mini|Panorama von Duppau (A. Lewý 1896) mini|Hauptplatz in Duppau (A. Lewý 1896) mini|Klosterkirche (A. Lewý 1896) Doupov (deutsch Duppau) ist eine Wüstung auf dem Truppenübungsplatz Hradiště im Okres Karlovy Vary in Tschechien. Die ehemalige Stadt wurde 1955 wegen der Errichtung des Truppenübungsplatzes geräumt und ihre Häuser danach bis auf die Grundmauern abgetragen. Doupov wird heute statistisch als Grundsiedlungseinheit des Truppenübungsplatzes erfasst.

Geographie Die Stadt lag im Duppauer Gebirge am Nordosthang des Flurbühls (655 m) an der Einmündung des Pustý potok in den Liboc (Aubach).

Geschichte Als ein möglicher Standort der sagenhaften Wogastisburg des Slawenfürsten Samo wird neben anderen Plätzen auch des Duppauer Gebirge genannt. Samo soll hier ein Heer der Franken unter König Dagobert I. besiegt haben.

Der Ort hatte seit dem 16. Jahrhundert das Stadtrecht. Das Schloss war ursprünglich Sitz der Herren von Duppau. Die letzten Herren auf Duppau – bis zur Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg – waren die Zedtwitzer. Curt Graf Zedtwitz hatte die Herrschaft Duppau im Jahre 1858 von den Grafen Czernin erworben. Ein von Geistlichen geleitetes Gymnasium mit Konvikt förderte die Jugendbildung in seinem Einzugsgebiet. Administrativ gehörte sie zum Gerichtsbezirk Duppau bzw. zum Bezirk Kaaden, wobei Duppau Sitz des Bezirksgerichtes war.

Im 18. Jahrhundert war die Tuchmacherei das wichtigste Gewerbe der Stadt. Während des Österreichischen Erbfolgekriegs wurde Duppau 1742 von den Franzosen besetzt. 1866 kam es zur Besetzung durch die Preußen. Duppau gelangte nach dem Ersten Weltkrieg infolge des Vertrags von Saint-Germain an die Tschechoslowakei. Im Jahr 1930 hatte die Stadt 1524 Einwohner (1506 Deutsche, 18 Tschechen). Haupterwerbsquelle waren Ackerbau und Fremdenverkehr (Sommerfrische am Aubach).

Im Rahmen des Münchner Abkommens gelangte Duppau mit den restlichen Sudetengebieten 1938 an das Deutsche Reich, und die Stadt gehörte bis 1945 zum Landkreis Kaaden, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland. Nach der VertreibungWilhelm Turnwald: Dokumente zur Austreibung der Sudetendeutschen 1951, Duppau: 217f., 473 der Deutschen nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt dem Verfall preisgegeben. Seit 1955 gehört sie samt Umgebung zum Truppenübungsplatz Hradiště und wurde bis auf die Grundmauern abgetragen.Rudi Hauptmann: Duppau: begrabene Heimatstadt ; ein Heimwehbuch und Gedenkbüchlein. 2004, ISBN 978-3-8334-0643-0, S. 9 (Foto), S. 12 und anderswo. In der Gemarkung stehen bis heute nur noch zwei Gebäude: die Grabkapelle der Familie Zedtwitz und eine Scheune.

Ab 1902 war Doupov Endpunkt einer Lokalbahn von Vilémov (Willomitz) gewesen, die ursprünglich von den Kaadner Lokalbahnen errichtet worden war. Nach dem Abriss der Stadt (ab den 1950er Jahren) und der Einrichtung des Truppenübungsplatzes wurde die Strecke abgebrochen. Neben der Stadt Duppau wurden zur Einrichtung des Truppenübungsplatzes ca. 76 Dörfer, Kleingemeinden und Einzelgehöfte aufgelöst.

Demographie Bis 1945 war Duppau überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden. + Bevölkerungsentwicklung bis 1950 Jahr Einwohner Anmerkungen 1785 k. A. 225 HäuserJaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 2: Ellbogner Kreis, Prag 1785, S. 110–113, Ziffer 1). 1830 1324 in 250 HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 200, Ziffer 23. 1847 1423 in 250 HäusernJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 15: Elbogner Kreis, Prag 1847, S. 149. 1869 1752 in 245 Häusern 1880 1722 in 260 Häusern 1890 1591 261 Häusern 1900 1625 deutsche Einwohner,Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 5, Leipzig und Wien 1906, S. 2921. in 267 Häusern 1910 1637 in 276 Häusern 1921 1605 davon 1572 (98 %) Deutsche,Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Helmut Preußler Verlag-Nürnberg. 1987, ISBN 3-925362-47-9 in 269 Häusern1930 1524 davon 1.506 (99 %) Deutsche und 18 (1 %) Tschechen, in 272 Häusern 1939 1473 1950 588 in 272 Häuserntschechische Volkszählung

