch Drehbuch 1989: Erinnerungen an das gelbe Haus (Recordações da Casa Amarela), auch Drehbuch 1990: Conserva Acabada (Kurzfilm), auch Drehbuch 1992: Das Wasser – Der letzte Kopfsprung (O Último Mergulho), auch Drehbuch 1995: Die göttliche Komödie (A Comédia de Deus), auch Drehbuch 1995: O Bestiário ou Cortejo de Orfeu (Kurzfilm), auch Drehbuch 1995: Lettera Amorosa (Kurzfilm), auch Drehbuch 1996: Passeio com Johnny Guitar (Kurzfilm), auch Drehbuch 1997: Das Becken von John Wayne (Le Bassin de John Wayne), auch Drehbuch 1999: Deus’ Hochzeit (As Bodas de Deus), auch Drehbuch 2000: Branca de Neve, auch Drehbuch 2003: Kommen und Gehen (Vai e Vem), auch Drehbuch Darstellung 1971: Quem Espera por Sapatos de Defunto Morre Descalço (Kurzfilm) 1972: Perdido por Cem; R: António-Pedro Vasconcelos 1977: Veredas 1979: Das Verhängnis der Liebe (Amor de Perdição), R: Manoel de Oliveira 1981: Silvestre 1983: A Estrangeira, R: João Mário Grilo 1986: Auf dem Meer (À Flor do Mar) 1987: Relação Fiel e Verdadeira, R: Margarida Gil, auch Drehbuch 1988: Doc's Kingdom, R: Robert Kramer 1989: Erinnerungen an das gelbe Haus (Recordações da Casa Amarela) 1990: Conserva Acabada 1992: Rosa Negra, R: Margarida Gil 1992: Das Wasser – Der letzte Kopfsprung (O Último Mergulho) 1992: Paroles, R: Anne Benhaïem 1995: Die göttliche Komödie (A Comédia de Deus) 1995: O Bestiário ou Cortejo de Orfeu 1995: Lettera Amorosa 1996: Passeio com Johnny Guitar 1997: Le Bassin de J.W. 1999: Deus’ Hochzeit (As Bodas de Deus) 2000: Branca de Neve 2003: Kommen und Gehen (Vai e Vem)

Produktion 1971: Quem Espera por Sapatos de Defunto Morre Descalço (Kurzfilm), auch Regie, Drehbuch und Darsteller 1979: O Amor das Três Romãs (Fernsehfilm, Kurzfilm), auch Regie und Drehbuch 1979: A Mãe: O Rico e o Pobre (Kurzfilm), auch Regie, Drehbuch und Darsteller 1986: Auf dem Meer (À Flor do Mar), auch Regie, Drehbuch und Darsteller

Literatur Jorge Leitão Ramos: Dicionário do cinema portugués 1962 – 1988. Editorial Caminho, Lissabon 1989, S. 265–267. A. Murtinheira/I. Metzeltin: Geschichte des portugiesischen Kinos. Praesens Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-7069-0590-9, (S. 109/110, 125, 141/142). Beiheft zur DVD-Gesamtwerksausgabe (11-DVD-Box, Lusomundo, Lissabon 2003).

Weblinks

Website über João César Monteiro (portugiesisch, englisch, italienisch) Webseite zur João César Monteiro-Werkschau der BAM-BrooklynAcademyofMusic ausgiebiger Artikel über João César Monteiro (englisch)

Eintrag zu João César Monteiro im Lexikon des internationalen Films (deutsch) Eintrag zu João César Monteiro in der portugiesischen Filmdatenbank Memoriale-CinemaPortuguês (portugiesisch) Eintrag zu João César Monteiro auf der filmwissenschaftlichen Website der Universität Beira Interior (portugiesisch)

Siehe auch Portugiesischer Film

Einzelnachweise

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