Kategorien (, ) ist eine Schrift des Philosophen Aristoteles. Sie wird in der Tradition zu Aristoteles’ logischen Schriften gezählt. Sie bildet in der überlieferten – nicht von Aristoteles selbst stammenden – Reihenfolge seiner Schriften den Anfang des so genannten Organon. Wie fast alle der aristotelischen Schriften war auch der Text der Kategorien ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt, sondern gehört zu den so genannten Pragmatien, die vermutlich ursprünglich Vorlesungsmanuskripte und Materialsammlungen des Aristoteles darstellten.

Thema der Schrift sind Kategorien, verstanden als Aussageschemata in Bezug auf etwas Seiendes. Aristoteles führt mit den Kategorien eine neue Art logischer Ausdrücke ein, die es erlaubt Prädikate von Subjekten zu unterscheiden und die Prädikate logisch zu klassifizieren. Es geht ihm darum, grundlegend und vollständig die Formen, nach denen einzelne Wörter sinnvoll zu Aussagen verbunden werden können, zu bestimmen. Seine Einteilung der Aussageschemata orientiert sich dabei an einfachen, nicht-zusammengesetzten sprachlichen Ausdrücken wie „Sokrates“, „Mensch“ oder „weiß“. Da Ausdrücke, Begriffe und Bezeichnetes nicht immer klar unterschieden sind, ist auch eine Lesart möglich, nach der zugleich die Wirklichkeit in Typen von Objekten und Eigenschaften eingeteilt wird (im Sinne einer Ontologie). Die hier von Aristoteles eingeführte Terminologie, aber auch die Verknüpfung von Sprache, Logik und Metaphysik blieben bestimmend für die Traditionslinien der abendländischen und der islamischen Philosophie bis in die Neuzeit.

Überlieferung, Titel und Aufbau der Kategorien Die sehr kurze Schrift Kategorien ist wahrscheinlich nicht ganz vollständig überliefert. Für den fragmentarischen Charakter sprechen das Fehlen einer Einleitung sowie die teilweise abrupten Übergänge zwischen einzelnen Abschnitten. In der überlieferten Fassung besteht sie aus fünfzehn, oft sehr kurzen Kapiteln. Diese Einteilung stammt vermutlich nicht in allen Punkten von Aristoteles selbst, sondern geht möglicherweise auf den späteren Herausgeber seiner Werke, Andronikos von Rhodos, zurück. Auch der Titel ist wohl nicht von Aristoteles, lag aber wahrscheinlich schon Andronikos im 1. Jahrhundert v. Chr. vor. Möglicherweise war der ursprüngliche Titel der Schrift pro tôn topôn („das der Topik Vorausgehende“), mit dem die Schrift in der antiken Literatur teilweise angesprochen wird.Edmund Braun: Peri tôn katêgoriôn. In: Franco Volpi (Hrsg.): Großes Werklexikon der Philosophie, Kröner, Stuttgart 2004, S. 82 f.

Vermutlich entstand die Schrift Kategorien zu der Zeit des ersten Aufenthaltes des Aristoteles in Athen, als er Mitglied der Platonischen Akademie war. Möglicherweise hat sie Aristoteles erst nach der Topik geschrieben, die ebenfalls eine (leicht abweichende) Aufzählung aller zehn Kategorien aufweist. Die Funktion der Kategorien in den Kategorien scheint gegenüber der in der Topik erweitert, indem nun mit dem Konzept der ersten Substanz (die in der Topik nicht vorkommt) eine These darüber aufgestellt wird, was das ontologisch Grundlegende sein müsste. Da Aristoteles in dieser Theorie die individuellen Einzelgegenstände als Grundlage alles Seienden erklärt, scheint er hiermit implizit ein Konkurrenzmodell zu der Theorie Platons entwickelt zu haben. Nach einigen Interpreten argumentiert dieser dafür, dass die allgemeinen Gegenstände (nämlich die Ideen bzw. die obersten Gattungen) ontologisch prioritär sind. Es ist dabei auffällig, dass Aristoteles Platon – anders als in vermutlich späteren Schriften – bei dieser kritischen Auseinandersetzung niemals nennt und auch keine derartige Theorie explizit kritisiert.

