mini|Zur Bestattung vorbereitete, in Nordamerika verbreitete Erdgruft

Ein Grab ist die Stelle, an der ein Leichnam begraben wird. Auf Gräber bezieht sich auch der Totenkult von Kulturen. Meistens liegen Gräber auf Friedhöfen oder Gräberfeldern.

Begriffe mini|Geschmücktes Grab nach einer Sargbestattung mini|Die Grabkapelle auf dem Württemberg in Stuttgart-Rotenberg für Königin Katharina Pawlowna

Gruft Wird für die gemauerten oder ummauerten ober- oder unterirdischen Gräber genutzt. Im eigentlichen Sinne ist Gruft jeglicher für ein Begräbnis benutzter Raum. Mausoleen und Grabkapellen sind größere Grabstätten mit einer besonderen Ausstattung oder Bedeutung des Bestatteten. Im weiteren Sinne bezeichnet Grablege eine Anlage mit mehreren Gräbern einer Adelsfamilie, zumeist im Chor oder der Krypta einer Kirche.In Nordamerika ist es, vor allem um ein Einsinken des die Gräber überdeckenden Rasens zu verhindern, verbreitet oder gefordert, Särge in einzelne Überbehältnisse aus Beton, Stahl oder Kunststoff hinabzulassen oder Überdeckungen darüber zu stülpen.

Pyramiden Sind eine besondere Form von Grabstätten. Die Form der Pyramide fand auch in jüngerer Zeit Nachahmer. Beispielhaft steht hier die Erdpyramide, die Fürst von Pückler für seine Gattin errichten ließ. Zu nennen sind als Grabstätten, wohl für Stammesfürsten, die steinzeitlichen Hünengräber in Norddeutschland.

Grabmal Dies ist ein auf einer Grabstätte errichtetes besonderes Erinnerungszeichen, oft eines von künstlerisch gestalteter Form. Als Erinnerungszeichen ist auf den Friedhöfen im deutschsprachigen Raum meist ein Grabstein oder auch ein Holzkreuz gesetzt. Oft ist ein Grab mit Blumenschmuck oder Bepflanzung geschmückt. Das oft zu sehende Grablicht beruht auf der Tradition des Ewiges Lichts.

Grabstätte Zur Stätte gehört neben dem Grab auch eine gewisse Umgebung, so die Grabinschrift als Epitaph oder Totenschilde (Ehrentafeln Verstorbener in Kirchen). Die Grabstätte ist der Platz der Trauer nahe dem Verstorbenen; abhängig von der Bestattungsform fällt sie unterschiedlich aus. Deutsche Friedhofsordnungen unterscheiden vor allem, ob es sich um ein Einzelgrab beziehungsweise ein mehrstelliges Grab handelt. Je nach der Auswahl unterscheiden sich Wahlgrab, Reihengrab oder anonyme Grabstätte. Das anonyme Grab obliegt meist einer Begräbnisgemeinschaft; den Angehörigen ist eine Friedhofsfläche, dennoch (korrekterweise) nicht die genaue Lage der Grabstelle bekannt. Gedenksteine werden (wenn, dann) für die gesamte Gemeinschaft aufgestellt, die Daten der anonymen Bestattungen sind nicht aufgeführt. Eine neuere Entwicklung ist die halbanonyme Grabanlage.

Einzelgrab Der Begriff steht für ein Grab, das nicht auf Feldern oder Kirchhöfen mit weiteren Gräbern vergesellschaftet ist. Manche Persönlichkeiten lassen sich abseits bestatten oder es liegt eine gesonderte Veranlassung vor, die den vereinzelten Grabort bedingt.

Geschichte Schon die frühen Menschen haben ihre Toten in verschiedener Form gewürdigt. Die Bestattungskultur und auch die damalige Grabmalgestaltung (→ Sepulkralkultur) sind Quellen zu vergangenen Kulturen. Teilweise sind Gräber die besten und vielfältigsten Zeugnisse alter Kulturen. So wurden sie zum wichtigen Gegenstand der archäologischen Forschung. Der Beginn von Bestattungsbelegen findet sich schon in der Kulturschicht der Neandertaler. Zunächst diente wohl eine Erdgrube zur Lagerung der sterblichen Überreste. Mesolithische Bestattungen wurden auch in Muschelabfallhaufen (Køkkenmøddinger) vorgenommen.

