Das Aloisiuskolleg (kurz AKO) ist ein koedukatives, altsprachliches, privates und katholisches Gymnasium in Bonn-Bad Godesberg, das bis 2024 in Trägerschaft des Jesuitenordens geführt wurde. Namenspatron ist der heilige Aloisius von Gonzaga.
Trägerschaft Träger und Gründer der 1921 gegründeten Jesuitenschule war bis 2024 der Jesuitenorden. Dieser unterhielt dazu eine gemeinnützige GmbH als Trägerin der Schule, und eine Stiftung, über die der Betrieb der pädagogischen Arbeit unterstützt wird.
Im Rahmen des nordrhein-westfälischen Schulgesetzes werden dem Schulträger von den haushaltsrechtlich anerkannten Schulkosten 94 % vom Land refinanziert; die verbleibenden 6 % Eigenleistung für diese Schulkosten werden durch Zuschüsse des Erzbistums Köln aufgebracht. Alle darüber hinaus gehenden Kosten für Einrichtungen und Aktivitäten werden aus Spenden und sonstigen Zuschüssen finanziert; dafür wird um einen festen Spendenbeitrag der Familien gebeten, den etwa die Hälfte leisten. Auch Spenden von Altschülern sind für das Kolleg bedeutsam. Ein Schulgeld wird nicht erhoben.
Für das Externat und freie Freizeitangebote werden Kostenbeiträge erhoben. Die Beiträge für Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Familien werden durch verschiedene Stipendien finanziert (etwa 10 %).
2024 gaben die Jesuiten die Trägerschaft auf, an ihre Stelle soll eine Stiftung treten.
Geschichte Gründung im Exil als Folge des Kulturkampfes Als Folge des Kulturkampfes übernahm der Staat Preußen 1872 per Gesetz die Aufsicht über alle Jesuitenschulen. Am 12. August 1900 übernahm die deutsche Provinz der Gesellschaft Jesu das Aloisiuskolleg in Sittard, Niederlande als reine Jungenschule mit Internat. Der Schulunterricht wurde von deutschen Patres mit 43 internen und 38 externen Schülern am 29. September 1900 mit einer Vorklasse, einer Sexta und einer Quinta-Klasse (5. und 6. Klasse) eröffnet. Dies war der eigentliche Start des Aloisiuskollegs.
Pädagogische Ausrichtung in der Vorkriegszeit Während das Internatswesen der Weimarer Republik teilweise dem Ideal der Reformschule zustrebte, war das Erziehungskonzept auch aus damaliger Sicht ausgesprochen konservativ. So erzählen ehemalige Schüler des Kollegs davon, dass beim wöchentlichen Wannenbad lederne Lendenschurze getragen werden mussten – zum Schutze vor dem Blick auf den Körper. Körperstrafen waren (nicht anders als an vielen anderen Schulen) an der Tagesordnung. Die weitaus meisten Schüler stammten aus wohlhabenden Familien, zeigten an den heimatlichen Schulen jedoch nicht die gewünschte Leistung und Disziplin und wurden zu Erziehungszwecken auf strenge Internate geschickt. Auf Ausbüxen standen harte Strafen, und es gab für viele Schüler auch auf Bitten der Eltern bei wichtigen Ereignissen wie Todesfällen oder Krankheiten innerhalb der Familie kein Schulfrei. Das Versenden von Geschenken und Zuwendungen (Lebensmittel, Geld) an Schüler wurde durch Postkontrollen verhindert, Briefe an die Eltern und Geschwister mussten unter Aufsicht an speziell dafür reservierten Nachmittagen verfasst werden. Das Abschirmen vor äußeren Einflüssen, auch der eigenen Familie, wurde damals als sehr wichtig für die konsequente Umsetzung der Erziehungsziele angesehen.
Umzug nach Bad Godesberg und Nationalsozialismus Das Jesuitengesetz wurde erst 1917 außer Kraft gesetzt und so stand es den Jesuiten frei, wieder Schulen in Deutschland zu gründen und zu führen. Das Aloisiuskolleg zog nach Bad Godesberg (heute Stadtteil der Stadt Bonn). Am 15. Mai 1921 schrieb Pater Arnold Rump, der damalige Rektor, nach Köln: „Der preußischen Regierung teile ich ergebenst mit, daß das Collegium Hubertinum mit Ostern 1921 seinen Namen in Aloisiuskolleg geändert hat.“ Die Schule bestand aus einem Humanistischen Gymnasium und einem Realgymnasium.Ministerieller Erlass vom 6. Dezember 1921. Zitiert in: Jahrbuch Aus dem Aloisiuskolleg 1900–2000. S. 31. Dies war der Beginn des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg. Nachdem ein Versuch, Schloss Bensberg für das Kolleg zu erwerben, scheiterte, diente ab Mai 1927 die im März erworbene Villa „Stella Rheni“ des Bankiers Karl von der Heydt als Internatsgebäude.
