mini|Elf Gehäuse der Ring-Kaurischnecke und Euro-Cent-Münzen – derartige Schnecken dienten als Kaurigeld, hauptsächlich als Kleingeld mini| Gehäuse verschiedener Kauri­schnecken­arten, von denen bisher 200 bekannt sind mini|Arabische Händler mit Kaurischnecken, die als Geld verwendet wurden (Druck von 1845) mini| Geld-Kaurischnecke (Monetaria moneta) mini| Ring-Kaurischnecke (Monetaria annulus) mini| Ring-Kaurischnecke von oben und unten mini|Video: Die ersten Zahlungsmittel (u. a. Kaurigeld)

Kaurigeld ist eine historische Form von einfachem Geld (Primitivgeld), die in Afrika, Ost- und Südasien und der Südsee als vormünzliches Zahlungsmittel oder Naturalgeld (Warengeld aus Naturgegenständen) weit verbreitet war und stellenweise noch heute traditionell und rituell verwendet wird. Bestehend oder hergestellt aus den Gehäusen von Kaurischnecken, war Kaurigeld das nach Raum und Zeit am weitesten verbreitete Muschel- oder Schneckenhausgeld (in der Münzkunde auch als Molluskengeld bezeichnet). Die Kaurischnecken wurden meist auf Bastfäden gezogen und als Geldschnüre gehandelt, für noch größere Mengen gab es in manchen Gebieten korbförmige Hohlmaße. Kauris zirkulierten in Teilen Afrikas, in Indien, Afghanistan, Südostasien, China und vielen Inseln Melanesiens.Alice Hingston Quiggin: A Survey of Primitive Money, the Beginnings of Currency. Methuen, London 1949, S. ?? (online im Internet Archive).

In Afrika war es fast immer und ausschließlich Tausch- oder Handelsgeld.Wilhelm Gerloff: Die Entstehung des Geldes und die Anfänge des Geldwesens (= Frankfurter wissenschaftliche Beiträge. Band 1). 3., neubearbeitete Auflage. Universität Frankfurt, Frankfurt 1947, S. 105 (). Kaurigeld war das erste allgemeingültige Geld und spielte eine große Rolle im überregionalen Handel. Kaurigeld gab es bereits vor den Metallmünzen und in einigen Fällen war es parallel zu Metallmünzen in Gebrauch. Da Transport und Handel früher sehr einfach abliefen, wurden die Kaurischnecken umso wertvoller, je weiter sie ins Landesinnere transportiert wurden. Die Schneckengehäuse wurden vor allem auf den Malediven und rund um den Golf von Thailand gesammelt.Roderich Ptak: Die maritime Seidenstraße. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56189-4, S. 98 ().

Die kleinen, eiförmigen, sehr stabilen Kaurischneckengehäuse mit ihren bunt gefärbten Schalen mit glänzendem Schmelzüberzug wurden etwa von 2000 v. Chr., also noch in der Bronzezeit, bis ins späte 19. Jahrhundert verwendet. Sie zirkulierten als fälschungssichere internationale „Währung“ auf dem halben Globus. Genaugenommen war Kaurigeld kein Geld im Sinn von Währung, denn es gab keine staatliche Aufsicht und kein Bankensystem dafür; Kaurigeld diente jedoch als Wertaufbewahrungsmittel. Zunächst fand das Kaurigeld Verbreitung in Südasien und Südostasien, China und Indien, später auch in Ostafrika, in Zentralafrika und im tropischen Westafrika, sowie in der Südsee. In vielen Regionen Asiens und Afrikas war die Kaurischnecke sowohl Handelsgut als auch Zahlungsmittel.

Im vormetallischen Geldwesen stand Kaurigeld an der Grenze zwischen Geld und Nichtgeld, da Kaurischnecken auch als Schmuck verwendet wurden. Kaurigeld war eine zoogene Währung (aus tierischen Bestandteilen), wie beispielsweise auch Pelzgeld oder Ledergeld.

Dieses vormünzliche Zahlungsmittel war nach seiner Blütezeit in China zudem in Indien und auf den Inseln des Indischen Ozeans als Scheidemünzen in Gebrauch, von wo es Kaufleute nach Afrika brachten. Kaurigeld diente wegen des relativ geringen Wertes besonders als Kleingeld. In Südasien endete die Verwendung im 19. Jahrhundert, in Westafrika zu Beginn des 20. Jahrhunderts.René Sedillot: Muscheln, Münzen und Papier. Die Geschichte des Geldes. Frankfurt/New York 1992, ISBN 3-593-34707-5, S. 42.

Ein einzelnes Kaurigehäuse selber hatte nur geringen Wert, auch deshalb wurden große Mengen davon als Währung benutzt. Im kolonialen Deutschland wurde dieses Zahlungsmittel auch „Negergeld“ genannt. Kaurigeld war ein beliebtes Thema in den Schilderungen von Entdeckern und Reisenden.

