Krajenka ( Krojanke) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Großpolen im Powiat Złotowski mit etwa 3650 Einwohnern. Im Ort befindet sich der Sitz der Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska).

Geographische Lage Die Stadt liegt in der historischen Landschaft Krajna bzw. im ehemaligen Westpreußen am Nordufer des Flusses Głomia (Glumia), etwa neun Kilometer südlich von Złotów (Flatow) und 23 Kilometer nordöstlich von Piła (Schneidemühl). Nach Osten hin verläuft die Krainaer Seenplatte. Das Gebiet der Stadt- und Landgemeinde erstreckt sich über 191,79 km².

Geschichte mini|Krojanke nordöstlich der Stadt Schneidemühl – siehe obere Bildhälfte – auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung). mini|Krojanke südlich der Stadt Flatow auf einer Landkarte von 1806 mini|Rathaus mini|Evangelische Kirche mini|Katholische Kirche mini|Marktplatz mini|Gutshaus Der Ursprung des Ortes liegt auf dem westlich gelegenen Schlossberg, auf dem sich im Frühmittelalter eine wendische Befestigungsanlage befand. Das Umland war Grenzgebiet zwischen Pommern und Polen, von diesen „Kraina“ (deutsch „Grenzland“) genannt. Seit 1343 gehörte das Gebiet vorübergehend zum Königreich Polen. Die Ortsgründung geht auf den polnischen Adligen Andrzej Danaborski zurück, der von König Władysław II. Jagiełło 1420 für das Dorf Magdeburger Stadtrecht erworben haben soll. Nach anderer Auffassung blieb Krojanke ein Dorf und erhielt erst 1709 Stadtrechte. Als Wappen benutzte die Stadt das Familienwappen ihres Gründers. In der Folgezeit wechselten die Besitzer der Ortschaft häufig.

Wichtigster Erwerbszweig der Einwohner war die Landwirtschaft, ab 1654 wurde gewerbsmäßig Bier in der Stadt gebraut. Im 18. Jahrhundert versuchte man, mit einer Seidenraupenzucht einen neuen Erwerbszweig zu eröffnen. 1703 wurde im Westflügel des von der Familie Danaborski errichteten Schlosses für die katholische Gemeinde die St.-Nikolaus-Kirche eingebaut.

Im Rahmen der ersten polnischen Teilung im Jahr 1772 kam die Ortschaft Krojanke, die zu dieser Zeit etwa 900 Einwohner hatte, an das Königreich Preußen und wurde dem Netzedistrikt zugeteilt. Nach der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde die Stadt in den Kreis Flatow im westpreußischen Regierungsbezirk Marienwerder eingegliedert. Die Zahl der Einwohner wuchs ständig, 1857 lebten bereits 2061 Menschen in Krojanke. Da unter den Zuwanderern viele Evangelische waren, wurde 1846 nach Plänen von Carl Friedrich Schinkel auf dem Marktplatz mit dem Bau einer evangelischen Kirche begonnen. An der Straße nach Flatow (Złotów) entstanden zahlreiche neue Wohnhäuser. 1871 wurde am Südufer des Flusses Glumia der Bahnhof für die Preußische Ostbahn (heute Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze) eröffnet. In seiner Nähe siedelten sich ein Kalksandstein- und ein Sägewerk an. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Krojanke eine evangelische Kirche, eine katholische Kirche und eine alte Ritterburg.

Als nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags große Teile Westpreußens zur Einrichtung des Polnischen Korridors an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden mussten, wurde Krojanke mit einem Teil des Kreises Flatow in die neu geschaffene Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen eingegliedert. Am 21. Juni 1924 ging Krojanke in die Rechtsgeschichte ein. Durch ein Urteil des Reichsgerichtes wurde der ehemalige Herrschaftsbesitz des preußischen Prinzen Friedrich Leopold, unter anderem Krojanke, als Privateigentum anerkannt und damit eine wichtige Grundsatzentscheidung zu den Entschädigungsansprüchen des deutschen Adels in der Weimarer Republik gefällt. Als 1938 die Provinz Grenzmark aufgelöst wurde, kam Krojanke zu Pommern. 1939 war die Einwohnerzahl auf 3233 angewachsen.

Am Anfang der 1930er-Jahre hatte die Gemarkung der Stadt Krojanke eine Flächengröße von 42,6 km², und in dem Stadtgebiet standen insgesamt 456 Wohnhäuser an 17 verschiedenen Wohnorten: Bahnhof Krojanke Barankower Feld Erdmannshof Forsthaus Kleinheide Gut Barankowo Heidenfelde Kaltenort Krojanke Langerberg Leßniker Feld Lonsker Feld Sakollnower Feld Scheunenbezirk Schützenhaus Tarnowker Busch Vorwerk Dombrowo Wonzower Weg Im Jahr 1925 wurden 3463 Einwohner gezählt, die auf 807 Haushaltungen verteilt waren.

Als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende näherte, versuchten viele Stadtbewohner Anfang 1945, vor der näherrückenden Kriegsfront zu fliehen. Während der Eroberung durch die Rote Armee wurde Krojanke stark zerstört, im Stadtzentrum blieben nur wenige Häuser erhalten. Bald nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde Krojanke seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit ganz Hinterpommern und der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Für Krojanke wurde die polnische Ortsbezeichnung Krajenka eingeführt. Soweit die Einwohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit aus Krojanke vertrieben. Die polnischen Zuwanderer kamen zunächst vorwiegend aus den von der Sowjetunion besetzten Gebieten östlich der Curzon-Linie.

