350px 200px|Olympische Ringe Offizieller Name Olympiamannschaft der Sportler und Sportlerinnen aus der Sowjetunion; auf Russisch Олимпийская сборная СССР Teilnahmen an Olympischen Sommerspielen 9 (von 1952 bis 1988) Teilnahmen an Olympischen Winterspielen 8 (von 1956 bis 1988) Medaillenspiegel (Gesamt) Olympische Spiele G S B Gesamt Gewonnene Medaillen 473 376 355 1204 davon Sommerspiele 395 319 296 1010 davon Winterspiele 78 57 59 194 Medaillenspiegel (Gesamt) Paralympics G S B Gesamt Gewonnene Medaillen 21 19 17 57 davon Sommerspiele 21 19 15 55 davon Winterspiele 0 0 2 2 Medaillenspiegel Olympische Spiele G S B Gesamt 1952 22 30 19 71 1956 37 39 32 108
Die sowjetische Olympiamannschaft (russisch ; / Transkription Sowetskaja olimpiskaja komanda; olympisches Länderkürzel URS) war bis zur Auflösung der Sowjetunion, im Jahre 1991, die erfolgreichste Nationenmannschaft, die je an den Olympischen Spielen teilgenommen hat.
Geschichte Die Olympischen Spiele des 20. Jahrhunderts wurden stark durch die Leistungen durch Sportler aus der Sowjetunion geprägt, obwohl sich die UdSSR erst 1951 dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) anschloss. Bis 1937 war die UdSSR Mitglied der Roten Sportinternationale, einer Massenorganisation der Komintern, die gegen den bürgerlichen Sport und die Olympischen Spiele agitierte.André Gounot: Die Rote Sportinternationale, 1921-1937. Kommunistische Massenpolitik im europäischen Arbeitersport. LIT, Münster 2002, insbesondere S. 96–124. Außerdem wurde die Sowjetunion erst 1922 gegründet und viele Unions- bzw. Teilrepubliken erst später an die Sowjetunion angegliedert. Eine Anschauung der Olympischen Spiele nach dem Zweiten Weltkrieg lässt sich ohne Wissen über die politischen Ereignisse gar nicht erklären. Alle Olympischen Spiele von 1952 bis 1988 sind von der Teilung der Welt in zwei unterschiedliche Ideologien geprägt, die sich in vielen Duellen zwischen den Mannschaften aus der Sowjetunion und der USA zeigte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Wettkampf der beiden aus dem Weltkrieg entstandenen Siegermächte, der Sowjetunion und der USA, immer sichtbarer. Diese Zeit des Auf- und Wettrüstens der beiden Mächte, der so genannte Kalte Krieg, spielte nicht nur im militärischen Bereich eine Rolle, sondern wurde auch auf den Sportbereich übertragen. Deshalb wurde von beiden Seiten viel Geld und Aufwand investiert, um die eigenen Sportler auf dem Siegerpodest zu sehen und dem Verlierer zu zeigen, dass das eigene System dem jeweils anderen überlegen sei.
Bis zur Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 war die olympische Mannschaft der Sowjetunion die erfolgreichste Mannschaft überhaupt. Mit dem Zerfall der Sowjetunion wurde auch die sowjetische Olympiamannschaft aufgelöst.
Bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona, Spanien sowie bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville, Frankreich gab es eine Art Sowjetische Olympiamannschaft unter dem Namen Vereintes Team. Diese bestand aus Athleten aus allen Nachfolgestaaten der Sowjetunion mit Ausnahme der Baltischen Staaten. Auch diese Olympischen Sommerspiele konnten die Sportler mit dem Gewinn von 45 Gold-, 38 Silber- und 29 Bronzemedaillen vor den USA und dem wiedervereinigten Deutschland für sich entscheiden. Bei den Olympischen Winterspielen in Frankreich lief es für die Sportler weniger erfreulich, sie gewannen zwar mit 9 Gold-, 6 Silber- und 8 Bronzemedaillen viele Medaillen, trotzdem reichten es nur zum zweiten Platz hinter Deutschland. Das waren die einzigen Auftritte des Vereinten Teams bei den Olympischen Spielen.
Sportförderung Durch die Unterstützung der sowjetischen Regierung, deren Plan es war, den „Klassenfeind USA“ im sportlichen Wettkampf zu besiegen, hatte die Sportförderung in der Sowjetunion eine sehr hohe Bedeutung.
Die Sportler aus der Sowjetunion stellten eine im Vergleich zur Bevölkerung des Landes überproportionale Zahl von Europa- und Weltrekorden in vielen Sportarten auf.
