Der Tourismus in Thüringen ist ein Wirtschaftszweig, dessen Bedeutung stetig zunimmt.Wertschöpfung des Tourismus in Thüringen, Tourismusnetzwerk Thüringen, aufgerufen am 27. Juli 2024 Kamen 1995 noch 2,5 Millionen übernachtende Gäste ins Land, waren es 2003 etwa 2,8 Millionen und 2009 etwa 3,2 Millionen, bei neun Millionen Übernachtungen, womit die Bettenauslastung bei 37 % lag. Aus dem Ausland kamen etwa 210.000 Gäste.Thüringer Landesamt für Statistik
Neben den Haupttourismusgebieten im Thüringer Wald und den Städten Eisenach, Erfurt und Weimar gibt es zahlreiche kleinere Regionen, in denen sanfter Tourismus stattfindet, etwa im Hainich. Charakteristisch für Thüringen ist die enge Verzahnung landschaftlich reizvoller Gebiete mit kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten, etwa bei der Wartburg im Thüringer Wald oder den Dornburger Schlössern im Saaletal. So spielen hier auch Tagesausflügler, die nicht statistisch erfasst werden, eine wichtige Rolle.
Thüringen, das „Grüne Herz Deutschlands“ mini|stilisiertes "Grünes Herz" Thüringen, in der geografischen Mitte Deutschlands gelegen, ist zu einem Drittel bewaldet und beherbergt über zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenarten Deutschlands. Seit 1897 ist die Verwendung des Begriffes das „Grüne Herz Deutschlands“ für die Region belegbar.Thüringen, das grüne Herz Deutschlands, Bauhaus-Universität Weimar, aufgerufen am 17. Juli 2024 Der Thüringer Wanderschriftsteller August Trinius verwendete den Begriff mehrfach, erstmals in seinem Beitrag zum Sammelband Das ist des Deutschen Vaterland,Der Originaltext - Kann dieses Grüne Herz ein Nazi sein?, insuedthueringen.de, 8. September 2023 und benannte 1910 ein Buch danach.Das grüne Herz Deutschlands: Eine Wanderfahrt durch den Thüringer Wald. Verlag Vereinigung Heimat und Welt, Berlin 1910 Die Nationalsozialisten missbrauchten den Begriff in den 1930er Jahren im Sinne ihrer Ideologie, mit der Auflösung des Landes Thüringen im Jahr 1952 geriet er weitgehend in Vergessenheit. Erst mit der Neugründung Thüringens im Jahr 1990 fand er wieder Verwendung.
Im Dezember 2022 beschloss das Thüringer Innenministerium, den Begriff nicht mehr für das Tourismusmarketing des Freistaates zu verwenden, weil der Begriff angeblich „einem veralteten Marketingansatz“ folge und „als emotionales Element der Identifikation“ nicht mehr tauge. Dies rief heftige Kritik der Opposition im Thüringer Landtag hervor.Ende des Bundesland-Slogans, mdr.de, 2. Dezember 2022 Im Januar 2025 kündigte das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum an, den Slogan als Dachmarke für das Tourismusmarketing Thüringens zurückholen zu wollen."Grünes Herz Deutschlands": Kommt die umstrittene Thüringen-Marke zurück?, mdr.de, 9. Januar 2025
Touristisch bedeutsame Landschaften Harz mini|Die Ebersburg im thüringischen Südharz Der Harz liegt nur zu einem kleinen Teil in Thüringen. Dennoch stellt der Thüringer Harz eine spezifische Region dar, so findet sich an seinem Südrand ein bedeutendes Gipskarst-Gebiet in der Rüdigsdorfer Schweiz. Die wichtigsten Orte im Südharz sind Nordhausen, Ilfeld und Ellrich. Einige Sehenswürdigkeiten hat Nordhausen zu bieten, wie etwa den Nordhäuser Dom und einige Fachwerkhäuser in der Altstadt, deren größter Teil allerdings 1945 bei einem Luftangriff zerstört wurde. Außerdem ist die Stadt Ausgangspunkt der Harzquerbahn, die nach Wernigerode führt und einen Abzweig zum Brocken besitzt.
Kyffhäuser mini|Kyffhäuser mit Denkmal Der Kyffhäuser ist ein kleines Mittelgebirge im Norden des Landes. Einer Sage nach soll Barbarossa in dem Berg schlafen, bis er wieder gebraucht wird. Im nationalistischen 19. Jahrhundert wurde deshalb auf dem Berg mit dem Kyffhäuserdenkmal eines der größten Denkmäler Deutschlands gebaut, das eine Parallele von Barbarossa zu Wilhelm I. zieht. Am Kyffhäuser liegt Bad Frankenhausen, wo eine wichtige Schlacht des Bauernkriegs stattfand. Dies nahm die DDR zum Anlass, dort das Bauernkriegspanorama zu errichten, eines der größten Gemälde der Welt.