Die Echtheit der Schrift, oder von Teilen der Schrift, insbesondere der Postprädikamente, ist bestritten worden. Gründe hierfür waren, dass Aristoteles sich an keiner anderen Stelle auf die Kategorien bezieht und dass die Substanzlehre der Metaphysik teilweise nicht vereinbar mit der der Kategorien ist. Vereinzelt wurde die Unechtheit schon in der Antike vertreten, vor allem aber im 19. und 20. Jahrhundert. Heute wird im Allgemeinen angenommen, dass die Schrift, von wenigen interpolierten Zeilen abgesehen, von Aristoteles stammt.Eine differenzierte Begründung für die Echtheit findet sich in Michael Frede: Titel, Einheit und Echtheit der aristotelischen Kategorienschrift, in: Paul Moraux, Jürgen Wiesner (Hrsg.): Zweifelhaftes im Corpus Aristotelicum. Studien zu einigen Dubia, de Gruyter, Berlin 1983, S. 1–29; diese Position hat schon Lambert Marie de Rijk: The Authenticity of Aristotle’s Categories, in: Mnemosyne, Fourth Series, 4 (2/1951), S. 129–159, dargelegt

Inhalt Vorbereitende Begriffserklärungen Homonymie, Synonymie und Paronymie + Arten von Ausdrücken: homonym ein gemalter und ein wirklicher Mensch synonym Mensch und Rind als Lebewesen paronym der Grammatiker und die Grammatik

Zu Beginn der Kategorienschrift führt Aristoteles in einem sehr kurzen Kapitel die Begriffe Homonymie, Synonymie und Paronymie ein, die bei ihm eine andere Bedeutung haben als im heutigen Sprachgebrauch. Er nennt solches „Seiendes“ (on, eine andere Übersetzung ist: Dinge) gleichnamig (homonym), das den gleichen Namen (onoma) hat, aber einen unterschiedlichen Wesensbegriff (logos teis ousias). So hat ein gemalter Mensch den Namen „Lebewesen“ (zoon), genauso wie ein wirklicher Mensch den Namen „Lebewesen“ hat. Der dem Namen „Lebewesen“ zugehörige Wesensbegriff ist aber jeweils ein anderer, da der wirkliche Mensch im Gegensatz zum gemalten ein lebendiges Lebewesen ist. Synonym hingegen nennt Aristoteles solches „Seiendes“, das den gleichen Namen und auch den gleichen Wesensbegriff hat. Zum Beispiel hat ein Mensch den Namen „Lebewesen“ und fällt unter den Begriff der „Lebewesen“, genauso wie ein Rind den Namen „Lebewesen“ hat und unter genau denselben Begriff der „Lebewesen“ fällt. Paronym nennt Aristoteles „Seiendes“, das nach etwas anderem nachbenannt wird. So ist der „Grammatiker“ der „Grammatik“ nachbenannt.

Die Bedeutung für die nachfolgende Schrift liegt darin, dass Kennzeichnungen von Wörtern immer dann synonym ausgesagt werden, wenn sie unter eine Art oder Gattung fallen. So kann man das Wort „Sokrates“ durch „Mensch“ oder „Lebewesen“ ersetzen und auf den gleichen Gegenstand Bezug nehmen. Entsprechend ist „weiß“ durch „farbig“ zu ersetzen. Diese Relation ist aber nicht umkehrbar. Man kann die allgemeine Bedeutung von Lebewesen nicht mit dem Individuum Sokrates beschreiben.Auf diese Bedeutung verweist Wolfgang Detel: Eine terminologische Rekonstruktion von Aristoteles, Categoriae. 1–5. In: Amicus Plato, magis amica veritas. Festschrift für Wolfgang Wieland zum 65. Geburtstag, hrsg. von Rainer Enskat, Springer, Berlin 1998, S. 60–81, hier S. 66. Homonym ist hingegen ein Wort wie „leicht“, das sich zum einen auf das Gewicht, zum anderen auf die Schwierigkeit beziehen kann. Aristoteles hat an vielen Stellen darauf hingewiesen, dass Wörter wie das Seiende, das Eine, das Gute oder die Gerechtigkeit auf vielfältige Weise ausgesagt werden können.Diese Beispiele nennt Terence H. Irwin: Homonymy in Aristotle. In: The Review of Metaphysics, Vol. 34, No. 3 (Mar., 1981), S. 523–544, der auch die teilweise bestehende Differenz zwischen homonymen und äquivoken Ausdrücken diskutiert. Die Unterscheidung dient somit der Sprachklärung und als Hilfsmittel, um Wörter einer Klasse von Wörtern (also einer Kategorie) zuzuordnen.

Unverbundene und verbundene Worte Aristoteles unterteilt die „sprachlichen Ausdrücke“ (legomena, eine andere Übersetzung ist: Worte) erstens in solche, die in einer „Verbindung“ (symploke) ausgesprochen werden, wie „der Mensch läuft“. Und zweitens in solche, die ohne eine Verbindung ausgesprochen werden, wie „Mensch“, „Stier“ oder „läuft“. (Cat 2, 1a16ff)

Die ohne Verbindung ausgesprochenen Wörter, wie „Mensch“ oder „läuft“ können weder wahr noch falsch sein. Wahr oder falsch können nur in Verbindung ausgesprochene Wörter sein, wie „der Mensch läuft“ (der gemeinte Mensch könnte ja auch sitzen). In Verbindung ausgesprochene Worte ergeben entweder eine Bejahung („der Mensch läuft“) oder eine Verneinung („der Mensch läuft nicht“). (Cat 4, 2a4ff.)

