Ein Bachelorstudium im Gartenbau oder der Gartenbauwissenschaften befasst sich mit der gärtnerischen Pflanzenproduktion und den damit verbundenen Dienstleistungen, wie etwa Handel und Vertrieb. Ein darauf aufbauendes Masterstudium ist so konzipiert, dass es auf eine wissenschaftliche Tätigkeit in Forschung und Lehre vorbereitet oder eine berufliche Tätigkeit vorsieht, die entsprechende Kompetenzen erfordert.
Studieninhalt Das Gartenbaustudium befasst sich mit dem Anbau gärtnerischer Nutzpflanzen, vor allem Blumen und Zierpflanzen, Gehölze, winterharte Stauden und Farne, Gemüse, Obst und Sonderkulturen sowie dem vor- und nachgelagerten Bereich, wie der wissenschaftlichen Forschung, Beratung, Dienstleistung, Vertrieb und Handel. Ein Studium im Gartenbau ist ein vorwiegend naturwissenschaftlich ausgerichteter Studiengang, der durch eine starke Anwendungsorientierung gekennzeichnet ist und durch wirtschaftswissenschaftliche Inhalte ergänzt wird. Die Gartenbauwissenschaften werden auch den „angewandten Pflanzenwissenschaften“ zugerechnet.
Im Studium wird detailliertes Wissen zur Produktion gärtnerischer Kulturen vermittelt, wie Nutzpflanzen, insbesondere im Gewächshaus, in Kulturräumen oder in Phytotronen unter kontrollierten Bedingungen „gesteuert“ zu kultivieren sind. Zum gesteuerten Anbau ist Spezialwissen über die Lebensweise und das Verhalten, wie beispielsweise Wachstum, Blüte, Fruchtbildung von unzähligen Blumen-, Gehölz-, Gemüse- oder Obstarten sowie die Wechselwirkungen mit verschiedenen Anbaubedingungen, wie etwa Licht und Temperatur, von entscheidender Bedeutung. Generell nimmt in der akademischen Ausbildung im Gartenbau die Bedeutung von Digitalisierung und Robotik zu, beispielsweise bei dem so genannten „precision farming“ oder der digitalisierten Erkennung von Schadsymptomen, unerwünschten Beikräutern oder dem Wachstums- und Reifezustand von Pflanzen oder pflanzlichen Produkten (Stichwort HortInnova, Gartenbau 4.0).
Weitere Studienschwerpunkte bildet die Vermittlung des Wissen im Bereich Pflanzenzüchtung, der Pflanzenbiotechnologie und Pflanzliche Gewebekultur im Gartenbau.
miniatur|Ein Gartenbaustudium vermittelt praxisnah Wissen, zum Beispiel beim Unterricht im Gewächshaus. (Bildnachweis: GMH)
Der Anbau von verschiedensten Spezialkulturen wie Algen, Arznei- und Gewürzpflanzen, Champignons, Rollrasen oder Weihnachtsbäumen sind genauso Teil eines Gartenbaustudiums, wie Qualitätsmanagement, Kosten- und Leistungsrechnung oder Controlling. Vorgelagerte Bereiche, wie Forschung, Beratung sowie Zulieferindustrie sowie nachgelagerte Bereiche, wie Urban Horticulture, Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (z. B. Arboristik oder Sichtung und Pflanzenverwendung), Friedhofsgärtnerei, Lebensmitteltechnologie, Bioverfahrenstechnik, Floristik sowie Handel werden ebenfalls während des Studiums der Gartenbauwissenschaften vermittelt.
Hochschulstandorte in Deutschland, Österreich und der Schweiz In Deutschland wird Gartenbau an folgenden neun Hochschulen gelehrt: Berliner Hochschule für Technik Humboldt-Universität zu Berlin Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden Fachhochschule Erfurt Hochschule Geisenheim University Leibniz Universität Hannover TUM School of Life Sciences an der Technischen Universität München Hochschule Osnabrück Hochschule Weihenstephan-Triesdorf
Einige Hochschulen mit Studienangeboten im Bereich der Agrarwissenschaften, wie z. B. die Universität Hohenheim und die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn bieten einzelne Module aus dem Gartenbau im Lehrplan an. Auch die Universität für Bodenkultur Wien bietet einzelne Module im Bereich Gartenbau. In der Schweiz kann Umweltingenieurwesen mit Vertiefung im Gartenbau (Hortikultur) an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften studiert werden.
Heute sind jährlich knapp 2000 Studierende in Gartenbau-Studiengängen in Deutschland eingeschrieben. Das Gartenbaustudium ist also durch vergleichsweise kleine Studiengruppen mit entsprechend intensiver Betreuung gekennzeichnet.
