mini|hochkant=1.3|Zeiss-Großplanetarium, Ansicht vom Park, 2018
Das Zeiss-Großplanetarium in Berlin wurde 1987 „als eines der größten und modernsten Planetarien weltweit“ eröffnet. Es befindet sich am Rande des in den 1980er Jahren erbauten Wohngebietes Ernst-Thälmann-Park im Ortsteil Prenzlauer Berg und gehört wie die Archenhold-Sternwarte und das Planetarium am Insulaner mit der Wilhelm-Foerster-Sternwarte zur Stiftung Planetarium Berlin.
Seit seiner Wiedereröffnung im August 2016 bietet es ein umfangreiches Bildungs- und Programmangebot aus den Bereichen Astronomie, Wissenschaft sowie Kultur und erreicht besonders hohe Besucherzahlen. Es gilt als das meistbesuchte Planetarium im deutschsprachigen Raum. Von 1987 bis Anfang 2025 besuchten mehr als fünf Millionen Gäste die Einrichtung. Im Januar 2025 wurde das Planetarium in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.
Geschichte mini|Luftaufnahme des Planetariums, 2019
Das Zeiss‑Großplanetarium wurde 1985–1987 als letzter größerer Repräsentationsbau der DDR errichtet und am 9. Oktober 1987 im Rahmen des 750‑jährigen Stadtjubiläums Berlins eröffnet. Es entstand auf dem Gelände der 1981 stillgelegten und 1984 unter Protesten gesprengten Gasometer der IV. Berliner Gasanstalt in Prenzlauer Berg.
In der öffentlichen Darstellung wird häufig der Architekt Erhardt Gißke als Planer genannt; die Berliner Denkmaldatenbank führt jedoch ein Kollektiv von Entwurfsverfassern, darunter die Architektin Gertrud Schille, die als leitende Planerin der Auslandsbauabteilung des VEB Carl Zeiss Jena maßgeblich an der Konzeption und Planung beteiligt war. Weitere namentlich genannte Entwurfsverfasser sind Marianne Battke, Dorothea Krause, Eugen Schröter sowie der bekannte Tragwerksplaner Ulrich Müther für die Schalenbetonkuppel.
Als Prestigebau sollte es der anschaulichen Vermittlung neuester astronomischer Kenntnisse dienen, die Stärke der sozialistischen Raumfahrt demonstrieren und die DDR als Spitzentechnologie-Land präsentieren. Der historische Sternprojektor Cosmorama, hergestellt vom VEB Carl Zeiss Jena, war im Fußboden versenkbar, konnte den Sternenhimmel mit 9200 Sternen naturgetreu darstellen, alle Sternbilder figürlich in die Kuppel projizieren sowie Planeten einblenden. Er zählte zu den ersten computergesteuerten Projektoren, die sowohl manuell über ein Bedienpult als auch vollständig automatisiert über Computer gesteuert werden konnten.
Zwischen April 2014 und August 2016 wurde das Zeiss-Großplanetarium für rund 13 Millionen Euro saniert und umgebaut Ziel war unter anderem, zum „modernste(n) Wissenschaftstheater Europas“ zu werden. Der Einsatz des Cosmorama endete, er wurde in der Ausstellung im Foyer des Hauses platziert und kann dort kostenfrei besichtigt werden. Im Zuge der Sanierung des Großplanetariums wurde auch die Medientechnik vollständig erneuert. Zum 1. Juli 2016 wechselte das Zeiss-Großplanetarium von der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin in die neugegründete Stiftung Planetarium Berlin.Stefan Strauß: Drei Sternenhäuser unter einem Dach. In: Berliner Zeitung, 11. Mai 2016. In der Zeit von 2022 bis 2025 verzeichnete das Zeiss-Großplanetarium jährlich Besucherrekorde: 2025 wurden mehr als 370.000 Gäste gezählt. Im Januar 2025 wurde das Planetarium in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.
Planetariumsleiter 1987–2004: Dieter B. Herrmann 2005–2006: Klaus Bernhard Staubermann 2006–2009: Hans-Friedger Lachmann (kommissarisch) 2009–2013: Felix Lühning seit 2013:Tim Florian Horn
Gebäude Der Kuppelsaal des Planetariums (Planetariumssaal) prägt mit 30 Metern Durchmesser das Berliner Stadtbild (Innendurchmesser: 23 Meter). Der Planetariumssaal hat 307 Sitzplätze und wird ergänzt durch ein großes Foyer und Ausstellungen sowie einem hauseigenen Kinosaal mit 160 Plätzen.
Technische Ausstattung des Planetariumssaals mini|Projektion im Planetariumssaal, 2021
Sternprojektor Der Planetariumsprojektor Zeiss Universarium Modell IX wurde speziell für das Haus modifiziert und ist im Fußboden versenkbar. Der Sternprojektor kann 9505 Sterne und die Milchstraße darstellen. Jeder Stern wird hierbei durch eine eigene Glasfaser gespeist. Neben dem Sternprojektor zeigen zusätzliche acht Planetenprojektoren die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten.
