Die Straßenbahn Linz bildet das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Linz, der Landeshauptstadt von Oberösterreich. Sie verkehrt auf der seltenen Spurweite von 900 Millimetern und wird von den Linz Linien GmbH, einer Tochter der städtischen Linz AG, betrieben. Es verkehren fünf Linien, zwei von ihnen bedienen seit 2011 bzw. 2016 auch die Gemeinden Leonding, Pasching und Traun. Seit 2009 ist auch die Pöstlingbergbahn betrieblich in die Straßenbahn eingebunden. Ergänzend zur Straßenbahn verkehren seit dem Jahr 1928 die städtischen Autobuslinien und seit 1944 außerdem der Oberleitungsbus Linz.
Strecken- und Liniennetz Das Straßenbahnnetz besteht im Wesentlichen aus einer in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Stammstrecke, die sich an beiden Enden in verschiedene Äste aufteilt. Die Linien verkehren wie folgt:
1 Universität – Auwiesen Durchmesserlinie 14,5 km 35 Haltestellen Einrichtungsbetrieb Takt: 10 (HVZ 7½) / Sa 15 / So 20 / abends+So Früh 30 min 2 Universität – solarCity Durchmesserlinie 18,5 km 44 Haltestellen Einrichtungsbetrieb Takt: 10 (HVZ 7½) / Sa 15 / So 20 / abends+So Früh 30 min 3 Landgutstraße – Trauner Kreuzung Durchmesserlinie 10,9 km 23 Haltestellen Einrichtungsbetrieb Takt: 15 / So 20 / So Früh 30 min (abends tgl. kein Betrieb) 4 Landgutstraße – Schloss Traun Durchmesserlinie 12,7 km 26 Haltestellen Einrichtungsbetrieb Takt: 15 / So 20 / abends+So Früh 30 min 50 Hauptplatz – Pöstlingberg Radiallinie 4,1 km 14 Haltestellen Zweirichtungsbetrieb Takt: 30 (März–Oktober Sa/So/Fei + Adventsonntage tagsüber 15) min N82 Universität – solarCity Durchmesserlinie 18,5 km 44 Haltestellen Einrichtungsbetrieb Takt: 30 min (Nachtlinie, nur an Sa/So/Fei) N84 Hauptbahnhof – Schloss Traun Radiallinie 9,8 km 17 Haltestellen Einrichtungsbetrieb Takt: 30 min (Nachtlinie, nur an Sa/So/Fei)
Ein Großteil des Netzes ist zweigleisig ausgebaut. Ausgenommen sind lediglich eine Engstelle in der Ortsdurchfahrt von Ebelsberg, wo eine Gleisverschlingung angelegt wurde, ein 400 Meter langer Abschnitt in Traun, sowie die von der Linie 50 bediente Pöstlingbergbahn. Ein großer Teil des Netzes verläuft auf eigenem Gleiskörper, vielfach auf Rasengleisen. Im Bereich des Hauptbahnhofes wird die Strecke als U-Straßenbahn in einem Tunnel geführt.
Die Strecke Im Bäckerfeld – Schloss Traun steht im Eigentum der Schiene OÖ GmbH & Co KG, die diese als StadtRegioTram Traun bezeichnet. Die Linz Linien GmbH ist Eigentümerin der übrigen Strecken, außerdem obliegt ihr die Bedienung des gesamten Straßenbahnnetzes.
