mini|Porträt Rudolfs IV. von Österreich (um 1365), Dom Museum Wien mini|Das große Reitersiegel in Rotwachs Rudolfs des Vierten

Rudolf IV. (* 1. November 1339 in Wien; † 27. Juli 1365 in Mailand), genannt der Stifter, war Herzog (ab 1359 selbst ernannter Erzherzog) von Österreich und herrschte von 1358 bis zu seinem Tod über die Herzogtümer Österreich, Kärnten und Steiermark, von 1363 bis 1365 außerdem über die Grafschaft Tirol und seit 1364 auch über das Herzogtum Krain. Er gilt als weitblickender und schöpferischer Politiker, der jede Gelegenheit nutzte, um auf verschiedenen Ebenen die Stellung seiner Länder zu heben und zu verbessern.Wilhelm Baum: Rudolf IV. der Stifter. Seine Welt und seine Zeit. Styria, Graz 1996, S. 338.

Herkunft und Familie Als ältester Sohn von Herzog Albrecht II. von Österreich (* 1298, † 1358) und Erbgräfin Johanna von Pfirt wurde Rudolf erst nach 15-jähriger Ehe geboren. Im Juli 1357Eine Verlobung zwischen den beiden ist bereits mit 20. September 1344 belegt, allerdings finden sich in den Jahren darauf sowohl für Rudolf als auch für Katharina Verlobungen mit Kindern aus anderen Familien. Am 5. Juni 1348 ist eine weitere Verlobung der beiden belegt, in der Folge soll sich Katharina zur Erziehung in Wien aufgehalten haben. Im April 1353 wurde in Prag zwischen Rudolf und Katharina das symbolische Beilager vollzogen, die tatsächliche Eheschließung fand erst im Juli (vermutlich am 17. Juli) 1357 statt, vgl. Wilhelm Baum: Rudolf IV. der Stifter. Seine Welt und seine Zeit. Styria, Graz 1996, S. 372f., Zeittafel. heiratete er Katharina von Luxemburg, eine Tochter Kaiser Karls IV. Die Ehe blieb kinderlos.

1364 schloss Rudolf mit seinem Schwiegervater Kaiser Karl IV. den Brünner Erbvertrag, der die gegenseitige Erbfolge von Habsburgern und Luxemburgern im Fall des Aussterbens einer der beiden Dynastien vorsah.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien 2001, S. 157. Es handelte sich dabei um den ersten Vertrag einer Reihe von Erbfolgeverträgen, die zwischen den Habsburgern und den Luxemburgern in den folgenden Jahrzehnten geschlossen wurden.

Politisches Wirken Privilegium Maius Die wohl bekannteste von Rudolfs Aktivitäten ist eine Urkundenfälschung aus den Jahren 1358/59, das Privilegium Maius (ausgehend vom Privilegium Minus von 1156), das seine Dynastie de facto den Kurfürsten im Heiligen Römischen Reich gleichstellte. (Die Herzöge von Österreich waren in der Goldenen Bulle nicht berücksichtigt.) Das Privilegium Maius wurde von seinem Großneffen Friedrich III. in den Jahren 1442 (mit Zustimmung der Kurfürsten von Mainz, Brandenburg und Sachsen) und 1453 bestätigt. Durch diese Bestätigungen wurde auch der mit dem Privilegium maius geschaffene Erzherzogtitel reichsrechtlich anerkannt.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien 2001, S. 154.

1360 wurde Rudolf IV. in Seefeld-Kadolz von seinem Schwiegervater Karl IV. belehnt. Das Privilegium maius wurde von Karl IV. als Ganzes nie bestätigt. Karl IV. bestätigte allerdings einen Teil der Forderungen in ihrer ursprünglichen Form und einen weiteren Teil der Forderungen, nachdem er sie selbst abgeändert hatte. Die Auslegung und Bewertung der Vorgänge um das Privilegium maius in seinen Anfängen variiert in der Geschichtsforschung, wobei die meisten neueren Arbeiten im Wesentlichen den Ergebnissen von Eva Schlotheuber folgen.vgl. Diese einseitig pro-luxemburgische Perspektive wurde zuletzt von Lukas Wolfinger in wesentlichen Punkten relativiert.Lukas Wolfinger: Das Privilegium maius und der habsburgische Herrschaftswechsel von 1358. Neue Beobachtungen zum Kontext und zur Funktion altbekannter Fälschungen. In: Thomas Just - Kathrin Kininger - Andrea Sommerlechner - Herwig Weigl (Hrsg.): Privilegium maius. Autopsie, Kontext und Karriere der Fälschungen Rudolfs IV. von Österreich (= Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Bd. 69; zugleich: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. Sonderband 15). Böhlau Verlag, Wien / Köln / Weimar 2018, ISBN 978-3-205-20049-9, S. 145–172.

