The Manson Family war die Bezeichnung für eine sektenähnliche Gruppe junger Frauen und Männer um Charles Manson, die durch zahlreiche schwere Straftaten und insbesondere durch die Tate-Morde in Los Angeles bekannt wurde.

Manson nutzte laut den Ergebnissen der Gerichtsverhandlungen kollektiven Drogenkonsum, sexualisierte Gewalt, sein Charisma und die Dynamik der Hippie-Bewegung, um seine Anhänger gefügig zu machen.

Geschichte Charles Manson hatte im Frühjahr 1967 eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt und wurde auf Bewährung nach Los Angeles entlassen. Zu diesem Zeitpunkt blickte er bereits auf eine lange kriminelle Karriere zurück. Er hatte im Gefängnis Gitarrespielen gelernt. Im Sommer 1967 kam er mit Zustimmung der Justizbehörden nach San Francisco, in die Hauptstadt der Hippiebewegung, der er sich anschloss. Er verkehrte im Szeneschwerpunkt Haight-Ashbury. Dort betätigte er sich als Straßenmusiker und scharte junge Leute um sich, meist Ausreißer mit labiler Persönlichkeit. Die Gruppe wuchs und schon bald wurde Mansons VW-Bus zu klein für die „Family“. So erwarb er einen schwarz angestrichenen Schulbus und durchstreifte damit die Westküstenregion der USA.

Die Größe der Gruppierung variierte; die zumeist weiblichen Mitglieder waren zwischen 13 und 28 Jahre alt, viele davon mit problematischem familiären Hintergrund. Zur „Familie“ gehörten auch einige Kinder. Die Gruppe bestand aus einem festen Kern von rund 30 überwiegend weiblichen Mitgliedern, dem sich insgesamt bis zu 100 Personen für kürzere Zeiträume oder auch regelmäßig wiederkehrend anschlossen.

Manson führte die Gruppe mit autoritären und manipulativen Methoden. Dabei spielte neben gemeinsamem Drogenkonsum Sexualität eine bedeutende Rolle. Er ließ ständig neue Mitglieder, bevorzugt rothaarige junge Frauen, rekrutieren, und umgab sich mit einem zum Zeitgeist passenden, geheimnisvoll-religiösen Gebaren. Zu seiner Methode gehörte laut Staatsanwalt Vincent Bugliosi „Geschwafel, dessen metaphysischer Unsinn durch den Zuhälterjargon und die Redensarten der Rauschgiftszene ebenso bereichert wurde wie durch das Vokabular der Scientologie“. Auch seine Vergangenheit als Strafgefangener stützte seine Glaubwürdigkeit. Alle Gruppenmitglieder bekamen Spitznamen, um damit ihre Identität an Manson und die Gruppe zu binden.

Manson entwickelte außerdem eine ganz eigene Weltsicht, die er mit Elementen aus Liedtexten, bevorzugt aus den Alben der Beatles, begründete. Er glaubte, dass insbesondere das Weiße Album Botschaften an ihn enthalte. So entstand seine apokalyptische Vorstellung eines „Helter Skelter“ (nach dem gleichnamigen Lied auf dem Album). Er deutete den Inhalt als Beschreibung eines bevorstehenden Endkampfes zwischen Schwarzen und Weißen, der sich durch Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten bereits abzeichne.

Ferner verfolgte er das Ziel, als Musiker oder Schauspieler zu Ruhm und Reichtum zu gelangen. Er verlagerte im Herbst 1967 den Lebensmittelpunkt seiner Gruppe in den Raum Los Angeles, um gezielt Kontakte in die Musik- und Filmbranche aufzubauen. Die nomadisierende Gruppe kam in häufig wechselnden Quartieren unter, gelegentlich zog sie auch auf die Barker Ranch im Death-Valley-Nationalpark. Der Produzent Gary Stromberg genehmigte ihm eine Demoaufnahme, schätzte ihn jedoch als unvorbereitet, unzuverlässig und untalentiert ein. Ein folgenreicher Kontakt ergab sich, als zwei Mitglieder seiner Gruppe von Dennis Wilson, einem Mitglied der Beach Boys, als Anhalterinnen mitgenommen wurden. Wilson erwies sich als zugänglich für Mansons manipulativen Charakter. Er nahm die „Familie“ in seiner Villa auf, investierte große Geldsummen in Mansons musikalische Ambitionen und erhielt im Gegenzug Dienstleistungen und sexuelle Gefälligkeiten der weiblichen Mitglieder. Die Lage geriet völlig außer Kontrolle, Wilson sah sich schließlich veranlasst, sein eigenes Haus aufzugeben, bis es seinem Manager im August 1968 gelang, die Gruppe hinauszuwerfen. Wilson gab später an, dieses Abenteuer habe ihn rund 100.000 US-Dollar gekostet. Allerdings hatte er auch Manson die Rechte an einem Lied abgekauft und ihn mit dem Produzenten Terry Melcher bekannt gemacht, der 1968 das spätere Tatobjekt der Tate-Morde, 10050 Cielo Drive, bewohnte. Von mehrfachen Besuchen bei Melcher war Manson dieses Haus bekannt. Melcher lehnte Mansons Demoaufnahmen schließlich ab, wozu neben seiner Talentlosigkeit auch seine aggressive Persönlichkeit, sein offen zur Schau gestellter Rassismus und seine bedrohlichen Reden über Rassenkriege beigetragen haben dürften.