Burg und Schloss Duppau Die Burg war ursprünglich Sitz der Ritter von Duppau („Benessius de Tuppowe“, 1281 in der urkundlichen Ersterwähnung Duppaus genannt). Später als „Duppauer von Duppau“ bezeichnet. Ab Mitte 15. Jh. waren Burg und Herrschaft Besitz der Sahrer von Sahr. 1546 an Hugo von Leisnek (Burggrafen von Leisnig?) übergegangen. Ab Mitte 16. Jh. gehörte die Herrschaft den Grafen Schlick (Christoph und sein Sohn Albin von Schlick). Weitere Besitzer waren die Grafen von Verduga (ehem. Marmorgrabstein des Grafen Ferdinand von Verduga im Inneren der Maria-Himmelsfahrts-Pfarrkirche stammte aus dem Jahr 1672) und die Herren von Lützau (später auch Lützow genannt). Die letzten Herren auf Duppau – bis zur Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg – waren die Zedtwitzer. Curt Graf Zedtwitz hatte die Herrschaft Duppau im Jahre 1858 von den Grafen Czernin erworben. Seit dem Abriss von Stadt und Schloss ab 1950 ist nur noch die Grabkapelle der Familie von Zedtwitz als Ruine erhalten geblieben.

Überreste von Duppau Heutzutage (2015) erinnern an Duppau nur der Rest der Lindenallee vom ehemaligen Marktplatz, einige Stufen, die zur Klosterkapelle führten, Zypressen auf dem ehemaligen Friedhof, das Lagergebäude (oft „Scheune“ genannt) der Wirtschaftsgenossenschaft vom Anfang des 20. Jahrhunderts am ehemaligen Bahnhof, Wandreste der Walkmühle, das Grab der Familie Zedtwitz (ruinöse Grabkapelle) und die alte Buche, wo die Buchenkapelle stand.Artikel von Zdena Binterová, Regionalmuseum Chomutov, 2005, http://www.zanikleobce.cz/index.php?lang=d&detail=1136264

Söhne und Töchter der Stadt

Georg Friedrich Schierl von Schierendorff (1644–1714) Reichshofagent und Fiskal in Mähren/Brünn,Alfred Fischel, "Studien zur österreichischen Reichsgeschichte" Seite 137–153; Viktor Karell,"Das Duppauer Land" und "Kaaden-Duppau" ein Heimatbuch Christian Julius Schierl von Schierendorff (1661–1726), Hofkammerrat am Wiener Hof,Alfred Fischel, "Studien zur österreichischen Reichsgeschichte", Seite 137–305; Viktor Karell, "Das Duppauer Land" und "Kaaden-Duppau" ein Heimatbuch Anton Josef Edler von Klement (1701–1783), Gründer des Gymnasiums Duppau,Viktor Karell, "Das Duppauer Land" und "Kaaden-Duppau" ein Heimatbuch Johann Wenzel von Fritsch (1804–1869) 1864 Ehrenbürger der Stadt, kaiserlicher Hofarzt, zweiter Leibarzt von Kaiser Franz Josef I.Viktor Karell, "Das Duppauer Land" und "Kaaden-Duppau" ein Heimatbuch Richard Schwager (1822–1880), österreichischer Maler Vincenz Brehm (1879–1971), österreichischer Biologe und Tiergeograph Viktor Karell (1898–1979), Heimatforscher, Germanist, Schriftsteller, Lehrer und Museumsdirektor Hermann Götz (1914–1987), Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages

Erhaltene Kunstwerke aus Duppau

mini|hochkant|Duppauer Madonna im Kreismuseum Schloss Sokolov (Kopie (?) in einer Kirche in Kynšperk nad Ohří)

Literatur Rudi Hauptmann: Duppau: begrabene Heimatstadt ; ein Heimwehbuch und Gedenkbüchlein. 2004, ISBN 978-3-8334-0643-0, Books on demand Kreisrat Kaaden-Duppau (Herausgeber), Viktor Karell: Kaaden-Duppau. Ein Heimatbuch der Erinnerung und Geschichte des Landkreises. Verlag Das Viergespann (1965) Viktor Karell: Das Duppauer Land. Quadriga-Verlag. 1957. Franz Slapnicka: Heimatbüchlein für das Kaadner und Duppauer Land. 1979.

Einzelnachweise

Weblinks

Die verschwundenen Sudeten – Die Stadt Duppau Untergegangene Orte nach 1945 - Duppau (Doupov) – mit vielen historischen Abbildungen Karte der Gegend von Duppau (1894) Duppau ist auf dieser Karte 30°48' östlich von Ferro und 50°16' nördl. Breite eingezeichnet.

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