mini|Talgemeinschaft Comunità delle Giudicarie (grün) im Trentino (grau) Giudicarie (deutsch Judikarien) nennt man die Tallandschaften der norditalienischen Alpen nordwestlich des Gardasees, an der oberen Sarca und dem oberen Chiese zwischen Adamellomassiv, Brentagruppe und den nordwestlichen Gardaseebergen. Sie liegen westlich von Trient und bilden die Talgemeinschaft () Comunità delle Giudicarie im Trentino, Italien.

Namensherkunft Die Bezeichnung „Judikarien“, auf Italienisch , bedeutet „Gerichtsbezirke“ und geht auf Rechtsgepflogenheiten des Mittelalters zurück. In einem Testament des Veroneser Bischofs Notecherius vom Jahr 927 ist die Rede von den Judicaria Summa Laganensis, die ein weit größeres Territorium umfassten und Gebietseinteilungen beschrieben, die noch von den Langobarden aus den Militärordnungen der späten Römerzeit übernommen wurden. Die Judicaria Summa Laganensis wurde 1349 in einem Kaufvertrag zwischen dem Bischof von Trient und dem Skaliger Mastino II. auf die heutige Ausdehnung der sieben Bezirke („“) reduziert, weil der Rest (die Gebiete von Riva und Tenno, Ledro, Arco und das Cavedine Tal) an den Skaliger abgetreten wurde. Das ganze Territorium unterstand seit dem Jahr 927 der Mark Trient und seit 1027 den Fürstbischöfen von Trient.

Im landesüblichen Sprachgebrauch wird auch heute noch zwischen den „Inneren Judikarien“, auf Italienisch mit dem , dem , dem Becken von Tione (), dem und dem bis zum Idrosee und den „Äußeren Judikarien“, auf Italienisch mit den Gebieten von Bleggio, Banale und Lomaso unterschieden. Andere Einteilungen, wie „Unteres Judikarien“ oder „Mittleres Judikarien“ sind viel später aus wirtschaftlichen oder touristischen Motiven entstanden.

Lage und Ausdehnung Im Norden und im Westen bilden die Berge der Adamello-Presanella-Alpen die Grenze zum Val di Sole und zur Val Camonica. Im Nordosten verläuft die Grenze zum unteren Teil des Val di Sole und zum Val di Non durch das Brenta-Massiv zur Anhöhe von Andalo hin, und im Osten bildet der Höhenzug der Paganella und des Monte Gazza bis zur Schlucht des vor Toblino die Grenze. Südlich davon schreibt der in das Sarca-Tal steil abfallende und zu den Gardaseebergen gehörende Monte Casale den Grenzverlauf fort. Durch die Ledro-Berge streicht die Grenze über den hohen Passo del Ballino, nördlich des Tennosees gelegen, bis zu deren nach Westen abfallenden Bergflanken zum hin, wo diese flacheren und unscheinbar wirkenden Höhenrücken die Grenze zum Ledro Tal bilden. Ein Gutteil der Judikarien liegt im und , dem größten zusammenhängenden Schutzgebiet der Alpen.

Topografisches Zeichnet man die Richtungen der Hauptverkehrsadern durch die Judikarien auf ein Blatt Papier, lässt sich leicht feststellen, dass das Ergebnis die Form eines nach rechts geneigten Buchstaben „H“ aufweist, dessen Senkrechtbalken unterschiedlich lang sind. Der rechte wird in etwa von der Straße 421 nachgebildet, die das Nonstal am Molvenosee entlang durch den Banale und Lomaso über dem Ballino-Pass mit Riva del Garda verbindet und die Äußeren Judikarien nachstellt. Der linke Senkrechtarm, also die Inneren Judikarien, wird vom Norden ausgehend vom Tal des Campiglio, vom Rendena Tal, vom Tal des Arnò südlich von Tione und vom Tal des Chiese gebildet. Den Querbalken bilden die alte Panoramastraße am nördlichen Hang des Sarca Tales entlang nach Stenico und die Talstraße am Stausee von Ponte Pià vorbei durch die nach Ponte Arche sowie die Verbindung von Tione über den Durone Pass nach .

Die Täler der Inneren Judikarien Das Valle di Campiglio Die Straße über den hoch gelegenen ist die einzige Nord-Süd-Verkehrsverbindung zwischen dem Val di Sole und den Tälern der Inneren Judikarien. Der englische Alpinist und Reiseschriftsteller Douglas William Freshfield hat 1875 in seinem Werk beschrieben, wie er bei einem früheren Besuch an der Stelle, an der sich später Madonna di Campiglio entwickelt hat, nichts als eine Wiese mit einer Wallfahrtskirche mit Hospiz und eine Herde Kühe bei einer Futterkrippe vorgefunden habe. Hochkarätige Präsenz aus den Kreisen des habsburger und des europäischen Adels hat bereits im auslaufenden 19. Jahrhundert mitgeholfen, aus diesem Flecken einen der bekanntesten Fremdenverkehrsorte des Trentino zu machen.