Am 5. August 1928 wurde mit dem Bau der Schule (ein hufeisenförmiger Bau für die Schule sowie der fünfgeschossige kubische „Turm“ für das Internat) begonnen. Als Architekten zeichneten Bernhard Wielers und Theodor Menken verantwortlich. Am 28. Juli 1929 konnte die neue Schule eingeweiht werden; im September 1932 wurde die Turnhalle eröffnet („alte Turnhalle“).
Vermutlich in den 1930er Jahren wurde ohne behördliche Genehmigung der Kollegsfriedhof angelegt; der älteste Grabstein datiert auf das Jahr 1933. Der Privatfriedhof diente vor allem als Grablege für Mitglieder des Jesuitenordens. Seit 2010 wird der Friedhof nicht mehr neu belegt.Schreiben des Amtes für Stadtgrün der Stadt Bonn vom 7. Dezember 2012 (68-0 / Ho) an eine Rechtsanwaltskanzlei, nachdem in der Presse berichtet worden war, der Friedhof werde ohne Genehmigung betrieben.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde der Kollegsleitung das Leben zunehmend schwer gemacht: Immer stärkere Restriktionen für die Abiturienten, die das Abitur nicht nur an einer anderen Schule (das Kolleg war nur genehmigt, nicht staatlich anerkannt), sondern in ihrem jeweiligen Heimatgebiet ablegen mussten, gefährdeten schon Mitte der 1930er-Jahre die Existenz des Kollegs. Zum Schuljahrswechsel Ostern 1933 wurde die Oberrealschule in ein Reform-Realgymnasium (mit Latein als obligatem Unterrichtsfach ab Klasse 10) umgewandelt. 1937 wurde das AKO zur Deutschen Oberschule. Am 30. Januar 1939 lösten die Nationalsozialisten die Schule auf, da die jesuitische Erziehungstradition mit dem vom nationalsozialistischen Staat propagierten Modell nicht in Einklang zu bringen war. In der verwaltungsinternen Begründung wurde auf eine „dem Nationalsozialismus feindliche Erziehung“ verwiesen. So wurden am Aloisiuskolleg beispielsweise trotz Strafandrohung heimlich Kruzifixe aufgehängt.
Eine wichtige Rolle auch im heutigen Selbstverständnis des Kollegs spielt der aktive Widerstand durch Jesuitenpatres und Schüler. Bekannte Personen des Widerstandes sind Georg Freiherr von Boeselager und sein Bruder Philipp.
Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg eröffneten die Jesuiten am 22. Oktober 1945 wiederum die Schule (im Gebäude der Volksschule Burgstraße und des Lyzeum in der Lessingstraße). Am 22. März 1946 erhielten sie das enteignete Gebäude des Aloisiuskollegs zurück; im August wurde das Internat wiedereröffnet. Am 24. Juni 1956 wurde der Grundstein für die neue Kollegskirche (Architekt Alois Möhring, Köln) am Standort der heutigen Kirche gelegt, die am 8. September 1957 eingeweiht wurde; sie löste die 1929 errichtete Notkirche („Baracke“) am nördlichen Eingang ab.
1956 erweiterte man auch das Internat nach Süden um einen L-förmigen Anbau. 1967/1968 wurden die Kollegsgebäude umfassend renoviert und der alte Internatstrakt („Turm“) um ein Wohngeschoss für die Jesuitenkommunität aufgestockt. Gleichzeitig kam es zur Errichtung der „neuen Turnhalle“, die 1969 in Betrieb genommen wurde. Am 18. Juni 1985, knapp drei Jahrzehnte nach dem Bau, wurde die Kollegskirche wegen Baufälligkeit bereits wieder abgerissen. Die Grundsteinlegung für die neue Kirche mit Krypta (Architekt: Winfried Landsberg, Euskirchen) konnte am 13. Dezember 1986 eingeweiht werden.
