Die Hohe Wand im südlichen Niederösterreich ist ein ausgeprägtes Karstplateau von 8 km Länge und einer Breite von 2,5 km, das eine Höhenlage von 900 bis aufweist und im Plackles () kulminiert. Namensgebend sind die steilen Felsabbrüche an der Süd- und Südostseite. Das Hochplateau erstreckt sich vom Bereich des Plackles im Südwesten bis zum sogenannten Wandeck im Nordosten.
Per Kraftfahrzeug erreichbar ist das Plateau der Hohen Wand über eine in elf Monaten erbaute, am 3. Dezember 1932 von Karl Buresch (1878–1936), Landeshauptmann von Niederösterreich, eröffnete Straße, die vom Verkehrsweg zwischen Stollhof und Maiersdorf abzweigt und für die bis Ende 2022 Maut eingehoben wurde.Hohe Wand: Ende für Mautstraße orf.at, 29. Dezember 2022; abgerufen am 29. Dezember 2022.
Geschichte Vom 14. August 1965 bis zur Demontage am 10. August 1994Robert Kamper: Die Demontage der Seilbahnanlage – August 1994. kamper.ws/seilbahn; abgerufen am 8. April 2015. existierte die erste niederösterreichische Doppelsesselbahn von Grünbach auf den Placklesgipfel, die Fahrgäste in 19 Minuten auf die Hohe Wand brachte. Leichte, aber kaum begangene Wanderwege führen vom Dürnbachtal, von Grünbach und von der „Rückseite“, von Miesenbach aus auf den Berg. Die meisten Anstiege im Bereich der Süd- und Südostseite sind anspruchsvoller, es sind Trittsicherheit und teils Schwindelfreiheit nötig. In diesem Bereich sind die meisten der über 700 Kletterrouten aller Schwierigkeitsgrade zu finden; weiters gibt es auch zahlreiche Klettersteige, aber auch einfache Wege (z. B. Brünnlries).
Wegen der Randlage am Wiener Becken und der Erreichbarkeit mit dem Auto sind auf der Hohen Wand auch beliebte Startplätze für Paragleiter und Hängegleiter. Es gibt drei Startplätze für Gleitschirme und Hängegleiter: den am meisten frequentierten Oststartplatz, den anspruchsvollen und vor allem von Hängegleitern benutzten Südstartplatz sowie den wenig benutzten Startplatz Almfrieden. Die Hohe Wand eignet sich besonders bei Süd-Ost-Windlagen zum Fliegen (im Hangaufwind) und ist ein Hausberg der Wiener.Am 5. Juni 1932 landete ein Flugzeug der Marke Phoenix auf dem Hohe-Wand-Massiv. Nach einer Stunde Aufenthalt trat der Pilot den Rückflug nach Wiener Neustadt an. – Siehe:
Naturpark Ein Teil der Hohen Wand ist als Naturpark Hohe Wand unter Schutz gestellt. Unter dem Titel „Naturpark Hohe Wand“ werden jedoch auch Touristenattraktionen – per Eintrittsgeld in den Park – vermarktet, die teilweise als schwer mit einem Naturpark vereinbar kritisiert werden, insbesondere der „Skywalk“. Diese rund fünf Meter über die Flucht der Felswand auskragende und 18 Tonnen schwere Aussichtsplattform wurde 2002 vom Verein Naturpark Hohe Wand errichtet.Schautafel vor Ort Am 2. November 2022 verunfallte ein hier mit einem Fallschirm abspringender 72-jähriger Basejumper beim Start tödlich.Fallschirmspringer tödlich verunglückt orf.at, 3. November 2022, abgerufen am 3. November 2022.
2004 wurde unweit des ehemaligen Wiener Neustädter Hauses (heute: Alpin- und Heimatmuseum Hohe Wand) ein 18 Meter hoher stählerner Aussichtsturm errichtet, der Aussicht in das Piestingtal, zum Schneeberg und bis zum Ötscher ermöglicht.Neuer Aussichtsturm im Naturpark Hohe Wand. Festveranstaltung am 8. Mai. ots.at, 5. Mai 2004; abgerufen am 27. August 2013. Gemeinde Hohe Wand
Nachdem im Jahr 2003 drei Alpensteinböcke aus einem Gehege ausgebüxt waren,; abgerufen am 8. März 2014. vermehrten sich diese Tiere auf der Hohen Wand relativ stark, obwohl der eigentliche Lebensraum der Tiere hochalpines Gebiet ist. Im Jahr 2009 zählte man etwa 40 Tiere und im Jahr 2011 schätzte man rund 60 Tiere. Wegen dieser starken Vermehrung und dem dadurch verursachten starken Verbiss an Pflanzen und Wald, wurden 2011 neun Exemplare, 2012 zwölf und 2013 dreißig zum Abschuss freigegeben.Kurier.at: Landesverweis für Steinwild; abgerufen am 8. März 2014. Trotz dieser Abschüsse ist die Kolonie 2013 auf etwa 75 Tiere angewachsen. Die Jägerschaft forderte daher 2013/14 eine höhere Abschussquote und es wurde angedacht, einen Teil der Tiere in ein hochalpines Revier der Bundesforste nach Altenmarkt im Pongau auszusiedeln.