Hainleite, Hohe Schrecke, Schmücke und Finne Diese Mittelgebirgszüge begrenzen das Thüringer Becken nach Norden. Diese Laubwälder wurden wenig besiedelt und stellen daher ein Refugium der Natur dar. Landschaftlich reizvoll sind die Durchbruchstäler von Wipper und Unstrut durch das Gebirge. Sehenswert sind außerdem die Burg Lohra mit einer romanischen Doppelkapelle, das benachbarte Kloster Münchenlohra, das Kloster Göllingen, die Untere Sachsenburg, die Obere Sachsenburg und die Festung Heldrungen. Auf dem Possen befindet sich der höchste Fachwerkturm Deutschlands, von dem man eine Aussicht über weite Teile Nordthüringens hat.
Eichsfeld Das Eichsfeld ist eine Bergregion im Nordwesten Thüringens. Es verfügt über eine abwechslungsreiche Landschaft aus Bergen, Tälern, Feldern und Wäldern. Als größere katholische Region der Neuen Bundesländer verfügt es über einige Wallfahrtsorte. Damit einher geht ein großes Traditionsbewusstsein, das sich an den Ortschaftsbildern erkennen lässt. So sind hier besonders viele alte Gehöfte, oft als Fachwerkbauten, erhalten geblieben. Dazu kommen zahlreiche Burgen und Burgruinen. Heiligenstadt verfügt als Hauptstadt des Eichsfelds über eine sehenswerte Altstadt mit vielen Fachwerkbauten und großen gotischen Kirchenbauten.
Hainich mini|Blick über den Hainich und den Baumkronenpfad Der Hainich ist ein Buchenurwald und als solcher der einzige Nationalpark in Thüringen. Wie die Mittelgebirgszüge am Nordrand des Thüringer Beckens wurde auch er nicht besiedelt und war später teilweise militärisches Sperrgebiet. Deshalb konnte er sich als Rückzugsraum der Natur erhalten. Die Orte am Rand des Hainichs verfügen, ähnlich wie jene im Eichsfeld, über alte und sehenswerte Ortsbilder. Der touristischen Erschließung dient unter anderem ein Baumkronenpfad. Am Nordostrand des Hainichs bei Oberdorla liegt einer der geografischen Mittelpunkte Deutschlands. Seit dem 25. Juni 2011 zählt der Nationalpark Hainich zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas.Alte Buchenwälder in Deutschland sind Weltnaturerbe. In: unesco.de, abgerufen am 25. Juni 2011.
Werratal mini|Oberlauf der Werra in Obermaßfeld-Grimmenthal Das Tal der Werra erstreckt sich durch den gesamten Südwesten Thüringens und ist dessen wichtigste Lebensader. Durch seine dichte Besiedlung weist das Werratal zahlreiche alte Städte und Orte mit sehenswerten Bauten auf, etwa Treffurt, Mihla, Creuzburg, Vacha, Bad Salzungen, Breitungen, Wasungen, Meiningen, Themar, Hildburghausen und Eisfeld. Als landschaftlich besonders reizvoll gilt das Werratal nordwestlich von Eisenach unter anderem mit dem Creuzburger Werradurchbruch, wo der Fluss zahlreiche Schleifen ins Kalksteinrelief geprägt hat. Touristisch von Bedeutung ist die Werra vor allem auch für Wasserwanderer.Wasserwandern. In: Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal, abgerufen am 27. Juli 2024
Rhön mini|Typische Landschaft der Thüringer Rhön Aufgrund der Grenzlage der Thüringer Rhön während der Teilung Deutschlands entwickelte sich hier erst nach 1990 der Tourismus wieder stärker, die Vermarktung erfolgt heute zusammen mit der Bayerischen und Hessischen Rhön unter einer gemeinsamen Dachmarke. Die Rhön ist besonders durch ihre ausblicksreichen offenen Flächen und die artenreiche Flora und Fauna im Biosphärenreservat Rhön bei ruhesuchenden Wanderern beliebt. Die höchsten und bekanntesten Berge der Thüringer Rhön sind die Hohe Geba, der Ellenbogen sowie im Rhönvorland der Dolmar.
Grünes Band Thüringen ist das deutsche Bundesland mit dem größten Anteil der ehemaligen Innerdeutschen Grenze. Weite Teile dieses einstigen Todesstreifens konnten nach 1990 als Biotopverbund Grünes Band entwickelt werden. Dieses ist in Thüringen seit Dezember 2018 als Nationales Naturmonument ausgewiesen.Das Grüne Band Thüringen – Nationales Naturmonument Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. Maßgeblich ist das Inkrafttreten des Gesetzes am 19. Dezember 2018.
