mini|Verwaltungsgliederung der Stadt Geldern Die Stadt Geldern liegt im unteren Niederrheingebiet im Westen des Landes Nordrhein-Westfalen und ist eine mittlere kreisangehörige Stadt des Kreises Kleve im Regierungsbezirk Düsseldorf. Geldern trägt aufgrund seiner Historie den inoffiziellen Beinamen „Herzogstadt“.

Geographie Räumliche Lage Geldern ist eine Stadt im Kreis Kleve im Bundesland Nordrhein-Westfalen und liegt im niederrheinischen Tiefland westlich des Rheins. Die Stadt befindet sich durchschnittlich auf einer Höhe von 24 Metern über Normalhöhennull (NHN) und wird von der Niers, einem Nebenfluss der Maas, durchflossen. Im Stadtgebiet mündet die Gelderner Fleuth, ein kleiner Nebenfluss, in die Niers. Die Umgebung ist geprägt durch flache, fruchtbare Landschaften, die typisch für den Niederrhein sind, sowie durch ausgedehnte Auenbereiche entlang der Flussläufe.

Geldern liegt nahe der deutsch-niederländischen Grenze und ist etwa 20 Kilometer von Venlo (Niederlande) und rund 45 Kilometer von Duisburg entfernt. Die Stadt befindet sich im Bereich der Rhein-Maas-Niederung, die sowohl landschaftlich als auch kulturell eine Übergangszone zwischen Deutschland und den Niederlanden darstellt. Sie ist verkehrstechnisch gut erschlossen, unter anderem durch die nahegelegene Autobahn A57, die eine Verbindung zwischen Köln und den Niederlanden bietet, sowie durch ein regionales Schienennetz. Die Stadt liegt in einer von Landwirtschaft und Naturschutz geprägten Region, mit Wiesen, Feldern und kleineren Waldgebieten, die typische Elemente der niederrheinischen Kulturlandschaft darstellen.

Stadtgliederung Die Stadt Geldern besteht aus acht Stadtteilen:

Geldern (Kernstadt) Hartefeld Kapellen an der Fleuth mit Aengenesch und Boeckelt Lüllingen Pont Veert Vernum und Walbeck.

Nachbargemeinden/-städte Die Stadt Geldern grenzt im Norden an die Stadt Kevelaer und die Gemeinde Sonsbeck im Kreis Wesel. Im Osten bildet die Gemeinde Issum die Grenze. Im Süden grenzt Geldern an die Gemeinde Kerken und die Stadt Straelen. Im Westen liegt die Stadt Geldern an die niederländischen Gemeinden Venlo und Bergen in der Provinz Limburg.

Geschichte

Römerzeit Zur römischen Vergangenheit des Stadtteils Pont (Geldern) siehe den Hauptartikel Mediolanum (Germania inferior). Im heutigen Stadtteil Pont von Geldern existierte während der römischen Zeit die Siedlung Mediolanum. Dieser Vicus war vermutlich ein kleines Handels- und Handwerkszentrum und lag strategisch günstig an einer Brücke über die Niers, was die Bedeutung des Ortes für das römische Verkehrsnetz unterstreicht. Mediolanum war Teil der wichtigen Heerstraße, die Colonia Traiana (Xanten) mit Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln) verband. Die Region war durch römische Infrastruktur geprägt. Militärische Bewegungen im Zuge der Drusus-Feldzüge ab 12 v. Chr. trugen zur Erschließung der Region bei, einschließlich der Errichtung von Straßen und Übergangspunkten. Die Nähe zu Xanten, einem bedeutenden römischen Lager, stärkte den Einfluss des Imperiums in der Region. Die Einführung römischer Münzen und Handelspraktiken trug zur Monetarisierung und wirtschaftlichen Integration der Region in das Römische Reich bei. Ebenso beeinflussten römische Lebensweisen und Bautechniken die lokale Bevölkerung.

In der Region wurden zahlreiche römische Artefakte entdeckt, darunter Grabfunde und Münzen, die auf eine zivil genutzte Siedlung hinweisen. Im Gegensatz zu Militärstützpunkten lebten hier Händler, Handwerker und ihre Familien. Herausragende Funde wie eine bronzene Figur eines Fabelwesens deuten auf kulturelle und religiöse Einflüsse hin.

