Die Reiss-Engelhorn-Museen (Abkürzung in Eigenschreibweise: rem) sind ein in Mannheim ansässiger Museumsverbund, der mehrere dortige Museen, Kulturinstitute und Forschungseinrichtungen betreibt.Stadt Mannheim, Reiss-Engelhorn-Museen rem, abgerufen am 14. Dezember 2018. Sie sind ein kommunaler Eigenbetrieb der Stadt Mannheim.Alexander R. Klett, Kathrin Schlüter, Die Entwicklung des Urheberrechts seit Mitte 2016, in: Kommunikation und Recht, Bd. 20, Nr. 7/8, 2017, S. 447–453, hier S. 448; vgl. ausführlich LG Berlin, Urteil vom 31. Mai 2016, 15 O 428/15 = ZUM 2016, 766, 768. Die Reiss-Engelhorn-Museen werden umfassend durch die gemeinnützige rem gGmbH unterstützt, in der mehrere Stiftungen zur Förderung der Reiss-Engelhorn-Museen zusammengeschlossen sind.Reiss-Engelhorn-Museen, Die rem gGmbH, abgerufen am 14. Dezember 2018.
Geschichte Die Ursprünge der Sammlungsbestände der heutigen Reiss-Engelhorn-Museen liegen im 18. Jahrhundert in der Zeit der Wittelsbacher Kurfürsten Carl Philipp und Karl Theodor. Im 19. Jahrhundert wurden die Bestände des 1859 Mannheimer Altertumsvereins mit denen des großherzoglichen Antiquariums zu den vereinigten Altertumssammlungen zusammengeschlossen, die heute einen wichtigen Grundstock der Sammlungsbestände der Reiss-Engelhorn-Museen bilden.
Im Jahr 1905 eröffnete das Stadtgeschichtliche Museum. Das Zeughaus wurde seit 1908 vorrangig als Naturkundemuseum genutzt. 1926 eröffnete das Mannheimer Schlossmuseum. Alle kurfürstlichen, dann großherzoglichen und schließlich badischen Sammlungen wurden der Stadt Mannheim überlassen.
Der Mannheimer Unternehmer Carl Reiß (1843–1914) übertrug im Jahr 1913 im Einvernehmen mit seiner Schwester Anna Reiß testamentarisch sein gesamtes Vermögen der Stadt Mannheim zur Errichtung eines Reiß-Museums. Dieses konnte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau des Mannheimer Zeughauses im Jahr 1957 verwirklicht werden und trug fortan den Namen Reiß-Museum.Die Geschwister Reiß auf der Website der Reiss-Engelhorn-Museen. Der Industrielle Curt Engelhorn (1926–2016) gründete mit seiner Frau Heidemarie 2001 die Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen,Curt-Engelhorn-Stiftung für die Reiss-Engelhorn-Museen auf der Website der Reiss-Engelhorn-Museen die mit etwa 25 Mio. Euro das bisherige Reiß-Museum finanziell unterstützt. Daraufhin wurde das Museum in Reiss-Engelhorn-Museen umbenannt.Curt und Heidemarie Engelhorn auf der Website der Reiss-Engelhorn-Museen.
2014 wurde die rem gGmbH gegründet. Diese bündelt die Aktivitäten für die Curt-Engelhorn-Stiftung, die Bassermann-Kulturstiftung Mannheim sowie die Brombeeren-Stiftung und ist für einen Teil des operativen Geschäfts der Museen zuständig. Sie realisiert Sonderausstellungen, übernimmt die Koordination wissenschaftlicher Projekte und ist mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Museen betraut.Reiss-Engelhorn-Museen, Die rem gGmbH, abgerufen am 14. Dezember 2018. Im Jahr 2024 kam die J. J. Achenbach Stiftung hinzu, sie ist mit 7,5 Millionen Euro dotiert. Die J. J. Achenbach Stiftung ist weder in Rheinland-Pfalz, noch in Baden-Württemberg im Stiftungsverzeichnis als eigenständige Stiftung registriert, siehe bzw. Johann Jost Achenbach war Hochschullehrer an der Hochschule Mannheim und wohnte mit seiner Frau Susanne M. Edinger-Achenbach während dieser Zeit in Monsheim.
