Kryry (deutsch Kriegern) ist eine Stadt im Okres Louny in Tschechien.

Geographische Lage Die Stadt liegt in Westböhmen im Saazer Becken an der Blšanka (Goldbach) und am Fuß des Kirchbergs, ostsüdöstlich von Nepomyšl (Pomeisl).

Geschichte mini|links|Panorama von Kriegern von der Schillerwarte aus gesehen mini|hochkant=1.3|Stadtkern (2018) mini|hochkant|Pfarrkirche Mariä Geburt, (2015) mini|hochkant|Aussichtsturm Schillerwarte mini|Burggraben der abgetragenen Ruine von Schloss Kriegern Kriegern war ehemals Herrschaftssitz, die Burg wurde jedoch bereits im 14. Jahrhundert zerstört. Anschließend gelangte die Ansiedlung in den Besitz der Liebsteinsky von Kolowrat. 1653 erhielt Kriegern das Marktrecht, das Braurecht und eine eigene Gerichtsbarkeit.

Die erste Pfarrkirche bestand bereits im Jahr 1384. Während der Hussitenkriege verließ der letzte katholische Geistliche die Stadt, welche bis 1664 von protestantischen Geistlichen betreut wurde. Erst 1664 wurden die Seelsorge wieder mit einem katholischen Geistlichen besetzt. Die Kirche Mariä Geburt wurde 1722 im Stil des Barock erbaut. Zum Pfarrbezirks Kriegern gehören nach dem Kirchenbuchverzeichnis die Pfarrorte: Kriegern, Rebitschka-Mühle; zeitweise: Golleschau, Kleintschernitz, Neue Mühle, Oberklee, Pschesnitz, Strojeditz, Tschentschitz, Wiessen. Mehrere Unglücke suchten die Stadt heim. Durch Großbrände wurden Teile der Stadt in den Jahren 1664, 1791 und 1820 eingeäschert. Die Überschwemmungen von 1762, 1779, 1789, 1795, 1852 und 1855 richteten ebenfalls größere Schäden an.

In Kriegern waren eine bedeutende Glasfabrik, eine große Porzellanfabrik, eine Bierbrauerei, zwei Mühlen, fünf Ziegeleien, das Sägewerk Siegel sowie ein Elektro-Werk ansässig. im Umland wurde Hopfen angebaut. Seit 1875 bestand die Saazer Aktien-Rübenzucker-Fabrik. Die Glasfabrik Kupfer & Glaser aus Wien nahm 1908 ihren Betrieb auf. Aufgrund der günstigen Bodenbeschaffenheit ließen sich mehrere Ziegelwerke in der Stadt nieder. Zu nennen sind hier: Ziegelei Vinzenz Kaiser, Karl Kaiser, Rudolf Zimmermann. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kriegern 1919 der neu geschaffenen Tschechoslowakei zugeschlagen.

Nach dem Münchner Abkommen rückte am 10. Oktober 1938 die deutsche Wehrmacht in der Stadt ein. Von 1938 bis 1945 gehörte Kriegern zum Landkreis Podersam, Regierungsbezirk Eger, im Reichsgau Sudetenland des Deutschen Reichs.

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden am 7. Juni 1945 im Rahmen einer von Tschechen am Elementenwald bei Podersam durchgeführten Vergeltungsaktion 68 Bewohner ermordet und verscharrt.Exzesse gegen Sudetendeutsche: Als das Pendel der Gewalt zurückschlug. Massaker im Elementenwald im Juni 1945. Süddeutsche Zeitung vom 10. Februar 2011, abgerufen am 3. Januar 2019

Nach Kriegsende wurde die deutschböhmische Bevölkerung enteignet und vertrieben. Der historische Stadtkern samt Rathaus wurden in der Folgezeit abgetragen und zum Teil neu bebaut.

Seit dem 23. Januar 2007 besitzt Kryry wieder Stadtrechte.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1785 k. A. 106 HäuserJaroslaus Schaller: Topographie des Königreichs Böhmen. Band 7: Saatzer Kreis, Prag und Wien 1787, S. 107–108, Ziffer 4). 1830 838 in 145 HäusernJahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 199, Ziffer 15). 1843 1011 in 159 HäusernJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 14: Saazer Kreis, Prag 1846, S. 271, Ziffer 3). 1869 1430 1880 1926 1890 2121 davon 2092 deutsche Einwohner 1900 2237 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1907, S. 660. 1910 2571 1921 2541 davon 2200 deutsche EinwohnerGenealogie-Netz Sudetenland 1930 2550 + Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011 Einwohner 1606 1774 1741 1957 2003 2015 1901

Ortsgliederung Die Stadt Kryry besteht aus den Ortsteilen Běsno (Wießen – 511 Einwohner im Jahr 1890), Kryry (Kriegern), Stebno (Steben) und Strojetice (Strojetitz – 690 Einwohner im Jahr 1890)http://www.uir.cz/casti-obce-obec/566314/Obec-Kryry, die zugleich auch Katastralbezirke bilden.http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/566314/Obec-Kryry Zu Kryry gehören außerdem die Ansiedlungen Březnice (Pschesnitz) und Nový Mlýn (Neumühle).

Sehenswürdigkeiten Pfarrkirche Mariä Geburt (Kostel Narození Panny Marie) – Barockkirche von 1722, erneuert 1780, seit 1958 Kulturdenkmal der Tschechischen Republik Schillerwarte (Schillerova rozhledna), errichtet 1905/06 auf dem ehemaligen Burgberg Kozihrady (383 m), seit 2004 Kulturdenkmal der Tschechischen Republik

Söhne und Töchter der Gemeinde Franz Anton Rudolf Payer (1791–1855), k.k. Ulanenhauptmann und Vater von Julius von Payer und Richard Payer Franz Anton von Pirkershausen (1841–1906), österreichischer Marineoffizier (geboren in Wiessen) Eduard Fiedler (1890–1963), deutscher Politiker (NSDAP, FDP) (geboren in Wiessen) Günther Landgraf (1928–2006), deutschböhmischer Physiker Günther Wolfram (* 1936), deutscher Internist und Ernährungswissenschaftler Gerlinde Blahak (* 1942), deutsche Lehrerin, Künstlerin und Kunstpädagogin

Weblinks

Internetpräsenz von Kryry (cz.)

Einzelnachweise