Ein Blog [] (ursprünglich das, heute auch der) oder auch Weblog [] (Wortkreuzung aus und Log für „Logbuch“ oder „Tagebuch“) ist ein meist auf einer Website geführtes und damit meist öffentlich einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Blogger, international auch Weblogger genannt, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert („postet“) oder Gedanken niederschreibt. Die Tätigkeit des Schreibens in einem Blog wird als Bloggen bezeichnet. Die Deutsche Nationalbibliothek bezeichnet Blogs als Internetpublikationen und vergibt seit Herbst 2013 an Weblogs auch ISSNs.

Meist ist ein Blog eine chronologisch abwärts sortierte Liste von Einträgen, die in bestimmten Abständen umbrochen wird. Der Blogger ist Hauptverfasser des Inhalts, und häufig sind die Beiträge aus der Ich-Perspektive geschrieben. Das Blog bildet ein Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen, je nach Professionalität bis in die Nähe eines Nachrichtenportals mit besonderem Gewicht auf Kommentaren. Oft sind auch Kommentare oder Diskussionen der Leser über einen Artikel möglich. Damit kann das Medium sowohl dem Ablegen von Notizen in einem Zettelkasten, dem Zugänglichmachen von Informationen, Gedanken und Erfahrungen, etwas untergeordnet auch der Kommunikation dienen, ähnlich einem Internetforum. In den 2010er Jahren haben sogenannte „Microblogging“-Plattformen wie Twitter und Instagram zu Lasten traditioneller Web-basierter Blogs an Bedeutung gewonnen.

Begriff Das Wort Blog ist die Abkürzung von Weblog, eine Zusammensetzung aus den beiden englischen Wörtern web, für Netz, und log, für Logbuch bzw. Tagebuch. Der Begriff Weblog tauchte 1997 erstmals auf der Website von Jorn Barger auf. Die Abkürzung Blog für Weblog stammt aus dem Jahr 1999 – in dem Jahr, in dem allgemein der Aufstieg dieser Art von Websites begann – und wurde von Peter Merholz geprägt, der damit zum Ausdruck bringen wollte „wir bloggen“, englisch „we blog“ für „web log“. Zitat: “For What It’s Worth: I’ve decided to pronounce the word ‘weblog’ as ‘wee-blog’. Or ‘blog’ for short.”

Nach 2001 wurden auch die traditionellen Massenmedien auf die neue Darstellungsform aufmerksam. Erste Forschungsarbeiten aus der Journalistik über das Phänomen erschienen und immer mehr Privatnutzer begannen, sich ein eigenes Weblog einzurichten.Stieglitz, Stefan: Steuerung Virtueller Communities. Instrumente, Mechanismen, Wirkungszusammenhänge. Gabler Verlag, Wiesbaden 2008, S. 99. Gleichzeitig etablierten sich einige Blogs als angesehene Medien. Um die unterschiedlichen Charakteristika der Blogs begrifflich abzugrenzen, spricht man von Informationsblogs und Meinungsblogs, die sich auch organisatorisch voneinander unterscheiden.Klaus Spachmann (Hrsg.), Claudia Mast: Journalismus im Internet-Zeitalter – Ergebnisse von Fallstudien. (PDF) Universität Hohenheim, Fachgebiet Kommunikationswissenschaft und Journalistik, Stuttgart 2009. Meinungsblogs können nicht nur der Kommunikation privater Meinungen dienen, sondern können auch redaktionell gestaltete Informationsseiten sein, die der Meinungsbildung dienen sollen; die Begriffsabgrenzung ist dann nicht mehr gegeben bzw. der Übergang kann fließend sein. Da die Unterscheidung nicht immer klar ersichtlich ist, achten journalistische Blogbetreiber verstärkt darauf, die Inhalte innerhalb desselben Blogs klar voneinander abzugrenzen und kenntlich zu machen, wie z. B. im Jahr 2015 auf Spiegel Online geschehen.Uwe Kammann: Die Glaubwürdigkeit der Medien – Ein Problemaufriss mit Handlungsempfehlungen. (PDF) Frankfurt am Main, 10. November 2015 (veröffentlicht über mdr.de; abgerufen am 8. September 2017)

Geschichte Am 13. November 1990 ging die Website des Informatikers Tim Berners-Lee online, die heute als erstes Blog gilt, auch wenn die Wörter weblog und blog damals noch nicht existierten. Berners-Lee nutzte es zum Informationsaustausch zwischen Wissenschaftlern vom europäischen Kernforschungszentrum am CERN bei Genf, wo er zu der Zeit arbeitete. Zur Ehre des ersten Blogs wird seit 2018 am 13. November der Tag des Bloggens gefeiert.