Der große Erfolg der sowjetischen Sportler ist stark mit der systematischen Sportförderung in der UdSSR verknüpft. Das lag vor allem an dem, auf Grund der frühen Förderung, meist noch im Kindesalter beginnenden langen und intensiven Training, das z. B. bei den Turnern schon mit sechs Jahren begann.
Gründe, warum die Sowjetische Regierung den Spitzensport förderte, sind unter anderem internationales Prestige und der Wunsch, die Überlegenheit des Sozialismus zu demonstrieren und dem Feind im Kalten Krieg, den USA, ihre Macht aufzuzeigen.
Durch diesen Weg der Sportförderung, der zum Ziel hatte, die westlichen kapitalistischen Länder im Sport zu besiegen, wurden auch Opfer und gesundheitliche Dauerschäden in Kauf genommen.
Doping Doping war, wie man heute sicher weiß, ein bewährtes Mittel, um die angestrebten Leistungen und die Ziele der sowjetischen Führung zu erreichen. Vielen war nicht klar, wie stark Doping auf den Körper eines Sportlers einwirken kann, deshalb wurden Dopingmittel von vielen Sportlern eingenommen. Teilweise wurden sowjetische Leistungssportler auch ohne ihr Wissen von Trainern und Sportärzten gedopt, was oft zu schweren Dauerschäden nach dem Karriereende führte. Bei internationalen Kontrollen fiel die Sowjetunion jedoch nicht häufiger als andere Länder auf. Doch seit in den 1990er Jahren das Thema Doping und Kontrollen weltweit eine immer größere Rolle spielt, werden auch viele sowjetische Sportler des Dopings bezichtigt.
Erfolge in den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki Olympische Sommerspiele in Helsinki, Finnland: Die Sowjetunion nahm zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen teil. Obwohl der Staat schon 1922 gegründet wurde, hatte man vorher alle Spiele abgesagt. Die sowjetischen Sportler gewannen 22 Gold-, 30 Silber- und 19 Bronzemedaillen und belegten den zweiten Platz hinter den USA mit 40 Gold-, 19 Silber- und 17 Bronzemedaillen.
Nina Romaschkowa gewann im Diskuswurf die erste Goldmedaille und wurde gleichzeitig die erste Olympiasiegerin der Sowjetunion überhaupt.
1956 in Melbourne Olympische Sommerspiele in Melbourne, Australien: Die sowjetische Mannschaft gewann mit 37 Gold-, 39 Silber- und 32 Bronzemedaillen überlegen die Mannschaftswertung vor den USA und Australien. Die sowjetischen Sportler mussten Buhrufe über sich ergehen lassen, da nur wenige Wochen vor den Spielen die Rote Armee den Ungarischen Volksaufstand blutig zerschlagen hatte. Daraufhin sagten Mannschaften wie die Schweiz, die Niederlande oder Spanien die Spiele in Melbourne ab.
Wladimir Kuz gewann im Finale des olympischen 10.000-Meter-Rennens und ließ der Konkurrenz keine Chance. Das 5000-Meter-Rennen fünf Tage später war nur eine Formsache und Kuz gewann seine zweite Goldmedaille.
1960 in Rom Olympische Sommerspiele in Rom, Italien: Die Sowjetunion gewann 43 Gold-, 29 Silber- und 31 Bronzemedaillen vor den USA mit einem Medaillenspiegel von 34 Gold-, 21 Silber- und 16 Bronzemedaillen.
Der sowjetischen Turner Boris Schachlin gewann vier Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille, seine Landsfrau Larissa Latynina drei Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille.
1964 in Tokio Olympische Sommerspiele in Tokio, Japan: Die Sowjetunion gewann 30 Gold-, 31 Silber- und 28 Bronzemedaillen, verlor aber die Mannschaftswertung im Medaillenspiegelvergleich mit den USA, die 36, 26 und 28 Medaillen gewinnen konnten.
Die Turnerin Larissa Latynina holte sechs Medaillen und führt bis heute die ewige Bestenliste als erfolgreichste Sportlerin an.
1968 in Mexiko-Stadt Olympische Sommerspiele in Mexiko-Stadt, Mexiko: Die sowjetische Sportler gewinnen mit 45 Gold-, 32 Silber- und 30 Bronzemedaillen den Gesamt-Medaillenspiegel der Nationen vor den USA, die mit 29 Gold-, 28 Silber- und 34 Bronzemedaillen den zweiten Platz belegen.
