Der Bergepanzer 2 (BPz-2) gehört zur Gruppe der Kampfunterstützungsfahrzeuge. Er ist ein gepanzertes Arbeitsgerät, welches auf Grundlage des Leopard 1 entwickelt wurde. Zu seinem Aufgabengebiet zählen: Sicherstellung der Mobilität der gepanzerten Truppen, das Bergen von Schadfahrzeugen im Gefecht, Hilfeleistung beim Ein- und Ausbau von Triebwerken und Türmen sowie Unterstützung im Instandsetzungsbetrieb. Eingesetzt wird das Fahrzeug bei der Logistiktruppe des Heeres und in den Panzergrenadierbataillonen der Bundeswehr sowie bei den Armeen anderer Staaten, die über den Leopard 1 verfügen. In der Version 2A1 – als Pionierpanzer 1 – war er auch ein Arbeitsgerät der Pioniere. Er ist der dritte Bergepanzer der deutschen Streitkräfte, aber der erste in Eigenentwicklung.

Sein Vorgänger war der Bergepanzer 1 und der Nachfolger ist der auch „Bergepanzer 3“ genannte Büffel.

Entwicklung mini|Bergepanzer 2 (Standard) beim Ziehen eines M48-Turmes mini|Bergepanzer 2A1 sichert Leopard 1 bei erster Gewässerdurchquerung (zur Verbreiterung der Übergangsstelle). Donau/Ingolstadt 1984 Die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ab Mitte der 1950er-Jahre führte auch zur Erstausstattung der Bundeswehr mit US-amerikanischen Panzerfahrzeugen. Neben Kampfpanzern des Typs M47 und M48 wurden auch Bergepanzer des Typs M74 auf Sherman-Chassis und ab 1962 als Nachfolger der Bergepanzer 1 eingeführt.

Mit der Entwicklung des Leopard 1 änderte sich auch das Bergepanzerkonzept der Bundeswehr. General Dietrich Willikens – eine treibende Kraft in der Panzerentwicklung – favorisierte eine Panzerfamilie auf dem Fahrgestell des Leopard 1. Eine einheitliche Ausbildung, Versorgung und die geringeren Produktionskosten machten die Idee des ‚Mehrzweckpanzers‘ für die Bundeswehrführung interessant. Der für den Leopard 1 aufgestellte Forderungskatalog definierte so von Anfang an einen passenden Bergepanzer.

Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) beauftragte im Oktober 1963 das Sonderbüro von Porsche mit der Entwicklung. Unter der Leitung der Konstrukteure Eyb und Greding wurde der Typ 807 entwickelt. Das Gemeinschaftsbüro, bestehend aus den Unternehmen Jung Jungenthal, Atlas-MaK Maschinenbau (Atlas-MaK, ab 1971 nur noch MaK) und den Luther-Werken, fertigte 1964 den ersten von zwei Prototypen. Die Baugruppen des Leopard 1 wurden zu 75 Prozent unverändert übernommen.

Im September 1964 übernahm Atlas-MaK die Hauptverantwortung über das Projekt und leitete die Truppenversuche, während Jung Jungenthal die Werkserprobung und Tests am stehenden Fahrzeug vornahm. Die Entwicklungsabteilung von Porsche war verantwortlich für die Weiterentwicklung und führte Grundsatzversuche wie Durchflussmessungen durch.

Im Frühjahr 1965 wurde von Atlas-MaK der Gesamtplan zur Serienfertigung vorgelegt. Die von Porsche gemachten Änderungen wurden bis Mitte Mai an den Prototypen umgesetzt. Im September 1965 wurden die ersten Versuche an der Erprobungsstelle 51 vorgenommen. Die zweite Umrüstung im Oktober 1965 brachte die Fahrzeuge auf serienähnlichen Zustand. Die Erprobung dieser Vorserienfahrzeuge erfolgte im Zeitraum 19. Oktober bis 23. November.

Am 9. September 1966 übergab Atlas-MaK den ersten von 444 Bergepanzer 2 (Standard) an die Truppe. Die Lieferung dieses ersten Bauloses war im April 1969 abgeschlossen und diente dazu, den Bergepanzer auf M88 Chassis zu ersetzen. Der Stückpreis betrug für die Bundeswehr bei Einführung 750.000 Deutsche Mark.

Im Jahr 1969 folgte das zweite Baulos. Die 36 Bergepanzer waren für die Panzerpioniere des Heeres vorgesehen. Dieser Typ ähnelte in Aussehen und Baugruppen dem Bergepanzer 2 (Standard) und war Bedürfnissen der Pioniere angepasst; er wurde Bergepanzer 2A1 beziehungsweise Pionierpanzer 1 genannt. Alle Fahrzeuge dieses Typs wurden Ende der 1980er-Jahre zum Pionierpanzer 2 Dachs umgebaut. Das Gesamtgewicht betrug 40,8 Tonnen.