Größe und Gewicht der gehandelten Kaurischneckenarten sind recht einheitlich. Das Durchschnittsgewicht einer Kaurischnecke bewegt sich zwischen 0,8 und 3,5 Gramm. Der Marktwert der Kaurischnecke beruhte auf gegenseitiger Übereinkunft und war unabhängig von ihrer Größe – jede Kaurischnecke hatte den gleichen Geldwert. Der Wechselkurs des Kaurigeldes zu den oft gleichzeitig parallel in Umlauf befindlichen Geldmünzen war nach Angebot und Nachfrage schwankend. Kaurigeld war in den meisten Fällen kein gesetzliches Zahlungsmittel, denn es bestand kein rechtlicher Anspruch, Kaurischnecken als Zahlungsmittel annehmen zu müssen.

Kaurischnecken mini|hochkant|Röntgenaufnahme einer Kaurischnecke: Das Gehäuse junger Kaurischnecken hat ein kurzes, spitzes Gewinde (rechts oben im Bild zu erkennen) und eine große Endwindung. Im Wachstumsverlauf überwächst die Endwindung das Gewinde, während sich der Wachstumsrand verdickt und sich Zähne auf beiden Seiten der verengten Mündung bilden. mini|Deutlich erkennbare Schneckengewinde mini|Lebensraum der Geld-Kaurischnecke (Monetaria moneta) und der Ring-Kaurischnecke (Monetaria annulus) – vom Roten Meer und Mosambik im Westen, das nördliche Australien, Japan, Hawaii und den Galápagos-Inseln im Osten. Im Atlantik gibt es keine Kaurischnecken.

Das Gehäuse junger Kaurischnecken hat ein kurzes, spitzes Gewinde (rechts oben im Bild zu erkennen) und eine große Endwindung. Im Wachstumsverlauf überwächst die Endwindung das Gewinde, während sich der Wachstumsrand verdickt und sich Zähne auf beiden Seiten der verengten Mündung bilden.Fischhaus Zepkow: Familie Cypraeidae – Porzellanschnecken. In: Schnecken & Muscheln. Eigene Webseite, 2014, abgerufen am 15. August 2014 (ausführliche Darstellungen der Unterarten).

Ursprünglich wurde das Gehäuse (Exoskelett) der kulturgeschichtlich bedeutenden Geld-Kaurischnecke als Zahlungsmittel verwendet. Die Geld-Kaurischnecke stammt aus der Familie der Kaurischnecken, Gattung Monetaria. Die Kaurischnecken werden auch als Porzellanschnecken bezeichnet, weil ihr Gehäuse hellem Porzellan ähnelt.

Der wissenschaftliche Name der Geld-Kaurischnecke ist Monetaria moneta (Linnaeus, 1758).World Register of Marine Species: Monetaria moneta (Linnaeus, 1758). Ein veraltetes Synonym ist Cypraea moneta (Linnaeus, 1758). Weitere veraltete Synonyme für die Geld-Kaurischnecke sind Geldschnecke und Erosaria moneta.

Englische Namen für die Ring-Kaurischnecke sind money cowrie oder money cowry. Der französische Name ist Porcelaine monnaie und der niederländische Geldkauri. In Japan hießen sie Africa Kiiro-Dakara und auf Hawaii Leho palaoa oder Leho puna.

Historische Namen für die Geld-Kaurischnecke waren im 18. Jahrhundert guineische Münze (französisch Monnoie de Guinée), mohrische Münze, Cauris oder auf Niederländisch Gemeene geele Kauris („gemeine Gelbkauris“).

Der Gattungsname Cypraea leitete sich von der Insel Zypern ab, wo die Liebesgöttin Aphrodite (Beiname Kýpris; lat. Cypria; „Kyprosgeborene“) als die Göttin der Fruchtbarkeit verehrt wurde (siehe auch unten).John Reader: Africa: A Biography of the Continent. 1999, ISBN 0-679-73869-X, S. ??.

Später wurde auch das Gehäuse der Ring-Kaurischnecke verwendet (lateinisch Monetaria annulus; annulus „Ring“; Linnaeus 1758);World Register of Marine Species: Monetaria annulus (Linnaeus, 1758). veraltete Synonyme: Cypraea annulus Linnaeus (1758)World Register of Marine Species: Cypraea annulus Linnaeus, 1758.; Cypraea annularis; Cypraea annulata; Cypraea annulifera.Eintrag: Monetaria annulus annulus. In: gastropods.com. Jedoch wurde der Ring-Kaurischnecke nicht der gleiche Wert beigemessen wie der Geld-Kaurischnecke.

