Die Pflanzengattung Kälberkröpfe (Chaerophyllum) gehört zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Die etwa 40 Arten sind auf der Nordhalbkugel verbreitet.

Beschreibung mini|Gewürz-Kälberkropf (Chaerophyllum aromaticum) mini|Gold-Kälberkropf (Chaerophyllum aureum) mini|Knolliger Kälberkropf (Chaerophyllum bulbosum) mini|Herbarexemplar des Schön-Kälberkropf oder Zierlichen Kälberkropfs (Chaerophyllum elegans) mini|Behaarter Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum) mini|Alpen-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii)

Vegetative Merkmale Kälberkropf-Arten sind einjährige, mehrjährige oder ausdauernde, krautige Pflanzen. Die Wurzeln sind spindelförmig oder knollig verdickt. Die oberirdischen Pflanzenteile sind behaart. Die aufrechten Stängel sind verzweigt und unter den Nodien meist etwas angeschwollen. Die Laubblätter sind in Blattstiel mit Blattscheide und Blattspreite gegliedert. Die Blattspreiten sind zwei- oder dreifach gefiedert.

Generative Merkmale Die end- und seitenständigen, doppeldoldigen Blütenstände sind aus Döldchen zusammengesetzt. Hüllen fehlen oder sind wenigblättrig. Bei den Döldchen besitzen die Hüllchen mehrere Blättchen.

Die meist zwittrigen Blüten sind fünfzählig. Kelchzähne fehlen. Die weißen bis blass-rosafarbenen, hell-purpurfarbenen, selten hell-gelben Kronblätter sind verkehrt-eiförmig-kreisförmig oder verkehrt-herzförmig mit tief ausgerandetem, nach innen gekrümmten oberen Ende und mit einem eingeschlagenen Läppchen versehen. Das Griffelpolster ist kegelförmig bis abgeflacht. Der Griffel ist kürzer als das Stylopodium. Die Griffel sind fädlich und fast aufrecht bis zurückgebogen.

Die kahlen Doppelachänen sind schmal-oval bis länglich, linealisch-länglich, seitlich abgeflacht und nur schwach geschnäbelt. Die Teilfrüchte sind im Querschnitt rundlich bis halbkreisförmig oder stumpf fünfeckig und erst zur Reifezeit mit fünf vorspringenden Hauptrippen. Das Karpophor ist einfach oder am oberen Ende zweiteilig.

Ökologie

Kälberkropf-Arten werden durch Insekten bestäubt (Entomophilie). Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt als Klettfrüchte.

Systematik und Verbreitung Die Gattung Chaerophyllum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 258 aufgestellt. Die Typusart ist Chaerophyllum temulum Der botanische Gattungsname Chaerophyllum leitet sich aus den Griechischen Wörtern chairein für „sich freuen“ sowie phyllon für Blatt ab. Synonyme für Chaerophyllum sind: Chrysophae , Golenkinianthe , Physocaulis () und Myrrhoides

Die Gattung Chaerophyllum gehört zur Subtribus Scandicinae der Tribus Scandiceae in der Unterfamilie Apioideae innerhalb der Familie der Apiaceae. Die Gattung Chaerophyllum wird seit Spalik et al. 2001 und bestätigt durch Piwczyński et al. 2015 in die vier Sektionen Chaerophyllum, Dasypetalon, Physocaulis sowie Chrysocarpum gegliedert.

Chaerophyllum sect. Chaerophyllum: Sie enthält etwa drei monokarpe Arten. Chaerophyllum sect. Dasypetalon : Es sind ausdauernde Arten. Chaerophyllum sect. Physocaulis : Sie enthält nur die Art Chaerophyllum nodosum () . Chaerophyllum sect. Chrysocarpum : Sie wurde 2001 aufgestellt und enthält etwa 15 Arten.

Kälberkropf-Arten kommen fast alle in Eurasien und Nordafrika, nur zwei Arten kommen in Nordamerika vor. In China gibt es zwei Arten.

