Bad Liebenwerda (bis 1925 Liebenwerda; ) ist eine Stadt im Landkreis Elbe-Elster im Land Brandenburg und staatlich anerkannter Kurort mit der Artbezeichnung Ort mit Peloidkurbetrieb.
Geografie Bad Liebenwerda liegt circa 60 Kilometer nordwestlich von Dresden und rund 75 km östlich von Leipzig an der Schwarzen Elster, wohin auch der Mühlgraben mündet.
Nachbargemeinden Nachbarorte von Bad Liebenwerda sind die Städte Elsterwerda, Mühlberg und Uebigau-Wahrenbrück sowie die Gemeinde Röderland und das Amt Elsterland mit den Gemeinden Rückersdorf und Schönborn. Entlang der Landesgrenze zum Freistaat Sachsen grenzt Bad Liebenwerda an das Territorium der Stadt Gröditz und der Gemeinde Zeithain. mini|Karte der Ortsteile mini|Liebenwerda auf einer geschichtlichen Karte des Kreises Liebenwerda (1910).
Stadtgliederung Zum Stadtgebiet gehören neben dem ursprünglichen Stadtgebiet die Ortsteile Burxdorf, Dobra, Kosilenzien, Kröbeln, Langenrieth, Lausitz, Maasdorf, Möglenz, Neuburxdorf, Oschätzchen, Prieschka, Thalberg, Theisa, Zeischa und Zobersdorf.
Hinzu kommen die Wohnplätze Am Holzplan, Heideschlößchen, Knissen, Obermühle, Schumpe, Siedlung, Teichgut Mittelhausen, Teichhäuser, Untermühle, Weinberge und Ziegelhäuser.
Geschichte Ortsname Liebenwerda besteht aus zwei Teilwörtern. Lib oder Liv bedeutet so viel wie Liebe oder Leben. Das Wort -werda leitet sich von werder ab, was eine Insel oder eine Erhebung bezeichnet.
Der deutsche Ortsname hatte im Laufe der Zeit verschiedene Schreibweisen: 1231 Lievenwerde (in der ersten urkundlichen Erwähnung), 1243 Liuenwerde, 1253 Livenwerde, 1301 Liebenwerde, 1304 Liuenwerde, 1347 Lybenwerde, 1375 Liebenwerde, 1505 Liebenwerd und 1550 Libenwerda.
Der sorbische Ortsname Rukow wurde von der älteren Fischersiedlung, der auf Deutsch „Winkel“ oder „Stadtwinkel“ und auf Sorbisch Rukowc genannten und bis 1873 eigenständigen Amtsvorstadt auf das später gegründete Städtchen übertragen und wird in deutschen Quellen noch 1569 als Ruko genannt.Frido Mětšk: Über den Hinteren Wendischen Zirkel des sächsischen Kurkreises. In: ders., Studien zur Geschichte sorbisch-deutscher Kulturbeziehungen. VEB Domowina-Verlag, Bautzen 1981, S. 142–176, hier S. 155.
Am 9. Januar 1925 wurde die Stadt durch das Preußische Staatsministerium in Bad Liebenwerda umbenannt. Die Deutsche Reichsbahn folgte mit der Umbenennung des Bahnhofs Liebenwerda in Bad Liebenwerda zum 1. Juli 1925.Reichsbahndirektion in Mainz (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 15. August 1925, Nr. 42. Bekanntmachung Nr. 799, S. 461.
