mini|Titelseite des ersten Bandes der 1. Auflage von 1753 (lat.; ‚Pflanzenarten‘) ist der Titel eines zweibändigen Werkes von Carl von Linné, in dem er alle ihm bekannten Pflanzenarten beschrieb und in der 1. Auflage von 1753 erstmals für jede Art einen zweiteiligen Namen (Binomen) angab. Auf dem 1905 in Wien tagenden II. Internationalen Botanischen Kongress (IBC) wurde der Zeitpunkt der Veröffentlichung von als Beginn der modernen Nomenklatur für Pflanzen festgelegt.John Isaac Briquet: Kongress in Wien. Règles internationales de la nomenclatura. Jena 1906, S. 55Der Veröffentlichungszeitpunkt wurde auf den 1. Mai 1753 festgelegt (vgl. bspw. „Tokio-Code“ (PDF; 1,5 MB) § 13.5).

Werk Die erste Auflage erschien 1753 unter dem vollständigen Titel Species plantarum, exhibentes plantas rite cognitas, ad genera relatas, cum differentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas beim Stockholmer Verleger Lars Salvius (1706–1773) und ist dem schwedischen Königspaar Adolf Friedrich und Luise Ulrike gewidmet.Der erste Band erschien im Mai, der zweite im August 1753.Das Vorwort Lectori Aequo ist auf den 2. Mai 1753 datiert.

Albrecht von Haller bezeichnete das Werk als Linnés „maximum opus et aeternum“.Richard Pulteney: A General View of the Writings of Linnaeus. London 1781, S. 107.

Entstehungsgeschichte mini|Die erste Seite von Species Plantarum, die die Beschreibung der Arten der Gattung Canna enthält

Bereits im Frühjahr 1733 erwähnte Linné die Absicht, Species Plantarum zu verfassen. Er schrieb in einem Brief an den Kanzler der Universität Uppsala Gustaf Cronhjelm (1664–1737):

Bis zur endgültigen Verwirklichung dieses umfangreichen Vorhabens vergingen jedoch noch fast zwanzig Jahre, in denen sich Linné durch Forschungsreisen in seinem Heimatland Schweden1732 Lappland, 1734 Dalarna, 1741 Öland und Gotland, 1746 Västergötland sowie 1749 Skåne., die Beschreibung lokaler Floren1737 Flora Lapponica, 1745 Flora Suecica und 1747 Flora Zeylanica. und die Inventarisierung botanischer Gärten1738 Hortus Cliffortianus und 1748 Hortus Upsaliensis. detaillierte Pflanzenkenntnisse aneignete.

In einem Brief an Abraham Bäck wurde das Vorhaben Species Plantarum Anfang September 1746 wieder erwähnt:

Gut drei Jahre später, Mitte Oktober 1749, schrieb Linné jedoch:

Zu Beginn des Jahres 1751 nahm Linné erneut die Herausforderung Species Plantarum in Angriff. Die Fortschritte, die er beim Erstellen des Werkes machte, lassen sich den an Bäck geschriebenen Briefen entnehmen: Anfang Juli 1751: „bin endlich bis Poa“ – S. 67Carl Linnaeus an Abraham Bäck, 9. Juli 1751, Brief L1285 in The Linnaean Correspondence (abgerufen am 17. März 2008). Ende November 1751: „bin bis Icosandria gekommen“ – S. 466Carl Linnaeus an Abraham Bäck, 23. November 1751, Brief L1339 in The Linnaean Correspondence (abgerufen am 17. März 2008). Mitte März 1752: „bis zu den Syngenesia gelangt“ – S. 789Carl Linnaeus an Abraham Bäck, 17. März 1752, Brief L1394 in The Linnaean Correspondence (abgerufen am 17. März 2008). Mitte Juni 1752 „Ich habe meine Species beendet.“ – S. 1200Carl Linnaeus an Abraham Bäck, 16. Juni 1752, Brief L1436 in The Linnaean Correspondence (abgerufen am 17. März 2008).

