mini|150px|K 32 von Charles Dickens, A Christmas Carol (1946) King Penguin Books ist eine englischsprachige Buchreihe des Verlags Penguin Books, die mit 76 illustrierten Bänden zwischen 1939 und 1959 unter der Herausgeberschaft von zunächst Elizabeth Senior und dann Nikolaus Pevsner sowie R. B. Fishenden verlegt wurde.
Editionsgeschichte Vorbemerkung Eine detaillierte Analyse der Entwicklung dieser Buchreihe liefert Michael Lake mit seiner Masterarbeit King Penguins. A survey of the series, die mit Unterstützung der Penguin Collectors’ Society (Gesellschaft der Sammler von Penguin-Büchern) 2014 in Buchform mit einer Auflage von 700 Exemplaren erschien. Das reich illustrierte Werk, in dem auch sämtliche Bände abgebildet sind, liefert neben ausführlichen Angaben zu den einzelnen Titeln (Autorenschaft, Illustratoren, Ausstattung, Herausgeber) auch viele Angaben zur Reihenstatistk, wie den vorkommenden Themen oder der Preisentwicklung, sowie zu den eingesetzten Werbemitteln.
Beginn am Anfang des Zweiten Weltkriegs Zu der Buchreihe (Abkürzung: K), deren ersten beiden Ausgaben im November 1939Zwar ist in der Verlagsschrift Penguins Progress. First War Number (1940) als Zeitpunkt „kurz vor Weihnachten“ angegeben, aber die meisten Quellen geben den November 1939 als Auslieferungstermin der beiden Auftaktbände an in den Buchhandel kamen, wurde der englische Verleger Allen Lane durch die ihm aus Deutschland bekannte und dort seit 1912 am Markt erfolgreiche Insel-Bücherei angeregt, so dass im Folgenden auch Bezug auf diese Reihe genommen wird. Ursprünglich war möglicherweise als erster Band A Book of Roses vorgesehen, wie sich der erstmaligen Präsentation des Reihenprojekts Anfang 1940 in der Verlagswerbeschrift Penguins Progress. First War NumberPenguins Progress. First War Number. o. J. , nn [S. 13/14], online. entnehmen lässt. Tatsächlich begann die Reihe aber mit British Birds on Lake, River and Stream (K 1, Britische Vögel in See, Fluss und Strom) von Phyllis Barclay-Smith, der Band „Book of Roses“ folgte. Allen Lane hatte nach dem Vorbild der Insel-Bücherei schon ab 1937 die Idee einer Edition von illustrierten Penguin-Ausgaben in einer besonderen Ausstattung entwickelt. Nachdem die 1938 erschienene Illustrated Classics-Reihe aufgrund des kleinen Formats und des einfachen Papiers keinen Anklang beim Publikum gefunden hatte und nach 10 Nummern wieder eingestellt wurde, intensivierte Lane seine Überlegungen zu einer neuen Reihe, da die illustrierten Ausgaben von ihm als Aushängeschild des ansonsten mit einfachen Broschuren von Großauflagen zu Sixpence aufwartenden Verlags gedacht waren.Morpurgo: Allen Lane. King Penguin. London 1979, S. 142 f. mini|200px|Muster einer Abbildung zu K 1: „British Birds“ (Stockente, gemalt von John Gould), Beilage zu „Penguins Progress“ (1940)
Herausgeberschaft, Typografen
Die Herausgeberin der ersten fünf Titel war die zuvor im British Museum tätig gewesene Elizabeth Senior.Vergleiche die englische Wikipedia zu: John Arlott, Cottie Arthur Burland, C. J. P. Cave, F. Martin Duncan, Alfred Fairbank, Eunice Frost, John Gloag, James Laver, R. M. Lockley, Eric Maclagan, Marian Mahler, James Mann, Enid Marx, John Piper, Betty Radice, Emile Victor Rieu, Paul Richards, Elizabeth Senior, Feliks Topolski, Carl Winter, Juan de Yciar; Frühe Eisenbahngeschichte Großbritanniens. Zusammen mit dem 1934 aus Deutschland emigrierten Kunsthistoriker Ernst Kitzinger verfasste sie 1941 auch einen Reihentitel: Portraits of Christ (K 4). Senior kam bei einem Bombenangriff der deutschen Luftwaffe auf London am 11. Mai 1941, bei dem auch das British Museum stark beschädigt wurde, in ihrem Wohnhaus am Canonbury Square 17b um. Nach jeweils zwei Titeln 1939 und 1940 und einem weiteren 1941 sind dann für 1942 zunächst auch keine Neuerscheinungen mehr verzeichnet. Erst 1943 wurde die Reihe von dem ebenfalls aus Deutschland emigrierten Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner als literarischem und R. B. Fishenden als technischem Herausgeber fortgeführt. Für die Typographie zeichneten von 1947 bis 1949 Jan Tschichold und ab 1949 Hans Schmoller verantwortlich. Als Autor trat auch Pevsner bei K 17 (The Leaves of Southwell) und bei K 62 (Medieval Carvings in Exeter Cathedral von C. J. P. Cave selbst in der Reihe in Erscheinung.