mini|Remise Kleinmünchen mini|Ehem. Remise Urfahr mini|Ehem. Verwaltungsgebäude (Remisehof Urfahr) 2022 Neben den Wendeschleifen an den Endstellen Landgutstraße, Universität, Auwiesen, solarCity, Trauner Kreuzung und Schloss Traun bestehen noch folgende Wendeschleifen:
St. Magdalena: Betriebsschleife Ferihumerstraße: Wendeschleife für Verstärkerfahrten aufgrund des gestiegenen Fahrgastaufkommens wegen des Wegfalls der Eisenbahnbrücke Sonnensteinstraße: von 1969 bis 1977 Endpunkt der Linie 1, danach als Abstellplatz für Verstärkerzüge und zum Wenden der Linien 1 und 2 bei Unterbrechung der Innenstadtlinie genutzt Hauptbahnhof Nord: vorgesehen zum Wenden der Linien 1, 2, 3 und 4 bei Unterbrechung der Innenstadtlinie, Endpunkt der Linie N84 Hauptbahnhof Süd: von 2004 bis 2011 Endpunkt der Linie 3, heute Betriebsschleife Neue Welt: ab 1943 Endpunkt der damaligen Linie V, heute Betriebsschleife Hillerstraße: von 2002 bis 2005 Endpunkt der Linie 2, heute Betriebsschleife Remise Kleinmünchen und Leonding-Weingartshof
Die Straßenbahn Linz verfügt gegenwärtig über zwei Remisen: Remise Kleinmünchen: Wiener Straße gegenüber Denkstraße, durchgehend in Betrieb. Remise Weingartshof: Leonding, Welser Straße nächst der Haltestelle Doblerholz. 2011 wurde die Abstellanlage anlässlich der Verlängerung der Linie 3 nach Leonding in Betrieb genommen. Remise Urfahr: Landgutstraße beim Bergbahnhof Urfahr, Stilllegung im Jahre 1982, bis auf das Verwaltungsgebäude wurden alle Bauten und Wagenhallen abgebrochen. Heute steht hier die Wohnanlage Remisenhof.
Stillgelegte Strecken mini|Straßenbahn in der Friedhofstraße
1937: Landstraße/Blumauerplatz – Blumauerstraße – Friedhofstraße – Lenaustraße – Anastasius-Grün-Straße – Wiener Straße. Die Strecke wurde 1917 anstelle des niveaugleichen Bahnübergangs in der Wiener Straße mit der Westbahn errichtet und nach Fertigstellung der Unterführung stillgelegt. Diese Strecke wurde zuletzt von den Linien E und V befahren. 1968: Handel-Mazzetti-Straße/Weingartshofstraße – Handel-Mazzetti-Straße – Waldeggstraße – Stockhofstraße – Herrenstraße – Rudigierstraße – Mozartstraße – Weißenwolffstraße – Garnisonstraße. Diese Strecke wurde von der Linie M befahren. 1973: Wiener Straße/Spinnereistraße – Wiener Straße – Fadingerplatz. Diese Strecke wurde von der Linie E befahren. 2002 wurde sie für die neue Linie 2 wiedererrichtet. 2001: Bahnhofstraße/Volksgartenstraße – Bahnhofstraße – Hauptbahnhof/Bahnhofplatz. Diese Strecke wurde im Zuge des Neubaus von Hauptbahnhof und Landesdienstleistungszentrum abgetragen und in die Kärntnerstraße verlegt. Sie wurde zuletzt von der Linie 3 befahren. 2004: Strecke Landstraße/Scharitzerstraße – Wiener Straße – Bulgariplatz. Diese Strecke wurde bis zur Eröffnung der unterirdischen Streckenführung über Hauptbahnhof zuletzt von den Linien 1 und 2 befahren. 2004: Strecke Landstraße/Scharitzerstraße – Bahnhofstraße – Kärntnerstraße – Hauptbahnhof (Schleife im Park). Diese Strecke wurde bis zur Eröffnung der unterirdischen Streckenführung von der Linie 3 befahren.Chronik des ÖPNV in Linz, abgerufen am 6. April 2020.
