mini|Godesburg – Wahrzeichen von Bad Godesberg – im Sonnenaufgang

Bad Godesberg (bis 1926 Godesberg) ist einer der vier Stadtbezirke der Bundesstadt Bonn und hat 76.156 Einwohner (31. Dezember 2020).Statistik aktuell – Bevölkerung in der Bundesstadt Bonn am 31. Dezember 2020 (PDF; 2,3 MB), Bundesstadt Bonn – Statistikstelle, Januar 2019 Bad Godesberg liegt an der südlichen Spitze der Kölner Bucht im Godesberger Rheintaltrichter am Übergang vom Mittel- zum Niederrhein. Der Stadtbezirk grenzt südöstlich an das Land Rheinland-Pfalz.

Gliederung Innerhalb des Stadtbezirks Bad Godesberg liegen folgende 13 Ortsteile:

Des Weiteren existieren 16 statistische Bezirke, die sich teilweise in der Größe und Ausdehnung nur wenig von den Ortsteilen unterscheiden. Auf dem Gebiet des Stadtbezirks existieren folgende Gemarkungen in den Grenzen ehemaliger Gemeinden: Friesdorf, Godesberg, Lannesdorf, Mehlem, Muffendorf, Plittersdorf und Rüngsdorf.

Geschichte Bis 1697 Godesberg wurde 722 als ubische Kultstätte Woudensberg (Wotansberg) urkundlich erwähnt. Bedeutung erlangte Godesberg 1210, als der Kölner Kurfürst und Erzbischof Dietrich I. von Hengebach am 15. Oktober den Grundstein für die Godesburg legt. Am 17. Dezember 1583 wurde die Godesburg durch Truppen des Kurfürsten Ernst von Bayern gesprengt, nachdem sich dessen abgesetzter Vorgänger Gebhard I. von Waldburg Truchsess von Waldburg-Zeil dort verschanzt hatte. Seit der Antike und durch das Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit war der wichtigste Wirtschaftszweig der Weinbau, von dem vor allem die geistlichen Institute profitierten. Noch bis weit in das 19. Jahrhundert hinein war Godesberg ein bedeutendes Weinbaugebiet im Rheinland.

1697–1945 Von 1697 bis 1699 wurde unter Kurfürst Joseph Clemens von Bayern der Innenraum der Michaelskapelle auf dem Godesberg mit einer prächtigen Barockdekoration ausgestattet und erhielt damit ihr heutiges Erscheinungsbild. Ab 1699 wurde die Kapelle zur Hauskirche des wenige Jahre zuvor gegründeten Ordens vom Heiligen Michael. 1790 bis 1792 ließ Kurfürst Max Franz die Heilquelle (Draitschbrunnen) neu fassen, den Kurpark anlegen und die Redoute und die anliegend 9 Logierhäuser errichten. Godesberg wurde zum Badeort.

Landesherrlich gehörte Godesberg bis Ende des 18. Jahrhunderts zum Kurfürstentum Köln und unterstand der Verwaltung des Amtes Godesberg-Mehlem im Oberamt Bonn. 1816 wurde Godesberg Sitz der gleichnamigen Bürgermeisterei im Kreis Bonn, der zum Regierungsbezirk Köln in der späteren Rheinprovinz gehörte.

Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke wurde die Stadt endgültig zum Sommer- und Alterssitz wohlhabender Bürger, was zu einem deutlichen Wachstum führte. 1899 wurden Plittersdorf und Rüngsdorf eingemeindet, 1904 folgte Friesdorf und 1915 Muffendorf.

1925 erhielt Godesberg den Titel Bad zugesprochen, der seit dem 1. Oktober 1926 urkundlich geführt wird. Mit der Eingemeindung von Lannesdorf und Mehlem erhielt Bad Godesberg 1935 Stadtrechte.

mini|Hitler (stehend) vor einer Menschenmenge kurz nach der Abfahrt vom Bahnhof Bad Godesberg (22. September 1938). In der Zeit des Nationalsozialismus kam Bad Godesberg in den Ruf, ein besonders beliebter Ort des „Führers“ zu sein. Adolf Hitler hielt sich zwischen 1926 und 1945 70-mal am Rhein auf. Sein spektakulärster Auftritt fand hier vom 22. bis 24. September 1938 statt, als er in Bad Godesberg mit dem britischen Premier Arthur Neville Chamberlain zusammentraf, um mit ihm über die Sudetenkrise zu verhandeln. Bei diesem Besuch wie auch schon anlässlich früherer Besuche säumten zahlreiche Bad Godesberger Bürger die Straßen, um Hitler auf seiner Fahrt von der Godesberger Innenstadt zum Rheinhotel Dreesen zuzujubeln.