mini|hochkant|Aussichtsturm; am 8. Mai 2004 eröffnet
Geologie Im Bereich der Hohen Wand sind zahlreiche Höhlen zu finden; die Einhornhöhle im Hirnflitzstein bei Dreistetten ist als Schauhöhle öffentlich zugänglich. Insgesamt sind laut Landesverein für Höhlenkunde in Wien und NÖ rund 250 Höhlen im Gebiete der Hohen Wand verzeichnet. Für Kletterer ist auch der Abstieg ins Windloch (Katasternummer 1863/30), einer Schachthöhle im Saugraben direkt neben dem markierten Weg, von Bedeutung.
Die überwiegend bewaldete Hochfläche weist neben inaktiven Karsttalungen (z. B. Leitergraben, Saugraben) auch Dolinen und Karstmulden (z. B. Lange Wiese mit der Schwinde „Am Lurf“) auf. Die Hochfläche wird vom norischen Hallstätter Kalk (=„Wandkalk“) der hochalpinen Hohe-Wand-Decke aufgebaut, lediglich im Südwesten sind flächenmäßig untergeordnet Hauptdolomit und andere Gesteine am Aufbau beteiligt. Der Hallstätter Kalk taucht gegen Südosten mit einer mächtigen Flexur zur Gosaumulde der Neuen Welt ab und bildet hier in eindrucksvoller Geschlossenheit die SW-NO verlaufenden, namensgebenden Wandabstürze von rund 200 m Höhe mit zahlreichen Klein- und Mittelhöhlen. Der Nordwestabfall der Hohen Wand wird von zwei Felsschluchten, der Großen und der Kleinen Klause, durchzogen, die ebenfalls durch das Vorhandensein von kleineren Karsthöhlen gekennzeichnet sind.
Einfache Aufstiegswege mini|hochkant=1.4|Übersichtskarte der einfachen Aufstiege Die folgenden Wege und Steige sind vom Südwesten der Hohen Wand (dem südlichen Beginn der Wandbildungen) über die hauptsächlich ostwärts ausgerichteten Wände, den Norden und Nordwesten zurück zum Südwesten sortiert (d. h. gegen den Uhrzeigersinn).
Weitere einfache Aufstiegswege Bründlries: Ein blau gekennzeichneter Auf- bzw. Abstiegsweg im Südosten der Hohen Wand und östlich des Hanselsteiges. Der alte, schmale, steile Waldweg wurde angeblich in vergangenen Zeiten für den Holztransport genutzt.Alpenlandmagazin: Hanselsteig (B) - Bründlries, Hohe Wand; abgerufen am 25. Jänner 2014 Der talseitige Wegbeginn ist in der Nähe des Loderhofes () und der obere im Bereich des Waldlehrpfades. Springlessteig (sehr leichter Klettersteig): Ein Auf- und Abstiegsweg im Südwesten der Hohen Wand, der 1899 vom Österreichischen Touristenklub (ÖTK) errichtet wurde und rot-weiß-rot markiert ist. An sich ein steiler Wanderweg mit seilgesicherten Passagen und einer kurzen Einstiegsleiter am Wandfuß mit der Schwierigkeitsstufe A.Bergsteigen.com: Springlessteig; abgerufen am 27. April 2015. Der Zustieg erfolgt von Oberhöflein bzw. Zweiersdorf. Der eigentliche Steig beginnt am Wandfuß () und endet bei der Wiese unterhalb des Hubertushauses. () Völlerinsteig: Der grün gekennzeichnete Aufstiegsweg im zentralen südlichen Bereich der Hohen Wand wurde 1897 vom Österreichischen Touristenklub (ÖTK) errichtetKlettersteigatlas Alpen. S. 127; books.google.at und ist zugleich der Zustieg für die Klettersteige Frauenlucke und Blutspur sowie den ÖTK-Klettergarten. Der Einstieg befindet sich beim Wandfußsteig () und der Ausstieg in der Nähe des Alpengasthofes Postl (). Der Zustieg erfolgt in der Regel vom Sonnenuhr-Parkplatz, der sich nächst der ersten Kehre der Mautstraße befindet (). mini|Blick Richtung Schneeberg unmittelbar vor dem Ausstieg des Wagnersteiges; in der Bildmitte das Wildenauer-Gedenkkreuz auf der Großen Kanzel. Wagnersteig (sehr leichter Klettersteig): Der gelb gekennzeichnete Auf- und Abstiegsweg im Südwesten der Hohen Wand verbindet den Fuß der Hohen Wand mit der Großen Kanzel und hat eine Schwierigkeitsstufe A.Bergsteigen.com: Wagernersteig; abgerufen am 27. April 2015. Der nach