Geschichte der Stadt Frühgeschichte, Stadtgründung und Mittelalter mini|hochkant|Lubwartturm Über die Entstehung der Stadt Liebenwerda ist bisher nur wenig bekannt. Es gibt Vermutungen über eine slawische Vorbesiedlung des Stadtgebiets, wofür aber bisher ein eindeutiger archäologischer Nachweis fehlt. Eine 1231 in Liebenwerda angefertigte Urkunde ist der erste geschichtliche Nachweis über das Bestehen des Ortes. Der amtierende Vogt des Markgrafen von Meißen, Otto von Ileburg, ließ das Schriftstück anfertigen, in dem Festlegungen zur Beilegung eines Streits mit dem zwischen 1165 und 1184 gegründeten Kloster Dobrilugk getroffen wurden. Als advocatus in Lievenwerde wurde Otto von Ileburg erwähnt. Da ein Walterus plebanus in lievenverde (übersetzt aus lat.: Leutpriester Walter in Liebenwerda) als einer der Zeugen aufgeführt wurde, lässt dies auf eine Siedlung mit Kirche schließen. Sie entstand im Schutze einer aus dem 12. oder 13. Jahrhundert stammenden Burg, die sich auf der Elsterinsel befand, deren ältester Nachweis ein noch heute erhaltener, um 1207 errichteter Bergfried, der Lubwartturm, ist. mini|hochkant|Friedrich der Weise Über die Verleihung von Stadtrechten ist nichts Konkretes bekannt. Allerdings wurde Liebenwerda 1304 erstmals in einer Urkunde mit in nostre civitate Lievenwerde als Stadt bezeichnet. In einer Urkunde des Herzogs und Kurfürsten Rudolf II. aus dem Jahr 1367 wurde über das Vorhandensein von Handwerkerzünften, der Nikolaikirche, drei Kapellen an den Toren der Stadt, einer Lateinschule und eines Steindammes berichtet. Der Kurfürst hatte seit 1360 die Herrschaft in Liebenwerda. Liebenwerda war zu dieser Zeit ein regional bedeutsamer Wallfahrtsort an der Niederstraße, und die kirchlichen Andachtstätten der Stadt wurden durch Stiftungen wohlhabender Adliger mit Altären ausgestattet. Die Stadtkirche verfügte gegen Ende des 15. Jahrhunderts neben dem Altar Beatae Virginis Mariae über sieben weitere Altäre. Ein wundertätiges Marienbild in der Kapelle Zum heiligen Kreuz am Luckauer Tor zog von überallher Wallfahrer an, und zahlreiche Heiligtümer sowie Reliquien aus dem heiligen Land, welche die Kurfürsten Rudolf III. und Friedrich der Weise spendeten, sorgten für steigende Pilgerscharen, die unter anderem auf dem nördlich in die Stadt führenden Pilgerweg in die Stadt kamen. Außerdem befanden sich noch über 60 Reliquien in der Schlosskapelle. Weitere Kapellen waren St. Barbara, die sich vermutlich am Haynschen Tor befand, sowie Unserer lieben Frau. Der Standort dieser mehrfach in Urkunden und Amtsrechnungen erwähnten Kapelle wird in der Nähe des einstigen Torgauer Tores vermutet. Diese Kapellen verfielen nach der Reformation und wurden später abgetragen.M. Karl Fitzkow: Zur älteren Geschichte der Stadt Liebenwerda und ihres Kreisgebietes, 1961.M. Karl Fitzkow: Verschwundene Kapellen und Gerichtsstätten des mittelalterlichen Liebenwerda. In: Heimatjahrbuch Kreis Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerda 1969/70, S. 58–60.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts ging die Stadt in den Besitz der sächsischen Herzöge über, und sie wurde das Verwaltungszentrum des neugebildeten sächsischen Amtes Liebenwerda, das die ehemaligen ileburgischen Herrschaften Liebenwerda, Wahrenbrück und Uebigau umfasste. Zu dieser Zeit hatte sich in Liebenwerda bereits eine rege Markttätigkeit entwickelt, die der Stadt beachtliche Einnahmen brachte. Die Markttage, die bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts hinein bestanden, gingen vor allem aus den Wallfahrts- und Ablasstagen hervor und förderten das wirtschaftliche Leben der Stadt. Nach dem Tod Albrecht III. 1422 erhielt seine Witwe Ephigenia Offigka (Offka) das Schloss Liebenwerda als Leibgedinge.
Frühe Neuzeit mini|hochkant|Büste Martin Luthers an der Kirche St. Nikolai alternativtext=Orte der Reformation in Liebenwerda|mini|Eine Info-Tafel weist auf die Bedeutung der Reformation für Liebenwerda und die Bedeutung Liebenwerdas für die Reformation hin. Foto: August 2025 Nach dem Beginn der Reformation traf sich 1519 Martin Luther in Liebenwerda mit dem päpstlichen Nuntius Karl von Miltitz zu einem Streitgespräch, das allerdings wie eine vorhergehende Unterredung in Altenburg ergebnislos blieb. Nach der Durchsetzung der Reformation wurde auf Empfehlung Luthers und Melanchthons Martinus Gilbert de Spaignarts 1545 zunächst zum Stadtpfarrer, 1555 dann zum ersten Superintendenten Liebenwerdas ernannt. Von 1567 bis 1573 war Georg Lysthenius Superintendent in Liebenwerda, welcher später als Hofprediger entscheidenden Einfluss auf den Kurfürsten von Sachsen und die Entwicklung der Reformation hatte. In dieser Zeit entstanden auch die drei Vorstädte. Die Luckauische Vorstadt erstreckte sich vom Luckauer Tor bis zur Elsterbrücke. Der Standort des mittlerweile abgetragenen Tors ist heute noch durch eine eingerückte Häuserzeile zu erkennen. Die Hainsche Vorstadt begann an der Einmündung des Südrings in die Hainsche Straße und verlief über einige Bauten in Richtung Zobersdorf. Der Standort dieses ehemaligen Tores ist ebenfalls am Verlauf der Häuserfront erkennbar. Die Torgauer Vorstadt zog sich von der Kreuzung Nordring/Südring und Torgauer Straße bis zur Fischergasse. 1558 erwarb der Rat die Gerichtsbarkeit. Auf dem Marktplatz wurden die Urteile gefällt, während die Hinrichtungen vor der Stadt vollzogen wurden. Ein in das Pflaster eingelassener Steinkranz zwischen Rathaus und Kirche erinnert an diesen Ort.