Mitte der 1990er Jahre folgte eine Reihe anderer Blogs. Sie wurden z. B. Online-Tagebücher genannt und waren Websites, auf denen Internetnutzer periodisch Einträge über ihr Leben machten. Frühe deutschsprachige Weblogs waren etwa netzine.de (1. Ausgabe am 3. Januar 1996 im Netz) von Walter Laufenberg, Robert Brauns Weblog, Moving Target und das von Christiane Schulzki-Haddouti gegründete „Cybertagebuch“, das sich an Kinder und Jugendliche richtete und später von der Aktion Sorgenkind übernommen wurde. Über das CL-Netz wurde das Zagreb Diary des niederländischen Journalisten Wam Kat verbreitet.Vgl. Inhalte des CL-Netzes.

Ab 1996 wurden Dienste wie Xanga eingerichtet, die Internetnutzern auf einfache Weise das Einrichten eines eigenen Weblogs ermöglichten. 1997 wurde eines der ersten Blogs gestartet, das bis heute existiert, namens Scripting News von Dave Winer. Ein weiteres frühes Blog war Robot Wisdom von Jorn Barger, das als erstes mit dem Begriff „Weblog“ bezeichnet wurde. Nach einem langsamen Start wiesen solche Seiten ab Ende der 1990er Jahre ein schnelles Wachstum auf. So wuchs Xanga vom ersten Blog im Jahr 1998 auf 21 Millionen im Jahr 2005.A Growing Chronology of Xanga (englisch, Stand Januar 2006) Chronologie von Xanga bis 2006 Seit einigen Jahren wird das „Bloggen“ auch geschäftlich in sogenannten Corporate Blogs oder Unternehmensblogs genutzt. So betreiben viele Medien inzwischen eigene Blogs, um ihren Leserkreis zu erweitern und Rückmeldungen von ihren Lesern zu bekommen. Der US-amerikanische Wörterbuchverlag Merriam-Webster wählte die Kurzform „Blog“ zum Wort des Jahres 2004. In Deutschland betreiben laut der Allensbacher Computer- und Technik-Analyse 8,4 % der Internetnutzer ein eigenes Blog.Betreiben eines eigenen Web-Blogs, Allensbacher Computer- und Technik-Analyse 2007 Weltweit soll es (Stand: Oktober 2011) insgesamt etwa 173 Millionen Blogs gebenBuzz in the Blogosphere: Millions More Bloggers and Blog Readers. Nielsen Wire, 8. März 2012; abgerufen am 28. August 2012. und mindestens 200 kostenlose Blog-Anbieter.Medienexperte: Zeitungen werden verschwinden. heise-online.de, 19. Januar 2010; abgerufen am 19. Januar 2010.

Technische Merkmale von Weblogs Grundsätzlich lässt sich die Menge der Weblogs in zwei Kategorien unterteilen, nämlich in solche, die ähnlich dem Software-as-a-Service-Prinzip von einem meist kommerziellen Anbieter betrieben und beliebigen Nutzern nach einfacher Registrierung zur Verfügung gestellt werden, und solche, die von den jeweiligen Inhabern auf ihrem individuellen Server oder Webspace meist unter eigener Domain betrieben werden.

Bekannte Anbieter für Blog-Communitys sind Googles Blogger.com, WordPress und Tumblr; daneben bieten auch einige soziale Netzwerke ihren Mitgliedern Blog-Funktionalitäten an.

Für den Betrieb eines individuellen Weblogs auf eigenem Webspace benötigt man eine entsprechende Weblog-Software und zumindest rudimentäre Kenntnisse in HTML und der jeweils verwendeten Servertechnik. Da sich individuelle Weblogs sehr flexibel an die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen, werden diese oft auch als reine Content-Management-Systeme eingesetzt, was sie rein technisch gesehen auch sind. Unter Umständen kann eine solche Konfiguration dazu führen, dass die entsprechende Website überhaupt nicht als Blog wahrgenommen wird.

Während viele Blogs in den Blog-Communitys naturgemäß sehr stark auf den sozialen und kommunikativen Aspekt abzielen, finden sich unter den individuell gehosteten Blogs auch viele, die der publizistischen Meinungsäußerung oder dem Bereich der Kundenkommunikation zuzuordnen sind und dementsprechend unter die Regelungen des Telemediengesetzes (unter anderem die Impressumspflicht) fallen.