Ein veraltetes Synonym für die Geld-Kaurischnecke ist Erosaria annulus. Englische Namen für die Ring-Kaurischnecke sind ring cowrie, golden ring cowry, golden ring cowrie, gold ringer oder ring top cowrie. Der französische Name ist Porcelaine anneau d’or und der niederländische Ringkauri. Historische Namen für die Ring-Kaurischnecke waren im 18. Jahrhundert gelbe Ring oder goldene Ring und gemeine Kauris, französisch Pucelage ou Cotique blanc, niederländisch Slechte Kauris.

Kaurischnecken sind herbivore oder omnivore Meeresschnecken (Salzwasserschnecken), die im warmen Wasser des Indischen und Pazifischen Ozeans an Korallenstöcken und auf Felsen leben. Kaurischnecken leben unter Felsen und kriechen nachts zum Fressen heraus. Sie sind im Flachwasser in der Gezeitenzone, an Steinstränden, auf Weichböden unter Steinen oder im Seegras anzutreffen, wo sie tagsüber herumwandern und leicht eingesammelt werden können.

Beide Kaurischneckenarten ähneln sich mit ihrem ovalen Schneckenhaus; die Mündung ist eng, schlitzförmig und wegen der aufgetriebenen, knotigen Lippenrändern gezähnt; gesägter Schlitz auf der Unterseite und flacher Buckel auf der Oberseite. Das Gehäuse der Geld-Kaurischnecke ist eiförmig, gelblich porzellanartig glänzend und bis zu 3 cm lang. Das Gehäuse der Ring-Kaurischnecke ist grau-bläulich und orangenfarben umsäumt; es ist bis zu 3 cm lang.

Seit dem 17. Jahrhundert, als Forscher die Natur nach wissenschaftlichen Kriterien zu systematisieren begannen, erhielten die Kaurischnecken Namen nach ihrer wirtschaftlichen Funktion. Nigritarum moneta „Geld der Nigritier“ nannte 1685 der englische Naturforscher Martin Lister die Art.Martin Lister: Historiae conchylioeum liber primus. London 1685, S. 59: Tafel 709, zitiert nach Ramón de la Sagra: Histoire physique, politique et naturelle de l’île de Cuba. Paris 1842, S. 92 (französisch; ). Dies ist die älteste zoologische Benennung.So auch Janine Brygoo, Edouard Raoul Brygoo: Cônes et porcelaines de Madagascar. Antanarivo 1978, S. 127 (französisch). Siehe auch die Belegsammlung in Johann Samuel Schröter: Einleitung in die Concylienkenntniss nach Linné. Band 1, Halle 1783, S. 120 (). Der britische Naturforscher James Petiver nannte die Schnecke 1702 Moneta nigretarum.James Petiver: Gazophylacium naturae et artis. S. 8, Tafel 97, zitiert nach Ramón de la Sagra: Histoire physique, politique et naturelle de l’île de Cuba. Paris 1842, S. 92 (französisch; ; allerdings nicht nachweisbar in einem Digitalisat der Ausgabe von 1702).

Der schwedische Taxonom Carl von Linné ordnete sie 1758 als Cypraea moneta in seine Systema Naturæ ein.Carl von Linné: Systema naturae. 10. Auflage. Stockholm 1758, S. 723 (online auf bsb-muenchen-digital.de). Durch die Aufstellung der Gattung Monetaria im Jahr 1863 lautet ihre wissenschaftliche Bezeichnung heute Monetaria moneta (, 1758).

Da es Übergangsformen zwischen der Geld-Kaurischnecke und der Ring-Kaurischnecke gibt, wird auch diskutiert, ob und inwiefern beide Arten der Porzellanschnecken wirklich voneinander zu trennen sind.

Das Verbreitungsgebiet beider Arten überlappt sich. Die Ring-Kaurischnecke kommt an der ostafrikanischen Küste bis zum Roten Meer und Iran vor. Die Geldkaurischnecke kommt vom Roten Meer und Mosambik im Westen, entlang des Persischen Golfs, im Indischen Ozean, bis Sri Lanka, im Chinesischen Meer bis nach Indonesien und zu den Philippinen, im nördlichen Australien, im südlichen Japan. Im Osten reicht ihr Verbreitungsgebiet bis nach Hawaii, zur Osterinsel und den Galápagos-Inseln. Im Atlantik gibt es keine Kaurischnecken.

Kaurimuschel mini|Blick durch das aufgefräste Kaurigehäuse ins Innere: es sind „getarnte“ Schnecken, keine Muscheln

Die in der populären Literatur und umgangssprachlich verbreitete Bezeichnung „Kaurimuschel“ ist biologisch nicht korrekt. Trotzdem wird Kaurigeld oft fälschlicherweise als Muschelgeld bezeichnet, obwohl es sich bei Kaurischnecken nicht um Muscheln, sondern um Schnecken handelt.

Es gibt auch echtes Muschelgeld, aber nicht aus Kaurischnecken oder „Kaurimuscheln“. Auf einigen Südseeinseln wurde Muschelgeld noch bis ins 20. Jahrhundert verwendet.