Die Gruppe zog im Raum Los Angeles umher, bis sie sich schließlich auf der Spahn Movie Ranch niederließ. Dabei handelte es sich um eine heruntergekommene Ranch, die früher Western- und B-Movie-Produktionen als Drehort gedient hatte, nach dem Niedergang des Westerngenres aber nur noch Einnahmen durch die Veranstaltung von Ausritten in die Umgebung erzielte. Der achtzigjährige Inhaber George Spahn, fast erblindet, gestattete zahlreichen gescheiterten Personen wie erfolglosen Kleindarstellern, arbeitslosen Stuntmen und Komparsen, gegen Mithilfe beim Reitbetrieb auf dem Gelände zu wohnen. Mansons Frauen kümmerten sich um den Haushalt, und das Gruppenmitglied Lynette Fromme wurde Spahn faktisch als Sexualpartnerin zur Verfügung gestellt.

Die Ranch wurde der Lebensmittelpunkt der „Manson Family“, in dem Manson wie ein Souverän herrschte. Er steuerte das Leben seiner Gruppe bis ins kleinste Detail. Er bestimmte, wer sich wo aufzuhalten hatte, welche Kleidung getragen werden durfte, führte paramilitärisch organisierte Wachdienste und Sicherheitsmaßnahmen ein. Er indoktrinierte seine von der Außenwelt weitgehend abgeschottete Gefolgschaft mit Hilfe von Drogenerfahrungen, Orgien mit Teilnahmepflicht und täglichen Vorträgen über „Helter Skelter“, den von ihm erwarteten Endkampf der Rassen. Er orchestrierte Gemeinschaftstänze und Liederabende, bei denen er seine Werke vortrug, deren Bedeutung anschließend ausgelegt und diskutiert wurde. Dabei verglich er sich selbst mit Jesus Christus, seine Gruppe mit den frühen Christen im antiken Rom, und die Mehrheitsgesellschaft mit den Römern. Um einen Menschen wahrhaft lieben zu können, müsse man bereit sein, ihn zu töten oder für ihn zu sterben. Sexuelle Handlungen nahmen dabei einen besonderen Platz ein. Manson orchestrierte Gruppensexorgien, an denen er sich selbst beteiligte. Wer sich ihm widersetzte, wurde vor der versammelten Gruppe zu sexuellen, auch unfreiwilligen homosexuellen Handlungen genötigt. Von den zumeist weiblichen Mitgliedern wurde erwartet, dass sie sich jederzeit für sexuelle Dienste zur Verfügung stellten, auch für Besucher. Es gab mindestens einen dokumentierten Fall einer von Manson angeordneten Gruppenvergewaltigung einer zu diesem Zeitpunkt vermutlich noch minderjährigen Frau. Die aus diesen Verbindungen hervorgehenden Kinder wurden den Müttern umgehend weggenommen, um sie von deren „Ego“ zu „befreien“, und anderen Mitgliedern übergeben. Sie wurden versteckt gehalten, da Manson sich von den Black Panthers beobachtet wähnte. Mehrere Mitglieder der Gruppe bestätigten, dass Mansons Worten bedingungslos geglaubt wurde, seine Anweisungen ausgeführt wurden und Zweifel oder gar Widerspruch völlig ausgeschlossen waren.PEOPLE of the State of California, Plaintiff and Respondent, v. Charles MANSON et al., Defendants and Appellants. Court of Appeal, Second District, Division 1, California. Cr. 22239, 24376. Decided: August 13, 1976; veröffentlicht auf findlaw.com, abgerufen am 14. August 2022