Ein Grab ist die geschlossene, unterirdische, teilweise auch unterseeische Stätte oder der Hohlraum, der teilweise mit weiteren gleichen Objekten als Gräberfeld oder als Friedhof angelegt ist. Als Ruhestätte für tote Körper, für Knochen in Ossarien oder für Totenasche in Urnen sind sie oberirdisch meist markiert. Ihre Ausgestaltung kann dabei sehr unterschiedlich sein. Die verbliebenen Überreste der Toten können unterirdisch, aber auch oberirdisch gelagert sein. Soweit der ganze Körper vorhanden ist, erfolgte die Lagerung auch in geordneter Ausrichtung. Tote wurden auch in kulturabhängigen Bedingungen gelagert, Stammesfürsten wurden in edlerer Umgebung aufbewahrt, bei seefahrenden Völkern dienten die Boote der Aufbewahrung. Manche Kulturen legten Verstorbenen Nutz- oder Wertgegenstände ins Grab. Darum wurden viele Gräber von Grabräubern geöffnet und geleert.

Manche Kulturen der Vorzeit legten Männer- und Frauengräber räumlich getrennt an. Die Bestattungen erfolgen einzeln oder kollektiv. Die Cillin genannten Friedhöfe in Irland blieben ungetauft verstorbenen Kindern vorbehalten.

Höhlen Zu den ältesten Plätzen, an denen menschliche Skelette gefunden wurden, zählen Höhlen. Der Begriff Höhlengräber (als älteste gilt die 60.000 Jahre alte Kebara-Höhle, Israel) ist jedoch in Bezug auf eine echte Grablege falsch, da nur wenige Plätze dafür genutzt wurden. Später dienten auch künstlich geschaffene (artifizielle) Höhlen als Bewahrungsort für menschliche Überreste, die in vielen Fällen jedoch geopfert waren. Felsengräber Hypogäen Katakomben Mastabas.

In Myra (Lykien) und Fethiye (in der heutigen Türkei) finden sich noch historische Felsengräber aus lykischer Zeit.

Abgrenzung

mini|Felsengräber in Myra Nicht jeder tote Körper gehört zu einem an natürlichen Ursachen Verstorbenen. So wurden Menschenopfer in Höhlen, Kultbauten, Megalithgräbern, Erdwerksgräben oder in Tempeln und Mooren abgelegt. Deren Knochen fanden sich zumeist weder im anatomischen oder Individualverband, noch gehörten sie zu kompletten Skeletten (Schädelseparation). In nordischen Megalithanlagen aus der Zeit der Trichterbecherkultur wurde kein Leichnam vollständig bestattet, vielmehr sind dort exkarniert eingebrachte Knochen die Regel. Bei der nachfolgenden Kultur der Schnurkeramiker sind Skelette, die in steingefassten Anlagen gefunden werden, vollständiger, aber nicht selten zerteilt. In multikulturell nachgenutzten Totenhütten gibt das Nebeneinander von Knochenhaufen und Skelettteilen im anatomischen Verband zu widerstreitenden Deutungen Anlass. Die Summe der Geopferten übersteigt aber in keiner Kultur die Drei-Prozent-Marke. Auch scheinbar reguläre Bestattungen von Tieren (Rinderopfer) verweisen darauf, dass bestattungsartige Niederlegungen durchaus Opfercharakter haben können.

Arten von Grabstätten mini|Vorbereitet für Sargbestattung in Erde Die deutschen Friedhofssatzungen unterscheiden verschiedene Arten von Grabstätten, und zwar nach der Anzahl der Grabstellen (Einzelgrabstätten, Familiengrabstätten), nach der Art der Bestattungsform (Urnengrabstätten, Erdgrabstätten, Grabkammersysteme aus Beton, Sondergrabstätten) sowie nach der Art des Bestattungszieles (Wahlgräber, Reihengräber, anonyme Grabstätten). Wahlgrab Ein Wahlgrab wird direkt ausgewählt und bietet ausführlichere Gestaltungsmöglichkeiten. Wahlgräber sind Grabstellen, die auf vorgegebenen Flächen (beispielsweise das Friedhofsgelände) frei ausgewählt werden können. Ein Vorteil dieser Grabart ist die Möglichkeit, das Grabnutzungsrecht nach Ablauf der Ruhezeit zu verlängern. Dies ist besonders in den Fällen von Wichtigkeit, in denen Gräber als Familiengrab genutzt werden sollen. Wahlgräber sind im Vergleich zu Reihengräbern und anonymen Gräbern relativ teuer. Die Kosten variieren von Kommune zu Kommune stark und sind etwa seit dem Jahr 2000 stark gestiegen.