Der sowjetische Turner Wladimir Artjomow gewann bei fünf Teilnahmen an Turndisziplinen viermal Gold und einmal Silber. Zu beachten sind bei diesen Spielen die extremen Verhältnisse, denn die Spiele fanden in einer Höhe von über 2200 Meter über NN statt und forderten bei vielen Sportlern ihren Tribut.
1972 in München Olympische Sommerspiele in München, Deutschland: Die sowjetischen Sportler erweisen sich mit 50 Gold-, 27 Silber- und 22 Bronzemedaillen einmal mehr als stärkste Nation vor den USA, die mit 33 Gold-, 31 Silber- und 30 Bronzemedaillen geschlagen wurden.
Der sowjetische Leichtathlet Walerij Borsow gewann die Goldmedaillen im 100- und 200-Meter-Lauf der Herren und eine Silbermedaille mit seiner Mannschaft im Staffellauf.
1976 in Montréal Olympische Sommerspiele in Montréal, Kanada: Die Sportler aus der Sowjetunion gewannen den Gesamt-Medaillenspiegel der Nationen mit insgesamt 49 Gold-, 41 Silber- und 35 Bronzemedaillen vor der Mannschaft aus der DDR, die 40 Gold-, 25 Silber- und 25 Bronzemedaillen gewannen und den US-amerikanischen Sportler, die 34 Gold-, 35 Silber- und 25 Bronzemedaillen gewannen.
Der Turner Nikolai Andrianow gewann vier Gold-, zwei Silber- und eine Bronzemedaille. Die sowjetische Basketballmannschaft der Frauen gewann ihre erste Goldmedaille.
Der sowjetische Pentathlet Borys Onyschtschenko, ein Mitglied der olympischen Pentathlonmannschaft bei den Spielen, wurde disqualifiziert, da er einen manipulierten Degen verwendete. Daraufhin wurde die gesamte Pentathlonmannschaft der Sowjetunion disqualifiziert.
rechts|mini|Symbol der Olympischen Spiele von Moskau
1980 in Moskau Olympische Sommerspiele in Moskau, Sowjetunion, heute Russland: Die sowjetische Mannschaft gewinnt überragend mit 81 Gold-, 69 Silber- und 46 Bronzemedaillen vor der DDR mit 47, 37 und 42 gewonnenen Medaillen.
Der Boykott der US-amerikanischen Mannschaft sowie vieler weiterer westlicher Länder – auch der Bundesrepublik Deutschland – auf Grund des Einmarsches der Sowjetarmee in Afghanistan überschattete die Spiele.
Der sowjetische Turner Alexander Ditjatin war der erfolgreichste Sportler der Spiele, er gewann in allen Turnwettbewerben der Männer eine Medaille und war damit der erste Sportler, der acht olympische Medaillen in einem Jahr gewinnen konnte.
1988 in Seoul Olympische Sommerspiele in Seoul, Südkorea: Die sowjetische Mannschaft gewinnt den Medaillenspiegelvergleich mit 55 Gold-, 30 Silber- und 45 Bronzemedaillen vor den Sportlern aus der DDR, die mit 37, 35 und 30 gewonnenen Medaillen die zweitbeste Mannschaft vor den USA mit nur 36, 31 und 27 Medaillen werden. Das war der letzte Auftritt von sowjetischen Sportlern bei Olympischen Sommerspielen, abgesehen von dem vereinten Team von Barcelona 1992.
Der Turner Wladimir Artjomow gewinnt vier Goldmedaillen.
Geschichtliches und Politisches zu den Olympischen Sommerspielen Von 1924 bis 1936 Auf der IOC-Session 1923 in Rom wurde die Frage aufgeworfen, ob der Sowjetsport oder aber eine Sportvertretung von Exil-Russen integriert werden sollte. Das IOC vermied es, hierzu eine klare Stellung zu beziehen, und einigte sich darauf, dass keine russische Sportorganisation zu den Olympischen Spielen 1924 in Paris einzuladen sei.Horst Ueberhorst: Von Athen bis München. Die modernen Olympischen Spiele, der olympische Gedanke, der deutsche Beitrag. 2. Aufl., Bartels & Wernitz, München/Berlin/Frankfurt a. M. 1971, S. 26 Tatsächlich aber hatte die UdSSR beziehungsweise die höchste Sportinstanz, der Oberste Rat für Körperkultur (ORfK), gar nicht die Absicht, sich dem IOC anzuschließen. Um alle Zweifel über die Position des Sowjetsports auszuräumen, verfasste das Exekutivkomitee der Roten Sportinternationale (deren wichtigster Bestandteil der ORfK war) auf seiner Sitzung vom 30. Januar 1924 eine Presseerklärung, die besagte,