Nach gut einem Jahr hatte Linné auf 1200 Seiten ungefähr 7300 Arten beschrieben.

Inhalt mini|Canna indica ist die erste Pflanze, die in Species Plantarum mit einem zweiteiligen Namen benannt wurde.

Alle in Species Plantarum beschriebenen Pflanzenarten kannte Linné aus eigener Anschauung. Entweder hatte er die Pflanzen während seiner Reisen durch Schweden beobachtet, sie in botanischen Gärten als kultivierte Exemplare untersucht oder sie anhand von Herbarmaterial studiert.

In seinem Vorwort (Lectori Aequo) berichtet Linné u. a. kurz über die von ihm unternommenen Reisen, die beschriebenen Gärten und Herbarien und seine Schüler. An das Vorwort schließt sich eine Liste der von ihm zitierten Autoren (Auctores, unterteilt in Reformatores und Usitatiores) an.

Der Anhang besteht aus einem Index der Gattungen (Index Genorum), einem Index der Synonyme (Index Synonymorum) sowie aus einer Liste der Trivialnamen (Nomina trivialia).

Den Hauptteil bilden die kurzen Beschreibungen der Pflanzenarten. Jede Pflanze hat einen beschreibenden Artnamen, den Linné gemäß seinen in Philosophia Botanica aufgestellten Regeln formulierte. Nach dem Artnamen werden in abgekürzter Weise die Werke zitiert, in denen dieser Name verwendet wurde. Es folgen synonyme Namen anderer Autoren. Falls Linné die Art zuvor in einem seiner Werke anders benannt hat, stehen diese Synonyme an erster Stelle. Bei seltenen oder neu entdeckten Pflanzen hat er der Beschreibung einen Verweis auf eine Abbildung beigefügt. Am Ende jeder Artbeschreibung gibt er Hinweise zum Verbreitungsgebiet der Art und kennzeichnet durch ein Symbol, ob die Pflanze einjährig (☉), zweijährig (♂) oder ausdauernd (♃) ist.

Besondere Bedeutung hat das Epitheton, das er als Marginalie zu jeder Art am Seitenrand vermerkte und das eine Neuerung gegenüber seinen früheren Werken ist. Der Gattungsname und das Epitheton bilden zusammen den binären Namen der Art, so wie er in der modernen botanischen Nomenklatur noch heute verwendet wird.

Linnés Beschreibung von Canna indica sieht wie folgt aus:

CANNA. 1. CANNA foliis ovatis utrinque acuminatis nervoſis. Indica Roy. lugdb. 11. Fl. zeyl. 1. Hort. upſ. 1.Roy. lugdb. steht für Adriaan van Royen: Florae leydensis prodromus. Samuel Luchtman, Leiden 1740, S. 11 (online). Canna ſpatulis bifloris. Hort. cliff. 1. Arundo indica latifolia. Bauh. pin. 19. Habitat inter tropicos Aſiae, Africae, Americae. ♃

Auflagen 1. Auflage, Lars Salvius: Stockholm 1753, 8° 2. Auflage, Lars Salvius: Stockholm 1762, 8° 3. Auflage, Johann Thomas von Trattner: Wien 1764, 8° – korrigierter Nachdruck der 2. Auflage

