Als Einsetzungsworte oder Einsetzungsbericht bezeichnet man den Teil der evangelischen Abendmahlsfeier oder des eucharistischen Hochgebetes in der katholischen Messe, in dem vom Handeln und Reden Jesu beim letzten Abendmahl die Rede ist. Dabei werden die Einsetzungsworte (verba institutionis) Jesu in einer biblischen oder liturgisch redigierten Fassung zitiert.Vgl. Martin Stuflesser: Eucharistie. Liturgische Feier und theologische Erschließung. Pustet, Regensburg 2013, S. 109: Weil sie „Teil des großen Gesamt Eucharistisches Hochgebet sind, sollte man sie besser als Einsetzungsworte, denn als Einsetzungsbericht bezeichnen.“

Einsetzungsberichte im Neuen Testament Einsetzungsworte zum Abendmahl sind in den drei synoptischen Evangelien und im ersten Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth zu finden. Trotz Abweichungen im Detail zeigen sie eine große Übereinstimmung, was auf eine vorliegende Tradition verweist. Man spricht deshalb auch von Abendmahlsparadosis (von gr. paradosis „Überlieferung“). Ferdinand Hahn vermutet, dass Jesus von Nazareth die Kurzform des Brotwortes „Das ist mein Leib“ gebrauchte und damit seinen bevorstehenden Tod deutete; das Kelchwort bei Jesus sei dagegen der Ausblick auf die zukünftige Mahlgemeinschaft im Reich Gottes. Die Einsetzungsworte, so wie sie jetzt im Neuen Testament stehen, bieten eine zweifache Interpretation des Todes Jesu: als Versöhnung und als Stiftung eines neuen Bundes mit Gott. Lukas und Paulus verbinden das Versöhnungsmotiv mit dem Brotwort, das Bundesmotiv mit dem Kelchwort. Matthäus und Markus verbinden Versöhnung und Bund mit dem Kelchwort; bei Matthäus findet sich außerdem das Motiv, dass Jesu Tod die Vergebung der Sünden bewirke.

Jens Schröter betont, dass es Paulus im 1. Brief des Paulus an die Korinther nicht um eine Liturgie des christlichen Kultmahls gehe, sondern um die Art und Weise, wie man das Mahl feiern soll: „gemeinsam essen, gerecht verteilen, aufeinander warten.“Jens Schröter: Die Funktion der Herrenmahlsüberlieferungen im 1. Korintherbrief. Zugleich ein Beitrag zur Rolle der „Einsetzungsworte“ in frühchristlichen Mahltexten, 2009, S. 87. Ein an den Einsetzungsworten orientierter Ablauf des christlichen Kultmahls, an den Paulus die Korinther bei dieser Gelegenheit erinnert hätte, ist nach Schröter nicht zu belegen.Jens Schröter: Die Funktion der Herrenmahlsüberlieferungen im 1. Korintherbrief. Zugleich ein Beitrag zur Rolle der „Einsetzungsworte“ in frühchristlichen Mahltexten, 2009, S. 94 f. Angela Standhartinger vermutet, dass die Einsetzungsworte auf rituelle Totenklagen um Jesus zurückgehen. Antike Totenklagen enthielten typischerweise die Erinnerung an das Leben des Verstorbenen, und Essen und Trinken stellten Gemeinschaft der Trauernden mit ihm her.Angela Standhartinger: Frauen in die Geschichte einschreiben: Zum liturgischen Ort der Einsetzungsworte. In: Early Christianity 9 (2018), S. 255–274.

