Der Hrvatsko vijeće obrane ( für Kroatischer Verteidigungsrat), kurz HVO, war die Armee der Kroaten in Bosnien-Herzegowina während des Bosnienkriegs (1992–1995). Der HVO operierte vor allem auf dem Gebiet der Kroatischen Republik Herceg-Bosna, einem international nicht anerkannten De-facto-Staat. In Sarajevo, Tuzla und Bihać kämpften HVO-Brigaden im Verband der Armee der Republik Bosnien und Herzegowina (ARBiH).
Der HVO entstand aus selbstorganisierten paramilitärischen Einheiten von kroatischen Freiwilligen, die sich unter dem Eindruck des Kroatienkrieges unmittelbar vor Beginn des Bosnienkriegs gebildet hatten (z. B. 1. bojna „Poskok“). Die Zentralregierung in Sarajevo lehnte eine Verteidigung der kroatischen Dörfer in Bosnien und Herzegowina ab und schaute passiv auf die serbischen Angriffe („Das ist nicht unser Krieg“ Alija Izetbegović, damals Präsident der Republik). Dadurch bestand der HVO zu Kriegsbeginn größtenteils aus lokal organisierten, milizenartigen Infanteriebrigaden, deren Aufgabe darin bestand, die kroatische Bevölkerung zu schützen und die Politik des bosnisch-herzegowinischen Zweiges der Partei HDZ durchzusetzen. Die Unterstützung der verbündeten und teils gemeinsam operierenden kroatischen Armee durch Ausbildung, Ausrüstung und Personal machte den HVO mit einer Gesamtstärke von bis zu 50.000 Soldaten zur effektivsten Streitmacht im Bosnienkrieg. Auch ausländische Söldner aus Europa und Übersee dienten im HVO. Angehörige des HVO verübten Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen an der bosniakischen und serbischen Zivilbevölkerung.
Geschichte Bosnienkrieg Kurz vor Beginn des Krieges entstanden in der Westherzegowina durch Selbstorganisation der kroatischen Gemeinschaft, schon im Sommer 1991 erste Einheiten der Kroaten als Vorbereitung eines zu erwartenden serbischen Angriffs. Die Gründung des HVO am 8. April 1992 wurde mit der „Passivität“ der Bosniaken begründet, welche den Serben zu wenig Widerstand entgegensetzen würden. Historiker gehen jedoch davon aus, dass es als ein Element der „großkroatischen“ Politik des damaligen kroatischen Staatspräsidenten Franjo Tuđman und ein Instrument für den Anschluss der mehrheitlich von Kroaten besiedelten Gebiete an Kroatien war. Seite 65 Seite 263 f. Die Unterstützung der kroatischen Armee ermöglichte dem HVO eine relativ gute Ausrüstung seiner Soldaten und den Einsatz großer Mengen an schweren Waffen. Lange operierte der HVO gemeinsam mit der kroatischen Armee, die Ähnlichkeit der Bezeichnung HVO mit der Bezeichnung für die Kroatische Armee: Hrvatska vojska (HV) ist unverkennbar.
mini|hochkant|Gebiete unter der Kontrolle des HVO und der kroatischen Armee (gelb) zum Ende des Bosnienkriegs am 20. Oktober 1995. Der HVO kämpfte zunächst mit der verbündeten bosnischen Regierungsarmee (ARBiH) gegen die Armee der bosnischen Serben (VRS). Im April 1993 eskalierte ein Konflikt zwischen den Verbündeten im kroatisch-bosniakischen Krieg. Mit der Unterstützung Zagrebs forderte der HVO den Rückzug der bosnischen Regierungstruppen aus den Gebieten, welche nach dem Vance-Owen-Plan von den Kroaten kontrolliert werden sollten. Als Izetbegović ablehnte, begann der HVO die Gebiete zu besetzen und führte ethnische Säuberungen durch.
Kriegsverbrechen und ihre juristische Aufarbeitung Im ganzen Lašva-Tal wurden Bosniaken vertrieben. Zunächst befanden sich die kroatischen Truppen auf dem Vormarsch und verübten unter anderem am 16. April das Massaker von Ahmići, bei welchem Truppen des HVO etwa 116 bosniakische Zivilisten ermordeten und bosniakische Häuser in Brand setzten.Artikel über Ahmići auf der Website der European Stability Initiative Dabei gingen Einheiten des HVO von Haus zu Haus, ermordeten die Dorfbevölkerung und zerstörten einen großen Teil der Ortschaft. Am gleichen Tag wurde auch das Massaker von Vitez begangen. Dabei belagerten Truppen des HVO die Ortschaft Vitez und bombardierten bosniakische Gebiete. Der Großteil der bosniakischen Häuser wurde in Brand gesetzt, 172 bosniakische Zivilisten ermordet, 5000 vertrieben und 1200 in Internierungslager inhaftiert. Von Mai 1993 bis Januar 1994 attackierte der HVO Mostar und führte eine ethnische Säuberung durch. Tausende von Bosniaken wurden vertrieben und ihre Häuser geplündert. Die Männer wurden im Lager Dretelj interniert.