Druckqualität In den Anfangsjahren entsprachen die Ergebnisse der King Penguin-Produktion aber noch nicht den Vorstellungen des Verlegers, obwohl einige Bände später mehrere Auflagen erleben sollten, also grundsätzlich Anklang beim Publikum gefunden hatten. In einem wohl für die Herausgeber Pevsner und Fishenden bestimmten Memorandum vom 4. Oktober 1943Michael Lake: King Penguins. A survey of the series. Penguin Collectors Society 2014, S. 96 ff. (Appendix 1) kritisierte Lane bei den frühen Titeln K 6 (British Shells) bis K 13 (Edible Fungi) – K 12 (The Poet's Corner) war nicht besprochen – u. a. die Auswahl von Autoren und Gestaltern der Farbtafeln, die Umschlagsentwürfe und die Druckqualität, aber auch die bloße Ausführung der Seitennummerierung mit römischen oder arabischen Ziffern. Selbst unter Kriegsbedingungen tolerierte er die verspätete und damit absatzgefährdende Auslieferung von K 13 außerhalb der Pilzsaison im August und September 1944 nicht. Die Ausführungen zu jedem Titel im Einzelnen zeigen, dass Lane gewillt war, das Reihenprojekt auf einem hohen inhaltlichen, gestalterischen und drucktechnischen Niveau zu realisieren, was bei den späteren Reihentiteln in der Regel auch gelungen ist.
mini|175px|Brief von N. Pevsner an eine Leserin von 1955 Auflagenhöhe und Folgeauflagen Über die genauen Auflagenhöhen bei den einzelnen Titeln liegen keine belastbaren Dokumente vor. Der Verleger Lane ging von anfangs notwendigen 20.000 Exemplaren aus, bevor ein Gewinn erzielt werden konnte.P.St. Fox: Die King Penguins und die Insel-Bücherei. Frankfurt am Main und Leipzig 1992, S. 31 Und Ende 1955 wies der Herausgeber N. Pevsner in einem Brief an eine Leserin zur Ablehnung ihres Themenvorschlags für die Reihe noch darauf hin, dass die Mindestauflage eines geplanten Titels bei 25.000 Exemplaren liegen sollte (Abb.); diese wurde wohl auch tatsächlich gedruckt. Allerdings wird die durchschnittlich verkaufte Auflage nur auf 10.000 bis 20.000 Stück je Titel geschätzt. Bekannt ist zum Beispiel die überdurchschnittlich gut abgesetzte Auflage von Gwen Whites Book of Toys (K 26) mit 55.806 Exemplaren.Diana Bishop: King Penguins. Their place in 20th publishing. Cambridge 1982, S. 14, unter Bezugnahme auf ein Interview mit der Autorin am 29. September 1981.Nur 17 Titel erreichten eine zweite Auflage innerhalb der Reihe und davon fünf noch weitere Auflagen.Nicht mitgezählt sind hier die bei Penguin Books nach 1959 außerhalb der Reihe oder bei anderen Verlagen mit Genehmigung von Penguin Books erschienenen Ausgaben. Neben reinen Nachauflagen wurde an mehreren Titeln auch inhaltlich gearbeitet, teilweise wurden weitere Bildtafeln hinzugefügt. Dies trifft insbesondere auf die mehrfach neu aufgelegten Ausgaben zu, wie Elizabethan Miniatures (K 8) von Carl Winter, The Bayeux tapestry (K 10) von Eric Maclagan oder A book of scripts (K 48) von Alfred Fairbank. Sie sind als „revised editions“ im Impressum ausgewiesen.
Einstellung der Reihe im Jahr 1959 Aufgrund der in den fünfziger Jahren ständig gestiegenen Druckkosten, die über den Ladenpreis weitergegeben werden mussten, sank die Nachfrage immer mehr. Zwar konnten 1953 und 1954 noch jeweils 4 neue Titel fertiggestellt werden. Danach hatten sich die Absatzschwierigkeiten aber schon so verfestigt, dass 1955 nur noch zwei Bände erschienen waren, nämlich K 73 (The Picture of Cricket von John Arlott) und K 74 (Woodland Birds von Phyllis Barclay-Smith), erst 1957 mit K 75 (Monumental Brasses von James Mann) der vorletzte folgen konnte und schließlich nach nochmals zwei Jahren mit dem letzten Reihentitel The Sculpture of the Parthenon (K 76, P. E. Corbett) die Buchreihe aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt werden musste.