1945 bis heute Den Zweiten Weltkrieg überstand Bad Godesberg weitgehend unzerstört: Vom Luftkrieg weitestgehend verschont, war die Stadt mit Verwundeten, Kindern und älteren Menschen stark belegt. Deshalb entschloss sich Generalleutnant Richard Schimpf (1897–1972) in Absprache mit einigen Godesberger Bürgern, die rund 7000 Mann seiner Division in der Nacht zum 8. März 1945 über den Rhein nach Osten übersetzen zu lassen und die Stadt nicht zu verteidigen, sondern kampflos zu übergeben.Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands. 2. Auflage. Oldenbourg, München 1996, ISBN 3-486-56175-8, S. 358ff. Vize-Bürgermeister Heinrich Ditz übergab die Stadt telefonisch an die Amerikaner, nachdem sich der NS-Bürgermeister Heinrich Alef auf die rechte Rheinseite abgesetzt hatte. Damit war Bad Godesberg die erste größere Stadt, die den Alliierten kampflos und unzerstört in die Hände fiel. Eine Gedenktafel am Godesberger Rathaus erinnert an die drei entscheidenden Menschen, die Bad Godesberg unter Lebensgefahr retteten: Generalleutnant Schimpf, Stadtrat Ditz und den Schweizer Generalkonsul François-Rodolphe de Weiss.

Nachdem Bonn 1949 zur provisorischen Bundeshauptstadt geworden war, wurde das im Krieg weitgehend unzerstörte Bad Godesberg zum Sitz vieler Botschaften. Godesberg erhielt den Spitznamen Diplomatenstadt, die B 9 nach Bonn wurde zur Diplomatenrennbahn. Die Weinstube Maternus in Bahnhofsnähe, Konrad Adenauer aß regelmäßig hier zu Mittag, erhielt bald den Spitznamen „Wohnzimmer der Republik“, da hier zahlreiche diplomatische Verhandlungen geführt wurden.

Ende 1950 fiel der Beschluss, die US-Hochkommission vollständig in die Enklave Bonn zu verlegen und den Dienstsitz in der Bad Godesberger Deichmannsaue einzurichten. Zu diesem Zweck wurden Wohnungsbauprojekte für die deutschen Mitarbeiter der Kommission eingeleitet, die in der damaligen Stadt Bad Godesberg in der HICOG-Siedlung Muffendorf/Pennenfeld und der HICOG-Siedlung Plittersdorf mündeten. Beide Siedlungen stehen heute unter Denkmalschutz.

1959 wählte die SPD die vier Jahre zuvor durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss eröffnete Godesberger Stadthalle als Tagungsort, um mit dem Godesberger Programm den Wandel zur Volkspartei zu vollziehen. Der Bau gilt als prägnantes Beispiel des Baustils der 1950er Jahre; er wurde im Juli 2012 unter Denkmalschutz gestellt.Lisa Inhoffen: Stadthalle ist jetzt ein Denkmal. In: General-Anzeiger. Bonn vom 28. Juli 2012.

Bis 1981 war Bad Godesberg auch Zweigsitz des Bundeskriminalamtes.

Bis zum 1. August 1969 war Bad Godesberg eine selbstständige Stadt im Landkreis Bonn. Eine Klage gegen die Eingemeindung nach Bonn blieb erfolglos. Die Stadt wurde vor dem Verwaltungsgericht Münster von ihrem Stadtdirektor Fritz Brüse (CDU) und dem 1. Beigeordneten Walter Viktor (SPD) vertreten. Der frühere Ministerpräsident von NRW, Franz Meyers, wickelte den Zusammenschluss der Stadt Bonn mit Bad Godesberg, Duisdorf und Beuel zur neuen Stadt Bonn ab.

Mit der Eingemeindung verbundene Zusagen wurden teilweise sehr spät eingelöst. So wird Bad Godesberg erst seit 1989 mit Trinkwasser aus der Wahnbachtalsperre versorgt, In: wahnbach.de. zuvor hatte man weiterhin qualitativ schlechteres Rheinuferfiltrat erhalten. Auch die damalige direkte Anbindung der südlichsten Stadtteile bis einschließlich Mehlem durch die ursprüngliche Straßenbahn Bonn–Godesberg–Mehlem (BGM) wurde mit dem Bau der neuen Stadtbahn nicht wieder erreicht, da diese an der Station 'Stadthalle Bad Godesberg' endet.

Heute ist Bad Godesberg ein Stadtbezirk von Bonn; er hat sich in vielerlei Weise seine Unabhängigkeit bewahrt. So fühlen sich die meisten Einwohner nach wie vor als Godesberger, die für bestimmte Einkäufe „nach Bonn“ fahren. Auch hat die Bezirksvertretung sämtliche Rechte zugestanden bekommen, die die Gemeindeordnung NRW zulässt.

mini|Gebäude der ehemaligen König-Fahd-Akademie in Lannesdorf Am 16. April 2008 beschloss die Bad Godesberger Bezirksvertretung, die Redoute zu verkaufen und die Häuserzeile in der Kurfürstenallee „europaweit als hochwertiges Wellness-Hotel“ auszuschreiben. Zum Erhalt der historischen Gebäude in städtischem Besitz begann im April 2008 ein Bürgerbegehren mit dem Titel „Rettet das Rathaus und die Redoute“. Die Initiative für das Bürgerbegehren legte im Januar 2009 11.000 Unterschriften vor. Da sich jedoch kein Investor fand, wurde die Ausschreibung vom Rat der Stadt Bonn schließlich aufgehoben und die Auseinandersetzung um das Bürgerbegehren gegenstandslos.

