Sport in Australien erfreut sich hoher Popularität und spielt eine zentrale Rolle in vielen Aspekten der lokalen Kultur. Das Klima erlaubt sportliche Aktivitäten während des gesamten Jahres. Cricket ist der beliebteste Sommersport, während im Winter je nach Region Australian rules football und Rugby League dominieren. Einige der beliebtesten Sportarten werden nachfolgend beschrieben.Reet Howell, Maxwell L. Howell: Aussie gold: the story of Australia at the Olympics. Albion, Qld.: Brooks Waterloo, 1988.

Australian Football mini|Australian rules football auf dem Melbourne Cricket Ground

Australian rules football (auch Aussie rules oder footy) ist ein Spiel mit zwei Mannschaften. Jedes Team hat jeweils 18 Spieler auf dem Feld. In der Premier League AFL gibt es auf jeder Seite 22 Spieler, die von den Trainern ohne Einschränkungen je nach Bedarf gewechselt werden dürfen. Die Mannschaften benutzen einen elliptischen Ball auf einem Cricket-Oval oder einem ähnlich geformten Platz mit vier Torpfosten an jedem Ende. Das Ziel des Spiels ist es, den Ball mit dem Fuß zwischen zwei Innenpfosten zu schießen und so ein Tor zu erzielen, das sechs Punkte wert ist. Wenn der Ball zwischen einem Innen- und einem Außenpfosten hindurchgeht (wobei auch ein Innenpfosten getroffen werden kann), erzielt man ein „behind“, das nur einen Punkt wert ist. Gleiches gilt, wenn der Ball zwar zwischen den beiden Innenpfosten hindurchgeht, aber dabei einen der Innenpfosten berührt oder der Ball vor dem Passieren von einem Abwehrspieler berührt wurde. Das Spiel unterscheidet sich durch die schnelle, relative freie Bewegung des Balls von anderen Arten des American Football.

Australian rules, das in Melbourne entstand, ist der dominierende Wintersport in den Regionen, wo es traditionell beliebt ist, nämlich in Victoria, South Australia, Western Australia, im Northern Territory und Tasmanien. Zunehmend beliebt wird es durch die jüngsten Erfolge der Mannschaften aus Brisbane und Sydney auch in Queensland und New South Wales. In diesen Gebieten zeigt ein großer Teil der Bevölkerung intensives Interesse an den Wettbewerben und besucht viele Spiele. Tippspiele in dieser Sportart sind eine wichtige Grundlage der sozialen Interaktion am Arbeitsplatz.

Die Australian Football League ist der nationale Wettbewerb, der aus einer einzigen Liga mit 18 Mannschaften besteht. Die AFL hieß bis 1990 Victorian Football League. Jeder Staat hat seine eigene lokale Liga und es gibt Wettbewerbe für Amateure, Kinder und Frauen.

Die Australian Football League besteht aus folgenden Mannschaften:

Adelaide Crows, Brisbane Lions, Carlton Blues (Melbourne), Collingwood Magpies (Melbourne), Essendon Bombers (Melbourne), Fremantle Dockers, Geelong Cats, Gold Coast Suns (Carrara), Greater Western Sydney Giants, Hawthorn Hawks (Melbourne), North Melbourne Kangaroos, Melbourne Demons, Port Adelaide Power, Richmond Tigers (Melbourne), St Kilda Saints (Melbourne), Sydney Swans, West Coast Eagles (Perth), Western Bulldogs (Melbourne).

Basketball

Die National Basketball League (NBL) wurde 1978 gegründet und ist die höchste Basketball-Liga Australiens. Sie besteht derzeit aus den folgenden zehn Mannschaften:

Adelaide 36ers, Brisbane Bullets, Cairns Taipans, Illawarra Hawks, Melbourne United, New Zealand Breakers (Auckland/Neuseeland), Perth Wildcats, S.E. Melbourne Phoenix, Sydney Kings, Tasmania JackJumpers.

In den Finalspielen der Saison 2024/25 gewannen die Illawarra Hawks gegen Melbourne United.