Gleichberge Die Gleichberge im Süden Thüringens sind zwei ehemalige Vulkankegel der geologischen Formation der Heldburger Gangschar. Sie ragen heute als Inselberge aus dem Grabfeld heraus. Auf dem kleinen Gleichberg befand sich ein keltisches Oppidum, dessen Wallreste heute noch gut sichtbar sind und das größte archäologische Bodendenkmal Deutschlands nördlich des Mains darstellen. Im Steinsburgmuseum werden die Geschichte der Steinsburg sowie Grabungsfunde dargestellt. An den Gleichbergen liegt die Kleinstadt Römhild mit einem sehenswerten Stadtbild.
Heldburger Land mini|Die Veste Heldburg Die fränkisch geprägte Region Heldburger Land ist der südlichste Teil des Freistaates Thüringen. Aus dem Grabfelder Ackerhügelland ragen zwei Berge vulkanischen Ursprungs markant heraus: der Straufhain (Berg) bei Streufdorf mit der Burgruine Straufhain und der Burgberg bei Heldburg mit der Veste Heldburg, auch Fränkische Leuchte genannt. Auf der Veste Heldburg, einst Jagdschloss und Nebenresidenz der Coburger und Meininger Herzöge, wurde am 8. September 2016 das Deutsche Burgenmuseum eröffnet. Neben den sehenswerten Kleinstädten, der früheren sächsischen Amtsstadt Heldburg und der denkmalgeschützten Altstadt von Ummerstadt gibt es weitere 20 Dörfer mit Ensembles von denkmalgeschützten Fachwerkhäusern. Alles ist eingebettet in unberührte, ruhige und naturgeschützte von Wäldern umgebene Landstriche, die durch Wander- und Radwege gut erschlossen sind. Thüringens einzige Terrassentherme liegt in Bad Colberg.
Thüringer Wald mini|Thüringer Wald bei Oberhof Der Thüringer Wald war schon seit dem 18. Jahrhundert eine Urlaubsregion. Goethe mochte es, dem Trubel am Weimarer Hof zu entfliehen und ein paar ruhige Tage im Thüringer Wald zu verbringen. Das Ferienangebot ist auf Menschen, die Erholung durch Kuren und Wandern suchen, abgestimmt. Wichtige Kurorte sind zum Beispiel Friedrichroda und Bad Liebenstein. Ferienorte für Wandertouristen gibt es überall entlang des Rennsteigs. Der bekannteste ist Oberhof, andere typische Wandererorte sind zum Beispiel Schmiedefeld am Rennsteig und Frauenwald. Der Thüringer Wald wird vom 169,3 km langen Kammweg Rennsteig durchzogen. Auch im Thüringer Wald eröffneten nach der Wende 1990 zahlreiche Spaßbäder, z. B. in Tabarz (TABBS) oder Masserberg. Im Winter herrschen im Thüringer Wald meist gute Wintersportbedingungen, in Oberhof werden daher alljährlich Biathlon- und Skisprungwettbewerbe durchgeführt, beispielsweise fanden hier die Biathlon-Weltmeisterschaften 2004 statt. Die wichtigsten Berge des Thüringer Waldes sind der Schneekopf, der Adlersberg, der Kickelhahn und der Große Inselsberg. Gleichwohl ist das Landschaftsbild des Thüringer Waldes mit seinen Fichten-Monokulturen bisweilen weniger abwechslungsreich als beispielsweise im Vorland. Naturräumlich bedeutsam ist das Biosphärenreservat Vessertal zwischen Ilmenau und Suhl.
Thüringer Schiefergebirge Das Thüringer Schiefergebirge schließt sich östlich an den Thüringer Wald an. Es ist geprägt von Hochflächen, in die sich tiefe Täler eingegraben haben. Das bedeutendste dieser Täler ist jenes der Schwarza. Im Schiefergebirge befinden sich die Glasbläserstadt Lauscha, die ehemalige Residenz Schwarzburg und die Oberweißbacher Bergbahn. Die meisten Orte sind durch verschieferte Häuser geprägt und besitzen deshalb ein recht einheitliches Erscheinungsbild.
Drei Gleichen mini|Drei Gleichen um 1900, (v. l. n. r.): Wachsenburg, Burg Gleichen, Mühlburg Zwischen Erfurt, Gotha und Arnstadt liegt das Gebiet der Drei Gleichen. Dabei handelt es sich um drei mittelalterliche Burgen, in deren Umgebung die ältesten Orte Thüringens liegen. Auch als Naturraum ist das Gebiet bedeutend, etwa durch hier auftretende Badlands. So wurde die Drei-Gleichen-Region zu einem Geopark erklärt.
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