Ehemalige Straßenbahnhaltestellen 1937: Friedhofstraße (zuletzt Linien E, H, V; Strecke aufgelassen aufgrund der Eröffnung der Westbahnunterführung Wiener Straße) 1968: Haltestellen der aufgelassenen Linie M: Auerspergplatz (an Kreuzung Stockhofstraße/Auerspergstraße), Garnisonstraße und Gruberstraße (beide an Kreuzung mit Weißenwolffstraße), Karl-Wiser-Straße (an Kreuzung mit Stockhofstraße), Märzenkeller (an Kreuzung Stockhofstraße/Beethovenstraße), Mozartschule (an Kreuzung Mozartstraße/Dinghoferstraße), Dametzstraße (an Kreuzung mit Mozartstraße), Neuer Dom (an Kreuzung Rudigierstraße/Domplatz) und Weingartshofstraße (an Kreuzung Handel-Mazzetti-Straße/Weingartshofstraße) 1969: Hotel Achleitner (zuletzt Linien B, E, V; als Ersatz wurde die Haltestelle Rudolfstraße errichtet) 1973: Traunbrücke (zuletzt Linie E; etwa bei Haus Wiener Straße 440) 1979: Hauptplatz Klosterstraße (zuletzt Linien 1, 2, 3; als Ersatz wurde die zweite Haltestelle Hauptplatz von der Kreuzung Donaulände/Nibelungenbrücke an den heutigen Standort Höhe Rathausgasse verlegt) ca. 1980: Oberfeldstraße (zuletzt Linien 1, 2; Kreuzung Wiener Straße/Oberfeldstraße) und Chance (zuletzt Linie 3; Kreuzung Bahnhofstraße/Coulinstraße, bestand nur in Fahrtrichtung Hauptbahnhof) 1985: Spinnereistraße (zuletzt Linie 1; mit Verlängerung der Linie 1 nach Auwiesen aufgelassen, Haltestelle Simonystraße neu errichtet) 2004: Blumauerplatz (zuletzt der Linien 1, 2, 3; mit Inbetriebnahme der Tunnelstrecke zum Hauptbahnhof aufgelassen; heute befindet sich an dieser Stelle das Musiktheater Linz)
Einzelne Haltestellen hatten früher andere Namen:
Bruckneruniversität (frühere Namen: Merkursiedlung, Hagen) Bulgariplatz (früherer Name: Polygonplatz) Ebelsberg Kaserne (früherer Name: Kaserne) JKU|Universität (frühere Namen: Auhof, Universität) Landgutstraße (früherer Name: Bergbahnhof Urfahr) Pöstlingberg Schlössl (früherer Name: Hotel) Turmstraße (frühere Namen: Versorgungshaus, VOEST-Alpine) WIFI/Linz AG (früherer Name: Wirtschaftsförderungsinstitut) Wimmerstraße (früherer Name: Julius-Wimmer-Straße)
Fahrzeuge Gegenwärtiger Bestand Der Fahrzeugpark besteht Mitte 2012 aus 68 Triebwagen vier verschiedener Typen, davon sind 65 niederflurig:
Anzahl Bild Nummern Baujahre Typ Hersteller niederflurig Bauart Anmerkung 33 100x100px 001–033 2002–2008 Cityrunner, erste Generation Bombardier Transportation ja Einrichtungsfahrzeug 29 100x100px 060–082083–088 2011–2012,2015 Cityrunner, zweite Generation Bombardier Transportation ja Einrichtungsfahrzeug Die ersten 23 Triebwagen wurden zur Ablöse der Gelenktriebwagen der 3. Generation sowie wegen der Erweiterung des Streckennetzes nach Leonding beschafft. Die Nachbestellung weiterer sechs Triebwägen war auf Grund der Verlängerung nach Traun notwendig. 4 90px 501–504 2009–2011 Mountainrunner Bombardier Transportation ja Zweirichtungsfahrzeug501-503 wurden 2009 geliefert, 504 wurde 2010 dazubestellt und 2011 geliefert 3 90px VIII, X, XI 1948–1959 ESG nein Zweirichtungsfahrzeug Alle drei Fahrzeuge 2009 modernisiert und von 1000 auf 900 Millimeter umgespurt 1 90px A 1954 ESG nein Zweirichtungsfahrzeug Arbeitswagen 1 90px TW 6, BW 111, 109 1950 SGP/ESG nein Zweirichtungsfahrzeug Zweiachser-Triebwagen der letzten Generation mit 2 Beiwagen; für Sonderfahrten Die vier 2009 und 2011 ausgelieferten Mountainrunner für die Pöstlingbergbahn sind eine Variante des Cityrunners. Der Kaufpreis der 23 Cityrunner der zweiten Generation betrug rund 69 Millionen Euro.