Geldern gehörte somit in der Antike zur römischen Provinz Germania inferior, einem Teil des Römischen Reiches, der die Gebiete am Niederrhein umfasste. Die Region wurde ab den Feldzügen des Drusus (ab 12 v. Chr.) schrittweise unter römische Kontrolle gebracht. Die Römer nutzten diese Zeit, um ihre militärische und administrative Präsenz entlang des Rheins zu etablieren. Ab etwa 15 v. Chr. begann die Integration dieser Gebiete in das römische Imperium. Geldern und insbesondere der Stadtteil Pont (Mediolanum) lagen an einer wichtigen römischen Straße zwischen Xanten und Köln, was auf die frühe römische Präsenz und die Bedeutung der Region als Teil des Handels- und Verkehrsnetzes hinweist. Die Region blieb bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. Teil des römischen Reiches, als die germanischen Stämme wie die Franken begannen, die Kontrolle zu übernehmen.

Mittelalter Mythologie mini|Der Drachenbrunnen am Markt erinnert an die Sage

Die Sage von Wichard und Lupold von Pont, die um das Jahr 878 im Kampf gegen einen feuerspeienden Drachen eine bedeutende Rolle spielt, gehört zu den bekanntesten Legenden rund um die Stadt Geldern. Laut der Erzählung fanden die beiden Ritter den Drachen unter einem Mispelbaum, und einer der Brüder durchbohrte das Ungeheuer mit einem Speer. Während der Drache in seinen letzten Atemzügen verendete, soll er dreimal „Gelre“ gerufen haben. Diese Rufe führten dazu, dass die Ritter an dieser Stelle eine Burg errichteten, die sie „Gelre“ nannten – ein Name, der später auf die Stadt Geldern und das benachbarte niederländische Gelderland überging.

Die Legende selbst tauchte erstmals in einer Chronik aus dem Jahr 1465 auf und ist seither Teil des lokalen kulturellen Erbes. Es wird erzählt, dass die Mispelblüten, die heute im Wappen der Stadt zu finden sind, auf den Mispelbaum hinweisen, unter dem der Drache niedergestreckt wurde. Dieser Ursprung lässt sich noch heute in Geldern und der Region durch verschiedene Namensgeber und Wappen, wie das der Geldernschen Rose, wiedererkennen.

Chronologie Die erste schriftliche Erwähnung als Gelleron im Urbar A des Klosters Werden datierte auf um 900. Ältere Zuschreibungen auf das Jahr 812 beruhten auf einem Missverständnis und einer Fälschung. Der Name trat in verschiedenen Varianten auf: Gelre, Gielra, Gellero, Gelera. Er bezog sich damals noch auf die Landschaft Geldern rund um die Aldekerker Platte, die spätere Vogtei Gelderland. Namensbedeutung: Gellere (997), Gellera (1104/1105), Geldren (1167) könnte ursprünglich für das erhöhte Siedlungsland an der sumpfigen Niers stehen oder Geldara könnte der Name des Niersabschnitts gewesen sein. Möglich ist auch die Deutung „Bachland“, die sich anschaulich auf die damalige Auen- und Bruchlandschaft rund um die Aldekerker Platte bezieht. Der aktuelle Name geht wohl auf das Jahr 1229 zurück.

Ein Gerhard Flamens, der um 1020 Wassenberg von Kaiser Heinrich II. verliehen bekam, war mutmaßlich Stammvater der Grafen von Geldern. Ab etwa 1096 nannte er sich auch Graf Gerhard von Geldern (der Grafentitel stammte von anderen Besitztümern ab, wahrscheinlich im Teisterbant). Ab 1118/1125 setzte sich die Bezeichnung „von Geldern“ endgültig durch, in dieses Jahr wird auch der Bau der ersten Burg Geldern datiert. Der Name ging nun von der Landschaft auf die Burg und auf die sich anschließend entwickelnde Siedlung über. Wassenberg ging bereits Anfang des 1107 als Heiratsgut seiner Tochter an die Herzöge von Limburg, später dann an Jülich. Spätestens mit dem Verzicht auf Wassenberg verlagerten die Grafen ihr Herrschaftszentrum in die Burg Geldern, die wohl um diese Zeit an einem Niersübergang errichtet wurde. Die Burg mit zugehöriger mittelalterlicher Siedlung war Ausgangspunkt für die heutige Stadt und auch Namensgeberin für die später entstehende gleichnamige Grafschaft bzw. Herzogtum.

Die Grafschaft Geldern wurde im Laufe des 11. Jahrhunderts zunehmend von den Herren von Geldern erweitert und spielte eine zentrale Rolle in der regionalen Machtpolitik. Im 12. Jahrhundert begannen die Grafen von Geldern, ihren Besitz durch strategische Heiraten und den Erwerb von Lehen und Gebieten auszubauen. Besonders bedeutend war der Erwerb der Grafschaft Zutphen, das durch Heirat in den Besitz der Grafen kam, was das Territorium erheblich erweiterte. In dieser Zeit kam es auch zu territorialen Auseinandersetzungen und Konflikten mit benachbarten Herrschaften, was das Bild der Grafschaft Geldern als einen dynastischen Machtfaktor prägte.