Mit der Einführung des Flugabwehrkanonenpanzers Gepard und des Leopard 2 wurde eine leistungsgesteigerte Variante entwickelt und eingeführt. MaK lieferte in den Jahren 1977 bis 1978 im Baulos 3 insgesamt 100 Bergepanzer 2A2 (LS) an die Bundeswehr, die LS-Version verfügte über eine Stütze rechts am Heck, damit waren diese Fahrzeuge in der Lage den 16 Tonnen schweren Turm eines Flakpanzers Gepard zu heben. Weitere neun gingen an die Canadian Army mit der Bezeichnung Taurus – Armoured Recovery Vehicle (ARV).

Insgesamt fertigte Maschinenbau Kiel (seit 1992 ‘Rheinmetall Landsysteme’) 742 Bergepanzer 2.

Das Unternehmen Flensburger Fahrzeugbau, zuständig für die Wehrtechnikinstandsetzung der Leopard-Familie, hat seitdem mehrere Versionen des Bergepanzers entwickelt. Zunächst wurde eine Leistungssteigerung des Bergepanzers 2 (Bergepanzer 2000) entwickelt. Ältere Varianten des Bergepanzers 2 können auf diese Version umgebaut werden. Die Streitkräfte von Belgien und Chile nutzen diese Variante.

2006 und 2007 wurde der Bergepanzer 2 nochmals erheblich modifiziert und leistungsgesteigert, um als Unterstützungsfahrzeug für den Kampfpanzer Leopard 2 eingesetzt werden zu können. Dieses Produkt wird als Bergepanzer Wisent bezeichnet und seit 2008 vom dänischen Heer eingesetzt.Familienfahrzeuge In: Walter J. Spielberger: Die Kampfpanzer Leopard und ihre Abarten. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-613-01198-0, S. 143.

Technische Beschreibung Ausstattung und Besatzung mini|Das Abschleppen von Schadfahrzeugen (hier ein M48) ist eine der leichtesten Aufgaben, die der Bergepanzer zu bewältigen hat Die Besatzung besteht aus insgesamt vier Soldaten: Dem Fahrer, dem Kommandanten, einem Bug-MG-Schützen und als viertes Besatzungsmitglied dem Funkgerätbediener/Bergewart. Der Fahrer sitzt vorne links im Fahrzeug unter einer einteiligen Luke. Er steuert den Panzer nach den Vorgaben des Kommandanten und bedient die Bergeeinrichtungen, darunter den Schild und die Winde. Weiterhin ist er für Wartungsarbeiten an der Wanne des Panzers verantwortlich. Links vom Fahrer befindet sich der MG-Schütze für das Bug-MG. Der Kommandant sitzt leicht nach links versetzt direkt hinter dem Fahrer. Er führt den Panzer, hält die Funkverbindung zur übergeordneten Führungsebene und kann bei Bedarf den Fahrer bei Bedienung des Kranarms übersteuern. Weiterhin ist er für das Laden und Bedienen des Fliegerabwehrmaschinengewehrs verantwortlich. Der vierte Soldat sitzt im hinteren Teil des Aufbaus und blickt nach hinten. Der Zugang zum Kampfraum erfolgt über die drei Dachluken oder die Einstiegsluke auf der linken Fahrzeugseite. Die Notausstiegsluke im Fahrzeugboden ist ebenfalls vorhanden.

Zur Kommunikation verfügen die Fahrzeuge der Bundeswehr über ein UKW-Funkgerät SEM 80 (Sender/Empfänger, mobil 80). Als Nachtsichtgeräte für Kommandant und Fahrer dienen Restlichtverstärker.

Schutzausstattung Die Wanne des Bergepanzers 2 besteht aus geschweißtem Panzerstahl und besitzt eine einlagige Panzerung. Das Schutzniveau für das Fahrgestell entspricht dem des Leopard 1. Der gepanzerte Aufbau erreicht Panzerungsstärken von 25 mm bis 35 mm für die Seiten und 10 mm für das Dach. Die Hydraulikzylinder der Krananlage erhielten einen Splitterschutz. Zur Standardausrüstung zählen eine ABC-Schutz- und Belüftungsanlage sowie eine Feuerwarn- und Unterdrückungsanlage. Die Abgasanlage mit Frischluftbeimischung reduziert die Infrarot-Signatur und unterstützt so den passiven Panzerschutz.