Um den Endkampf „Helter Skelter“ zu überleben, müsse sich die „Familie“ laut Manson an einen sicheren Ort begeben und nach dem von ihm vorhergesehenen Sieg der Schwarzen die Macht übernehmen; denn diese seien nicht in der Lage, eine Gesellschaft aufzubauen. Manson gab an, er habe in der Wüste eine unterirdische Höhle entdeckt, in der man das Ende des Kampfes abwarten könne. Da die Schwarzen unfähig seien, diesen Krieg zu beginnen, sei dies seine Aufgabe; dazu müsse man gezielt „Pigs“, prominente Mitglieder des weißen Establishments, töten, um Afroamerikanern die Taten anzulasten, unter den Weißen Panik auszulösen und eine Kettenreaktion der Vergeltung in Gang zu setzen. Diese werde schließlich zum großen Krieg der Rassen führen.Summation of Prosecutor Vincent Bugliosi in the Charles Manson (Tate-LaBianca Murder) Trial, Closing Argument, The State of California v. Charles Manson) et al., Delivered by Vincent Bugliosi Los Angeles, California, January 15, 1971 (Schlussplädoyer des Staatsanwalts Vincent Bugliosi), veröffentlicht von Douglas O. Linder, University of Missoury Kansas City (auf archive.org), abgerufen am 24. Juli 2022

Die Gruppe finanzierte sich zunehmend durch Straftaten. Auf dem weitläufigen, verwahrlosten Gelände der Ranch wurden gestohlene Kraftfahrzeuge zerlegt. Manson, ein erfahrener Autodieb, baute gestohlene Fahrzeuge zu geländegängigen Buggys um. Es kam zu Konflikten mit anderen Bewohnern, die bei George Spahn intervenierten. Dabei zog sich Donald „Shorty“ Shea Mansons Zorn zu. Shea wurde später ermordet und auf dem Gelände verscharrt.

Am 16. August 1969 führte die Polizei eine großangelegte Durchsuchung auf der Spahn Movie Ranch durch und nahm zahlreiche Personen vorläufig fest. Grund der Durchsuchung waren allerdings Straftaten wie Autodiebstähle. Nach der Razzia auf der Ranch zog sich die Gruppe auf die Barker Ranch im Death Valley zurück. Dort wurde Manson bei einer weiteren Razzia zusammen mit zahlreichen anderen Mitgliedern seiner Gruppe um den 12. Oktober 1969 festgenommen – wiederum zunächst nur wegen Verdachts des Autodiebstahls und verschiedener kleinerer Delikte. In der Haft offenbarten sich Gruppenmitglieder gegenüber Mithäftlingen schließlich als Mittäter der Tate-Morde, wodurch die Ermittlungen wegen der Tötungsdelikte in Gang kamen. Diese hatten zwar gewaltiges Aufsehen erregt, waren aber bis dahin nicht mit der Manson Family in Verbindung gebracht worden.

Morde, Tötungsversuche und Verdachtsfälle Die Manson Family war ab Ende der 1960er Jahre in mehrere aufsehenerregende Morde und Gewalttaten verwickelt.

Tötungsversuch an Bernard Crowe Bernard „Lotsapoppa“ Crowe war ein Dealer in Los Angeles, der mit Charles „Tex“ Watson in Streit geraten war. Nachdem Crowe Drohungen gegen die „Manson Family“ ausgesprochen hatte, suchte Manson ihn am 1. Juli 1969 in seiner Wohnung auf und schoss ihn nieder. Er hielt Crowe offensichtlich für tot, bis dieser beim Prozess wegen der Tate-Morde als Zeuge auftrat.

Mord an Gary Hinman Der 34 Jahre alte Hinman, Musiklehrer und Doktorand an der University of California, Los Angeles, hatte Bobby Beausoleil an der Universität kennengelernt und sich mit der Manson Family angefreundet. Charles Manson vermutete, dass er im Besitz von geerbten 20.000 US-Dollar sei. Am 25. Juli 1969 entsandte Manson drei Mitglieder seiner Gruppe, Bobby Beausoleil, Mary Brunner und Susan Atkins zu Hinmans Haus in der Old Topanga Canyon Road in Malibu, um Hinman zur Herausgabe des Geldes zu bewegen. Es kam zu Gewalthandlungen, Hinman wurde in seiner Wohnung festgehalten und schwer misshandelt. Auch Manson kam vorbei und verletzte Hinman mit einem Schwerthieb ins Gesicht, während Bruce Davis das Opfer mit einer Waffe bedrohte. Nach zwei Tagen wurde offensichtlich, dass Hinman das geforderte Geld nicht zahlen würde. Darauf telefonierte Beausoleil mit Manson und erhielt von ihm den Auftrag, den schwer verletzten Hinman zu töten. Beausoleil führte die Tat aus. Er wurde später verurteilt und war geständig, gab allerdings an, ursächlich sei ein Streit um ein Drogengeschäft gewesen.

Tate-Morde