Grundständiges Studium (Bachelor) Im grundständigen Studienfach Gartenbau wird wissenschaftliches Grundlagenwissen zur Pflanzenproduktion, zu gärtnerischen Dienstleistungen sowie zu Betriebswirtschaftslehre und Handel vermittelt. An vielen Hochschulen kann das Gartenbaustudium im naturwissenschaftlichen Bereich, wie zum Beispiel in den Studiengängen Angewandte PflanzenbiologieStudiengang Angewandte Pflanzenbiologie – Gartenbau, Pflanzentechnologie (B.Sc.), Gartenbauliche Phytotechnologie, Molekulare und Angewandte Pflanzenwissenschaften oder im Bereich Wirtschaftswissenschaften, wie beispielsweise im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen im Agri- und Hortibusiness oder Logistik und Management FrischprodukteStudiengang Logistik und Management Frischprodukte (B.Sc.) vertieft werden. Zugangsvoraussetzungen für ein Bachelorstudium können neben entsprechenden Schulabschlüssen (Allgemeine Hochschulreife, Fachabitur) auch ein gärtnerischer Meister- oder Technikerabschluss sein. Das grundständige Studium umfasst je nach Hochschule 6 bis 7 Semester Regelstudienzeit. Das grundständige Studium besteht aus Lehrveranstaltungen, die für alle Gartenbausparten von Bedeutung sind, also Agrarmeteorologie, Botanik und Ökologie, Pflanzenernährung, Pflanzenschutz, Pflanzenzüchtung und Pflanzenvermehrung sowie Technik (insbesondere Landmaschinen, Gewächshäuser), Betriebswirtschaftslehre, Marketing, Handel und Vertrieb. Spezifisches Fachwissen zu den Sparten des Gartenbaus wird in den Modulen Zierpflanzenbau, Staudengärtnerei, Baumschule, Gemüsebau und Obstbau vermittelt. Daneben müssen im ersten Studienabschnitt regelmäßig propädeutische Grundlagenmodule wie Mathematik, Statistik und Versuchswesen sowie Physik und Chemie belegt werden. Üblicherweise ist es verpflichtend während des Studiums in Unternehmen der Gartenbaubranche zu arbeiten, beispielsweise in Praktika oder Praxissemestern. Darüber hinaus werden durch ergänzende Module beispielsweise der Bereich der Pflanzenverwendung, wie Gärten- und Grünflächengestaltung mit Stauden und Gehölzen, Wechselflor, Innenraumbegrünung, Bauwerksbegrünung, Dachbegrünung, Urbaner Gartenbau sowie der Agroforstwirtschaft, der Friedhofsgärtnerei oder dem GaLaBau vertieft.
miniatur|Gartenbaustudierende lernen unterschiedliche Möglichkeiten, um den optimalen Erntezeitpunkt von Äpfeln im Erwerbsobstbau zu bestimmen. (Bildnachweis: GMH)
Weiterführendes Studium (Master) In den weiterführenden Studiengängen Gartenbauwissenschaft (Horticultural Science) werden die im grundständigen Studium und gegebenenfalls während einer Berufstätigkeit erworbenen Kenntnisse vertieft. Das Masterstudium umfasst je nach Hochschule 3 bis 4 Semester Regelstudienzeit. Gewöhnlich werden Spezialisierungen und vertiefende Fächer im Bereich der Pflanzenproduktion und/oder im ökonomischen Bereich angeboten. Studiengänge, die ihren Schwerpunkt auf den gärtnerischen Pflanzenbau legen, wie zum Beispiel Produktionsmanagement in Agrarwirtschaft und Gartenbau, Pflanzenforschungsmanagement oder Pflanzenbiotechnologie vertiefen oft Kompetenzen für die zukünftige Arbeit im Labor, also die Pflanzliche Gewebekultur und die Biotechnologie. Die Wirtschaftswissenschaften vertiefende Studiengänge, wie zum Beispiel Agrarmanagement – Vertiefung Management von Betriebssystemen im ökologischen Land- und Gartenbau (Öko), Prozess- und Qualitätsmanagement in Landwirtschaft und Gartenbau legen den Schwerpunkt auf Module wie Controlling, Produktentwicklung, Qualitätsmanagement oder Supply-Chain-Management.