Ehemaliger Bestand
Zweiachser mit Beiwagen Es gab früher einige verschiedene zweiachsige Trieb- und Beiwagen, viele waren Eigen(um)bau der ESG. Die letzte Serie wurde mit Inbetriebnahme der Dritten Gelenkwagenserie 1985/86 ausgemustert. Mindestens ein Dreiwagenzug der letzten Serie wurde für museale Zwecke und Sonderfahrten erhalten.
Erste Gelenkwagenserie Die sieben sechsachsigen Gelenktriebwagen der ersten Serie entsprechen konstruktiv dem Duewag-Einheitswagen und wurden zwischen 1970 und 1972 von den Lohner-Werken gebaut. Sie trugen die Betriebsnummern 61 bis 67 und wurden in den Jahren 1973 und 1974 zu Achtachsern verlängert. 2004 stellte man sie ab, unter anderem da eine Nachrüstung für den Tunneleinsatz nicht mehr rentabel war. Bis genügend Cityrunner vorhanden waren, durften sie mit einer Ausnahmegenehmigung im Tunnel fahren. Inzwischen sind alle Wagen dieser Serie verschrottet worden, zuletzt Triebwagen 64 im Jahr 2016.
Weitere acht Wagen, sie waren von Beginn an Achtachser, folgten 1971 und 1972 mit den Betriebsnummern 81 bis 88.
Zweite Gelenkwagenserie Bei der zweiten Gelenkwagenserie handelte es sich um zwölf 1977 gebaute Achtachser von Bombardier-Rotax und Siemens. Sie trugen die Betriebsnummern 68 bis 79 und wurden in den Jahren 1979 und 1980 zu Zehnachsern verlängert. Alle Wagen dieser Serie wurden 2008 verschrottet.
Dritte Gelenkwagenserie Die dritte Gelenkwagengeneration bestand aus 16 Zehnachsern mit den Nummern 41 bis 56. Sie waren mit der 600er-Reihe der Straßenbahn Graz verwandt, wurden in den Jahren 1985 und 1986 von Bombardier beziehungsweise Siemens gebaut und waren die letzten Hochflurwagen der Linzer Straßenbahn. Von ihren beiden Vorgängerbaureihen unterschieden sie sich vor allem durch das kantige Design. Alle Fahrzeuge wurden in den Jahren 2011 und 2012 verschrottet, nachdem sie ebenfalls durch modernere Niederflurfahrzeuge ersetzt wurden.
Betrieb Bei der Linzer Straßenbahn wird auf Sicht gefahren, nur in der Tunnelstrecke gibt es Blocksignale.
Die Bahnen verkehren normalerweise von 4:00 bis 24:00 Uhr. Vom 27. Februar 2009 bis zum 11. Dezember 2016 gab es eine Nachtlinie mit der Bezeichnung N1, die in den frühen Morgenstunden zwischen 0:00 und 4:00 Uhr an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im 30-Minuten-Takt verkehrte. Sie befuhr die Strecke der Linie 1. Seit 17. Dezember 2016 verkehren um diese Zeit im gleichen Intervall die Linien N82 und N84. Sie befahren die Strecke der Linie 2 (Universität – solarCity) bzw. den Südast der Linie 4 (Hauptbahnhof – Schloss Traun).