Matthäus Markus Lukas 1. Brief an die Korinther Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. 16 Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine Erfüllung findet im Reich Gottes. 17 Und er nahm den Kelch, sprach das Dankgebet und sagte: 18 Denn ich sage euch: Von nun an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken, bis das Reich Gottes kommt. 26 Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: 22 Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte:19 Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, 24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Nehmt und esst; das ist mein Leib. Nehmt, das ist mein Leib. Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! 27 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: 23 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, reichte ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus. 24 Und er sagte zu ihnen: 20 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte:25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Trinkt alle daraus; 28 das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird. Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! 29 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich meines Vaters Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von neuem davon trinke im Reich Gottes. siehe oben Vers 16–18 26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt. 27 Wer also unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. 28 Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. 29 Denn wer davon isst und trinkt, ohne zu bedenken, dass es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er isst und trinkt. 30 Deswegen sind unter euch viele schwach und krank und nicht wenige sind schon entschlafen. 31 Gingen wir mit uns selbst ins Gericht, dann würden wir nicht gerichtet. 32 Doch wenn wir jetzt vom Herrn gerichtet werden, dann ist es eine Zurechtweisung, damit wir nicht zusammen mit der Welt verdammt werden. 33 Wenn ihr also zum Mahl zusammenkommt, meine Brüder, wartet aufeinander! 34 Wer Hunger hat, soll zu Hause essen; sonst wird euch die Zusammenkunft zum Gericht. Weitere Anordnungen werde ich treffen, wenn ich komme.

Liturgische Texte der Alten Kirche Eine als Brotbrechen bezeichnete Zeremonie wird bereits für das Urchristentum in der Apostelgeschichte genannt. Die liturgiegeschichtliche Forschung geht davon aus, dass es in den ersten Jahrhunderten keinen festen Text für die Liturgie gegeben habe, lediglich einen Rahmen, den der Zelebrant mit eigenen Worten ausgefüllt habe.Josef Andreas Jungmann SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Band 1, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 39. Das Eucharistiegebet der Traditio Apostolica ist der möglicherweise älteste liturgische Text, in dem die Einsetzungsworte begegnen.Jens Schröter: Die Funktion der Herrenmahlsüberlieferungen im 1. Korintherbrief. Zugleich ein Beitrag zur Rolle der „Einsetzungsworte“ in frühchristlichen Mahltexten, 2009, S. 100. Zur Bedeutung der traditio Apostolica für die Liturgiereformen mehrerer Konfessionen im 20. Jahrhundert vgl. beispielsweise: Martin Wallraff: Spätantike Liturgien und ihr normativer Wert in den Liturgiereformen des 20. Jahrhunderts. In: Benedikt Kranemann, Helmut Jan Sobeczko (Hrsg.): Liturgie in kulturellen Kontexten. Messbuchreform als Thema der Liturgiewissenschaft (= Colloquia theologica. Band 11), Opole 2010, S. 39–60. (Online) Allerdings bietet die Traditio Apostolica besondere Datierungs- und Rekonstruktionsprobleme, da das griechische Original verloren ist und die erhaltenen Übersetzungen in verschiedene Sprachen deutlich voneinander abweichen.

Das Eucharistiegebet ist in zwei Übersetzungen der Traditio zu finden, einer lateinischen (als Palimpsest erhalten in einer Veroneser Handschrift des 4. Jahrhunderts) und in der äthiopischen aus dem 13. Jahrhundert. Das Eucharistiegebet besteht aus einem umfangreichen anamnetischen Dankgebet und angehängter Epiklese. Im Zentrum des anamnetischen Teils finden sich die Einsetzungsworte, grammatisch eingebunden in ein Satzgefüge, das Gott für das in Christus geschenkte Heil dankt.Martin Stuflesser: Eucharistie. Liturgische Feier und theologische Erschließung. Pustet, Regensburg 2013, S. 96 f. Das Brotwort und das Kelchwort werden dabei in direkter Rede formuliert. Dieser Einsetzungsbericht mit dem Gedächtnisauftrag, so Hans Bernhard Meyer, hat nicht nur narrativen Charakter, sondern ist zusammen mit dem Gedächtnisauftrag zu verstehen als „Grund und Ermächtigung für das kultische Gedächtnis des Herrenmahles“ und konstituiert die kultisch vergegenwärtigende sakramentale Zeichenhandlung. Gegenüber dem jüdischen Nachtischgebet, dem es formal verwandt ist, ist die Trennung vom gemeindlichen Sättigungsmahl vollständig vollzogen; zwischen dem Segensbrot beim Gemeindemahl und dem eucharistischen Brot wird sorgfältig unterschieden.Hans Bernhard Meyer: Eucharistie. Geschichte, Theologie, Pastoral. Regensburg 1989 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, Teil 4), S. 106, 347. Ausdrücklich heißt es in der Traditio Apostolica, dass das Hochgebet auch in anderer Form gesprochen werden kann.