Im August und September des Jahres 1621 hatte die Stadt eine Kippermünzstätte (Pachtmünze), in der unter Münzmeister Jobst Wenighausen Interimsmünzen (Kippermünzen) geschlagen wurden. Die kurze Dauer ihres Bestehens dürfte nicht zum wenigsten auf die schlechte Qualität der dort geschlagenen Münzen zurückzuführen sein.Eugen Rahnenführer: Die Kippermünzstätte zu Liebenwerda. In: Blätter für Münzfreunde, XIX. Band (Neue Folge VI. Band) 69.–71. Jahrgang (1934–1936) Nr. 647–682, S. 360–365. Bekannt sind 12-Kreuzer-Stücke mit dem Münzmeisterzeichen L und LW.
Schwere Verwüstungen erlitt die Stadt in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Am 26. Mai 1634 plünderten durchziehende Soldaten die Stadt. Nachdem sie Kirche, Schloss, Rathaus und Wohnhäuser in Brand gesetzt hatten, forderten sie vom Bürgermeister Elias Borßdorff die Herausgabe der Stadtkasse und 25.000 Taler Kontribution. Nachdem dieser jegliche Forderungen ablehnte, fesselten sie ihn und schleiften ihn unbestätigten Überlieferungen zufolge bei Zeischa an Pferden gebunden zu Tode. Sein Grab ist dort bis in die Gegenwart erhalten, und die Rathausglocke läutet zu seinem Gedenken jeden Abend um 21:50 Uhr. mini|hochkant=1.8|Stadt und Schloss Liebenwerda in der Mitte des 17. Jahrhunderts (nach Wilhelm Dilich) Besonders schwer traf es die Stadt 1637, als sich schwedische Truppen des General Banér im Januar im nicht weit entfernten Torgau einnisteten, das angrenzende Elbe-Elster-Gebiet durchstreiften, plünderten und in Brand setzten. Am 31. Januar 1637 fiel Liebenwerda einer durch einen Marketenderjungen ausgelösten Feuersbrunst zum Opfer. Dabei wurde die Stadt fast gänzlich eingeäschert, und nur einige Hütten im Stadtwinkel blieben verschont. Spuren des Krieges waren bis in das 18. Jahrhundert noch sichtbar. Hinzu kamen in dieser Zeit Pestepidemien, die nach 1584 und 1599, besonders 1633, 1652 und 1663, in der Stadt ihre Opfer forderten. In dieser Zeit entstand die Sage vom Hirtenmädchen Barbara. Sie berichtet von der Tochter des einstigen Stadthirten, die in dieser Zeit an der Pest Erkrankte mit dem Wasser der Schwarzen Elster heilen konnte. 1733 zerstörte ein Feuer das Schloss. Die Bürger bauten daraufhin nur noch einzelne Gebäude wieder auf. Im Siebenjährigen Krieg forderten preußische Truppen 6000 Taler Kontribution.
Um 1800 richtete der Superintendent Seiffarth ein Institut zur unentgeltlichen Ausbildung von Lehrern ein, welches auch Lehrer aus der Inspektion Hayn ausbildete. 1806 gab es 214 Häuser in Liebenwerda. Die Einwohner lebten vom Brauwesen, Handwerk (es gab 1804 214 Meister), von der Landwirtschaft und vom Handel. Jedem Bürger der Stadt gehörte ein Teil der ehemaligen Rittergutsfelder. Unter den Handwerkern gab es besonders viele Tischler, deren Waren nach Dresden, Torgau und Lorenzkirch verkauft wurden. Weiter gab es 3 Tuchmacher und 37 Leineweber. Auch Pottasche wurde hier produziert und verkauft. Die Landwirtschaft brachte im Jahr 1804 etwa 400 Schock Korn, 50 Schock Weizen, 90 Schock Hirse, 1800 Schock Erdäpfel und 600 Schock Hafer, was aber den Jahresbedarf der Stadt nicht vollständig decken konnte. Das bei Zinsdorf gezogene Winterkraut überwinterte in Liebenwerda unter Schilfmatten und wurde nach der Reife zusammen mit anderen Küchenkräutern und Gemüsen bis nach Dresden verkauft. Damals gab es vier Jahr- und Viehmärkte, Wollmärkte und wie in Uebigau und Wahrenbrück auch Flachsmärkte.Dankegott Immanuel Merkel, Karl August Engelhardt: Erdbeschreibung des Königreiches Sachsen, Band 6, 1806 alternativtext=Prominenz auf Durchreise|mini|Diese Tafel erinnert an prominente Übernachtungsgäste in der Stadt.