Das Gewässer in diesem Tal wird oder genannt. Es ist einer der drei Quellflüsse, die von der Konvention bestimmt, alle im Adamello-Presanella Gebiet auf der orografisch rechten Seite entspringen. Südlich von Madonna di Campiglio, nach der Ortschaft Sant’Antonio di Mavignola, nimmt dieser Quellfluss den aus dem etwa 9 km langen und karförmigen Val Nambrone auf. Vom Valle di Campiglio wird dieses Tal durch die Bergkette des Monte Nambrone – Monte Serodoli getrennt. Von der rechten Seite kommen aus dem Brentamassiv bis Pinzolo die Bäche aus den Tälern Vallesinella, Brenta und Valàgola dazu.

Das Val Rendena mini|hochkant=1.3|Durch das Valle Rendena führt ein Radweg („Pista Ciclabile“)

Bei Carisolo wird ebener Talboden erreicht. Auf der rechten Seite des Rhendenatals öffnet sich der breite Trichter des Taleinganges in das , das sich 17 km zwischen die Gebirgsstöcke der Presanella und des Adamello hineinzwängt, und das links und rechts mit Wasserfällen aufwarten kann, von denen jene von Nardis wohl die bekanntesten sind. Auf einem Felsvorsprung am nördlichen Talrand steht das Kirchlein von Santo Stefano, das von Simone Baschenis eindrucksvoll ausgemalt wurde.

Die Baschenis waren eine wandernde Malerfamilie, die aus Averaria bei Bergamo stammte und innerhalb eines Zeitraumes von 100 Jahren zwischen 1461 und 1547 viele Kirchen der Judikarien, des Val di Sole und des Val di Nons verschönerte. Simone, Cristoforo und Dionisio Baschenis waren die bekanntesten Vertreter dieser Dynastie. Ihre Auftraggeber waren die Gemeinden oder die Bruderschaften der , eine Kongregation von Laienbrüdern. In ihren Malereien stellten sie Themen dar, die die Erwartungen der Talbewohner sehr gut widerspiegeln und in ihrer frischen und klaren Farbwahl althergebrachte Darstellungsschemen zum Ausdruck bringen. Dadurch erzielen sie einen originellen Effekt, der eine Synthese aus der gotischen Ikonographie und jener der Renaissance schafft, angereichert mit lebendigen volkstümlichen Elementen. Die Vigiliuskirche von Pinzolo mit ihrem Totentanz von Simone Baschenis ist wohl das bekannteste Beispiel.

mini|Neben der Sarca die Ciclopista

Bei Pinzolo vereinigt sich der dritte Quellfluss der Sarca, die aus dem , mit den anderen und bildet ab hier die ohne jeden Zusatz. Am Ortsende von Pinzolo in Richtung Tione steht ein von frà Silvio Bottes 1968 geschaffenes Denkmal , dem Scherenschleifer gewidmet, das an jene Handwerker des Val Rendena erinnern soll, die früher mit ihrem Schleifstein auf Rädern durch alle Länder zogen, um ihren Lebensunterhalt mit der Messer- und Scherenschleiferei zu verdienen. Daneben gab es noch die , die wandernden Sägewerksarbeiter und die Wursthersteller von Caderzone und Strembo, die es den Scherenschleifern gleichtaten und gewissermaßen zu einem Exportschlager und zu einem Markenzeichen des Rendenatales wurden.

In Caderzone, das ist die nächste größere Ortschaft nach den Dörfern Giustino und Massimeno, hat das Geschlecht der Grafen Lodron, die seit dem Mittelalter über mehrere Jahrhunderte hindurch das ganze Gebiet der hinteren Judikarien regierten, den Palazzo Bertelli hinterlassen. Die Sippe war in ihrer Machtausübung alles andere als zimperlich, und Marco da Caderzone, ein unehelicher Sohn des Giorgio I. aus der Linie der Castel Lodron und ein besonders gewalttätiger Vertreter dieses Geschlechts, hat im ausgehenden 15. Jahrhundert durch seine rücksichtslosen Übergriffe traurige Berühmtheit erlangt. Auf einem Schwemmkegel nördlich von Caderzone steht der , ein einzigartiger aus dem 14. Jahrhundert stammender ungewöhnlich großer Bauernhof, der eine wirkliche Sehenswürdigkeit darstellt.

