Ein Geschoss (in Österreich GeschoßÖsterreichisches Wörterbuch, 43. aktualisierte Auflage (2018), S. 285.), auch Etage, Stockwerk und Stock, ist die Gesamtheit aller Räume in einem Gebäude, die auf einer Zugangsebene liegen und horizontal verbunden sind. Ein Geschoss kann Höhenunterschiede haben – entscheidend ist aber die horizontale Zusammengehörigkeit der Räume. Der Begriff wird heute unabhängig von der Art der Gebäudekonstruktion verwendet.

Anzahl und Fläche der Geschosse sowie die Geschosshöhe haben Einfluss auf die Nutzbarkeit von Gebäuden.

Wortherkunft mini|Geschoss (Ständerbauweise, links) und Stockwerk (Rähmbauweise, rechts) in der ursprünglichen Wortbedeutung

Ursprünglich leiten sich die Bezeichnungen Geschoss und Stockwerk von unterschiedlichen Arten der Holzbauweise ab. Bei Gebäuden mit einem über die gesamte Höhe des Gebäudes durchgehenden Ständerwerk (Ständerbauweise) wurden Geschosse dadurch gebildet, dass in das Ständerwerk Quer- oder Deckenbalken eingeschossen (also eingezogen) wurden. Darin unterscheidet es sich auch ursprünglich von einem Stockwerk oder Stock, das jeweils in sich abgezimmert (ausgesteift) ist und eine eigene Konstruktionseinheit bildet (Stockwerkbauweise). Es gibt somit keine durchgehenden Ständer, wodurch die oberen Stockwerke über die unteren auskragen können. Der Name stammt aus dem Fachwerkbau und setzt sich aus den Worten Stock für Wurzelstock, Stab, Pfahl und Werk für verarbeiten zusammen, Stockwerk also etwa im Sinne von Balkenwerk.Heinz Ellenberg: Bauernhaus und Landschaft – in ökologischer und historischer Sicht. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1990, ISBN 3-8001-3087-4, S. 42, 573. In diesem konstruktiven Sinne wird der Begriff in der Baugeschichtsforschung weiterhin verwendet.

Im Bauwesen hingegen wird heute nur noch von Geschossen gesprochen. Das Wort Stockwerk ist kein Fachterminus. Ein Grund dafür ist sicherlich der immer geringere Anteil von Gebäuden in traditioneller Fachwerkbauweise. Bei reinen Fachwerkhäusern ist die Anzahl der Stockwerke zumeist gleich der Geschosse im heutigen Sinne. Bei Gebäuden mit einem steinernen Erdgeschoss und aufgesetzten (hölzernen) Stockwerken gibt es hingegen Unterschiede. Benutzt man den Begriff Stockwerk generell für alle Gebäude, kann dies zu einer missverständlichen Aussage führen.

Die Verwendung des Wortes Etage (von französisch: étage = Rang, Stand, aus dem mittellateinischen stagium = Standort von: stare = stehen) als Synonym für Geschoss kann zu ähnlichen Schwierigkeiten führen. Im französischen Sprachraum ist mit der ersten Etage (premier étage) das erste Obergeschoss gemeint.

Geschossigkeit mini|Eingeschossiges Haus (modernisiertes Torp) in Schweden Man spricht in der Architektur allgemein von eingeschossigen Gebäuden, wenn alle nutzbaren Räume im Erdgeschoss liegen. Zu den Haustypen, für die eine eingeschossige Bauweise charakteristisch ist, zählen beispielsweise Bungalows, Baracken oder traditionelle britische Cottages. Nach dem Wortgebrauch im Baurecht verfügen eingeschossige Gebäude lediglich über ein Vollgeschoss, zu dem dann beispielsweise noch ein ausgebautes Dachgeschoss hinzukommen kann (sofern dieses nicht die Ausmaße eines Vollgeschosses erreicht). Mehrgeschossige Gebäude haben eine beliebige Anzahl von Geschossen, die übereinander geschichtet sind. Sie werden entsprechend der Anzahl ihrer Vollgeschosse benannt, zum Beispiel dreigeschossiges Gebäude. Die einzelnen Obergeschosse sind über vertikale Erschließungswege wie Treppen oder Aufzüge zugänglich.

Geschossbezeichnungen mini|Geschossbezeichnungen: Dachgeschoss (D), Obergeschoss oder 1. Stock (S), Erdgeschoss oder Parterre (P), Untergeschoss oder Keller (K) mini|Bezeichnungen Souterrain, Parterre, Mezzanin und Stock an einem Mietshaus in Wien-Wieden

Als Normalgeschoss bezeichnet man alle Geschosse, deren Grundfläche der Gebäudegrundfläche entspricht. Die Geschosszahl, die in Bebauungsplänen vorgegeben sein kann, berücksichtigt nur die sogenannten Normalgeschosse (Erd- und Obergeschosse).