Die Gattung Chaerophyllum enthält 34 bis 40 Arten: Chaerophyllum acuminatum : Sie kommt in der Himalayaregion mit den Staaten Pakistan, Indien und Nepal vor. Chaerophyllum aksekiense & : Sie kommt nur in der Türkei vor. Chaerophyllum angelicifolium (Syn.: Chaerophyllum lasiolaenum & ex , Chaerophyllum orthostylum , Chaerophyllum silvicola ): Die Heimat liegt in der Türkei und Georgien. Gewürz-Kälberkropf, auch Aromatischer Kälberkropf (Chaerophyllum aromaticum ): Er ist in Mitteleuropa, in Südosteuropa und im europäische Teil Russlands verbreitet. Chaerophyllum astrantiae & : Die Heimat liegt in der Türkei und in Georgien. Chaerophyllum atlanticum : Sie kommt nur Marokko vor. Chaerophyllum aurantiacum : Sie kommt nur im Libanon und Syrien vor. Gold-Kälberkropf, auch Goldfrüchtiger Kälberkropf (Chaerophyllum aureum ): Er ist von West- über Mittel- sowie Süd- bis Ost- und Südosteuropa, auf der Krim und vom Kaukasusraum bis in den Iran verbreitet. Azoreanischer Kälberkropf (Chaerophyllum azoricum ): Er ist auf den Azoren endemisch. Chaerophyllum borodinii : Sie kommt nur in Georgien vor. Knolliger Kälberkropf, auch Rüben-Kälberkropf, Knollenkerbel oder Erdkastanie (Chaerophyllum bulbosum , Syn.: Chaerophyllum bobrovii , Chaerophyllum bulbosum subsp. bobrovii , Chaerophyllum caucasicum , Chaerophyllum bulbosum var. caucasicum, Chaerophyllum laevigatum , Chaerophyllum verticillatum ): Er ist in Mitteleuropa, vereinzelt in Skandinavien, Osteuropa, Südosteuropa und die Türkei sowie in Westsibirien verbreitet. Chaerophyllum byzantinum (Syn.: Chaerophyllum angelicifolium , Chaerophyllum orientale ex ): Die Heimat liegt in Bulgarien und der Türkei. Chaerophyllum coloratum : Die Heimat liegt im südöstlichen Europa mit Serbien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro und Albanien. Chaerophyllum confusum : Dieser Endemit kommt nur in Georgien vor. Chaerophyllum creticum & (Syn.: Chrysophae cretica , Grammosciadium creticum ): Sie kommt nur in der Kreta-Region. Chaerophyllum crinitum (Syn.: Chaerophyllum freynii , Chaerophyllum gracile , nom. illegit., Chaerophyllum pauciradiatum ): Die Heimat ist Westasien mit der Türkei sowie Aserbaidschan und Armenien in der Kaukasusregion. Schön-Kälberkropf oder Zierlicher Kälberkropf (Chaerophyllum elegans, Syn.: Chaerophyllum hirsutum subsp. elegans () ): Er kommt in den Westalpen in der Schweiz, Frankreich und Italien vor. Chaerophyllum hakkiaricum & : Sie kommt nur in der Türkei. Chaerophyllum heldreichii (Syn.: Grammosciadium heldreichii ): Sie kommt nur in Albanien sowie Griechenland vor. Behaarter Kälberkropf, auch Rauhaariger Kälberkropf (Chaerophyllum hirsutum ): Die etwa zwei Unterarten kommen in den Pyrenäen, im Apennin, in den Alpen, im Balkangebirge sowie in den Karpaten und in zentraleuropäischen Mittelgebirgen vor. Chaerophyllum humile : Die Heimat liegt in Aserbaidschan, Armenien, Georgien und in russischen Kaukasusrepubliken. Chaerophyllum karsianum & : Sie kommt nur in der Türkei vor. Chaerophyllum khorossanicum ex : Die Heimat ist der Iran und transkaspische Regionen. Chaerophyllum kiapazi ex : Die Heimat liegt in der Kaukasusregion. Chaerophyllum leucolaeum : Sie kommt nur in der Türkei vor. Chaerophyllum libanoticum & : Das Verbreitungsgebiet liegt im Libanon, in Syrien und in der Türkei. Chaerophyllum macropodum : Die Heimat liegt in der Türkei und im Iran. Chaerophyllum macrospermum () & (Syn.: Scandix macrospermum ): Die Heimat liegt im Libanon, der Türkei und in Aserbaidschan. Chaerophyllum meyeri & (Syn.: Chaerophyllum angelicifolium nom. illegitim): Die Heimat ist Aserbaidschan. Chaerophyllum nivale & : Sie kommt nur im Iran vor. Blasenstängel (Chaerophyllum nodosum () , Syn.: Scandix nodosa , Myrrhoides nodosa () , Physocaulis nodosus () ): Die Verbreitung erstreckt sich über den Mittelmeerraum, Vorderasien und Südosteuropa. Chaerophyllum oligocarpum ex : Sie kommt nur in Syrien vor. Chaerophyllum posofianum & : Sie kommt nur in der Türkei vor. Chaerophyllum prescottii (Syn.: Anthriscus prescottii () ; wird manchmal als Unterart des Knolligen Kälberkropf (Chaerophyllum bulbosum subsp. prescottii () ) behandelt): Die Verbreitung erstreckt sich vom südöstlichen Europa über die kaukasische Region, Zentralasien und Sibirien bis in den Westen des westchinesischen Autonomen Gebiets Xinjiang. Chaerophyllum procumbens () (Syn.: Chaerophyllum articulatum ex , Chaerophyllum bifidum ex , Chaerophyllum boscii , Scandix procumbens ): Die Heimat liegt in den östlichen Bundesstaaten der USA. Chaerophyllum reflexum (Syn.: Chaerophyllum cachemiricum , manchmal als Synonym für Chaerophyllum villosum): Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Afghanistan und Pakistan über die Himalayaregionen bis nach Tibet und Yunnan. Chaerophyllum roseum (Syn.: Chaerophyllum brachycarpum ex , Chaerophyllum millefolium , Chaerophyllum tenuifolium ): Sie kommt in der Türkei, Armenien, Georgien, Aserbaidschan und im Kaukasusraum vor. Chaerophyllum rubellum : Die Heimat ist Georgien und die russische Kaukasusregion. Chaerophyllum syriacum : Sie kommt nur im Libanon vor. Chaerophyllum tainturieri (Syn.: Chaerophyllum dasycarpum ( ex ) , Chaerophyllum daucophyllum , Chaerophyllum floridanum ( & ) , Chaerophyllum texanum & ): Sie ist in den zentralen bis östlichen US-Bundesstaaten verbreitet. Hecken-Kälberkropf, auch Taumel-Kälberkropf (Chaerophyllum temulum ): Er ist in Europa, im nordwestlichen Afrika, in der nördlichen Türkei und in der nördlichen Kaukasusregion verbreitet. Alpen-Kälberkropf (Chaerophyllum villarsii , Syn.: Chaerophyllum hirsutum subsp. villarsii ): Er kommt in Mittel- und Südeuropa vor. Chaerophyllum villosum ex (Syn.: Anthriscus boissieui , Chaerophyllum reflexum ): Die Verbreitung erstreckt sich von Afghanistan und Pakistan über indische Himalayaregionen bis Bhutan.

