Gehrden ist eine Ortschaft der Stadt Brakel im Kreis Höxter (Nordrhein-Westfalen). Bis 1975 war Gehrden eine Stadt im damaligen Kreis Warburg.

Geografie Ortslage Gehrden liegt 26 km Luftlinie südöstlich Paderborns und 10 km Luftlinie südlich der Kernstadt Brakel in dem zum Oberen Weserbergland gehörenden Oberwälder Land östlich des Eggekamms 170–180 m über dem Meer in geräumiger, windgeschützter und fruchtbarer lößbedeckter Mulde der Öse inmitten eines hügelig bewegten, auf den Kuppenhöhen bewaldeten Bauernlandes. Östlich des Ortes durchfließt die Nethe die Gehrdener Flur, parallel verläuft die Ostwestfalenstraße.

Nachbarorte Die Nachbarorte von Gehrden sind: Im Süden: Willebadessen-Niesen ca. 4 km, Willebadessen-Peckelsheim 7 km, Willebadessen-Fölsen ca. 4 km Im Westen: Willebadessen ca. 8 km, Willebadessen-Altenheerse ca. 5 km, Bad Driburg-Dringenberg ca. 6 km Im Norden: Brakel-Schmechten ca. 5 km, Brakel-Siddessen circa 2 km, Im Osten: Brakel-Frohnhausen ca. 6 km

Städte in der Nähe sind Brakel (etwa 10 km entfernt), Bad Driburg (etwa 14 km entfernt) und Borgentreich (etwa 16 km entfernt).

Geschichte

mini|Romanische Pfarrkirche von 1182

Mittelalter Der Ort wurde 868 erstmals als „Nortgardinum et Suithgardinum“ erwähnt und bestand damals aus den beiden Siedlungen Nordgehrden und Südgehrden, heute wüst, die schon zu Pfarreien erhoben und dem benachbarten Stift Heerse zehntpflichtig waren. Das 1134 von der Kirche zu Heerse in Iburg bei Driburg gegründete Benediktinerinnenkloster wurde 1142 nach Gehrden verlegt, nachdem Heinrich von Gehrden im selben Jahr sein gesamtes Gut in Gehrden und im benachbarten Siddessen für die Klostergründung gestiftet und Paderborner Bischof Bernhard I. von Oesede der Gründung vorab (schon vor 1138) zugestimmt hatte.Alfred Bruns: Art. Gehrden – Benediktinerinnen. In: Karl Hengst (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch, Band 1: Ahlen – Mülheim. Aschendorff, Münster 1992, S. 327–332, hier S. 328. Fortan werden die umliegenden Dörfer und Höfe im Schutz der mächtigen Klostermauern umgesiedelt.

Die 1180 fertiggestellte romanische Klosterkirche ist das einzige noch erhaltene Gebäude dieser Zeit, da die Klostergebäude im 17. Jahrhundert durch modernere Bauten ersetzt wurden. Die Kirche ist eine der wenigen Kreuzkirchen Deutschlands und in ihrem Turm läutet eines der ältesten Stiftsgeläute Westfalens. Aus der Zeit um 1200 stammt die Tür mit reichem Eisenbeschlag im Nordportal der Kirche.

1319 erhielt Gehrden die Stadtrechte. Die Stadtsiedlung lehnte sich an die Nordseite des Klosters an, der Hauptstraßenzug verlief in west-östlicher Richtung. Außer einigen Spuren war von der Stadtbefestigung bereits 1803 nichts mehr vorhanden.

1456 war Gehrden Versammlungsort der Paderborner Landstände.

Neuzeit Bis zur Auflösung des Hochstifts Paderborn unterstand die Stadt der Gerichtsbarkeit des Rentamts Dringenberg im Oberamt Dringenberg.

1810 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Graf Bocholtz-Asseburg zu Niesen, der Zeremonienmeister von Jérôme Bonaparte, ließ es teilweise abreißen und zu einem Schloss umbauen. Das Gebäude wechselte daraufhin mehrmals den Besitzer und war ab 1965 im Besitz des Familienerholungswerks des Erzbistums Paderborn. Heute beherbergt es, nach einem Umbau und Renovierung in den Jahren 2007/2008, ein Hotel.

Napoleon bildete 1807 das Königreich Westphalen und teilte es in Departments ein. Die Hauptstadt wurde Kassel. Gehrden erhielt eine Mairie (Kantonsbürgermeister). Der Kanton Gehrden umfasste neben der Stadt Gehrden die Dörfer Auenhausen, Fölsen, Frohnhausen, Hampenhausen, Massenhausen, Natingen, Niesen, Rheder, Schmechten und Siddessen. Mit der Gründung des Kreises Warburg 1816 wurde Gehrden Verwaltungssitz des Amtes Gehrden, das 1856 mit dem Amt Dringenberg zum Amt Dringenberg-Gehrden vereinigt wurde.

1832 wurde das Dekanat Gehrden eingerichtet, welches bis 1976 bestand. Nach Auflösung des Kreises Warburg und des Amtes Dringenberg-Gehrden durch das Sauerland/Paderborn-Gesetz mit Wirkung vom 1. Januar 1975 wurde die Stadt Gehrden in die Stadt Brakel eingegliedert.