Im Rahmen der Auslandseinsätze wurden einige Bergepanzer 2 durch IBD Deisenroth Engineering (Ingenieurbüro Deisenroth) mit einer zusätzlichen Verbundpanzerung (Mexas Medium) und einer Minenschutzausstattung versehen. Neben Kanada, das ihre Bergepanzer umrüsten ließ, wurde das Schutzpaket von Norwegen getestet.Der Bergepanzer 2 (Standard)/2A2. In: Stefan Marx: Die Bergepanzer der Bundeswehr und die deutsche Bergetechnik. Tankograd Publishing, 2004, S. 19, 23. (Tankograd Militärfahrzeuge Spezial No. 5005)

Bewaffnung Die Bewaffnung ist vorwiegend zur Selbstverteidigung vorgesehen und variiert je nach Nutzerstaat. Die deutschen Streitkräfte verfügen über zwei Maschinengewehre MG3, die als Bug-MG und als Fla-MG auf der Fliegerabwehrlafette der Kommandantenkuppel eingesetzt werden. Eine Nebelmittelwurfanlage im Kaliber 76 mm mit sechs Wurfbechern an der linken Seite des gepanzerten Aufbaus ermöglicht der Besatzung, sich im Gefecht den Blicken des Gegners zu entziehen.

Antrieb und Fahrwerk Das drehstabgefederte Stützrollenlaufwerk des Leopard wurde ohne Änderungen übernommen. Je Seite verfügt es über sieben gummibereifte Doppellaufrollen und vier Stützrollen, wobei die ersten drei und die letzten beiden Laufrollen je mit einem hydraulischen Stoßdämpfer versehen sind. Der Federweg wird durch Kegelstumpffedern und Endanschläge begrenzt. Das Antriebsrad der Kette befindet sich hinten. Als Gleiskette dient eine „lebende“ Endverbinderkette (Typ: D 640A) mit auswechselbaren Kettenpolstern des Herstellers Diehl.

Der komplette Antriebsstrang wurde eins zu eins übernommen. Angetrieben von einem 10-Zylinder-Vielstoffmotor des Typs MB 838 CaM-500 mit zwei mechanischen Ladern erreicht der Bergepanzer 2 eine Höchstgeschwindigkeit von 62 km/h. Das Triebwerk leistet 830 PS bei 37,4 Litern Hubraum und ermöglicht ein Leistungsgewicht von rund 20 PS/t. Der Kraftstoffvorrat der Tanks wurde auf 1550 l vergrößert, um dem erhöhten Verbrauch während der Bergearbeiten Rechnung zu tragen. Die Straßenreichweite beträgt damit 850 km, bei einem Verbrauch von 165 l auf 100 km. Die Pioniervariante war abweichend mit einem Kraftstoffvorrat von 1410 l ausgestattet.

Der Bodendruck liegt bei 0,83 kg/cm² – in der leistungsgesteigerten Variante 2A2 beträgt dieser 0,85 kg/cm².

Um eine gleichbleibende Ölversorgung auch in schwierigem Gelände und bei Schräglage zu gewährleisten, ist der Motor mit einer Trockensumpf-Druckumlaufschmierung ausgerüstet.

Die Stromversorgung des 24-V-Bordnetzes erfolgt durch einen flüssigkeitsgekühlten 9-kW-Drehstromgenerator. Die Batterieanlage besteht aus sechs Batterien zu je 12 Volt mit insgesamt 300 Amperestunden.

Für die Kraftübertragung auf die Kette dient das Schaltgetriebe 4 HP-250 von ZF Friedrichshafen. Angeflanscht an den Motor verfügt es über vier Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge, die elektro-hydraulisch geschaltet werden. Gekuppelt wird über einen hydraulischen Drehmomentwandler mit Überbrückungskupplung. Die Bremsen des Fahrzeugs sind als hydraulische Einkreis-Scheibenbremsen mit Bremsölpumpenunterstützung und Stickstoffreserve ausgelegt. Der Bergepanzer 2 war der erste Panzer der Leopardfamilie mit diesem verbesserten Bremsentyp von Teves, die ab dem dritten Baulos bei den Kampfpanzern nachgerüstet wurde.

Bergeausstattung mini|Bergepanzer 2 (Standard) mit verlastetem Leopard-1-Triebwerk mini|Ausgebaute Bergewinde mini|Heckansicht Bergepanzer 2A2, rechts die Heckabstützung(Fahrzeug befindet sich in der Heeresinstandsetzungslogistik) Das Herzstück des Bergepanzer 2 ist seine Bergeausstattung. Dazu zählen der Kranarm, der Räum- und Stützschild, die Berge- und Windeneinrichtung sowie Gerätschaften zur Instandsetzung wie eine Schneid- und Schweißanlage. Im Rahmen von Feldinstandsetzungen ist es möglich, ein Ersatztriebwerk für den Leopard 1 auf dem Heck des Panzers mitzuführen. Ein Schacht, aufgesetzt auf die Kommandantenluke, macht ihn tiefwat- und tauchfähig, so dass er an Flussübergängen als Sicherungsfahrzeug eingesetzt werden kann.

Die Hydraulikanlage des Pionierpanzer 1 (Bergepanzer 2A1) wurde in ihrer Leistung gesteigert und verfügt zusätzlich über einen Wärmetauscher, um die geforderten Mindesteinsatzdauer von 8 Stunden zu ermöglichen.