In der Zeit nach der deutschen Einheit und dem Wegzug der Regierung nach Berlin entwickelte sich Bad Godesberg zu einem Stadtteil, der an einigen Stellen die Charakteristika eines sozialen Brennpunktes aufweist. Die Zahl schwerer Gewaltdelikte nahm im Jahre 2011 gegenüber den Vorjahren erheblich zu. Besonders das schroffe Nebeneinander von Villenviertel und Problembezirk ist in den letzten Jahren zu einem Charakteristikum Bad Godesbergs geworden. In: Express. Bonn, 24. Januar 2013.Vom schicken Diplomatenviertel zur „No-Go-Area“. In: Die Welt. 27. Oktober 2009. 2012 kam es angesichts einer Gegendemonstration von Salafisten gegenüber einer Kundgebung von PRO-NRW-Anhängern zu schweren Angriffen auf Polizisten durch Salafisten.Artikel im Solinger Tageblatt

Politik Bezirksvertretung Die 19 Sitze der Bezirksvertretung teilen sich wie folgt auf:

Wappen, Flagge und Banner Banner, Wappen und Hissflagge 63px 100px 100px

Am 8. Juni 1925 beschloss der Godesberger Gemeindehauptausschuss schließlich, die Farben Rot und Gold als Godesberger Farben einzuführen.

Die Godesberger Flagge war nach der Eingemeindung zu Bonn 1969 fast völlig aus dem Stadtbild verschwunden. Seit den 1980er Jahren ist sie in der Öffentlichkeit wieder präsenter – unterstützt durch den damaligen Bezirksvorsteher Norbert Hauser. So weht sie seit einigen Jahren wieder auf der Godesburg, dem Wahrzeichen des Stadtbezirks.

Städtepartnerschaften Bad Godesberg unterhält folgende Städtepartnerschaften: Saint-Cloud (Frankreich) (seit 1957) Frascati (Italien) (1960) Windsor and Maidenhead (Vereinigtes Königreich) (seit 1960) Bezirk Steglitz-Zehlendorf von Berlin (seit 1962 Städtefreundschaft) Kortrijk (Belgien) (seit 1964) Yalova (Türkei) (seit 1969 Städtefreundschaft)

Kultur und Sehenswürdigkeiten Öffentliche Einrichtungen mini|Das Haus an der Redoute

Schauspielhaus Bad Godesberg, das größte Schauspielhaus der städtischen Bühnen Bonns Kleines Theater im Park (Intendanz: Frank Oppermann), Spielstätte für Schauspiel, Boulevardstücke und Musicals in kleiner Besetzung Haus an der Redoute, ehemaliges kurfürstliches Theater und heute städtische Einrichtung für Wechselausstellungen Kleine Beethovenhalle als Sitz der Heimatbühne Muffendorf

Bad Godesberg in der Literatur Eine ganze Reihe von literarischen Werken spielt in Bad Godesberg. Die Protagonisten in Juli Zehs Roman Spieltrieb sind Päda-Schüler, Orte der Handlung sind die Schule und das Godesberger Villenviertel. Heinrich Bölls Roman Frauen vor Flußlandschaft handelt im Villengebiet am Rhein zwischen Bonn und Bad Godesberg.

Am 30. Oktober 2009 hatte das Dokumentationsstück Zwei Welten von Ingrid Müller-Münch in den Kammerspielen Premiere. Es soll, so die Autorin, Bad Godesberg im Wandel zeigen, eine Stadt, in der die Welt der „feinen Leute“ auf die Welt der „Migranten“ stößt.Hans Weingartz: In: rheinraum-online.de Neun Schauspieler tragen bei dem Stück Auszüge von Protokollen von zumeist jugendlichen Bad Godesbergern vor, die Müller-Münch in den vergangenen Jahren aufgezeichnet hat. In der Vorberichterstattung über das Stück sprach die Frankfurter Rundschau von einem „Bad-Godesberg-Phänomen“. In: Frankfurter Rundschau. 26. Oktober 2009. Die beiden „Welten“, die es auch in anderen Städten gebe, lägen, so Ingrid Müller Münch, in Bad Godesberg so eng beieinander wie sonst nirgends.

Regelmäßige Veranstaltungen Rhein in Flammen am ersten Samstag im Mai: Großfeuerwerke und Schiffsrundfahrt von Linz am Rhein entlang Erpel, Unkel, Remagen, Rheinbreitbach, Rheininsel Nonnenwerth bei Rolandswerth/Bad Honnef, Bad Godesberg, Königswinter zur Bonner Rheinaue bei Bonn