Gegenstand der Kategorienschrift sind die unverbundenen Wörter. Dabei lässt Aristoteles die Ergänzungswörter eines Satzes (SynkategoremataChristoph Zimmer: (PDF; 252 kB) – Begriffserläuterung und Begriffsgeschichte wie Präpositionen, Pronomen oder Konjunktionen) außer Acht. Auch die Kopula zählt nicht dazu. Ihm geht es nur um Wörter (singuläre und generelle Terme), die in einer Aussage (einem wohlgeformten Subjekt-Prädikat-Satz) die Stelle eines Gegenstandes oder eines Prädikates einnehmen und etwas bezeichnen (einen Bezugsgegenstand haben).Benedikt Strobel: Von einem Subjekt ausgesagt werden und an einem Subjekt vorliegen: zur Semantik genereller Terme in der aristotelischen Kategorienschrift. In: Phronesis 54, 2009, S. 40–75, S. 48–51. Verbundene Wörter sind Thema der im Organon direkt den Kategorien nachfolgenden Schrift über die „Lehre vom Satz“ (Peri Hermeneias). Die Frage der Möglichkeiten zur Verbindung von Wörtern wurde bereits in der Platonischen Akademie diskutiert und findet sich im Dialog Sophistes (262-264) wieder, der in der Zeit entstand, als Aristoteles Mitglied war. Zu den dort entwickelten Gedanken nimmt Aristoteles aber nicht unmittelbar Stellung.Auf diesen Hintergrund verweist Hellmut Flashar: Aristoteles. Lehrer des Abendlandes. C. H. Beck, München 2013, ISBN 978-3-406-64506-8, S. 186.

Das hypokeimenon Ein Hypokeimenon ist das, was in einem individuellen Gegenstand seinen unveränderlichen Gehalt ausmacht. Eine Straße kann nass oder trocken sein, überfüllt, abgelegen, gut erreichbar oder hell beleuchtet, es bleibt immer eine (bestimmte) Straße. Der Begriff hypokeimenon kann mit „Subjekt“, „Substrat“ oder „Zugrundeliegendes“ übersetzt werden. Das Zugrundeliegende umfasst die Merkmale in einem Individuum, die regelmäßig auch in anderen Individuen derselben Gattung wiederzufinden sind. Ein Beispiel für ein Zugrundeliegendes ist ein bestimmter, einzelner Mensch, wie etwa „Sokrates“ oder ein einzelnes, bestimmtes Pferd. Von einem solchen Zugrundeliegendem kann nun etwas ausgesagt werden, was es näher bestimmt, wie etwa „Sokrates ist ein Mensch“ oder „Sokrates geht“. Das Zugrundeliegende ist das grammatisch-logische Subjekt einer Aussage. Ontologisch ist es ein Träger von Eigenschaften und Merkmalen. Ein Zugrundeliegendes ist unteilbar und der Zahl nach Eins, ein individueller Gegenstand als Ganzes, was zur Folge hat, dass es selbst nicht von einem anderen Gegenstand als Merkmal ausgesagt werden kann. Eine tiefer gehende Analyse des Begriffs mit der Unterscheidung nach Form und Materie findet sich in der späteren Schrift Über Entstehen und Vergehen (De generatione et corruptione I 4, 319b 6 – 320a 7).

Die vier Arten des Seienden + Vier AussageweisenEine vergleichbare Matrix findet sich in Christof Rapp: Aristoteles und aristotelische Substanzen. In: Käthe Trettin (Hrsg.): Substanz. Klostermann, Frankfurt 2005, S. 145–170, hier S. 152. (Ontologisches ViereckDie Bezeichnung stammt von Ignacio Angelelli: Studies on Gottlob Frege and Traditional Philosophy. Reidel, Dordrecht 1967, 12 bei Lambert Marie de Rijk heißt dieser Schema „Semantisches Diagramm“, in: ders.: Aristotle: Semantics and Ontology, Brill, Leiden 2002, S. 378.)ist nicht in einem hypokeimenon(Substanzielles)ist in einem hypokeimenon(Nicht-Substanzielles)wird nicht von einemhypokeimenon ausgesagt(Individuelles)1. erste Substanz(das Individuum „Sokrates“)2. individuelle Eigenschaft(das an einem Pferd wahrgenommene „weiß“ oder das an Sokrates wahrgenommene „sprachkundig“)wird von einemhypokeimenon ausgesagt(Allgemeines)3. zweite Substanz(die Art „Mensch“ oderdie Gattung „Lebewesen“)4. allgemeine Eigenschaft(das „Weiße“ oderdie „Sprachkundigkeit“)