360°-Fulldome-Technik Die 360°-Fulldome-Projektion ergänzt den Sternprojektor um ein mehrkanaliges, digitales Projektionssystem mit zehn Zeiss Velvet Videoprojektoren in 8K-Auflösung. Sie werden von zehn Grafikrechnern gespeist und erzeugen ein kuppelfüllendes Videobild. Die Projektion mit den Zeiss Velvet Videoprojektoren kann mit dem Sternenprojektor verknüpft werden, sodass astronomische Objekte wie Nebel, aber auch Sternbilder passgenau auf den Sternenhimmel projiziert werden können. Die Nutzung eines Echtzeit-fähigen Bildgenerators ermöglicht es, tagesaktuell neue astronomische Inhalte zu integrieren.
Spatial Sound Das Spatial Sound-System im Planetariumssaal simuliert räumliche Tonquellen und verfügt über 49 Lautsprecher und 4 Subwoofer, die eine Gesamtleistung von 52,5 kW betragen.
Veranstaltungen, Inhalte und Besucherzahlen Das Planetarium zeigt astronomische Programme und behandelt in seinen Veranstaltungen auch naturwissenschaftliche sowie kulturelle Themen. Das Planetarium ist regelmäßiger Veranstaltungsort der Radio-Eins-Reihe Hörspielkino unterm Sternenhimmel. Im Kuppelsaal werden mit der 360-Grad-Fulldome-Technik neben Programmen aus Astronomie und Wissenschaft auch Vorträge, Hörspiele, Musikprogramme sowie hauseigene Highlight- und Konzertreihen und ein umfangreiches Bildungsangebot für Kinder und Schulklassen ausgerichtet. Im Sommer 2024 war das Großplanetarium einer der Berliner Gastgeber der IPS-Konferenz, dem wichtigsten Branchentreffen der Experten aus Planetarien.Annette Herold-Stolze: Spektakuläres am Himmel. In: Mitteldeutsche Zeitung, 25. Juli 2024, S. 20. Seit 2024 findet einmal pro Jahr im Zeiss-Großplanetarium die Lange Nacht der Astronomie statt, die die Stiftung Planetarium Berlin, Träger des Zeiss-Großplanetariums, gemeinsam mit der Astronomischen Gesellschaft 2024 auf die Bundesebene gehoben hat. Die Lange Nacht der Astronomie wurde 2014 in Berlin ins Leben gerufen und findet seitdem regelmäßig statt.
Seit seiner Wiedereröffnung im August 2016, der eine zweijährige Modernisierungspause vorausging, bietet das Planetarium ein umfangreiches Bildungs- und Programmangebot aus den Bereichen Astronomie, Wissenschaft sowie Kultur und erreicht besonders hohe Besucherzahlen. Von 1987 bis Anfang 2025 besuchten mehr als fünf Millionen Gäste die Einrichtung.Technisches Meisterwerk aus DDR-Zeit. In: Märkische Oderzeitung, 29. Januar 2025, S. 20. Es gilt als das meistbesuchte Planetarium im deutschsprachigen Raum.
Kino im Planetarium mini|Kinosaal, 2023
Das Programm des hauseigenen Kinos wurde mehrfach vom Medienboard Berlin-Brandenburg ausgezeichnet. Es besteht aus Dokumentationen, Spielfilmen und Kinderprogrammen. 2023 nahm das Zeiss-Großplanetarium im Rahmen der Reihe „Berlinale goes Kiez“ erstmals an der Berlinale teil.
Ausstellungen Das Zeiss-Großplanetarium zeigt auch Ausstellungen. 2024 wurde beispielsweise die audiovisuelle Wanderausstellung „achtzehn“ präsentiert. Zum Jahresende 2024 eröffnete die kostenfreie Dauerausstellung „Universum zum Anfassen“. Sie will Wissenschaft und Astronomie möglichst anschaulich und interaktiv vermitteln.
Prominente alternativtext=Lesestunde im Zeiss-Großplanetarium mit Bundesministerin Franziska Giffey|mini|2019: Lesestunde im Zeiss-Großplanetarium mit der damaligen Bundesministerin Franziska Giffey
In den Programmen, Konzerten, Lesungen und Veranstaltungen des Zeiss-Großplanetariums waren zahlreiche prominente Gäste und bekannte Persönlichkeiten zu sehen, so unter anderem ESA-Astronaut Matthias Maurer, ESA-Astronaut Alexander Gerst und ESA-Astronautin Samantha Cristoforetti sowie die Bands Mando Diao, Tocotronic, Die Andere Seite oder Fall Out Boy.
Siehe auch Liste der Planetarien in Deutschland
Literatur Zeiss-Großplanetarium Berlin; 2., stark veränderte Auflage; Herausgeber: Zeiss-Großplanetarium Berlin; Baudirektion Hauptstadt Berlin des Ministeriums für Bauwesen, Städtebau und Wohnungswirtschaft; Deutsche Bauakademie; Berlin 1990
Weblinks
Homepage des Zeiss-Großplanetariums
Einzelnachweise
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