Von der Hangsiedlung Bocenago auf der linken Talseite aus können die nächsten Dörfer, Strembo, Mortaso und Spiazzo überblickt werden. Von Spiazzo zweigt eine Straße ab, die den linken Hang erklimmt und über den hoch gelegenen Pass von Daone in das Val Manéz und nach Preore östlich von Tione führt.

Vor der Ortschaft Pelugo trifft man auf eine von den Baschenis ausgemalte Kirche. Sie ist an einem Friedhof gelegen und dem heiligen Abt Antonius geweiht. Sie befindet sich in der Nähe der Mündung des Val di Borzago, das vom entwässert wird. Das ist ein rechts liegendes Seitental, das im Hintergrund vom zum Adamellomassiv gehörenden beherrscht wird. Der Bereich der gleichnamigen Schutzhütte war im Ersten Weltkrieg ein wichtiges Logistikareal des österreichischen Heeres. Ein guter Teil des Tales wird von einer Straße erschlossen, die von Borzago aus, einem Ortsteil von Spiazzo, ihren Ausgang nimmt.

mini|Darè im unteren Abschnitt des Val Rendena

Ein weiteres rechtes Seitental ist das , das vom entwässert wird, der bei Villa Rendena in das Haupttal mündet. Die Straße in dieses Seitental zweigt hingegen schon bei Vigo Rendena ab. Das Haupttal ist in diesem Bereich sehr dicht besiedelt, denn die Dörfer fließen nahezu konturlos ineinander über. Vor Villa Rendena sind dies noch die Ortschaften Darè und Iavrè und danach der Weiler Verdesina auf einer von der Talstraße aus nicht einsehbaren Hangterrasse gelegen. Gleich unterhalb von Verdesina mündet der in den Sarca. Er bildet die Grenze zwischen dem Val Rendena und dem Becken von Tione.

Das Becken () von Tione Die Ortschaft Tione di Trento ist der Hauptort der Inneren Judikarien, verfügt über ein Krankenhaus und beherbergt zahlreiche Verwaltungen lokaler Behörden. Ein verheerender Großbrand im Jahre 1895 hat den Ort den Großteil der alten Bausubstanz beraubt, sodass nur der südlichste Teil den Charakter aus früheren Zeiten bewahren konnte.

Bei Tione wendet sich das Tal der Sarca gegen Osten und verengt sich zusehends bis zum Stausee von Ponte Pià. Auf der linken Seite des Flusses am Sonnenhang liegen die zwei kleinen Ortschaften Preore und Ragoli. Von Preore aus führt eine kurvenreiche Straße zu den kleinen Fraktionen der Gemeinde Montagne Cort, Larzana und Binio und in das Val Manéz. Nicht weit von Ragoli mündet ein weiteres langes Seitental in das Haupttal, das . Die Straße zieht weit oberhalb des Flusslaufs den Hang entlang nach Stenico.

Am südlichen Sarca-Ufer liegen gegenüber von Preore die kleine Ortschaft Saone und auf einer Hangterrasse die Orte Bolbeno und Zuclo. Vom letztgenannten Ort führt eine Straße über den hoch gelegenen Durone Pass nach Bleggio Superiore.

Das Tal des Arnò Im Becken von Tione nimmt der Sarca den aus dem Süden heranströmenden Arnò auf, der im entspringt und von der auf dem Sattel von Bondo hoch gelegenen Wasserscheide an der Ortschaft Breguzzo vorbei noch nach Norden abgebogen wird. Auch der aus dem gegenüber liegenden kleinen Val Gaverdina fließende Bach teilt dieses Schicksal und wird bei Bondo vom Arnò aufgenommen.

Bei der Ortschaft Breguzzo sind die Überbleibsel der “” zu sehen, die im Mittelalter zuerst den Bischöfen von Trient und dann den Lodron unterstand und einst für die Sicherheit des Durchzugsverkehrs eine wichtige Funktion ausübte. Solche Gemäuer sind weiter südlich im Tal des Chiese häufiger anzutreffen, fehlen aber im Rendena Tal völlig. Breguzzo und die auf dem flachen Wiesensattel liegende Ortschaft Bondo gehörten früher zur Pieve di Tione. In Bondo befand sich der Sitz der österreichisch-ungarischen Heeresleitung für die Adamello-Front während des Ersten Weltkrieges. Auf ihre Initiative hin wurde dort ein Soldatenfriedhof für etwa 700 Gefallene dieses Frontabschnittes eingerichtet.

Das Valle del Chiese