Das Committee for a Workers’ International (CWI) bzw. Komitee für eine Arbeiterinternationale (KAI) ist eine internationale trotzkistische Vereinigung. Ziel der Organisation mit Sektionen in über 40 Ländern ist „die Abschaffung des Kapitalismus und der Herrschaft der Bourgeoisie, sowie die Ersetzung dieser Herrschaft durch eine Arbeiterregierung auf Grundlage des öffentlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und des Finanzsektors unter demokratischer Kontrolle der Arbeiterklasse“.sozialismus.info: Ein wichtiger Schritt voran - Vereinigung des Komitees für eine Arbeiterinternationale und der Revolutionären Linken

Das Internationale Sekretariat des CWI hat seinen Sitz in London und koordiniert die Arbeit der Sektionen in den verschiedenen Ländern. Die einzelnen Sektionen des CWI sind jeweils eigenständig.

Das CWI distanziert sich in Theorie und Praxis deutlich vom Stalinismus und den Diktaturen in der ehemaligen Sowjetunion und anderen Ländern.

2019 spaltete sich das CWI, als die Mehrheit der Socialist Party (England und Wales) sowie des Internationalen Sekretariats das CWI „neu gründeten“. Auslöser war eine Debatte um Identitätspolitik und Gewerkschaftsarbeit, vor allem in der Socialist Party (Irland) und der Socialist Alternative in den USA. Die Mehrheit der Sektionen, darunter auch die Sozialistische Alternative (SAV) in Deutschland und die Sozialistische Linkspartei in Österreich, verblieben mehrheitlich in der sich nun „CWI Majority“ nennenden Organisation, die sich am 1. Februar 2020 in International Socialist Alternative umbenannte.

Die Minderheit, die die internationale Spaltung befürworteten, darunter die Mehrheit des SAV-Bundesvorstandes, bildete die Sozialistische Organisation Solidarität (Sol).

Geschichte Ursprünge und Gründung Das CWI wurde im April 1974 in London auf einer Konferenz von 46 Besuchern aus 12 Ländern gegründetTaaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 4.; die Ursprünge der CWI gehen jedoch auf die trotzkistische Bewegung der 1930er Jahre in Britannien zurück. Die späteren Führer des CWI und der britischen Militant-Strömung, darunter Ted Grant und Jock Haston, waren damals Mitglieder der 1937 gegründeten Workers' International League (WIL). Diese beteiligte sich im Juni 1938 nicht am Zusammenschluss der anderen trotzkistischen Gruppen in Britannien zur Revolutionary Socialist League (RSL), welche im September 1938 die offizielle britische Sektion der Vierten Internationale wurde. Das Internationale Sekretariat der Vierten Internationale kritisierte die WIL scharf und warnte vor „prinzipienloser Cliquenpolitik [die] nur ins Verderben führen kann“.Erklärung der Gründungskonferenz der Vierten Internationale (1938): "On Unification Of The British Section" 1944 vereinigte sich die WIL mit der RSL zur Revolutionary Communist Party (RCP) als britische Sektion der Vierten Internationale, die die Publikationen der WIL übernahm.

Infolge der Nachkriegskrise der Vierten Internationale und der Kämpfe der Führung zwischen Ernest Mandel, Michel Pablo und James P. Cannon zerfiel auch die britische Sektion wieder. Die Konflikte drehten sich um das Ausbleiben der von Trotzki prognostizierten revolutionären Erhebungen am Ende des Zweiten Weltkriegs und infolgedessen der Umgang der Vierten Internationale mit den nach wie vor dominierenden sozialdemokratischen und stalinistischen Arbeiterparteien, in Großbritannien die Labour Party und die Communist Party of Great Britain. Schlüsselfrage war die zukünftige Notwendigkeit unabhängiger, trotzkistischer Parteien als revolutionäre Führung der Arbeiterklasse. Während die Minderheit Internationales Komitee der Vierten Internationale sich für Entrimus als Mittel zum Aufbaus der eigenen Organisation aussprach, verfolgte die Mehrheit um das Internationale Sekretariat (ISVI) den Entrismus in den großen Arbeiterorganisationen als dauerhafte Strategie.