Binäre Nomenklatur der Pflanzen Caspar Bauhin hatte in Pinax Theatri Botanici (Basel 1623) als Erster den Versuch unternommen, die verwirrende Vielfalt der Pflanzennamen (zirka 6000 Arten) zu ordnen. Er unterschied konsequent die Begriffe „Gattung“ und „Art“.Karl Mägdefrau: Geschichte der Botanik. Leben und Leistung großer Forscher. 2. Auflage, S. 46. Eine Pflanze wurde bei Bauhin durch einen Gattungsnamen und mindestens ein Beiwort beschrieben, das die beschriebene Art von anderen Arten der gleichen Gattung unterschied. Mit der Entdeckung neuer Pflanzenarten wurden die differenzierenden Phrasen („diagnostische“ Namen) immer länger. Eine der Schwertlilien­arten trug beispielsweise den Namen Iris latifolia germanica ochroleucos venis flavescentibus et purpurascentibus distincta.Caspar Bauhin: Theatri Botanici sive Historiae Plantarum. Johann König: Basel 1658, Lib. I, Sect. VI, Cap. V., III. (Sp. 585). Um eine Art zu zitieren, musste man faktisch die komplette Beschreibung der Art angeben.

In den von Linné bis 1749 ausgearbeiteten Manuskripten zu Species Plantarum findet sich noch kein Hinweis auf zweiteilige Namen.Felix Bryk: Linne und die Species Plantarum. S. 64. Im Index des Reiseberichtes Ölandska och Gothländska Resa (1745) hatte er jedoch bereits die Pflanzennamen verkürzt in binärer Weise benannt. Die Idee eines „Trivialnamens“ für die Art formulierte Linné zum ersten Mal in Paragraph 257 von Philosophia Botanica (1751). Er schrieb:

Dieser dem Gattungsnamen beigefügte Name, das Epitheton, sollte so weit wie möglich den wesentlichen Unterschied der Art zu anderen Arten derselben Gattung ausdrücken. Zulässig waren für Linné auch ein besonders auffälliges Kennzeichen, lokale Ausdrücke oder die Namen der Entdecker.

Das Ergebnis der Einführung zweiteiliger Pflanzennamen ist die konsequente Trennung der Beschreibung einer Art von ihrer Benennung.Peter Seidensticker: Pflanzennamen: Überlieferung, Forschungsprobleme, Studien. Franz Steiner Verlag: 1999, S. 33–36.

Literatur Wilfrid Blunt: The Compleat Naturalist: A Life of Linnaeus. 2001, ISBN 0-7112-1841-2 Richard Pulteney: A General View of the Writings of Linnaeus. London 1781 Peter Seidensticker: Pflanzennamen: Überlieferung, Forschungsprobleme, Studien. Franz Steiner Verlag: 1999, ISBN 3-515-07486-4 Karl Mägdefrau: Geschichte der Botanik. Leben und Leistung großer Forscher. 2. Auflage, Gustav Fischer Verlag: Stuttgart 1992, ISBN 3-437-20489-0 Arvid Hj Uggla: The Preparation of the Species Plantarum. In: Taxon. Band 2, Nr. 3, Mai 1953, S. 60–62. doi:10.2307/1217343 Felix Bryk: Linne und die Species Plantarum. In: Taxon. Band 2, Nr. 3, Mai 1953, S. 63–73 doi:10.2307/1217344 Felix Bryk: Bibliographia Linnaeana ad Species plantarum pertinens. In: Taxon. Band 2, Nr. 3, Mai 1953, S. 74–84 doi:10.2307/1217345 Dan H. Nicolson: A History of Botanical Nomenclature. In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 78, Nr. 1, 1991, S. 33–56. doi:10.2307/2399589 – nicht ausgewertet II. Internationaler botanischer Kongreß, Wien 1905 In: Plant Systematics and Evolution. Springer Wien, Band 55, Nr. 2, Februar 1905, S 41–47. doi:10.1007/BF01791123 – nicht ausgewertet

Weblinks

Scan der 1. Auflage bei biodiversitylibrary.org Scan der 1. Auflage Band 1 und Band 2 bei Gallica Scan der 2. Auflage Band 1 und Band 2 bei Gallica und BHL Scan der 3. Auflage Band 1 und Band 2 bei archive.org Volltext von Kapitel I–III, IV-V, VI-X und XI-XIII bei www.gutenberg.org

Anmerkungen und Einzelnachweise Briefwechsel

Andere

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