Gehrden hat 832 Einwohner (Stand Dezember 2022).http://www.brakel.de/Stadt/Portrait/Ortschaften/Gehrden

Wappen

Banner 60px Banner: „Das Banner ist gespalten von Blau und Weiß mit dem Wappen oberhalb der Mitte.“

Historische Einwohnerzahlen Jahr Einwohner 1818 (31. Dez.) 745 1858 (31. Dez.) 958 1871 (31. Dez.) 796 1895 (31. Dez.) 752 1950 (31. Dez.) 1032 1961 (6. Juni) 821 1970 (27. Mai) 918 1974 (30. Juni) 915 1985 (31. Dez.) 1084 2015 (31. Dez.) 939 2020 (31. Dez.) 828

Auszeichnungen Landessilberdorf 1995 Landesgolddorf 1997 Bundesgolddorf 1998 Staatlich anerkannter Erholungsort 2006

Gehrdener Kreuztracht Gehrden ist weithin bekannt durch die „Gehrdener Kreuztracht“, die alljährliche Prozession und Verehrung des heiligen Kreuzes am Karfreitag.Georg Wagner: „Vermehr’ den Frommen Gottes Gnade“. Kreuztracht in Gehrden – Geschichte, Gestalt und Sinn einer westfälischen Karfreitagsprozession. In: Die Warte, Jg. 33 (1982), S. 3–6. Möglicherweise hatten schon die Benediktinerinnen die Tradition der Kreuztracht am Karfreitag begründet.Alfred Bruns: Art. Gehrden – Benediktinerinnen. In: Karl Hengst (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch, Band 1: Ahlen – Mülheim. Aschendorff, Münster 1992, S. 327–332, hier S. 329.

Erdbeben Zwei Erdbeben in der Mitte des 18. Jahrhunderts erschütterten das Hochstift Paderborn. Dass diese beiden Beben in Erinnerung geblieben sind, verdanken wir unter anderem den Einträgen im Kirchenbuch Gehrden von Vikar (Sacellan) P. Gregorius Waldeyer, OSB. Über das zweite große Beben vom 18. Januar 1766 berichtet er als Pfarrer von Gehrden, die starke Erschütterung habe etwa ein Vaterunser lang gedauert.

Das Erdbeben vom 19. Februar 1756, das wie auch das folgende, keine größeren Schäden anrichtete oder Menschenleben kostete, wurde als Vorahnung für den Siebenjährigen Krieg gedeutet, der im Hochstift verbreitet große Not und viel Leid mit sich brachte. Das zweite Beben wurde als Aufruf zur Buße gedeutet, denn es brachte auch das Ende einer halbjährigen Trockenheit nach einem sehr guten Erntejahr. Fürstbischof Wilhelm Anton von der Asseburg rief landesweit zu Dankgottesdiensten auf für den 8. Februar 1766.

Dass die Ursache für Erdbeben in der Plattenbildung der Erdkruste angelegt ist, wusste man damals noch nicht. Und dass die tektonische Struktur des Eggegebirges eigentlich eine erdbebengefährdete Zone ist, auch nicht. Zum Glück zählt Ostwestfalen-Lippe zu den erdbebenarmen Gebieten.Hans-Jürgen Rade: Reaktionen auf die Erdbeben von 1756 und 1767 im Hochstift Paderborn und in den angrenzenden Ländern. In: Die Warte 175–2017, S. 8–14

Wirtschaft Gehrden ist ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf. Dennoch haben sich im Gewerbegebiet östlich von Gehrden einige handwerkliche Betriebe niedergelassen.

Tourismus Das Feriendorf und das Schloss in Gehrden machen im gesamten Stadtgebiet Brakel die Mehrheit der Übernachtungen aus. Seit 2006 ist Gehrden zudem ein staatlich anerkannter Erholungsort. Das Familienerholungswerk im Schloss hat 2011 Insolvenzantrag gestellt. Nach Umbau und Renovierung 2007/2008 ist es heute ein Hotel.

Sehenswürdigkeiten mini|Ehemaliges Rathaus der Stadt Gehrden von 1733 Romanische Klosterkirche St. Peter und Paul mit dem größten historischen Glockengeläut Westfalens Ehemaliges Benediktinerinnenkloster und Schloss Gehrden Ehemaliges Rathaus im Fachwerkstil von 1733 (mit Trauzimmer) Ländliche Fachwerkhäuser Barocke Katharinenkapelle von 1668 Ehemalige Klostermühle aus dem 17. Jahrhundert Zwölf-Apostel-Linde (eine etwa 500 Jahre alte Winter-Linde mit 9,76 m Stammumfang) Gewässerlehrpfad Obstbaumlehrpfad und Hudewiesen Waldbaumlehrpfad am Wolfsberg Gut Charlottenhof

Persönlichkeiten Georg Joseph Bessen (1781–1838), Gymnasiallehrer in Paderborn, Autor der Geschichte des Bisthums Paderborn Josef Menke (1899–1975), Käufer des Guts Charlottenhof, ehemaliges Mitglied des Deutschen Bundestages Heinrich Happe (1886–1970), Landrat des Kreises Warburg, geboren in Gehrden

Literatur Georg Wagner: Kreuztracht in Gehrden. Untersuchung zu Geschichte, Gestalt und Sinn einer westfälischen Karfreitagsprozession. In: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde, Jg. 28 (1983), S. 133–142. Diether Pöppel: Gehrden: Benediktinerinnenkloster/Schloß – Kirche – „Stadt“ im Wandel der Jahrhunderte. Bonifatius-Druckerei, Paderborn 1988.

Weblinks

Stadtteil Gehrden Schloss Gehrden

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Kreis Höxter Kategorie:Stadtbezirk von Brakel Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Höxter) Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Gemeindeauflösung 1975 Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1319