mini|Palazzo Medici Riccardi, Ostfassade zur Via Cavour von Norden Der Palazzo Medici Riccardi ist ein Palast in Florenz, der von 1444 bis Ende der 1450er Jahre für Cosimo de’ Medici und seine Familie errichtet und nach dem Verkauf des Gebäudes an Marchese Gabriello Riccardi 1659 unter Beibehaltung der Fassadengestaltung des Kernbaus erheblich vergrößert wurde. Ein für den Bau verantwortlicher Architekt ist nicht überliefert; auf Grundlage deutlich späterer Quellen wird der Palast zumeist Michelozzo di Bartolommeo zugeschrieben.

Lage Der Palast steht an der Ecke der Via Cavour (ehemals Via Larga) und der kleinen Via de’ Gori. In der Via Larga etwas weiter nördlich befand sich bis zum Umzug in das neue Gebäude der dann Casa vecchia genannte alte Palast der Medici. Über die Via Larga ist der Palazzo Medici mit der Piazza San Giovanni mit dem Baptisterium und dem Dom im Süden und mit dem Kloster von San Marco im Norden verbunden; der Neubau des Klosters ab 1437 wurde von Cosimo de’ Medici finanziert. Die Via de’ Gori verbindet das Gebäude mit der Piazza San Lorenzo; in der Kirche San Lorenzo, ebenfalls ein von Cosimo de’ Medici finanzierter Bau, befanden sich die Grablege und Kapellen der Familie Medici.

Geschichte mini|Giovanni Stradano, Via Larga mit dem Palazzo Medici (vor Erweiterung im 17. Jahrhundert), 1561, Fresko, Sala del Gualdrada, Palazzo Vecchio, Florenz Der Kernbau des heutigen Gebäudes wurde als freistehender Palast im Auftrag des vermögenden und politisch einflussreichen Patriziers Cosimo de’ Medici errichtet. Die Bauarbeiten begannen 1444 bzw. 1445; auf dem Grundstücke befanden sich vorher einige für den Neubau abgerissene „Häuschen“ („chasette“). Mitte der 1450er Jahre war der Palast weitgehend fertig gestellt; Teile der Innenausstattung wie die Freskierung der Kapelle und deren Altarretabel folgten zwischen 1458 und 1460.

Im Jahr 1659 verkaufte Großherzog Ferdinando II. de’ Medici den Palast an die Bankiersfamilie Riccardi, daher der Name Palazzo Medici Riccardi. In den Jahren danach wurden die gartenseitige Fassade, die innere Aufteilung sowie ein großer Teil der Innendekoration der Medici-Zeit grundlegend verändert. Zu den Resultaten der Umgestaltung zählt vor allem die von Luca Giordano 1685 ausgemalte Galleria Riccardiana im zweiten Obergeschoss. In dieser Zeit wurde im Palazzo die bedeutende Biblioteca Riccardiana eingerichtet. Wegen finanzieller Schwierigkeiten waren die Riccardi gezwungen, den Palazzo im Jahr 1810 zu verkaufen. Die großherzogliche Regierung, die ihn schließlich übernahm, brachte dort zunächst einige Verwaltungsstellen unter, 1839 dann eine weitere Bibliothek, die Moreniana.Jacopo Mascagni: Palazzo Medici Riccardi a Firenze. tuscanyplanet.com, 14. September 2022

Als während des italienischen Einigungsprozesses Florenz von 1865 bis 1870 vorübergehend Hauptstadt Italiens war, befand sich im Palazzo Medici Riccardi der Sitz des Innenministeriums und damit auch der Dienstsitz des Ministerpräsidenten.Palazzi Istituzionali, Firenze Capitale auf conoscifirenze.itFirenze capitale, guarda i palazzi del potere. repubblica.it, 22. Februar 2011 Danach war der Palast war lange Zeit Sitz der Präfektur und der Provinzregierung und ist seit dem 1. Januar 2015 Sitz von deren Rechtsnachfolgerin, der Metropolitanstadt Florenz.cittametropolitana Er beherbergt außerdem ein Museum.