Johann Wagner benannte und mit vielen Drahtseilen und eisernen Leitern versehene Steig wurde vom ÖTK, Sektion Wiener Neustadt, errichtet und am 30. Juni 1930 eröffnet; im Jahr 2001 erfolgte seitens des ÖTK eine Generalsanierung. Der Zustieg erfolgt im Regelfall vom Parkplatz beim Seiser Toni. Anschließend steigt man Richtung Osten bis zum blau markierten Wandfußsteig auf. Diesem folgt man in östlicher Richtung, bis man auf den gelb markierten Wagnersteig trifft. () Der Ausstieg befindet sich nächst der Großen Kanzel bzw. der Wilhelm-Eichert-Hütte (). Zischkasteig: Ein Aufstieg im östlichen Bereich der Hohen Wand, der grün gekennzeichnet ist. Der obere Ein- bzw. Ausstieg befindet sich unmittelbar östlich des Herrgottschnitzer-Hauses. () Der talseitige Steigbeginn befindet sich auf dem Verbindungsweg zwischen Dreistetten und Stollhof im Bereich des Frankenhofes. ()
Klettersteige mini|hochkant|Das sogenannte Karnitschstüberl am Hanselsteig mini|hochkant|Infotafel mit Topografie am unteren Einstieg des Gebirgsvereinssteiges mini|hochkant|Der Leitergraben an der Südwestseite der Hohen Wand (zwischen dem Hochkogel- und Hubertushaus). In der Bildmitte der Zweier Wald, ein Vorberg des Kienberges. Blutspur: Ein kurzer (rund 30 Höhenmeter), aber extrem schwerer Klettersteig im oberen Bereich der Hohen Wand zwischen dem ÖTK-Steig und dem Völlerinsteig bzw. ÖTK-Klettergarten mit der Schwierigkeitsstufe E und einer kurzen unversicherten 3+ StelleAxel Jentzsch-Rabl, Andreas Jentzsch, Dieter Wissekal: Klettersteigführer Österreich. Zweite Auflage, Alpinverlag Jentzsch-Rabl, Bad Häring 2008, S. 375, ISBN 978-3-9500920-8-0, online. beim Einstieg. () Der Zustieg zum 1994 errichteten Klettersteig erfolgt über den ÖTK-Steig oder den Völlerinsteig/ÖTK-Klettergarten. Der Ausstieg befindet sich rund 15 Meter westlich vom Ausstieg des ÖTK-Steiges. () Frauenluckensteig: Ein kurzer, blau gekennzeichneter Steig mit rund 30 Höhenmeter und einer Schwierigkeitsstufe von BKlettersteigführer Österreich, S. 379(Online) im zentralen Teil der Hohen Wand. Der Einstieg ist eine linksseitige Abzweigung im oberen Bereich des Völlerinsteiges () und der Ausstieg befindet sich in der Nähe des Alpengasthofes Postl. () Namensgebend ist die rund 12 Meter hohe Schachthöhle Frauenlucke (Katasternummer 1863/8), die mittels einer Leiter erstiegen wird. Ganghofersteig: Ein kurzer Klettersteig im Osten der Hohen Wand mit rund 60 Höhenmeter und einer Schwierigkeitsstufe C/D.Klettersteigführer Österreich, S. 372 (Online) Der Anstieg zum 1928Klettersteigatlas Alpen, S. 125; books.google.at errichteten Klettersteig erfolgt über den Zischkasteig und der Ausstieg befindet sich unmittelbar östlich des Herrgottschnitzerhauses. () Gebirgsvereinssteig: Der Klettersteig im Südwesten der Hohen Wand, der über die Weningerwand auf das Hochplateau führt, hat eine Schwierigkeitsstufe D. Er ist einer der längsten Klettersteige der Hohen Wand mit rund 200 Höhenmeter und erster im östlichen Niederösterreich mit einer Seilbrücke.Bergsteigen.com: Gebirgsvereins-Klettersteig; abgerufen am 11. Juni 2013. Errichtet wurde der Klettersteig vom Österreichischen Gebirgsverein anlässlich 150 Jahre Österreichischer Alpenverein (2012), wobei die Eröffnung durch gewisse Verzögerungen erst am 1. Mai 2013 erfolgte.Alpenverein-Edelweiss.at: Eröffnung-Gebirgsvereinssteig; abgerufen am 16. Dezember 2013. Der Zustieg erfolgt im Regelfall über Seiser-Toni (Grünbach am Schneeberg). Der Einstieg befindet sich etwas oberhalb des Wandfußsteiges am Zustieg zum Turmsteig/Wildenauersteig. () Der Ausstieg erfolgt zwischen dem Hubertushaus und der Wilhelm-Eichert-Hütte.