Früher unter dieser Gattung geführte Arten: Wild-Kälberkropf = Wiesenkerbel (Anthriscus sylvestris () , Syn.: Chaerophyllum sylvestre )

Seit Spalik et al. 2001 die etwa vier Arten der Gattung Kozlovia : Kozlovia capnoides () & , (Syn.: Chaerophyllum capnoides () , weiters Butinia capnoides , Conopodium capnoides () , Neoconopodium capnoides () & ): Die Heimat ist die Region Kaschmir. Kozlovia laseroides ( & ) & , (Syn.: Chaerophyllum aquilegifolium & , weiters Chaerophyllum laseroides & , Neoconopodium laseroides ( & ) & ): Sie kommt in Afghanistan und Pakistan vor. Kozlovia longiloba Kozlovia paleacea

Quellen Literatur She Menglan, Mark F. Watson: In: Wu Zheng-yi & Peter H.Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 14: Apiaceae through Ericaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2005, ISBN 0-915279-24-X. Chaerophyllum Linnaeus. S. 25 - textgleich Online wie gedrucktes Werk. John Francis Michael Cannon: Chaerophyllum In: M. Piwczyński, R. Puchałka, K. Spalik: The infrageneric taxonomy of Chaerophyllum (Apiaceae) revisited: new evidence from nuclear ribosomal DNA ITS sequences and fruit anatomy. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 178, Issue 2, 2015, S. 298–313. Thomas Gaskell Tutin, Vernon Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 2: Rosaceae to Umbelliferae. Cambridge University Press, Cambridge, 1968, ISBN 0-521-06662-X.

Einzelnachweise E.Nasir: Umbelliferae, Volume 20, Stewart Herbarium, Rawalpindi, 1972.

She Menglan, Mark F. Watson: In: Wu Zheng-yi & Peter H.Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 14: Apiaceae through Ericaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2005, ISBN 0-915279-24-X. Chaerophyllum Linnaeus. S. 25 - textgleich Online wie gedrucktes Werk.

Albert Thellung: Umbelliferae. S. 995. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965. M. Piwczyński, R. Puchałka, Krzysztof Spalik: The infrageneric taxonomy of Chaerophyllum (Apiaceae) revisited: new evidence from nuclear ribosomal DNA ITS sequences and fruit anatomy. In: Botanical Journal of the Linnean Society, Volume 178, Issue 2, 2015, S. 298–313.

Weblinks