Zuschreibung Wie bei den meisten Wohnbauten des 14. und 15. Jahrhunderts ist der für den Entwurf verantwortliche Architekt nicht dokumentiert. In Quellen des frühen 16. Jahrhunderts und in Giorgio Vasaris Vita des Filippo Brunelleschi wird ein – wegen Cosimo de’ Medicis Zurückweisung als „zu prächtig“ von ihm selbst zerstörtes – Modell des Palastes erwähnt. Angesichts des erheblichen zeitlichen Abstandes der Quellen zu Brunelleschis Tod 1446 und Inkonsistenzen in der Lokalisierung des Projekts – an dem angegebenen Platz besaßen die Medici keine Grundstücke – bestehen in der kunstwissenschaftlichen Forschung Zweifel an Brunelleschis tatsächlicher Beteiligung am Entwurfsprozess. Mit einer Reihe anderer Bauprojekte der Medici-Familie schrieb Giorgio Vasari den Palast dem Florentiner Bildhauer und Architekten Michelozzo zu, was in der kunst- und architekturwissenschaftlichen Forschung trotz fehlender zeitgenössischer Belege akzeptiert wird. In seiner Lebensbeschreibung Michelozzos versucht Vasari diesen zum talentierten Hausarchitekten der Medici und damit zu seinem Vorgänger zu stilisieren. Skepsis gegenüber der Rolle Michelozzos beim Bau des Medici-Palastes äußerten beispielsweise die Kunsthistorikerin Brenda Preyer und – vorsichtiger – Ulrich Pfisterer. Grundlage von Vasaris Zuschreibung war vermutlich die Erwähnung eines Modells oder Entwurfs in der kurzen Notiz zu Michelozzo („Fecie il modello del palazo di Cosimo de’ Medici.“) im Libro di Antonio Billi (Codice Petrei), einer um 1530 von einem anonymen Autor verfassten Sammlung von Künstlerbiografien.

Dokumentiert sind hingegen Zahlungen an die Bildhauer Pagno di Lapo Portigiani (Lieferung zweier Säulen und eines Kapitells, 1448), Maso di Bartolomeo (Sgraffito-Dekoration im Innenhof, 1452) und Nofri di Marco Marchissi, der 1450 sogar als Bauleiter („chapomaestro al suo palagio“) genannt wird.

Architektur des Kernbaus mini|Palazzo Medici Riccardi, Ecke Via de’ Gori / Via Cavour von Süden Der dreigeschossige Kernbau aus dem 15. Jahrhundert hat einen in etwa quadratischen Grundriss; im Zentrum befindet sich ein von Arkaden umgebener Innenhof, westlich schließt sich der von einer hohen gezinnten Mauer umgebene Garten mit einer Gartenloggia an. Zur Straßenkreuzung öffnete sich ursprünglich eine Eckloggia, die 1517 im Auftrag des Kardinals Giulio de’ Medici vermauert und mit zwei von Michelangelo Buonarroti entworfenen Fenstern, sogenannten „knienden Fenstern“ (finestre inginocchiate), versehen wurde. Das Hauptportal befindet sich nach wie vor auf der Ostseite des Gebäudes; der anschließende Korridor (androne) setzt sich auf der gegenüberliegenden Hofseite fort und ist durch eine gerade Achse mit dem Gartenportal verbunden.

Fassadengestaltung Die beiden vollständig mit Pietra forte – ein im Stadtgebiet gewonnener ockerfarbener Sandstein – verkleideten Fassaden des Gebäudes zeigen in jedem Geschoss eine unterschiedliche Wandoberfläche: Das Erdgeschoss besitzt ein Rustika-Mauerwerk aus unterschiedlich dimensionierten Blöcken mit einer rauen Oberfläche; ein schmales Gesims mit Zahnschnitt schließt es zum ersten Obergeschoss, dem Piano nobile, hin ab. Diese Zone ist durch geglättete Rustika-Quader gestaltet; auch das Wappen der Medici ist dort angebracht. Die Biforienfenster sind von einem hohen Bogen aus rustizierten Keilsteinen überfangen. Im Piano nobile lagen die Wohnungen Cosimo de’ Medicis und seiner Söhne Piero und Giovanni sowie die Kapelle und der gemeinsam genutzte Saal. Das zweite Obergeschoss zeigt eine aus geglätteten Steinen bestehende Wandoberfläche und gleichfalls Biforienfenster. Die Fassaden werden von einem stark vorkragenden antikisierenden Kranzgesims, ein Novum in der Florentiner Palastarchitektur, abgeschlossen.

Innenhof mini|Innerer Hof Der quadratische Innenhof ist auf allen Seiten von Portiken mit Arkaden umgeben; die westliche, zum Garten gerichtete Portikus ist etwas größer dimensioniert. Im Unterschied zur Pietra forte-Fassade sind im Hof alle skulpturalen Architekturelemente – Säulen, Archivolten, Gesimse und die Rahmungen der Biforienfenster – aus einem nördlich von Florenz gebrochenen grauen Sandstein (Macigno) gefertigt; die Wände sind verputzt und mit einer von Maso di Bartolomeo und Mitarbeitern 1452 ausgeführten Sgraffito-Dekoration versehen.