Es gibt eine Vielzahl von Geschossbezeichnungen, der Name richtet sich zumeist nach der Position des Geschosses im Gebäude. Im Folgenden werden die verschiedenen Bezeichnungen erläutert.

Erdgeschoss (EG) Das Erdgeschoss oder Parterre (so die Bezeichnung in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein) und veraltet Rez-de-Chaussée ist das zu ebener Erde liegende Geschoss eines Gebäudes. Erdgeschosse liegen nicht zwangsläufig exakt auf dem Höhenniveau des umliegenden Geländes und sind nicht immer identisch mit der Nullebene. Oft führen einige Stufen hinauf, seltener auch hinunter auf das Fußbodenniveau des Erdgeschosses. Normalerweise erfolgt die Erschließung eines Gebäudes über das Erdgeschoss, hier ist der Hauseingang mit dem Zugang zum Treppenhaus und gegebenenfalls zum Personenaufzug. Auch die Fluchtwege innerhalb eines Gebäudes enden üblicherweise im Erdgeschoss. Bei Wohnhäusern mit eigenem Garten kann eine Terrasse an das Erdgeschoss anschließen.

Bei mehrgeschossigen Gebäuden unterscheidet sich das Erdgeschoss in Nutzung, Grundriss, Geschosshöhe und Fassadengestaltung oft grundlegend von den Obergeschossen. Die Architektur der Fassade stellt diesen Unterschied meist deutlich heraus. In der zeitgenössischen Architektur zeigen vor allem Gebäude mit einer vertikalen Nutzungsmischung (Geschäfte im Erdgeschoss, Wohnen in den Obergeschossen) diesen Kontrast.

Ist im Haus ein unterhalb der Straßenebene liegendes Souterrain (Tiefparterre) vorhanden, liegt das Erdgeschoss entsprechend einige Treppenstufen (etwa ein halbes Geschoss) über der Straßenebene und wird dann auch als Hochparterre bezeichnet. In Deutschland beurteilte ein Amtsgericht, dass ein Stockwerk dann als Hochparterre gilt, wenn die Unterkante des Fensters wenigstens 1,94 m vom Boden entfernt ist.Der Artikel verweist auf eine Entscheidung des Amtsgerichts Berlin (Aktenzeichen: 18 C 230/08). Besonders bei einer Hanglage des Hauses kann der Höhenunterschied vom Hochparterre zum Umgebungsterrain deutlich hervortreten.

Kellergeschoss (KG) Unterhalb des Erdgeschosses befinden sich die Kellergeschosse, auch Untergeschosse (UG) oder Tiefgeschosse genannt. Sie liegen in der Regel unter der umgebenden Geländeoberfläche. Ein Kellergeschoss, das nur zum Teil unter der Geländeoberfläche liegt und über natürliche Belichtung verfügt, nennt man auch Souterrain oder Tiefparterre.

Unterschiede zwischen den Begriffen ergeben sich aus der Nutzung. Keller dienen nicht als Wohnraum, sondern untergeordneten Zwecken und sind entsprechend einfach ausgebildet. Bei anderer Nutzung und entsprechendem Ausbau (beispielsweise als Verkaufsfläche in einem Warenhaus) findet der Begriff Untergeschoss Anwendung. Der Begriff Tiefgeschoss wird vor allem bei Tiefgaragen verwendet. Bei mehreren Untergeschossen zählt man vom Erdgeschoss in die Tiefe.

Obergeschoss (OG) Als Obergeschoss oder Stock bezeichnet man alle Geschosse über dem Erdgeschoss und unter dem Dachgeschoss. Bei mehr als einem Obergeschoss nummeriert man die Geschosse. Die Form der Nummerierung von Geschossen unterscheidet sich von Region zu Region.

Das erste Obergeschoss war im historischen Wohnhausbau meist das mit der größten Raumhöhe und der prächtigsten Ausstattung, daher die Bezeichnungen „Piano nobile“ (italien., v. a. im 17. Jahrhundert) oder „Beletage“ (franz., v. a. im 18./19. Jahrhundert).

Dachgeschoss (DG) mini|Haus mit mehreren Dachgeschossen (Eckental, Mittelfranken) Als Dachgeschoss bezeichnet man genutzte Geschosse, die direkt unterm bzw. im Dach liegen. Ungenutzte Bereiche bezeichnet man als Dachboden. Der Bereich über dem genutzten Dachgeschoss ist der Spitzboden. Im Mansarddach wird das ausgebaute Unterdach als Mansarde bezeichnet.