Die jährlichen Besucherzahlen der Reiss-Engelhorn-Museen schwanken seit Jahren zwischen 200.000 und 300.000. Im Jahr 2017 zählten die Museen 302.689 Besucher; im Jahr zuvor lag die Zahl bei rund 200.000 (2015: ca. 300.000, 2014: 201.660, 2013: 292.725).Zu 2017: Reiss-Engelhorn-Museen, Reiss-Engelhorn-Museen knacken erneut 300.000-Besuchermarke, in: Rheinneckarblog, 22. Januar 2018, abgerufen am 14. Dezember 2018; zu 2015–2016: Rhein Neckar Fernsehen, Mannheim: REM stellt Besucherbilanz vor, 27. Januar 2017, abgerufen am 14. Dezember 2018; zu 2014 sowie der Gesamtentwicklung: Carolin Beez, Kein Besucherrekord 2015, in: Rheinneckarblog, 7. Mai 2015, abgerufen am 14. Dezember 2018; zu 2013: Marchivum, Chronikstar: 30. Januar 2014, abgerufen am 14. Dezember 2018.
Direktoren 1949–1962: Ludwig W. Böhm 1963–1967: Gustaf Jacob 1968–1973: Herbert Meyer 1974–1990: Erich Gropengießer 1990–1998: Karin von Welck 1999–2020: Alfried Wieczorek, zugleich einer der Direktoren der rem gGmbH seit 1. Januar 2021: Wilfried Rosendahl
Einrichtungen Zu den von den Reiss-Engelhorn-Museen betriebenen Einrichtungen gehören folgende Museen und Forschungsstellen (in Klammern die jeweiligen Mannheimer Quadrate, in denen sich die Museen und Forschungsstellen befinden):
Museum Zeughaus Im Museum Zeughaus (C 5), einem architektonisch bedeutenden Bau des Frühklassizismus, zeigt die Ausstellung Glanz der Antike im Untergeschoss Exponate der Griechen, Etrusker und Römer. Im zweiten Obergeschoss des Museums Zeughaus ist die Ausstellung Belle Époque – Glanz und Taumel einer Epoche untergebracht. Im dritten Obergeschoss werden in der Ausstellung Kosmos Kunst Gemälde, Möbel, Gewänder, Frankenthaler Porzellan und Silberschmiedearbeiten aus der Zeitspanne vom 17. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts präsentiert. Ebenfalls dort untergebracht ist die Sammlung Theater- und Literaturgeschichte. Das Forum Internationale Photographie zeigt im vierten Obergeschoss regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen mit dem Schwerpunkt historische Fotografie.
Museum Weltkulturen mini|hochkant|Museum Weltkulturen mit der von Erwin Bechtold entworfenen Fassade. Architekt des Baus war Carlfried Mutschler Das Museum Weltkulturen (D 5), untergebracht in einem 1988 gegenüber dem Zeughaus errichteten modernen Bau, ist ein archäologisches und völkerkundliches Museum und präsentiert, im zweiten Obergeschoss die Ausstellung Ägypten - Land der Unsterblichkeit, im ersten Obergeschoss die Ausstellung - Versunkene Geschichte. Archäologie an Rhein und Neckar, im Erdgeschoss befinden sich wechselnde Sonderausstellungen sowie ein Auditorium. Die (überwiegend nicht ausgestellte) Abteilung Kulturen der Welt umfasst die völker- und naturkundlichen Bestände, deren Kern auf die Sammlungen des Kurfürsten Carl Theodor von der Pfalz zurückgeht. 1917 konnten durch den Ankauf der Sammlung des Malers Gabriel von Max die Bestände bedeutend erweitert werden. 1935 kamen bis dahin in Karlsruhe befindliche Bestände des badischen Staates hinzu.
Zur völkerkundlichen Sammlung gehören auch die besonders stark vertretenen afrikanischen und südpazifischen Kulturen. Ein wesentlicher Teil der Sammlung stammt aus der Bumiller-Sammlung, die 1920 von der Witwe des Militärs Theodor Bumiller, der für seine rassistische und hemmungslose Plünderung in Deutsch-Ostafrika bekannt ist, der Stadt Mannheim übergeben wurde. Diese Sammlung, die über 1000 Objekte umfasst, konzentriert sich auf die materielle Kultur der Massai, darunter Waffen, Schmuck und Alltagsgegenstände. Ein weiteres Beispiel für die umstrittene Herkunft der Bestände des Museums ist die Thorbecke-Sammlung. Franz Thorbecke brachte zahlreiche Objekte nach Deutschland, darunter Gesteinsproben, menschliche Überreste und ethnographische Aufzeichnungen. Aktuell verfügen die Reiss-Engelhorn-Museen über eine Sammlung mit 1789 Inventarnummern allein aus Kamerun.(Online).