Gründung des Metropolitankapitels St. Stephan Schon unter der Herrschaft der Babenberger hatte es Versuche gegeben, ihre Residenzstadt Wien zu einem Bischofssitz zu machen, und so das Herzogtum Österreich durch ein eigenes Landesbistum aus der Abhängigkeit des Bischofs von Passau zu lösen. Diese Bestrebungen wurden von Rudolf IV. aufgegriffen, doch scheiterte die Errichtung eines eigenen Bistums in Wien erneut am Widerstand der Passauer Bischöfe. Immerhin konnte Rudolf mit der Gründung eines eigenen Metropolitankapitels (was dem Namen nach einem Erzbischof beigeordnet sein müsste) in St. Stephan in Wien erste Schritte diesbezüglich setzen, zu dessen Errichtung er auch die päpstliche Zustimmung im Jahr 1358 erhielt. Der Propst dieses Domkapitels erhielt den Titel Erzkanzler von Österreich, seinen Domherren wurde – wie Kardinälen – rote Kleidung zugestanden.vgl. Wilhelm Baum: Rudolf IV. der Stifter. Seine Welt und seine Zeit. Styria, Graz 1996, S. 14f.Pfarrblatt der Dompfarre St. Stephan 56 / Nr. 2, Dezember 2000.

Während Rudolfs Herrschaft wurde mit dem Ausbau der Kirche zu St. Stephan begonnen und das hochgotische Langhaus errichtet (erster Spatenstich am 11. März 1359, Grundsteinlegung am 7. April 1359Wilhelm Baum: Rudolf IV. der Stifter. Seine Welt und seine Zeit. Styria, Graz 1996, S. 16.), an dessen Portal er sich als Kirchenstifter zusammen mit seiner Ehefrau Katharina verewigte. Das Vorbild dafür könnte der Prager Veitsdom gewesen sein, doch findet sich z. B. die Darstellung von Stifterpaaren an Kirchenportalen schon bei den von Babenbergern errichteten Klosterkirchen in Klosterneuburg und Lilienfeld. Auf den Ausbau der Kirche St. Stephan wird sein Beiname Der Stifter bzw. Fundator zurückgeführt, der sich in einer Inschrift im Inneren der Kirche findet.

Erwerb der Grafschaft Tirol mini|Herzog Rudolf erteilt am 29. Sept. 1363 der Stadt Bozen ein Stadtratsprivileg. Abschrift des frühen 16. Jhs. im Bozner Stadtbuch, fol. 76v 1363 schloss Rudolf nach dem Tode des Tiroler Wittelsbachers Meinhard III. – Meinhard war mit Rudolfs Schwester Margarete verheiratet – mit dessen Mutter Margarete von Tirol einen Erbvertrag, nach dem Tirol an die Herrschaft zu Österreich fiel. Durch seinen Vertrag mit Margarethe (die später mit dem Beinamen Maultasch belegt wurde) kam Tirol an seine Familie. Im Februar 1364 wurde Rudolf von Karl IV. in Prag mit allen Tiroler Reichslehen belehnt, wodurch der Übergang Tirols an das Haus Habsburg auch reichsrechtlich legitimiert war. Die Herzöge von Baiern, mit denen es zu Kriegshandlungen gekommen war, verzichteten erst nach Rudolfs Tod auf Tirol, 1369 wurde mit ihnen der Friede von Schärding geschlossen.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien 2001, S. 155ff., eine Zusammenfassung dazu unter

Weitere Erwerbungen 1363 kaufte Rudolf von Hugo Thumb von Neuenburg und seinem Bruder Schwicker die Herrschaft mit der Burg Neuburg am Rhein (Urkunde vom 8. April 1363). Mit diesem Erwerb fassten die Habsburger erstmals Fuß auf dem Areal des späteren Vorarlbergs.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien 2001, S. 158. Mit den im September 1363 mit dem Bischof von Trient Albert von Ortenburg abgeschlossenen Trienter Kompaktaten, gelang es Rudolf zudem das reichsunmittelbare Hochstift Trient unter die Einflusssphäre der Habsburger zu bringen.