Reihengrab Das Reihengrab wird vom Friedhofsträger nebeneinander in zeitlicher Reihenfolge „der Reihe nach“ vergeben.Beckmann, Anett: Mentalitätsgeschichte und ästhetische Untersuchungen der Grabmalplastik des Karlsruher Hauptfriedhofes. Kit Scientific Publishing, 2006. ISBN 3-86644-032-4 Es besteht keine Einflussnahme auf die genaue Lage der Grabstelle. Reihengräber sind Einzelgräber. Nach Ablauf der Ruhezeit können diese Gräber in der Regel nicht verlängert werden, sondern werden eingeebnet und neu vergeben. Eine Nutzung über mehrere Generationen hinweg ist daher nicht möglich. Auch die Gestaltungsmöglichkeiten sind durch die Friedhofsordnung bei Reihengräbern meist stärker eingeschränkt. Häufig ist die Grabfläche bei Reihengräbern zudem kleiner als die von Wahlgräbern. Die Praxis des Reihengrabes entstammt den Reformbestrebungen im späten 18. Jahrhundert, wonach man um Gleichheit im Tod bemüht war.Barbara Happe: Ordnung und Hygiene. Friedhöfe in der Aufklärung und die Kommunalisierung des Friedhofswesens. In: Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Museum für Sepulkralkultur: Raum für Tote. Braunschweig 2003, ISBN 3-87815-174-8, S. 98.

Anonymes Grab

Das anonyme Grab ähnelt einem Gemeinschaftsgrab, wobei für mehrere Bestattungen eine größere Fläche zur Verfügung steht. Dennoch ist (korrekterweise) nicht die genaue Lage der Grabstelle bekannt. Gedenksteine werden (wenn, dann) für die gesamte Gemeinschaft aufgestellt, die Daten der anonymen Bestattungen sind nicht aufgeführt. Eine neuere Entwicklung ist die halbanonyme Grabanlage. Anonyme Grabfelder sind in der Regel für die Beisetzung von Urnen vorgesehen. Die Bestattung erfolgt auch ohne Beisein von Angehörigen. Die genaue Lage der individuellen Grabstelle ist nicht gekennzeichnet. In Urnengemeinschaftsanlagen kann ein zentraler Gedenkstein oder eine Tafel aufgestellt werden. Mitunter werden die Namen aller beigesetzten Menschen aufgenommen. Eine namentliche Kennzeichnung der einzelnen Urnenstellen besteht nicht. In halbanonymen Anlagen ist die Lage der Grabstelle einem gemeinsamen Gedenkstein räumlich zugeordnet. Die mehrere Jahre notwendigen Pflegekosten bleiben bei kollektiven Bestattungen in der Regel vergleichsweise niedrig, da die Gemeinschaftsfelder zentral vom Friedhofsträger betreut werden.Barbara Happe: Vom zeichenlosen Rasenfeld zur zeichenhaften Gemeinschaftsanlage. In: Grabkultur in Deutschland. Berlin 2009, ISBN 978-3-496-02824-6, S. 215–228. Eine individuelle Gestaltung ist daher jedoch ausgeschlossen.

Aufnahme von Urnen mini|Urnengräber Urnen können über und unter der Erde bestattet werden. Die Beisetzung einer Urne im Erdgrab ist sowohl in einem Einzel- aber auch in einem Gemeinschaftsgrab möglich. Anonyme Urnenbeisetzungen werden oft in einer Rasenfläche vorgenommen. Die oberirdische Bestattung ist in verschiedenen Varianten möglich. In einem Kolumbarium und in der Urnenstele wird die Urne in einer Wandnische beigesetzt, die daraufhin verschlossen wird.

Sargbestattung In vergangenen Zeiten wurden Verstorbene wohlhabender Familien in der oberirdischen Gruft bestattet. Heute wird diese Beisetzungsform allerdings nur sehr selten praktiziert. Die Bestattung eines Leichnams im Sarg ist heute in unterirdischen Gräbern üblich. Ein Sarg kann dabei in einem Einzel- oder einem Familiengrab beigesetzt werden. Dabei ist die Auswahl zwischen Wahlgrab und Reihengrab möglich. In anonymen Gräbern können in der Regel nur Urnen beigesetzt werden. Bis ins 18. Jahrhundert wurden Angehörige der ärmeren Bevölkerung vielfach in wiederverwendbaren Gemeindesärgen beigesetzt, die meist einen ausklappbaren Boden besaßen. Formal entsprachen ihnen die in Zeiten erhöhter Mortalität verwendeten Pestsärge.Stefan Hess: Der sogenannte Pestsarg von Mandach – ein aufschlussreiches Zeugnis frühneuzeitlicher Sepulkralkultur. In: Argovia 125 (2013), S. 124–133.

Erdgräber Erdgräber (archäologisch: Flachgräber) sind zunächst nur als Körpergräber, später auch als Brandgräber gefunden worden. Das älteste erhaltene Grab (Qafzeh, Israel) ist etwa 100.000 Jahre alt. Die Blickrichtung der Bestatteten in frühen Kulturen ist in der Regel einheitlich nach einer Himmelsrichtung orientiert.