Außer in der Traditio Apostolica ist die Integration der Einsetzungsworte in das Eucharistiegebet nur im Montserrat-Papyruscodex (PMontsRoca inv. 155a) aus dem 4. Jahrhundert bezeugt; daher ist eher unwahrscheinlich, dass Eucharistiegebete in vorkonstantinischer Zeit die Einsetzungsworte enthielten.Harald Buchinger: Liturgiegeschichte im Umbruch: Fallbeispiele aus der Alten Kirche. In: Albert Gerhards, Benedikt Kranemann (Hrsg.): Dynamik und Diversität des Gottesdienstes. Liturgiegeschichte in neuem Licht (= Quaestiones disputatae. Band 289). Herder, Freiburg im Breisgau 2018, S. 152–184, hier S. 162 f. (Online). Bei Justin dem Märtyrer ist die Kenntnis des Einsetzungsberichts notwendig, um die christliche Mahlfeier zu verstehen; dazu müssen die Einsetzungsworte aber nicht während der Mahlfeier rezitiert werden.Michael Meyer-Blanck: Gottesdienstlehre, Mohr Siebeck, Tübingen 2011, S. 139.

Die von Kaiser Konstantin bewirkte Kirchenfreiheit des Christentums führte zum Anwachsen von Zahl und Größe der Gemeinden; dies und die Lehrauseinandersetzungen im Bereich der Christologie und Trinitätslehre erforderten zunehmend festgelegte und einheitliche liturgische Ordnungen, um die Rechtgläubigkeit der Liturgie zu sichern.Hans Bernhard Meyer: Eucharistie. Geschichte, Theologie, Pastoral. Regensburg 1989 (Gottesdienst der Kirche. Handbuch der Liturgiewissenschaft, Teil 4), S. 106f, 168f. Nach Hans Bernhard Meyer ging die Entwicklung von Liturgien ohne Einsetzungsworte zu Liturgien, die indirekt auf sie anspielen, zur direkten Zitation der Herrenworte im anamnetischen Teil des Eucharistiegebets. Letzteres sei in allen Liturgien ab dem 4. Jahrhundert die Regel geworden. Dabei wurde der biblische Text um mimetische Elemente und Ehrfurchtsgesten erweitert und rituell ausgestaltet; nirgends wird einer der biblischen Texte direkt wiedergegeben. Jesus nahm das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände findet sich bereits früh in orientalischen Texten und ist in den östlichen Liturgien noch weiter ausgeschmückt. Dass Jesus die Augen zum Himmel erhob (westliche Liturgie), ist ein Anklang an die Brotvermehrung (; vgl. auch und ). Festzustellen ist eine zunehmende symmetrische Parallelisierung der Abschnitte von Brot und Kelch, erklärbar durch „das Interesse des lauten, wohlabgewogenen Vortrags“ (Jungmann).Josef Andreas Jungmann  SJ: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der römischen Messe. Band 2, Herder Verlag, Wien, Freiburg, Basel, 5. Auflage 1962, S. 243–248.

Mit der Anaphora der Apostel Addai und Mari hat sich eine archaische Form des Eucharistiegebets ohne Einsetzungsworte in der syrisch-chaldäischen Kirche bis in die Gegenwart erhalten.Michael Meyer-Blanck: Gottesdienstlehre, Mohr Siebeck, Tübingen 2011, S. 137.