Im Jahr 1339 wurde die Grafschaft schließlich zum Herzogtum erhoben, was ihre politische Bedeutung noch verstärkte. Unter den Herrschern wie Otto II. und Rainald I. wurden durch Erbschaften und Käufe viele Gebiete hinzugewonnen, darunter das Gebiet um Krickenbeck und das Herzogtum Limburg. Diese Expansion und die Festigung der Macht führten jedoch auch zu Konflikten, etwa bei der Schlacht von Worringen 1288, in der Geldern Ansprüche auf das Herzogtum Limburg verlor. Das Herzogtum Geldern wurde zunehmend in die politischen Auseinandersetzungen des Heiligen Römischen Reiches in den benachbarten Besitztümern Niederlande verwickelt, was zu einem komplexen Netzwerk von Allianzen und Feindschaften führte.

Bereits im 12. und 13. Jahrhundert wuchs Geldern zu einem wichtigen Territorialstaat heran, da die Grafen durch geschickte Landgewinne und strategische Heiraten ihre Macht ausbauten. Dieser Aufstieg fand jedoch einen dramatischen Stillstand nach dem plötzlichen Tod von Reinald II. im Jahr 1343. Die darauf folgenden Thronstreitigkeiten zwischen Reinalds Söhnen, Reinald und Eduard, führten zu einem Bruderkrieg, der die Region über Jahre hinweg destabilisierte. Erst nach dem Tod von Eduard im Jahr 1361 konnte Reinald wieder die Macht übernehmen. Doch der Thronstreit setzte sich auch in der nächsten Generation fort, als Reinalds Nachfolger, die Schwestern Mechtild und Maria, Anspruch auf das Herzogtum erhoben. Der jahrzehntelange Machtkampf zwischen den Thronanwärterinnen und verschiedenen benachbarten Fürstentümern führte schließlich 1377 zu einer vorläufigen Friedensregelung, als Wilhelm von Jülich das Herzogtum Geldern mit der Bestätigung des Kaisers Karl IV. erhielt. Während dieser politischen Umbrüche versuchte die Stadt Geldern, ihre Rechte und Privilegien zu sichern. Immer wieder strebte die Stadt nach der Bestätigung ihrer Markt- und Zollrechte sowie ihrer Autonomie gegenüber den Landesherren. Besonders in der Zeit nach 1377 wurden die städtischen Privilegien regelmäßig erneuert und erweitert. Ein bemerkenswerter Schritt in dieser Richtung war der Verbund von Geldern mit anderen Städten im Jahr 1418, der es den Städten ermöglichte, ihre Rechte gegenüber den Landesherren zu verteidigen. Die Privilegien, die Geldern in dieser Zeit gewährte wurden, betrafen vor allem wirtschaftliche Aspekte wie das Recht, Märkte zu veranstalten, Zölle zu erheben und das Stapelrecht auszuüben. Diese Rechte waren von zentraler Bedeutung für die wirtschaftliche Unabhängigkeit der Stadt und halfen dabei, den Handel zu regulieren und die Stadt als wichtigen Handelsplatz zu etablieren. Gleichzeitig legten die Urkunden auch Bestimmungen zur städtischen Selbstverwaltung fest, insbesondere in Bezug auf die Gerichtsbarkeit und die Rolle der Schöffen. Die Privilegienregelungen trugen wesentlich zur Stabilität und zum wirtschaftlichen Erfolg Gelderns bei, da sie den Bürgern Schutz vor ungerechtfertigten Eingriffen seitens des Landesherrn und der Amtsträger gewährten. Die Stadt konnte so ihre Position als eigenständige politische und wirtschaftliche Einheit stärken und ihre Rolle im mittelalterlichen Fürstentum Geldern behaupten.

Im 15. Jahrhundert erlebte Geldern mehrere Machtverschiebungen. Der Habsburger Karl der Kühne versuchte, das Herzogtum zu erobern, scheiterte jedoch. Im Jahr 1543 fiel Geldern schließlich unter spanische Herrschaft und wurde ein Teil der Spanischen Niederlande. Diese Phase der spanischen Kontrolle dauerte bis ins 17. Jahrhundert, als das Gebiet durch die Kriege und die politischen Veränderungen in Europa, darunter der Dreißigjährige Krieg, weiter umstritten war.