Im englischsprachigen Raum – aber auch in Deutschland aufgrund der Nähe zur Insel-Bücherei – haben sich viele Sammler der thematisch vielfältigen und auch optisch attraktiven Reihe gefunden, die auch die verschiedenen Einbandvarianten und Auflagen zu erfassen suchen.
Ausstattung und Verkaufspreis Einbandgestaltung Die ersten, von Elizabeth Senior herausgegebenen 5 Bändchen wurden mit einem einfarbigen Einband, der mit einem am Buchrücken entlanglaufenden andersfarbigen Streifenmuster verziert wurde, ausgeliefert. Auf dem Vorderdeckel weisen ein Pinguin und der Eindruck „The KING PENGUIN Books“ auf die Reihenzugehörigkeit hin. Bei den Erstausgaben von K 3 und K 4 ist die bei den Erstauflagen bis K 4 auf der Buchrückseite eingedruckte Preisleiste „… ONE SHILLING“ aufgrund der Preiserhöhung auf das Doppelte überdruckt.
Die Ausgaben K 3 bis 5 kommen in Pappeinbänden und Broschuren vor. Grundsätzlich war der Pappband die vorherrschende Variante. Bei K 4 und K 5 hatten auch die Broschüren zunächst noch ein Vorsatz, das bei einer späteren Binderate zur Materialersparnis wegfiel. <br/ > Lediglich bei K 3 (Book of Ships) kommt die in festerem Karton (Cardcover) ausgelieferte Broschur-Variante erheblich öfter vor, als die deutlich seltenere gebundene Ausgabe. Aufgrund des aktuellen antiquarischen Angebots kann davon ausgegangen werden, dass letztere vor allen Dingen auf dem US-amerikanischen Buchmarkt vertrieben worden ist; in Großbritannien ist sie kaum zu finden.
K 6 (British Shells von F. Martin Duncan) wurde von Marian Mahler noch ähnlich den ersten 5 Bänden gestaltet, ihm fehlen jedoch schon die Randstreifen. Erst ab K 7 ähnelt das Äußere der King Penguin Books dann bei vielen Titeln deutlich der Insel-Bücherei. Diese war dem neuen Herausgeber Nikolaus Pevsner aus seiner Zeit in Deutschland gut bekannt und wird deshalb bei der völligen Neugestaltung des Einbands Pate gestanden haben. So zeigen die meisten Bände in der Regel ein Motiv, das mit dem Inhalt des Bändchen im Zusammenhang steht und häufig rapportartig wiederholt wird. Allerdings kommen auch völlig eigenständige grafische Umschlaggestaltungen zum Zuge, die teilweise historische Vorlagen aufgreifen.
Im Unterschied zur Insel-Bücherei, bei der bis etwa 1980 die Klebetechnik dominierte, wurden die in dieser Reihe verwendeten Titelschilder stets auf den Umschlagdeckel gedruckt. Auf dem Buchrücken befinden sich dann nochmals der Titel, ein Pinguin als Symbol der Reihe und zumeist die Bandnummer. Bei letzterer kam es bei K 56, „Early British Railway“ (Christian Barman), auf dem Rücken zu der falschen Nummernangabe „55“, die beim Schutzumschlag korrigiert wurde.
Der aus Sicht des Betrachters sonst stets nach rechts blickende Pinguin hat bei K 23, dem von dem Mykologen John Ramsbottom verfassten Band „Poisonous Fungi“ (Giftpilze), seinen Kopf nach links gedreht. Dem Titel entsprechend trägt bei K 20, „English Ballet“, der Pinguin ein Tutu und nimmt eine Tanzpose ein; dieser Band, dessen Einband von Kay Ambrose gestaltet wurde, war auch der erste der Reihe, dem 1944 von der 1924 gegründeten britischen National Book League ein Preis verliehen wurde.
Illustrationen und Buchgestaltung Die Titel der Reihe wurden im Gegensatz zu den in der Insel-Bücherei früher überwiegenden reinen Textbändchen ausschließlich illustriert: Life in an English village (Edward Bawden, Text von Noel Carrington, K 51) oder mit einem in die Thematik einführenden Textteil zu einem Bildteil, wie z. B. The Picture of Cricket (K 7, Bilder vom Cricket) oder Egyptian Paintings (K 71, Altägyptische Wandmalereien), ediert. Zur Einbandgestaltung der einzelnen Titel wurden vom Verlag häufig Buchkünstler, wie William Grimmond (1884–1952) oder Enid Marx, beauftragt.