Ähnlich der Linie des ISVI verließ Jock Haston bereits 1950 die RCP, wies die Vierte Internationale als Führung des Weltproletariats zurück und sah in der Labor-Partei das „Instrument zur Emanzipation“ der Arbeiterklasse.Haston, Jock: Letter to the "Club": 1950. Damit manifestierte er eine verbreitete Demoralisierung, die die internationale Führung mit den Worten beschrieb: „Man kann nichts machen, da der Reformismus die Arbeiterklasse transformiert; man kann nichts machen, da der Stalinismus Siege für die Arbeiterklasse erzielt. Sie haben keine Hoffnung, eine trotzkistische Organisation aufzubauen; sie haben kein Vertrauen in die Entwicklung der Vierten Internationale.“Open letter from the IS to all members of the RCP, 8 Feb. 1949 in: The History of British Trotskyism by Martin Upham Grant und seine Anhänger wurden kurz darauf von der Mehrheit um Gerry Healy ausgeschlossen und bildeten 1953 die International Socialist Group (ISG).Historische und internationale Grundlagen der Socialist Equality Party (Großbritannien)(aktuelles Mitglied des IKVI)

Nachdem die Healy-Gruppe sich der internationalen Minderheit um das „Internationale Komitee“ anschloss, wurde 1957 die Grant-Gruppe unter dem alten Namen „Revolutionary Socialist League“ (RSL) die offizielle britische Sektion der Vierten Internationale „Internationales Sekretariat“ (ISVI).Taaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 5–6.Wegner, Eric: CWI & IMT. Die Militant-Tendenz und ihre Nachfolger: das Committee for a Workers International (CWI) und die International Marxist Tendency (IMT) (Marxismus 30), Wien 2009, S. 5–6. Zuvor hatte sich die selbsternannte „offizielle“ Sektion des ISIV um Socialist-Outlook-Herausgeber John Lawrence selbst aufgelöst.Historische und internationale Grundlagen der Socialist Equality Party (Großbritannien)(aktuelles Mitglied des IKVI)

Anhaltende Differenzen mit der internationalen Führung führten Anfang der 1960er Jahre jedoch zum Aufbau einer von der Führung der Internationale unterstützten Konkurrenzorganisation zur RSL in Britannien, der International Group (IG).Wegner, Eric: CWI & IMT. Die Militant-Tendenz und ihre Nachfolger: das Committee for a Workers International (CWI) und die International Marxist Tendency (IMT) (Marxismus 30), Wien 2009, S. 12. Als es auf dem VIII. Weltkongress der (mittlerweile teilweise wiedervereinigten) Vierten Internationale im Dezember 1965 zu weiteren politischen Zerwürfnissen zwischen der RSL-Führung und der internationalen Führung kam und die IG zudem neben der RSL offiziell als „sympathisierende Sektion“ anerkannt wurde, kam es zum endgültigen Bruch zwischen der RSL und dem „Vereinigten Sekretariat der Vierten Internationale“.Taaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 6–7.

Die RSL hatte unterdessen Anfang 1964 mit der Herausgabe der Zeitung „Militant“ unter der Leitung des aus Liverpool stammenden Chefredakteurs Peter Taaffe begonnen und verfolgte eine Strategie des „vorbereitenden Entrismus“ in der britischen Labour Party, die es ihr erlaubte, bis 1970 die Mehrheit der Vorstandssitze in der Labour-Jugendorganisation Labour Party Young Socialists (LPYS) zu gewinnen. Das schnelle Wachstum der Organisation, die fortan unter dem Namen „Militant-Strömung“ bekannt wurde, und vor allem ihr Einfluss in den LPYS erlaubten es ihr, allmählich über die regelmäßigen Treffen der IUSY internationale Kontakte zu marxistisch orientierten Teilen sozialdemokratischer Jugendorganisationen zu knüpfen und so den Grundstein für den Aufbau einer eigenen internationalen Strömung zu legen, die 1974 mit dem CWI entstand.Taaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 9–11.