Die Gründung der Wiener Universität Ebenfalls in Konkurrenz zur (oder vielleicht auch nur angeregt durch die Gründung der) Karls-Universität in Prag war die Gründung der Universität Wien gedacht, die heute noch Alma Mater Rudolphina heißt. Sie gilt als die älteste Universität im deutschen Sprachraum.Diese Einstufung hängt allerdings davon ab, was heute zum deutschen Sprachraum gezählt wird. Wird das heutige Tschechien mit Blick darauf, dass das frühere Königreich Böhmen damals zum Heiligen Römischen Reich gehörte und außerdem unter der Herrschaft einer „deutschen“ Dynastie war, auch zum deutschen Sprachraum gezählt, ist die 1348 gegründete Prager Universität die älteste Universität. Die Gründung erfolgte 1365, aber erst 1384, also nach Rudolfs Tod, konnte eine theologische Fakultät gegründet werden, was zumindest in den Augen vieler Zeitgenossen erst eine vollständige Universität ausmachte. (Eine Parallele zur 1364 gegründeten Universität in Krakau.)

Wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen Die Wirtschaftspolitik Rudolfs ist im Zusammenhang mit seinen Bemühungen zu sehen, die Position des Landesfürsten innerhalb seines Machtbereiches auszubauen, die Herrschaft zu intensivieren und vor allem auch die finanzielle Basis zu verbessern. Sie konzentrierte sich vor allem auf die Städte, wobei seine Besuche in Prag bei seinem Schwiegervater und in Venedig seine Vorstellungen von Urbanität geprägt haben dürften. Zahlreichen unter seiner Herrschaft stehenden Landstädten gewährte er auf ihr Ansuchen hin Sonderrechte,Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien 2001, S. 161f. beispielsweise der Gemeinde Mürzzuschlag im Jahr 1360 das Eisenrecht. Viele andere Maßnahmen dienten dazu, die Wirtschaft der Stadt zu heben, etwa die Aufsichtspflicht des Bürgermeisters über alle Grundstückskäufe, um einen zu großen Anteil der „toten Hand“ (des wirtschaftlich unproduktiven und steuerfreien Kirchenbesitzes) zu verhindern. Auch gelang es ihm, mit dem Wiener Pfennig eine relativ stabile Münzeinheit zu schaffen.

Tod und Beisetzung mini|hochkant|Der Sarg von Rudolf und seiner Gattin im Zentrum der Herzogsgruft unter dem Mittelchor des Stephansdoms, dessen Stifter er war. mini|hochkant|Alter Stich des Kenotaphs für Herzog Rudolf IV. und seine Gemahlin Katharina im Wiener Stephansdom. Unten ist die geheime Inschrift im Alphabetum Kaldeorum gezeigtAnfang Mai 1365 reiste Rudolf IV. nach Mailand, um sich um Konflikte in Friaul zu kümmern. Nachdem er diese Reise krankheitshalber in Tirol hatte unterbrechen müssen, erreichte er in der zweiten Junihälfte Mailand, wo er wenig später wieder schwer erkrankte. Am 27. Juli 1365 starb er in Mailand.Alois Niederstätter: Österreichische Geschichte 1278–1411. Die Herrschaft Österreich. Fürst und Land im Spätmittelalter. Verlag Ueberreuter, Wien 2001, ISBN 3-8000-3526-X, S. 169. Ob es sich tatsächlich um einen plötzlichen Tod handelte, ist unklar. Die Verfügung aus der „Habsburgischen Hausordnung“ von 18. November 1364, dass der Zweitälteste den Ältesten im Krankheitsfall vertreten soll, könnte ein Hinweis dafür sein, dass er damals bereits gesundheitlich angeschlagen war, dazu S. 168f.