Wünsdorf ist ein OrtsteilErwähnung als Ortsteil von Zossen im Kommunalverzeichnis Brandenburg, abgerufen am 20. April 2026 der Stadt Zossen im Landkreis Teltow-Fläming im Land Brandenburg. Im März 2023 hatte er 9200 Einwohner (5070 davon männlich und 4129 weiblich). Der Ort selbst hat eine Fläche von 13,8 km², mit den Gemeindeteilen 72,92 km².
Geografische Lage Der Ort liegt etwa 40 Kilometer südlich von Berlin an der Bundesstraße 96. Zu Wünsdorf gehören die Gemeindeteile Neuhof und Waldstadt. Wünsdorf befindet sich am südwestlichen Rand der Wünsdorfer Platte. Der Große Wünsdorfer See und der kleine Wünsdorfer See gehören zu einer Seenkette in der Töpchiner Talung, einer glazialen Rinne der Weichsel-Kaltzeit.Olaf Juschus: Das Jungmoränenland südlich von Berlin – Untersuchungen zur jungquartären Landschaftsentwicklung zwischen Unterspreewald und Nuthe. (= Berliner Geographische Arbeiten. 95). Dissertation, Humboldt-Universität Berlin, 2001. Berlin 2003, ISBN 3-9806807-2-X, S. 2. Siehe Abbildung 2: Platten und Urstromtalungen im Jungmoränenland südlich Berlins. (edoc.hu-berlin.de)
Politik Wappen Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.
Eingemeindungen 1957 wurde der Wohnplatz Gutsbezirk Zehrensdorf zu Wünsdorf eingemeindet. 1970 wurde Neu-Wünsdorf Ortsteil von Wünsdorf. Neuhof gehört seit dem 1. April 1974 zu Wünsdorf.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt. Am 27. September 1998 wurde Waldstadt eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1997 Die Gemeinde Waldstadt war am 16. Februar 1996 auf der Fläche des bis dahin gemeindefreien militärisch genutzten Gebiets gegründet worden.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1996 Am 26. Oktober 2003 wurde Wünsdorf nach Zossen eingemeindet.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
Geschichte Von der Ersterwähnung bis zum Bau des ersten Truppenübungsplatzes mini|Kirche Wünsdorf „Wünsdorf“ scheint slawischen Ursprungs zu sein, da die Silbe „wun“ oder „wyn“ Wasser bedeutet. Der Bezug zu einer Ansiedlung am Wasser ist durch den See gegeben.Gerhard Kaiser, Bernd Herrmann: Vom Sperrgebiet zur Waldstadt (= Die Geschichte der geheimen Kommandozentralen in Wünsdorf und Umgebung). Ch. Links Verlag, 2007, ISBN 978-3-86153-434-1, S. 35.
An den Ufern des Fließes, welcher die beiden Seen verbindet, entstanden Nächst-Wünsdorf und Fern-Wünsdorf als Zwillingsdörfer „in den beyden dorffern wonsdorff“ (1501).Gerhard Schlimpert: Die Ortsnamen des Teltow (= Brandenburgisches Namenbuch. Band 3; = Berliner Beitrage zur Namenforschung. Band 3). Bohlau, Weimar 1972, S. 206. Der Name des Dorfes Nächst-Wünsdorf wandelte sich von Wustdorf, Wusttorf (1346) zu Nestwunstorff und Negst Wunsdorff (1583).Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam. Band 13, H. Böhlaus Nachf., Weimar 1976, S. 355. Das Dorf Fern-Wünsdorf findet sich erstmals urkundlich „uff dem Gerichte thu ferren Wunstorf“ im Jahre 1430.Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Teil 1, Band 24, 1863, S. 421.
Im Jahre 1545 erfolgte eine Amtsdesignation. Danach gehörten beide Dörfer zur deutschsprachigen Seite der ehemaligen Herrschaft Zossen, beide mit einer Feldmark von 13 Hufen, 12 Hüfner mit dem Schulzen, 4 Kossäthen und Fischereigerechtigkeit.
Nächst-Wünsdorf hatte bereits 1583 eine Filialkirche von Zossen, zu welcher Fern-Wünsdorf eingepfarrt war, beide Dörfer gehörten zum Domänenamt Zossen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Dörfer beinahe wüst. Der erste namentlich bekannte Pfarrer, Andreas Hansche, wirkte von 1631 bis 1639. Der Landreiter berichtete 1652, in Nächst-Wünsdorf gäbe es noch acht alteingesessene Bauern (Jochim Brößigk, Hanß und Adam Balcke, Christoff Fischer, Martin Theylicke, Michel Otto und Hanß Theyle; aus Jachzenbrück Gurge Schmolle) und zwei zugezogene Kossäten (Michel Zusche und Michel Boldenick) und in Fern-Wünsdorf zwei altansässige Bauern (Bartell Balcke und Andreaß Schultze), von auswärts den Vizeschulzen Jacob Lieben, den Bauern Hanß Müller und drei Kossäten (Andreaß Henicke, Adam und Gurge Zusch).Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter und Dörfer in derselben. Band 1, Selbstverlag, 1857, S. 143. Erst um 1655 konnten die leer stehenden zwölf Bauernhöfe wieder besetzt werden. Nächst-Wünsdorf erhielt um 1662 eine neue Fachwerkkirche – die alte war durch den Krieg schwer geschädigt –, jedoch musste sie 1743 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. In Nächst-Wünsdorf gab es einen Krug und außerhalb des Dorfes eine Schmiede. Zu Weihnachten 1744 wurde die neue Kirche, ein Rechteckbau mit eingezogenem Rechteckchor, eingeweiht.