Innenräume Die innere Aufteilung des Gebäudes und die Funktionen der Räume sind dank der Forschungen des Architekturhistorikers Wolfger Bulst (1970) weitgehend bekannt. Im Erdgeschoss befanden sich die nicht mit dem Hausinnern verbundene Eckloggia (1521–1522 von Giovanni da Udine mit Stuckdekorationen ausgestattet), einige Wohn- und Schlafräume der Medici-Familie (u. a. Lorenzo de’ Medicis), ein Büro (im Inventar von 1492 als „schrittoio“ erwähnt), Geschäftsräume, Kammern für die Bediensteten und einen Pförtner sowie eine Küche. Das über die nicht erhaltene „große Treppe“ (im Inventar von 1492 als „schala grande“) erreichbare Piano nobile beherbergte vor allem die Wohnungen des Hausherrn und seiner erwachsenen Söhne: Cosimo bewohnte die San Lorenzo zugewandten Räume auf der Gartenseite, sein Sohn Giovanni das Appartement zur Via de’ Gori und sein ältester Sohn Piero die prächtigste, mit dem Saal, der Kapelle und seinem privaten schrittoio verbundene Wohnung zur Via Larga. Der Saal war mit einer geschnitzten und vergoldeten Kassettendecke ausgestattet, deren Pracht Filarete in seinem Architekturtrakat (Trattato d’architettura, 1460–14464) lobt: „…so wunderbar mit Gold und feinem Blau und verschiedenen anderen Farben“ („tanto maraviglioso con oro et azurro fino et altri varij colori“); von der Decke ist nur ein Rest erhalten. Im Piano nobile befanden sich auch die Wohnräume der Familien der Hausherrn und der Bediensteten.

Cappella dei Magi Eine Besonderheit für einen privaten Palast eines Bürgers im 15. Jahrhundert ist die Kapelle, für deren Einrichtung Cosimo de’ Medici – zu dieser Zeit päpstlicher Bankier – die notwendige Erlaubnis von Papst Martin V. erhielt. Sie diente nicht nur der privaten Andacht, sondern auch als repräsentativer Empfangsraum für Audienzen und Empfänge von Würdenträgern.

Gestaltung und Ausstattung Die Kapelle ist zum größten Teil in ihrer bauzeitlichen Gestaltung und Ausstattung erhalten. Veränderungen betreffen vor allem das Altarbild und einen Abschnitt der Eingangswand: Das zwischen 1458 und 1460 von Fra Filippo Lippi ausgeführte Altarbild mit der Anbetung Christi im Walde wurde nach dessen Verkauf durch eine zeitgenössische Kopie ersetzt. Das Altarbild befindet sich heute in der Gemäldegalerie in Berlin. Neben Maria und dem Jesuskind sind im Bild Johannes der Täufer, der Schutzpatron der Stadt Florenz, und der hl. Benedikt bzw. nach anderen Deutungen der hl. Romualdus dargestellt. Bei der Veränderung des Eingangsbereichs wurden im 17. Jahrhundert die dort ursprünglich angebrachten Fresken abgenommen und auf die neue Wand übertragen.

Die Kapelle besteht aus einem rechteckigen Raum mit einem in etwa quadratischen Altarraum als Annex; zwei Türen führen in kleine, zur Vorbereitung der Liturgie genutzten Nebenräume. Der Boden ist mit einer Inkrustation aus Porphyr, weißem Marmor, Granit und Krokeischem Stein ("grüner Porphyr") geschmückt. An den Wänden der Kapelle zieht sich ein hölzernes intarsiertes Gestühl entlang, darüber sind Fresken angebracht. Die Intarsien zeigen die Imprese der Familie: ein Diamantring mit dem Motto "SEMPER" (lat. "immer" bzw. "ewig") auf dem Spruchband. Außerdem sind dort Falken als persönliche Imprese Piero de’ Medicis und die guelfischen bzw. französischen fleur-de-lys angebracht, die auf die Treue zur Schutzmacht Frankreich verweisen. Die Wandzone schließt ein aufwändiges Gebälk mit vergoldeten Perlstäben, Eierstäben, Blattfriesen und Darstellungen von Jakobsmuscheln ab. Die Decke der Kapelle besitzt in ihrem Zentrum vier blaue Kassetten mit geschnitzten und vergoldeten Rosetten. An der Decke des Altarraums ist hingegen ein großes, von Strahlen umgebenes Christus-Monogramm (IHS) angebracht. Es ist von einem Kreis mit Federn und Diamantringen mit Banderolen umgeben. Die Öffnung zum Altarraum flankieren zwei Pilaster mit zum Teil vergoldeten, im unteren Teil des Schafts gefüllten Kanneluren und Kapitellen korinthischer Ordnung. Der Altar aus rotem toskanischen Marmor ("Rosso di Maremma") war zu Cosimos Zeit mit goldbestickten Tüchern, einer Statue des Christuskindes, einem Kruzifix, einer Kusstafel aus Elfenbein, einem Kelch aus Silber und mit Weihrauchgefäßen ausgestattet. Am wertvollsten war ein Reliquiengefäß aus Elfenbein, das Passions-Reliquien enthalten haben soll.

Fresken