mini|280px|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2010 Castasegna (; lombardisch Castascegna; deutsch veraltet Castasengen) ist ein Dorf in der politischen Gemeinde Bregaglia im italienischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Graubünden.

Geographie Das Dorf liegt auf einer Höhe von 690 m ü. M. an der Grenze gegen Italien an der Strasse Samedan–Maloja–Chiavenna am rechten Ufer der Maira und an der Einmündung des Lovero und des Baches des Val Casnaggina in diese; 9,7 km östlich von Chiavenna. Castasegna liegt unmittelbar an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz und ist damit das tiefstgelegene Dorf des bündnerischen Teils des Bergell. Das Strassen- und Zolldorf mit südländischer Vegetation liegt zwei Monate im Winterschatten.

Geschichte Neben einem Schalenstein oberhalb von Caslacc wurden etruskische und römische Einzelfunde gemacht. Erstmals erwähnt wird das Dorf im Jahre 1374 unter dem damaligen Namen Castexegnia. Burg und Dorf könnten römischen oder fränkischen Ursprungs sein; vielleicht entstanden sie zum Schutz der Strasse über den Septimer.

Der Loverobach begrenzte das mittelalterliche Hoheitsgebiet des Bischofs von Chur nach Süden. Im Spätmittelalter stand Castasegna unter Lehensherrschaft der von Salis und bildete mit Soglio und Bondo die Gemeinde Unterporta. 1526 wurde Castasegna selbstständiges Glied des Halbgerichts Unterporta. Zusammen mit Soglio bildete es die Nachbarschaft Commune di qua dell’acqua (Gemeinde diesseits des Wassers) und zusammen mit der Commune di là dell’acqua (Gemeinde jenseits des Wassers) in Bondo die Gemeinde Unterporta. 1553 wurde diese Verbindung aufgehoben.

Kirchlich gehörte Castasegna ursprünglich zur Grosspfarrei Nossa Donna in Promontogno. Die 1409 erwähnte Kapelle S. Gian (Johannes Baptist) wurde im Spätmittelalter als Kuratie von Soglio aus betreut. Nach dem Übertritt zur Reformation 1552 erhielt Castasegna 1553 einen eigenen Prediger, 1664 eine eigene Kirche S. Trinità. Bei Castasegna stand einst der grösste Kastanienwald Europas.

Heute lebt das lokale Gewerbe von den Vorzügen des Zollorts. Wichtig ist auch das Kraftwerk Castasegna des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich. 2000 lag der italienische Sprachanteil bei 81 Prozent, der deutsche bei 16 Prozent. Castasegna leidet unter Abwanderung. Eine Dorfumfahrung entlastet seit 1999 das Dorf vom Durchgangsverkehr.Galerie Castasegna. Auf der Webseite des Projektverfassers Fanzun AG, abgerufen am 8. September 2025.

Bis Ende 2009 war Castasegna eine eigene politische Gemeinde im damaligen Kreis Bregaglia (Bergell) im Bezirk Maloja. Auf den 1. Januar 2010 fusionierten alle Gemeinden des Bergell (d. h. Bondo, Castasegna, Soglio, Stampa und Vicosoprano) zur neuen Gemeinde Bregaglia.

Wappen

Bevölkerung mini|x230px|Pergola + Bevölkerungsentwicklung Jahr 1850 1900 1910 1950 1980 1990 2000 2005 2008 Einwohner 207 239 261 197 174 176 190 187 191

Sprachen In Castasegna spricht man traditionell eine lombardische Mundart. Seit dem frühen 20. Jahrhundert gibt es eine deutschsprachige Minderheit. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt untenstehende Tabelle:

+ Sprachen in Castasegna GR Sprachen Volkszählung 1980 Volkszählung 1990 Volkszählung 2000 Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl AnteilDeutsch 44 25,29 % 41 23,30 % 30 15,79 %Rätoromanisch 14 8,05 % 9 5,11 % 6 3,16 %Italienisch 115 66,09 % 126 71,59 % 152 80,00 %Einwohner 174 100 % 176 100 % 190 100 %

Religionen und Konfessionen 1552 traten die Bewohner zum protestantischen Glauben über.

Herkunft und Nationalität Von den Ende 2005 187 Bewohnern waren 178 (= 95 %) Schweizer Staatsangehörige.