Im folgenden Jahrzehnt siedelten in Nächst-Wünsdorf der Prediger und der Schulmeister, ein Lehnschulze mit zwei Hufen und Bürgeracker, elf Einhüfner, zwei Kossäten (einer der Braukrüger), ein Halbkossäte, ein Viertelkossäte, zwei Büdner, ein Schmied, ein Hirte, zwei Paare und zwei einzelne Einlieger. In Fern-Wünsdorf lebten der Lehnschulze auf zwei freien Hufen, elf Einhüfner, zwei Ganzkossäten mit etwas Acker, ein Halbkossät, zwei Büdner, drei Paar Hausleute und zwei Einliegerpaare. Um 1801 gab es in Nächst-Wünsdorf eine Windmühle, und die Einwohnerzahl war auf 163 gestiegen; in Fern-Wünsdorf lebten 111 Personen.
Ende Juni 1838 brach in Fern-Wünsdorf ein Großbrand aus, der auf Nächst-Wünsdorf übersprang und beide Dörfer fast vollständig in Schutt und Asche legte; die Kirche wurde erneut zerstört. Der damalige Propst Straube bat 1840 die königliche Regierung in Potsdam um einen Kirchenneubau: „Das Dorf Wünsdorf, zu welchem die Dörfer Neuhof, Zehrensdorf und Jauchzenbrück (heute Lindenbrück) eingepfarrt sind, entbehrt nun schon seit länger als zwei Jahren die Kirche, welche im Sommer 1838 durch den Brand zerstört ward. Der Pfarrer der Gemeinde Herr Prediger Hanf in Zossen ist sehr betrübt darüber, dass die geistlich Erbauung der Gemeinde gar sehr hierdurch leidet …“ Die Grundsteinlegung für den klassizistischen Putzbau war der 13. Mai 1841, bereits 1843 konnte die Kirche geweiht werden. Die Einwohnerzahl stieg nun sprunghaft und es gab verschiedene Handwerker in beiden Dörfern, die Kirche erhielt 1858 eine Einfriedung, die sich erhalten hat, und innerhalb dieser Fläche befand sich bis 1945 der Kirchenfriedhof. Heute zeugen noch einzelne Grabsteine von dieser Vergangenheit. Im Jahre 1860 zählten die beiden Dörfer 283 Einwohner, dazu kamen die Wohnplätze Wolziger Mühle, eine Wassermühle, und das Etablissement Schlothorst mit 18 Einwohnern.
Durch königlichen Erlass vom 24. Mai 1874 erfolgte die Vereinigung beider Dörfer. Wünsdorf wurde zur größten Gemeinde des damaligen Kreises Teltow und umfasste 2800 Morgen Acker, 670 Morgen Wiese, 914 Morgen Weide und 1483 Morgen Wald.
Bis um 1900 hatte sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. 1897 wurde ein eigener Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Dresden eröffnet, 1906 erfolgte der Aufbau eines Truppenübungsplatzes und die Errichtung einer Infanterieschule, der die Ansiedlung von Beamten und Gewerbetreibenden nach sich zog.
Jahrhundertwende und Erster Weltkrieg mini|Moscheeansicht im sogenannten Halbmondlager Wünsdorf mini|Zehrensdorf Indian Cemetery Bereits im Sommer 1877 war in Kummersdorf ein Artillerie-Schießplatz für die Preußische Artillerieprüfungskommission in Betrieb genommen worden. Ab 1888 wurde er mit dem Schießplatz Jüterbog durch eine Versuchs-Kleinbahn verbunden, die ab Mai 1897 durch die Verlängerung der Preußischen Militär-Eisenbahn von Schießplatz Kummersdorf nach Jüterbog-Militärbahnhof ersetzt wurde.
Im Zuge der Erweiterung der Gelände der Truppenübungsplätze Jüterbog und Kummersdorf bezog man den Bereich Zossen, Wünsdorf, Zehrensdorf und Töpchin ab 1907 mit ein und siedelte die Bevölkerung von Zehrensdorf zwischen 1909 und 1911 dauerhaft um. Ab 1910 entstanden in Wünsdorf zahlreiche Kasernenanlagen samt Truppenübungsplätzen im Forst: 1912 das Fernsprech- und Telegrafenamt und 1913 die Infanterieschule. Durch den Ersten Weltkrieg forciert – Wünsdorf wurde Sitz des Hauptquartiers des Reichsheeres – entstand die Kaiserliche Turnanstalt, die von 1914 bis 1945 existierte.