Das CWI in den 1970er und 1980er Jahren Über internationale Kontakte gelang es der britischen Militant-Strömung und dem neuen CWI bis Ende der 1970er Jahre unter anderem in Deutschland, Schweden, Belgien, Griechenland und Spanien, aber auch in Indien und Sri Lanka kleine Gruppen aufzubauen.Taaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 11–13. Die Orientierung der Internationale war dabei durch die Strategie des „vorbereitenden Entrismus“ geprägt, die auf Ted Grant zurückging: Solange große Teile der Arbeiterklasse in sozialdemokratischen und stalinistischen Massenparteien und Gewerkschaften organisiert sein würden, sei es die Aufgabe marxistischer Kräfte in diesen Massenorganisationen Kaderstämme aufzubauen und so die Grundlage für die Bildung einer revolutionären Masseninternationale zu legen, die nach dem Bruch der Arbeiterbasis mit den bürgerlichen und stalinistischen Führungen der großen Organisationen entstehen könne. Diese Orientierung fand auch im Namen des CWI ihren Ausdruck, das sich bewusst Komitee für eine (künftige) Arbeiterinternationale nannte, statt sich selbst mit den eigenen bescheidenen Kräften zur revolutionären Masseninternationale zu proklamieren.Taaffe, Peter: Die Internationale. Geschichte des Komitees für eine Arbeiterinternationale, Berlin 2000, S. 7.

Vor allem durch das rapide Wachstum der britischen Organisation in den 1980er Jahren, die unter anderem drei Labour-Parlamentsabgeordnete stellte, zwischen 1983 und 1987 den Stadtrat von Liverpool kontrollierte und auf bis zu 8000 Mitglieder anwuchs, erstarkte das CWI international. Bis Ende der 1980er Jahre kam die Internationale auf über 20 Sektionen und soll nach einer Angabe insgesamt bis zu 14.000 Mitglieder gehabt haben.Wegner, Eric: CWI & IMT. Die Militant-Tendenz und ihre Nachfolger: das Committee for a Workers International (CWI) und die International Marxist Tendency (IMT) (Marxismus 30), Wien 2009, S. 135.

Spaltung des CWI 1991/92 In den Jahren 1991/92 kam es zur Spaltung des CWI auf internationaler Ebene, als eine Minderheit um Militant-Mitbegründer Ted Grant und seine Anhänger, darunter Alan Woods, die Organisation verließen und eine eigenständige internationale Strömung aufbauten, die heute unter dem Namen International Marxist Tendency (IMT) firmiert. Bereits Ende der 1980er Jahre hatten sich in der Militant-Führung Konflikte unter anderem um die Einschätzung der zukünftigen ökonomischen Lage, die Prozesse in den stalinistischen Staaten Osteuropas und der UdSSR und zunehmend auch um die weitere Arbeit in den sozialdemokratischen Parteien zugespitzt.Taaffe, Peter: Two Trends: The Political Roots Of The Breakaway, London 1992. Ausschlaggebend für den Bruch war schließlich die sogenannte Wende zu offener Arbeit („open turn“) in Britannien: Nachdem Militant im Mai 1991 bei einer Nachwahl in Liverpool-Walton zum ersten Mal eigenständig gegen die Labour Party angetreten war, sollte diese Orientierung nachfolgend im ganzen Land umgesetzt werden, wogegen sich um Grant eine Fraktion formierte, die die neue Strategie als „Bedrohung für 40 Jahre Arbeit“ kritisierte.marxist.net: The New Turn - A Threat To Forty Years Work Auf einer Konferenz im November 1991 erreichte die Minderheit um Grant nur 7 % der Stimmen, während die Mehrheit 93 % auf sich vereinigte.Wegner, Eric: CWI & IMT. Die Militant-Tendenz und ihre Nachfolger: das Committee for a Workers International (CWI) und die International Marxist Tendency (IMT) (Marxismus 30), Wien 2009, S. 102. Im Januar 1992 wurde die Grant-Gruppe aus Sicht der IMT endgültig von Militant und CWI ausgeschlossen.Woods, Alan: Ted Grant. The Permanent Revolutionary - How Militant Was Destroyed Aus Sicht des CWI trat die Grant-Gruppe freiwillig aus, nachdem sie mit dem Aufbau von eigenen Strukturen begannen.Taaffe, Peter: Two Trends: The Political Roots Of The Breakaway, London 1992.