Studium im Ausland, Duales Studium und Lehramtsstudium Studium im Ausland Neben der Möglichkeit, das gesamte Studium im Ausland zu absolvieren, gibt es verschiedene Optionen während des Gartenbaustudiums, internationale Erfahrungen zu sammeln. Der internationale Masterstudiengang Horticultural Science wird als Kooperation der Technischen Universität München, der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Bologna, der Universität für Bodenkultur Wien und der Corvinus-Universität Budapest angeboten. Hochschulen, die länderübergreifende Doppelabschlüsse anbieten, sind beispielsweise die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zusammen mit Agrocampus Ouest in Angers (Frankreich) oder die Leibniz Universität Hannover zusammen mit der Universität Wageningen (Niederlande).
miniatur|Die Auswertung von Anbauversuchen im Team, ist ein wichtiger Bestandteil des Gartenbaustudiums. (Bildnachweis: GMH)
Auslandspraktika und -studienaufenthalte werden durch verschiedene Einrichtungen und Förderprogramme unterstützt, wie durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst, Erasmus+, die internationale Vereinigung IAESTE sowie die Schorlemer-Stiftung des Deutschen Bauernverbandes.Deutscher Bauernverband: Agrarpraktikum, abgerufen am 16. September 2014.
Duales Studium Ein duales Studium, das eine Gärtnerlehre mit einem Bachelorabschluss im Gartenbau kombiniert, kann an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf besucht werden. Das duale Studium ist durch seine besondere Verknüpfung von Hochschulstudium und Berufspraxis gekennzeichnet.
Lehramtsstudium Darüber hinaus kann an der Humboldt-Universität BerlinM.Ed. Masterstudium für das Lehramt Agrar- und Gartenbauwissenschaft, der Hochschule Geisenheim – in Kooperation mit der TU Darmstadt- Spezialisierung Berufsschullehrer/-in im Studiengang Gartenbau an der Hochschule Geisenheim und an der Technischen Universität München Gartenbau auf Lehramt an Berufsschulen studiert werden.
In einigen Bundesländern besteht für Masterabsolventen (ohne Studium auf Berufsschullehramt) die Möglichkeit ein Referendariat zu absolvieren. Der Abschluss des Referendariats qualifiziert regelmäßig für das höhere Lehramt an Meister- und Technikerschulen für Gartenbau (= ein- und zweijährige Fachschule)Vorbereitungsdienst für den höheren landwirtschaftlichen Dienst (Landwirtschaftsreferendariat) Baden-Württemberg.
Berufsperspektiven Vor der Umsetzung des Bolognaprozesses schlossen Gartenbaustudiengänge mit dem akademischen Grad Diplom-Ingenieur ab. Die Berufsbezeichnung für einen Hochschulabsolvent im Gartenbau lautet daher heute noch Gartenbauingenieur.
Nach Abschluss des Bachelorstudiums im Bereich Gartenbau, kann der Absolvent in gärtnerischen Produktionsbetrieben, in der Zulieferindustrie oder in der Vermarktung und im Vertrieb, wie beispielsweise in Gartencentern, im Großhandel, in Genossenschaften, im Lebensmitteleinzelhandel oder Qualitätsmanagement tätig werden. Darüber hinaus können Bachelor-Absolventen in der Beratung, im Versuchswesen, in Verbänden, im öffentlichen Dienst in der Entwicklungszusammenarbeit, im Sachverständigenwesen, bei Versicherungen oder im Bereich des gärtnerischen Journalismus arbeiten.
Der Abschluss des Masterstudiums befähigt den Absolventen eine Tätigkeit in der Forschung und Entwicklung, etwa in der Pflanzenzüchtung oder für den Managementbereich in Vermarktung und Handel aufzunehmen. Ein Masterabschluss eröffnet die Möglichkeit, Führungspositionen im öffentlichen Dienst anzutreten, sowie als Berufs- oder Fachschullehrer oder der außerhochschulischen Forschung tätig zu sein. Gleichfalls bietet sich den Absolventen auch eine Tätigkeit in der Forschung und Lehre an Hochschulen an, die gewöhnlich Promotions- und ggf. Habilitationsarbeiten voraussetzen.
Geschichte des Gartenbaustudiums
Mit Einsetzen der Moderne, Ende des 18. Jahrhunderts, brach in Europa eine Agrarrevolution aus. Neue Verfahren, wie etwa der Einsatz von Agrarchemikalien oder die Mechanisierung, führten zu enormen Ertragssteigerungen. Zudem waren im Zuge der Industrialisierung immer geringere Bevölkerungsanteile in der Urproduktion tätig. Durch den Bau der Eisenbahn konnten landwirtschaftliche und gärtnerische Produkte auch überregional vermarktet werden, was zu einer Verschärfung der Konkurrenzsituation innerhalb der Branche führte.