In Wünsdorf wurde im Ersten Weltkrieg ab Herbst 1914 die Moschee Wünsdorf als erste Moschee im Deutschen Kaiserreich errichtet. Das Osmanische Reich war damals der Verbündete der Mittelmächte. Die Holzmoschee wurde vom preußischen Militär finanziert und in nur fünf Wochen errichtet. Sie enthielt ein circa 25 Meter hohes Minarett und wurde am 13. Juli 1915 eingeweiht.Martin Kaule: Brandenburg 1933–1945. Der historische Reiseführer. Ch. Links Verlag, 2012, ISBN 978-3-86153-669-7, S. 81. Der Imam wurde im Auftrag des Kalifen von Konstantinopel vom Osmanischen Reich an das Deutsche Kaiserreich entsandt. Im sogenannten Halbmondlager für Kriegsgefangene wurden ausschließlich feindliche Soldaten islamischen Glaubens festgehalten, die dort die Möglichkeit der Religionsausübung hatten. Nach Kriegsende noch einige Zeit von der Berliner islamischen Gemeinde genutzt, verfiel die Moschee und wurde 1925/26 wegen Baufälligkeit abgerissen.
Zwischenkriegszeit
Das Militärareal wurde nach Kriegsende 1918 weiterhin genutzt. In der Turnanstalt wurden vom 1. Oktober 1924 an die ersten Wehrsportlehrgänge im Rahmen der neu gegründeten Volkssportbewegung durchgeführt, die bis 1933 reichsweit durchgeführt wurden.Arnd Krüger, Frank von Lojewski: Ausgewählte Aspekte des Wehrsports in Niedersachsen in der Weimarer Zeit. In: Hans Langenfeld, Stefan Nielsen (Hrsg.): Beiträge zur Sportgeschichte Niedersachsens. Teil 2: Weimarer Republik. (⇐ Schriftenreihe des NISH. Band 12). NISH, Hoya 1998, ISBN 3-932423-02-X, S. 124–148. Ab 1934 wurde es in die Heeressportschule Wünsdorf, die in der Reichswehr den Leistungssport förderte, erneut umfunktioniert. Für die Olympiade 1936 in Berlin wurden hier die deutschen Wettkämpfer vorbereitet, während alle anderen Nationen im Olympischen Dorf untergebracht waren. Ihr erster Leiter war von 1919 bis 1924 Hans Surén. Es folgten weitere Kasernenbauten, ein Lazarett und Pferdeställe. Mit Nutzung des Areals durch die sowjetische Armee wurde das Gelände bekannt als „Haus der Offiziere“ oder auch „Lenin-Stadt“.
Der Lagerfriedhof für die Kriegsgefangenen war der Zehrensdorfer Friedhof, auf dem auch 206 indische Soldaten bestattet wurden. Ende der 1920er Jahre exhumierten die Franzosen ihre Toten und begruben sie in den großen Kriegsgräberstätten bei Verdun und Langemarck, der Friedhof verwilderte und wurde im Zweiten Weltkrieg kurze Zeit erneut genutzt, um die Toten der Luftangriffe auf Wünsdorf zu bestatten. Danach verfiel der Friedhof. 1995 wurde dieser einzigartige interkonfessionelle Friedhof unter Denkmalschutz gestellt, im Jahre 2002 begannen die Arbeiten zur Sicherung und Wiederherstellung des Friedhofs, die mit der Einweihung als Zehrensdorf Indian Cemetery 2005 abgeschlossen wurden.Nicht Mekka, sondern Zehrensdorf. In: Deutschlandradio. 24. November 2006.
Nach dem Kriegsende 1918 wurden Vertriebene aus Elsaß-Lothringen und Polen in den Lagern untergebracht, das Kasernengelände von Januar 1919 bis April 1920 durch das Freikorps Lützow genutzt.
In den 1920er Jahren hatte Wünsdorf etwa 1300 Einwohner; es folgten Soldaten für die Reichswehr, in Zusammenhang mit dem Vertrag von Rapallo kam es bis 1933 zu einer Zusammenarbeit der Reichswehr mit der Roten Armee und zu dem Bau einer russisch-orthodoxen Kirche.Bernfried Lichtnau: Architektur und Städtebau im südlichen Ostseeraum zwischen 1936 und 1980 (= Publikation der Beiträge zur Kunsthistorischen Tagung 8. – 10. Februar 2001, veranstaltet vom Caspar-David-Friedrich-Institut, Bereich Kunstgeschichte, der Universität Greifswald). Lukas Verlag, 2002, ISBN 3-931836-74-6, S. 95.