Der HVO betrieb ebenfalls mehrere Internierungslager für Bosniaken, deren Insassen gefoltert und geschlagen wurden. Dabei wurden auch bosniakische Frauen misshandelt und vergewaltigt.
Am 29. Juli 2004 wurde der HVO-General Tihomir Blaškić in der Berufungsinstanz des Internationalen Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien zu einer neunjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, nachdem die erstinstanzlich verhängte Strafe von 45 Jahren reduziert worden war, und am 2. August 2004 aus der weitgehend verbüßten Haft entlassen.
Am 29. November 2017 wurden die HVO-Funktionäre Slobodan Praljak (Militärchef) und Berislav Pušić (Chef des Büros für Gefangenenaustausch) vom Internationalen Strafgerichtshof in zweiter Instanz zu 20 beziehungsweise 10 Jahren Haft verurteilt. Praljak beging nach der Urteilsverkündung, bei der die erstinstanzlichen Urteile jeweils bestätigt worden waren, in Den Haag Suizid.UNO-Tribunal: Verurteilter Kriegsverbrecher stirbt nach Gift-Einnahme. Die Presse vom 29. November 2017.
Nachkriegszeit
Mit dem Ende des Bosnienkrieges und der Bildung der bosniakisch-kroatischen Föderation, zu der auch die überwiegend von den Kroaten besiedelten Landesteile gehörten, kam es offiziell zur Auflösung des HVO. Jedoch wurden noch fünfeinhalb Jahre nach Kriegsende im Verlauf einer Razzia bei der Hercegovačka banka rund 50 Unterkonten des Verteidigungsrates, der sich bis 1997 als Anteilseigner selbiger Bank betätigt hatte, entdeckt. Der Verbleib der Gelder wurde auch nach der Verhaftung des der Unterschlagung beschuldigten HDZ/BiH-Politikers Ante Jelavić im Januar 2004 nur teilweise aufgeklärt., New York University, Frühjahr 2001., 26. Januar 2004.
Im Jahr 2006 wurden aus der Armee der Föderation Bosnien und Herzegowinas (VFBiH) und der Armee der Republika Srpska (VRS) die Streitkräfte von Bosnien und Herzegowina (OSBiH) gebildet. Dabei wurde das 1. Infanterie-Regiment der bosnisch-herzegowinischen Streitkräfte als kroatisches Traditionsregiment des HVO aufgestellt und in der Kaserne „Stanislav Baja Kraljević“ (ehemals „Heliodrom“) stationiert. Der 8. April eines Jahres wird als Gründungstag des HVO (Dan utemeljenja HVO-a) mit militärischen Ehren begangen. Der 20. Gründungstag im Jahr 2012 wurde mit mehrtägigen Feierlichkeiten begangen, an denen auch offizielle Vertreter der Regierung von Bosnien und Herzegowina teilnahmen.
Gliederung Die militärische Gliederung des HVO orientierte sich grundsätzlich an der Gliederung der Kroatischen Armee. Alle Oberbefehlshaber waren abgeordnete Offiziere der Kroatischen Armee, ausgenommen Tihomir Blaškić.
Landstreitkräfte (Mai 1992 bis Dezember 1993) Die Landstreitkräfte des HVO gliederten sich in ein Generalhauptquartier in Mostar und fünf Operationszonen. Jede Operationszone umfasste 8 bis 14 Infanterie-Brigaden (brigada), ein Militärpolizei-Bataillon und ein Leichtes Militärpolizei-Sturmbataillon. Die insgesamt 38 Infanterie-Brigaden, wurden aus Reservisten, Wehrpflichtigen und Freiwilligen formiert. Jede dieser Brigaden hatte 3 bis 4 Bataillone mit unterstützenden Diensten.
Der HVO verfügte außerdem über das, aus Berufssoldaten bestehende, Elite-Regiment „Ante Bruno Bušić“, zwei selbstständige Infanterie-Bataillone, ein leichtes Aufklärungs-Bataillon sowie Spezial- und Artillerieeinheiten.
Die HVO-Einheiten, welche zusammen mit dem 5. Korps der bosnischen Regierungsarmee die Enklave Bihać verteidigten, unterstanden einem eigenen Generalhauptquartier.