Kommunikationswissenschaftliche Merkmale von Weblogs Charakteristische Merkmale dieser Kommunikationsform sind die Individualisierung der Kommunikation, die Reflexivität hinsichtlich der Medienkommunikation, die Verlinkung und Vernetzung der Webkommunikation bis hin zur Blogosphäre, die Filterung und Selektion der Medienkommunikation durch die Blogger als eine Art neue Gatekeeper, die Interaktivität aller Beteiligten, die Aufhebung der Grenze zwischen Rezipient und Produzent und damit auch zwischen Profis und Laien (was allerdings nicht das Bloggen durch „Kommunikationsprofis“ wie Journalisten ausschließt).Hans Jürgen Bucher, Steffen Büffel: Vom Gatekeeper-Journalismus zum Netzwerk-Journalismus. Weblogs als Beispiel journalistischen Wandels unter den Bedingungen globaler Medienkommunikation. In: Markus Behmer, Bernd Blöbaum, Armin Scholl, Rudolf Stöber (Hrsg.): Journalismus im Wandel. Analysedimen-sionen, Konzepte, Fallstudien. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005.

Technik Software Charakteristisch für Weblog-Publishing-Systeme ist, dass es mit ihnen sehr einfach ist, Webseiten zu publizieren. Es sind Content-Management-Systeme, die das Anlegen neuer Inhalte sowie die Veränderung und Kommentierung auch für ungeübte Nutzer ermöglichen, dabei jedoch wenig Variationen im Webdesign zulassen. Die gestalterische Anpassung erfolgt meist einmalig bei der Installation durch die Auswahl einer von mehreren verfügbaren Design-Schablonen (Vorlagen). Bei vielen Blogsystemen (zum Beispiel WordPress) lässt sich das Aussehen durch Wechsel der Vorlagen (englisch: „templates“) (oder gar Einspielen eigener) auch nachträglich ändern.

Weblog-Software kann auf eigenem Webspace installiert oder als ASP-Dienst bei kostenlosen oder kostenpflichtigen Anbietern genutzt werden. Zu den bekanntesten Blog-Softwaresystemen gehören Serendipity, WordPress, Movable Type und Textpattern, die meist auf PHP basieren. Mietangebote (Application Service Provider) im deutschsprachigen Raum sind zum Beispiel LiveJournal, Twoday.net oder Blogger.com.

Die veröffentlichten Beiträge und Kommentare sind meist auch per Web-Feed lesbar. Dafür erscheint in modernen Browsern ein Icon (meist in der Adressleiste), oder es wird ein Hyperlink bereitgestellt, der mit dem zu abonnierenden Datenstrom verbunden ist.

Elemente Einträge bzw. Posts Die Einträge, auch Blogartikel, Postings, Blogpostings oder Posts genannt, sind die Artikel, welche die Hauptbestandteile eines Weblogs darstellen. Sie werden üblicherweise umgekehrt chronologisch aufgelistet, die neuesten Beiträge findet man also zuoberst im Weblog. Ältere Beiträge werden zum Teil auf weiteren Seiten angezeigt oder in Archiven aufgelistet.

Thread Als Thread wird hier die Gesamtheit der aufeinander folgenden Beiträge zu einem bestimmten Thema innerhalb eines Blogs bezeichnet.

Permalinks Jeder Eintrag, bei manchen Weblog-Systemen auch jeder Kommentar, besitzt eine eindeutige und sich nicht verändernde, permanente Webadresse (URL). So können andere Nutzer oder andere Blogs direkt einzelne Texte anstatt des gesamten Weblogs verlinken und auf diese verweisen. Diese permanenten Links („Permalinks“) werden z. B. genutzt, wenn man einen einzelnen Artikel aus einem Web-Feed heraus aufruft.

Kommentare Siehe auch: Kommentarbereich

Bei vielen Weblogs ist es möglich, eine eigene Meinung zu einem Eintrag zu veröffentlichen. Ein solcher Kommentar wird dann auf derselben Seite wie der Eintrag selbst oder als Popup angezeigt. Bei vielen Weblogs kann man jedoch festlegen, ob der Kommentar sofort angezeigt wird oder moderiert, also vom Inhaber geprüft und dann freigeschaltet werden muss. Dies wird häufig angewandt, um Vandalismus und Spam in den Blogs zu verhindern.

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