Aufgrund der Dachneigung und ggf. aufgrund von Abseiten haben Dachgeschosse eine kleinere nutzbare Grundfläche als die darunterliegenden Geschosse. Durch den Einbau von Dachgauben, Zwerchhäusern und anderen Dachaufbauten kann der nutzbare Innenraum wieder vergrößert werden. Davon abhängig können Dachgeschosse baurechtlich eventuell als Vollgeschosse eingeordnet werden. Auch für Dachgeschosse gilt die von unten nach oben fortlaufende numerische Zählung, wenn mehrere übereinander liegen.

Nummerierung Für die Nummerierung der Stockwerke, beispielsweise in Aufzügen, gibt es im Wesentlichen drei verschiedene Systeme:

Das Erdgeschoss hat die Nummer 0. Das Geschoss Nummer 1 ist also das erste Obergeschoss, −1 das erste Untergeschoss. Dies ist die übliche Nummerierung in den meisten europäischen Ländern. Auf der Erdgeschoss-Taste im Aufzug kann anstelle der Ziffer 0 auch eine Abkürzung für „Erdgeschoss“ in der jeweiligen Landessprache vorhanden sein (siehe Tabelle). Das Erdgeschoss hat die Nummer 1. Dies ist beispielsweise in Nordamerika üblich (Erdgeschoss = first floor im amerikanischen Englisch). Das erste Obergeschoss trägt damit bereits die Nummer 2. Die Nummer 0 für das erste Untergeschoss kann vorhanden sein, aber auch übersprungen werden, wodurch die Nummerierung der Untergeschosse mit −1 oder einer entsprechenden Abkürzung beginnt.

Das unterste Geschoss hat die Nummer 1. In diesem Falle ist die Nummer des Erdgeschosses von der Anzahl der Untergeschosse abhängig. Diese Nummerierung wird beispielsweise bei den meisten Gebäuden der RPTU am Standort Kaiserslautern angewendet: Das Untergeschoss trägt hier die Nummer 1, womit Etage 2 das Erdgeschoss bezeichnet. Auch viele Gebäude von Siemens nutzen diese Nummerierung: Da hier in der Regel zwei Kellergeschosse vorhanden sind, trägt das Erdgeschoss sogar die Nummer 3.

+GeschossEuropa (überwiegend)NordamerikaNorwegen und OsteuropaChina/JapanRPTU, Standort Kaiserslautern; tw. JapanDachgeschossD/DG (Dachgeschoss), R (Roof)R (Roof), PH (Penthouse)4. Obergeschoss4555 oder 663. Obergeschoss3444 oder 5 52. Obergeschoss233341. Obergeschoss12223Erdgeschoss0, E/EG (Erdgeschoss), G (Ground floor) oder RC (Rez-de-Chaussée)1, L (Lobby), G (Ground); in frankophonen Teilen Kanadas auch RC (Rez-de-Chaussée)112Halbgeschoss zwischen Erdgeschoss und 1. Untergeschoss (Souterrain)LG (Lower Ground floor)LL (Lower Lobby), selten 00G1. Untergeschoss −1, U/UG (Untergeschoss), K/KG (Keller(geschoss)), B (Basement) oder B1B1 oder −1 −1B112. Untergeschoss −2, TK (Tiefkeller) oder B2B2 oder −2 −2B20 oder B13. Untergeschoss −3 oder B3B3 oder −3 −3B3B2 mini|Bedientableau eines Aufzugs; es gibt keine Taste mit der Nummer 13

Trivia Weltweit ist in vielen Hochhäusern kein 13. Stockwerk vorhanden, da die 13 als Unglückszahl gilt und viele Menschen Angst vor der Zahl 13 haben (Triskaidekaphobie). Die Nummer 13 wird entweder (wie im Bild) ausgelassen oder durch z. B. 12A (seltener auch 12½) ersetzt.

Ähnliches gilt in China bzw. in mehreren fernöstlichen Ländern für die Zahl 4 sowie alle Zahlen, die die Ziffer 4 enthalten. Hintergrund ist, dass die Aussprache der Wörter „vier“ und „Tod“ in mehreren dort verbreiteten Sprachen sehr ähnlich ist, was auf die Bevölkerung ähnlichen Aberglauben auslöst wie die 13 in westlichen Kulturen. Man spricht hier auch von Tetraphobie.

Für Halbgeschosse (Zwischengeschosse) gibt es verschiedene Bezeichnungen. Beispielsweise kann ein Zwischengeschoss zwischen dem 2. und 3. Obergeschoss als 2A oder auch 2M (wie Mezzanin) bezeichnet werden. Vereinzelt anzutreffen ist die Bezeichnung als 2.5 oder 2½. Gibt es ein Halbgeschoss über oder unter dem Erdgeschoss, so werden diese beiden Geschosse in den USA oft als LL (Lower Lobby) und UL (Upper Lobby) bezeichnet. Dies ist auch bei Vollgeschossen üblich, wenn beide Stockwerke über Eingänge verfügen.