Generalhauptquartier Mostar Oberbefehlshaber: Oberst Milivoj Petković (ab April 1992); Generalmajor Slobodan Praljak (ab 24. Juli 1993); Generalleutnant Ante Roso (ab 12. November 1993) Spezialeinheit „Kažnjenička bojna“ (Široki Brijeg) Regiment „Ante Bruno Bušić“ (Čapljina) Spezialeinheit „Ludvig Pavlović“ (Čapljina) 1. Militärpolizei-Bataillon (Mostar)
1. Operationszone Südöstliche Herzegowina (Široki Brijeg) Befehlshaber: Oberstleutnant/Oberst Miljenko Lasić, Oberst Filip Filipović 1. Herzegowina-Brigade „Knez Domagoj“ (Čapljina) 2. Herzegowina-Brigade, 1. Leichtes Militärpolizei-Sturmbataillon „Jure und Boban“ und 3. (später 5.) Militärpolizei-Bataillon (Mostar) 3. Herzegowina-Brigade (Mostar-Kruševo) 4. Herzegowina-Brigade „Stjepan Radić“ (Ljubuški, Grude, Čitluk) 6. Brigade „Vitez Ranko Boban“ (Grude) 7. Brigade „Mario Hrkać Ćikota“ und Brigade „Ivica Jelčić Čarls“/Regiment „Ante Bruno Bušić“ (Široki Brijeg) Brigade „Knez Branimir“ (Čitluk) Brigade „Herceg Stjepan“ (Konjic)
2. Operationszone Nordwestliche Herzegowina (Tomislavgrad) Befehlshaber: Oberstleutnant Željko Šiljeg, Oberst Ivan Perić, Oberst Josip Černi Brigade „Kralj Tomislav“ (Tomislavgrad) Brigade „Petar Krešimir IV.“, Bataillon „Ferdo Sušić“/Regiment „Ante Bruno Bušić“, 2. Leichtes Militärpolizei-Sturmbataillon und (später 6.) Militärpolizei-Bataillon (Livno) Brigade „Rama“ (Prozor) Brigade „Dr. Ante Starčević“ und Bataillon „Zvonko Krajina“/Regiment „Ante Bruno Bušić“ (Uskoplje) Brigade „Eugen Kvaternik“ (Bugojno) Brigade „Hrvoje Vukčić Hrvatinić“ (Jajce, stationiert in Tomislavgrad) 5. Brigade und Bataillon „Vitez Damir Martić“/Regiment „Ante Bruno Bušić“ (Posušje)
3. Operationszone Zentralbosnien (Vitez) Befehlshaber: Mihovil Strujić, Oberstleutnant/Oberst Tihomir Blaškić 4. (später 7.) Militärpolizei-Bataillon, 3. Leichtes Militärpolizei-Sturmbataillon (Vitez) 4. Leichtes Aufklärungs-Bataillon (Novi Travnik) Artillerieeinheit Aufklärungseinheit 1. Operationsplanungsgruppe: Brigaden „Travnik“ und „Frankopan“ (Travnik) Brigade „Stjepan Tomašević“ (Novi Travnik) Brigade „Vitez“ (Vitez) Brigade „Jure Francetić“ (Zenica) 2. Operationsplanungsgruppe: Brigade „Ban Jelačić“ (Kiseljak-Kreševo) Brigade „Nikola Šubić Zrinski“ (Busovača) Brigade „Kotromanić“ (Kakanj) Brigade „Bobovac“ (Vareš) 3. Operationsplanungsgruppe: 110. Brigade „Usora“ (Tešanj, Žabljak) 111. Brigade „xp“ und Bataillon „Andrija Tadić“ (Žepče) Selbstständiges Bataillon „Komušina“ (Komušina) Selbstständig: Brigade „Kralj Trvtko“ (Sarajevo) und 115. Brigade „Zrinski“ (Tuzla, Drijenča)
4. Operationszone Bosnische Posavina (Orašje) 101. Brigade (Bosanski Brod) 102. Brigade (Odžak) 103. Brigade (Derventa) 104. Brigade (Bosanski Šamac) 105. Brigade (Modriča) 106. Brigade, 4. Leichtes Militärpolizei-Sturmbataillon und 5. (später 8.) Militärpolizei-Bataillon (Orašje) 107. Brigade (Gradačac) 108. Brigade (Brčko) 109. Brigade (Doboj)
Generalhauptquartier Bihać-Region 101. Bataillon (Bihać)
Landstreitkräfte (Dezember 1993 bis Oktober 1995) Im November 1993 übernahm der Kroatische Armee-General Ante Roso den militärischen Oberbefehl und nahm eine Neuorganisation nach dem überarbeiteten Vorbild der Kroatischen Armee vor. Die fünf Operationszonen wurden in vier Korpsgebiete, mit jeweils einer, aus Berufssoldaten bestehenden, motorisierten Garde-Brigade umorganisiert. 29 Infanterie-Brigaden wurden in sogenannte Heimwehr-Regimenter (Domobranska pukovnija) umgewandelt, in der Regel mit gleicher Bezeichnung und Standort. Jedes dieser Heimwehr-Regimenter hatte drei Infanterie-Bataillone. Vier Brigaden wurden aufgelöst und die Militärpolizei auf ein Leichtes Militärpolizei-Sturmbataillon reduziert.Dr. Nigel Thomas, Krunoslav Mikulan: The Yugoslav Wars (2) : Bosnia, Kosovo and Macedonia (1992–2001). Osprey Publishing Ltd., Oxford 2006, ISBN 978-1-84176-964-6, S. 19.
Generalhauptquartier Mostar Oberbefehlshaber: Generalleutnant Ante Roso; Generalmajor Milivoj Petković (ab 26. April 1994); Generalmajor Tihomir Blaškić (ab 5. August 1995)
10. Artillerie-Raketen Regiment (Široki Brijeg) 15. Selbstständiges Luftverteidigungs-Artillerie-Raketen Bataillon