Wirtschaft Ein Arbeitgeber ist die 1979 gegründete Soglio Produkte AG, die naturnahe Körperpflegemittel herstellt und vertreibt. Seit 1986 ist der Betrieb in Castasegna im ehemaligen Hotel «Croce Bianca» untergebracht.

Kulturlandschaft Bei Castasegna liegt der Brentan, der grösste Edelkastanienwald Europas. Das Klima ist eher südländisch.

Sehenswürdigkeiten

mini|Villa Garbald Die reformierten Dorfkirchen Santa Trinità und San Giovanni stehen unter kantonalem Denkmalschutz Die «Villa Garbald» mit Pergola und Gartenanlage, die der Zolleinnehmer Agostino Garbald (1828–1909) für sich und seine Frau Johanna Garbald-Gredig 1862 von Gottfried Semper entwerfen liess.René Hornung Vom guten Geist des Denklabors: der einzige Semper-Bau südlich der Alpen ist noch nicht lange bekannt. Die Karriere der 150-jährigen Villa Garbald, Hochparterre: Zeitschrift für Architektur und Design Band 25 (2012), Heft 6: Kastanien, Granit und Palazzi, S. 34 Es ist das einzige Gebäude Sempers südlich der Alpen. 2004 wurde die Villa von den Architekten Quintus Miller und Paola Maranta restauriert. Oberhalb der Villa steht der preisgekrönte Wohnturm «Roccolo» aus dem Jahr 2004 von Miller & Maranta.Villa Garbald auf garbald.ch Zwischen 1877 und 1879 erbaute der venezianische Architekt Giovanni Sottovia das Schulhaus und das Rathaus von Castasegna. Zuvor hatte er im Puschlav die Palazzi in Poschiavo und in Promontogno das Hotel Bregaglia gebaut. Die Angestelltensiedlung der Bergeller Kraftwerke des Architekten Bruno Giacometti Hausruine CasnàccHausruine Casnàcc (Foto) auf garbald.ch mini|170px|Villa und Roccolo mini|170px|Roccolo

Öffentlicher Verkehr Castasegna wird von der Engadiner Buslinie 4 bedient. Konzessionär ist Postauto Schweiz.

Persönlichkeiten Petrus Domenicus Rosius à Porta (1734–1806), reformierter Pfarrer in Castasegna 1771–1781 und Kirchenhistoriker Silvia Andrea (1840–1935), Schriftstellerin und Übersetzerin Andrea Garbald (* 1877 in Castasegna; † 1958 ebenda), Fotograf Walther Kauer (* 1935 in Bern; † 27. April 1987 in Murten), Schriftsteller

Literatur

Sonja Hildebrand (Hg.): Villa Garbald. Gottfried Semper – Miller & Maranta. Vorworte von Vreni Müller-Hemmi und Quintus Miller. Beiträge von Annemarie Bucher, Rino Fontana, Sonja Hildebrand, Werner Oechslin, Jürg Ragettli, Martin Tschanz, Stefanie Wettstein, John Ziesemer. Fotografien von Ruedi Walti. 2., überarbeitete, erweiterte und aktualisierte Auflage Zürich 2015, ISBN 978-3-85676-345-9. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 538–540. Erwin Poeschel: Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Band V. Die Täler am Vorderrhein, II. Teil. Die Talschaften Schams, Rheinwald, Avers, Münstertal, Bergell (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 14). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1943, ISBN 978-3-906131-20-7. Tomaso Semadeni: Castasegna. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 2: Brusino – Caux. Attinger, Neuenburg 1921, S. 508 (Digitalisat).

Weblinks

Webauftritt der Gemeinde Bregaglia (italienisch), abgerufen am 1. März 2022 (interaktive Karte und digitalisierte Dokumente, die einen direkten Bezug zur Schweiz haben und geografisch mit einem bestimmten Ort verbunden sind; deutsch), abgerufen am 1. März 2022 Castasegna auf Bregaglia Engadin Turismo (deutsch, englisch, italienisch), abgerufen am 1. März 2022

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Bergell Kategorie:Ehemalige politische Gemeinde in der Schweiz Kategorie:Ortsbild von nationaler Bedeutung im Kanton Graubünden Kategorie:Geographie (Bregaglia) Kategorie:Ersterwähnung 1374 Kategorie:Gemeindeauflösung 2009 Kategorie:Kultur (Bregaglia)