Museum Bassermannhaus Im Museum Bassermannhaus für Musik und Kunst (C 4, 8) werden Ausstellungen zu Musik, Kunst und Kulturen der Welt gezeigt. Die musikgeschichtliche und völkerkundliche Ausstellung MusikWelten enthält zahlreiche europäische und außereuropäische Musikinstrumente.
Museum Schillerhaus Im Museum Schillerhaus (B 5, 7) dokumentiert eine multimediale Inszenierung das Leben Friedrich Schillers, der von Juli 1783 bis April 1785 in Mannheim lebte. Seine letzte dortige Wohnung befand sich vermutlich im benachbarten Hölzelschen Haus B 5, 8, das heute nicht mehr existiert.
Forum Internationale Photographie Das Forum Internationale Photographie (C 5) mit dem Œuvre des Fotografen Robert Häusser, einem Teil der Fotosammlung des Fotohistorikers und Sammlers Helmut Gernsheim und der Sammlung der Geschwister Anna, Wilhelm und Carl Reiß befindet sich im Museum Zeughaus.Forum Internationale Photographie. In: Website der Reiss-Engelhorn-Museen.
ZEPHYR – Raum für Fotografie ZEPHYR – Raum für Fotografie zeigt wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler, die mit den Medien Video und Fotografie arbeiten. Die Ausstellungsräume befinden sich im Museum Bassermannhaus im Quadrat C 4, wie der Name schon phonetisch aussagt.ZEPHYR-Webseite
Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie Das Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie (CEZA) (D 6) ist ein als gemeinnützige GmbH betriebenes Speziallabor für Archäometrie, das eng mit den Reiss-Engelhorn-Museen verbunden ist. Zu der seit 2006 bestehenden, von Ernst Pernicka geleiteten Forschungseinrichtung gehört ein Labor für Materialanalysen. Als Untersuchungsmethoden werden u. a. neben Datierungen mittels C14-Methode und Lumineszenz auch Materialanalysen mittels Isotopenanalytik angeboten.Website des Curt-Engelhorn-Zentrums Archäometrie.
Curt-Engelhorn-Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte Das Curt-Engelhorn-Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte (C 4) beherbergt mehrere Forschungsstellen. Zu diesen gehören gegenwärtig German Mummy Project, Steinzeit, Frühgeschichte und Archäologie und Kultur Ostasiens.Curt-Engelhorn-Zentrum für Kunst- und Kulturgeschichte. In: Website der Reiss-Engelhorn-Museen.
Peter & Traudl Engelhornhaus Im Januar 2023 wurde in C4,12 am Toulonplatz das Peter & Traudl Engelhornhaus eröffnet. Es beherbergt besondere Ausstellungen zur Foto- und Glaskunst. Traudl Engelhorn-Vechiatto hatte den Bau mit einer Spende von 10,5 Millionen Euro ermöglicht.
Kritik an Namensgebung Die Bundestagsabgeordnete Gökay Akbulut (Die Linke) forderte die Stadt Mannheim 2022 dazu auf, die Museen umzubenennen, weil sich der Namensgeber Curt Engelhorn durch „Tricksereien“ Steuerzahlungen in Milliardenhöhe erspart habe, womit auch der Stadt Mannheim erhebliche Einnahmen entgangen seien. Engelhorns Spende an das damalige Reiß-Museum sei im Vergleich dazu unbedeutend. Akbulut vertritt die Meinung, dass der Name „Engelhorn“ im Titel schlecht für das Image der Museen sei.Walter Serif: Als Patriarch Curt Engelhorn „Herrn Waigel“ ärgerte. In: Fränkische Nachrichten vom 25. Mai 2022.
Rechtliche Auseinandersetzungen mini|Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof am 31. Oktober 2018 mini|hochkant|Seit 2021 werden Vervielfältigungen gemeinfreier visueller Werke nicht mehr durch verwandte Schutzrechte geschützt. (§ 68Urhg)Damit dürfen Fotografien des Gemäldes Wagners von Cäsar Willich wieder online gezeigt werden.