Theater- und Musikaufführungen gehörten ab den 1950er Jahren wie schon vor dem Krieg zum Programm des Kollegs. 1964 wurde die erste Schülermitverwaltung installiert, was für die eher streng geführte Schule zu jener Zeit keine Selbstverständlichkeit war. Dass man sich langsam den gesellschaftlichen und kirchlichen Neuerungen öffnete, zeigt auch die erste Messfeier in deutscher Sprache am 23. Februar 1965. Im Februar 1972 gab es gar einen Streik der Lehrerschaft, um eine Beteiligung an der allgemeinen Arbeitszeitverkürzung zu erreichen. 1973 eröffnete ein Sprachlabor; 2016 wurde dieser Bereich im Rahmen der Sanierung der Bibliothek zum Selbstlernzentrum mit Computerarbeitsplätzen umgestaltet.
Schon seit 1923 war Oberstudienrat Heinrich Hopmann (1897–1968) Lehrer am Kolleg. Er gehörte zu den Gründern der Bad Godesberger CDU und wurde am 3. November 1948 Bürgermeister der Stadt. 1923 war er im Alter von 26 Jahren als Lehrer für Latein, Griechisch und Geschichte zum Lehrerkollegium gestoßen. Schon damals betätigte er sich politisch in der – überwiegend katholisch geprägten – Zentrumspartei, die sich am 5. Juli 1933 im Zuge der Gleichschaltung auflöste. Die 1952 erlassene und bis 1994 gültige Gemeindeordnung von Nordrhein-Westfalen, definiert – basierend auf früherem britischen Besatzungsrecht – das Bürgermeisteramt als Ehrenamt, die praktische Verwaltung erfolgte über den Stadtdirektor (Norddeutsche Ratsverfassung). So konnte Hopmann seinen Beruf als einer der erfahrensten, aber gewiss auch konservativsten Lehrer am Aloisiuskolleg weiterhin ausüben. Als Bürgermeister traf er als Repräsentant der Stadt bedeutende Politiker. Über Partnerstädte in England, Italien, Frankreich und Belgien sorgte er für internationale Kontakte, die auch dem Aloisiuskolleg zugutekamen. Im März 1963 schied er aus dem AmtBonner Generalanzeiger 8. April 2023, GA-Serie: Geschichten am Grab Diesem Mann sind Stadthalle und Theater in Bad Godesberg zu verdanken.
Koedukation Ab 1965 gab es einen gemeinsamen Tanzkurs mit Abschlussball mit den Schülerinnen des Sankt-Adelheid-Gymnasiums in Bonn-Pützchen. Ende der 1970er Jahre begann das Aloisiuskolleg mit dem Clara-Fey-Gymnasium für Mädchen in Bad Godesberg die Koedukation innerhalb der Oberstufe. Die Mädchen der Oberstufe konnten einige Grund- und Leistungskurse am Aloisiuskolleg besuchen und umgekehrt. Ab 2002 nahm die Schule Mädchen in die 5. Klassen auf; 2006 wurde das Mädcheninternat eröffnet.
Missbrauchsfälle Im Februar 2010 äußerten ehemalige Schüler des Aloisiuskollegs, sie seien Opfer von sexuellem Missbrauch gewesen oder hätten davon gewusst. Als Täter wurden Lehrer und Erzieher, zumeist Mitglieder des Jesuitenordens, genannt.Gut 40 Jahre danach. In: General-Anzeiger Bonn. 5. Februar 2010. Hinweise auf sexuellen Missbrauch hatte schon 2004 Miguel Abrantes Ostrowski, ein ehemaliger Schüler des Kollegs, in seinem Buch Sacro Pop gegeben.Miguel Abrantes Ostrowski: Sacro Pop: ein Schuljungen-Report. Klartext, Essen 2004, ISBN 3-89861-311-9. Am 8. Februar 2010 musste der Rektor des Aloisiuskollegs, Pater Theo Schneider SJ, mit sofortiger Wirkung zurücktreten.Rektor von Bonner Jesuiten-Schule tritt zurück. In: Spiegel Online. 8. Februar 2010. Einige Missbrauchsopfer organisierten sich zusammen mit den Geschädigten anderer Jesuiteneinrichtungen in dem Forum „Eckiger Tisch“;Website des Forums Eckiger Tisch, abgerufen am 2. Juni 2018. später hat sich ein eigener Verein konstituiert: „Eckiger Tisch Bonn“.Website des Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs zu Bonn- Bad Godesberg e. V. Eckiger Tisch Bonn, abgerufen am 22. November 2019.