Anstelle der zerstörten Häuser wurden Wohnblocks errichtet, und erst 1960 wurde mit 3100 Einwohnern der Vorkriegsstand wieder erreicht.

Demographie +Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1772 900 1783 848 davon 400 Evangelische, 248 Katholiken und 200 JudenFriedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen dargestellt. Lambeck, Thorn 1867, S. 297. 1805 1946 davon 1203 Christen und 743 JudenFriedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Topographie des Flatower Kreises. In: Preußische Provinzialblätter, Andere Folge, Band VII, Königsberg 1855, S. 116. 1822 1733 davon 859 Evangelische, 362 Katholiken und 512 Juden 1852 3063 davon 1797 Evangelische, 668 Katholiken und 648 Juden 1864 3245 davon 1874 Evangelische, 755 KatholikenE. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder. Danzig 1868, Ortschafts-Verzeichnis, S. 8–9, Ziffer 96. und 616 Juden 1871 3234 darunter 1870 Evangelische und 760 Katholiken (330 Polen)Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 56–57, Ziffer 12. 1875 3303 1880 3531 1890 3344 davon 1781 Evangelische, 1055 Katholiken und 509 Juden (400 Polen) 1900 3413 meist EvangelischeMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1907, S. 727. 1910 3428 am 1. Dezember, davon 1711 Evangelische, 1282 Katholiken und 399 Juden; 393 Einwohner mit polnischer MutterspracheKöniglich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft III: Regierungsbezirk Marienwerder, 4. Kreis Flatow, S. 18–19, Ziffer 3 (books.google.de). 1925 3464 davon 1865 Protestanten, 1262 Katholiken und 320 Juden 1933 3345 1939 3233 + Einwohnerzahlen seit 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1945 150 1960 3100 2007 3647

Persönlichkeiten In Krojanke geboren Konrad Heinrich von Wedel (1741–1813), preußischer Generalmajor Erich Wolfsfeld (1884–1956), Graphiker, Maler und Radierer Julius Meyer (1909–1979), Politiker und Präsident des Verbands der Jüdischen Gemeinden in der DDR

Mit Krojanke verbunden Friedrich Leopold von Preußen (1865–1931), Gutsbesitzer in Krojanke und dort gestorben

Verkehr Zur Nachbarstadt Piła (Schneidemühl) führen die Woiwodschaftsstraße 188 und die Bahnstrecke Tczew–Küstrin-Kietz Grenze.

Gmina Krojanke Die Stadt- und Landgemeinde Krajenka umfasst eine Fläche von 192 km². Die Zahl der Einwohner liegt bei mehr als 7000, von denen fast die Hälfte in der Stadt selbst wohnt.

Die Fläche der Gemeinde wird zu 47 % landwirtschaftlich genutzt. Waldgebiet beträgt 48 % der Fläche der Gemeinde. In ihr entwickelte sich vor allem die Holzindustrie, nämlich: Sägemühlen, holzverarbeitende Betriebe und Möbelfabriken. Im geringeren Maß entstanden Nahrungsmittelbetriebe: Bäckereien und Fleischereien. Außerdem wurden verschiedene Dienstleistungsbetriebe gegründet, die den Bedarf der Bevölkerung decken.

Die Gemeinde besteht aus den folgenden Ortschaften: Name deutscher Name (bis 1945)Augustowo Augustowo (1914–1945 Augustendorf)Barankowo Barankower FeldCzajcze WaldhofDolnik Dollnik (1926–1945 Wittenburg)Głubczyn Glubczyn (1909–1926 Glubschin, 1926–1945 Steinau)Krajenka KrojankeLeśnik Leßnick (1926–1945 Lessendorf)Łońsko Lonsker FeldMaryniec MarienwaldeParuszka Paruschke (1926–1945 Treuenheide)Podróżna Podrusen (1927–1945 Preußenfeld)Pogórze Sakollnower FeldSkórka SchönfeldŚmiardowo Krajeńskie Smirdowo bei Krojanke (1909–1945 Schmirtenau)Tarnówczyn Tarnowker BuschWąsoszki Wonzower WegŻeleźnica Hammer

Literatur Krojanke, Stadt, an der Glumia, Kreis Flatow, Regierungsbezirk Marienwerder, Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Krojanke (meyersgaz.org). Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen, Band 2, Marienwerder 1789, Teil I, S. 102, Nr. 8). Friedrich Wilhelm Ferdinand Schmitt: Der Kreis Flatow. In seinen gesammten Beziehungen. Thorn 1867, S. 251–264. Otto Goerke: Der Kreis Flatow. In geographischer, naturkundlicher und geschichtlicher Beziehung dargestellt. [1. Auflage 1918] 2. Auflage, Gifhorn 1981, mit einem Nachtrag über die Zeit von 1918 bis 1945 von Manfred Vollack (902 Seiten, 113 Abbildungen, 7 Karten). Heimatbuch für den Kreis Flatow – Grenzmark Posen-Westpreußen – Provinz Pommern. Herausgegeben vom Heimatkreisausschuss für den Kreis Flatow mit Unterstützung des Patenschaftskreises Gifhorn. Druck: Karl Neef oHG (Wittingen), Gifhorn 1971.

Weblinks

Stadt Krojanke (territorial.de) Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft: Die Stadt Krojanke im ehemaligen Kreis Flatow in Pommern (2011) William Remus: Krojanke (Krajenka), Kreis Flatow, West Prussia (2008) (englisch) Offizielle Internetpräsenz der Stadt und Gemeinde Krajenka (polnisch) landkartenarchiv.de: Krojanke auf Continental Straßenkarte Karte 15 – Bromberg (1921–1930)

Fußnoten

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