Als Luc Longley 1991 gedraftet wurde, war er der erste Australier in der NBA. Als Center an der Seite von Michael Jordan gewann er mit den Chicago Bulls drei Meisterschaften. Andrew Gaze, der in der heimischen NBL in 14 Saisons Topscorer war, bekam 1999 auch einen NBA-Meisterschaftsring mit den San Antonio Spurs, wurde aufgrund von Verletzungen aber kaum eingesetzt. Lange Zeit war Andrew Bogut der einzige Australier in der NBA. Er spielt seit 2005 als Center für die Milwaukee Bucks und Golden State Warriors. Mittlerweile haben sich Australier in der NBA etabliert. Zu den bekanntesten zählen Patty Mills, Aron Baynes, Matthew Dellavedova, Joe Ingles und Dante Exum. Mills und Baynes wurden beide 2014 mit den San Antonio Spurs NBA-Meister.

Die höchste Liga der Frauen ist die Women’s National Basketball League (WNBL). Lauren Jackson gewann 2003 und 2007 die Auszeichnung als wertvollste Spielerin (Most Valuable Player) der WNBA. Sie gilt als eine der besten Basketballerinnen der Welt und wurde mit der australischen Nationalmannschaft 2006 Weltmeister.

Cricket mini|110px|Donald Bradman

Cricket hat eine lange Tradition in Australien und wird auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene gespielt. Die australische Cricket-Mannschaft gilt weltweit als eine der besten und dominierte in den 1990er Jahren. Bei der 1868 Aboriginal cricket tour of England spielte erstmals eine Mannschaft in Übersee. Seit 1882 werden zweimal in vier Jahren The Ashes – eines der wichtigsten Cricketturniere überhaupt – gegen England ausgetragen. 1948 reiste ein Team, das als The Invincibles (Die Unbesiegbaren) bezeichnet wurde, mit Kapitän Donald Bradman nach England. Spätere Kapitäne der Nationalmannschaft waren Allan Border, Mark Taylor, Steve Waugh, Adam Gilchrist, Ricky Ponting und derzeit Steve Smith. Auch die beiden Bowler Shane Warne und Glenn McGrath spielten zusammen für die australische Nationalmannschaft. Zu den einheimischen Wettbewerben zwischen den Mannschaften der Bundesstaaten gehören der Sheffield Shield, der One-Day Cup und die Big Bash League.

Fußball Der 1961 gegründete australische Fußballverband gehörte 1966 zu den Gründungsmitgliedern der Oceania Football Confederation. 2006 erfolgte der Wechsel in den asiatischen Kontinentalverband. Australien bewarb sich erfolglos um die Ausrichtung der WM 2022, war aber 2015 Gastgeber des Asien-Cups, den das Land erstmals gewann. Im Finale konnte Südkorea mit 2:1 in der Verlängerung bezwungen werden.

Die australische Fußballnationalmannschaft, Spitzname Socceroos, qualifizierte sich 1974, 2006, 2010, 2014 und 2018 für die WM-Endrunde. 2006 gelang dabei der Einzug ins Achtelfinale, in dem man unter kontroversen Umständen dem späteren Weltmeister Italien mit 0:1 unterlag. Im Jahr 2011 belegten die Socceroos nach einer 0:1-Finalniederlage gegen Japan den 2. Platz bei der Asienmeisterschaft. Zuvor hatte man viermal die Ozeanienmeisterschaft gewonnen.

Das weibliche Gegenstück zu den Socceroos sind die Matildas, die erstmals bei der WM 2007 in China ins Viertelfinale vorstießen und sich dort nur knapp dem späteren Vizeweltmeister Brasilien mit 2:3 geschlagen geben mussten. Auch 2011 in Deutschland konnte das Viertelfinale erreicht werden, in dem man mit 1:3 gegen den späteren Dritten Schweden unterlag. Zuvor wurden dreimal die Ozeanienmeisterschaft und 2010 die Asienmeisterschaft gewonnen, 2014 verlor man im Finale.

Australien hat mit der 2004 gegründeten A-League eine noch recht junge Fußball-Profiliga. Sie folgte der zuvor bestehenden halbprofessionellen National Soccer League nach. Die Liga bestand in der Spielzeit 2011/12 aus zehn Mannschaften; seit 2007 nimmt mit Wellington Phoenix auch ein Klub aus Neuseeland teil. Der australische Fußballmeister wird über ein kombiniertes Liga-/Playoff-System, ähnlich wie in den USA, ermittelt. Zuerst spielen die zehn Mannschaften eine reguläre Spielzeit mit zurzeit 27 Spielen (je drei Duelle gegen alle andere Mannschaften). Anschließend spielen die ersten sechs Mannschaften ein etwas kompliziertes Playoff-System, worin schließlich im Finale der Meister ermittelt wird. Amtierender Meister ist Brisbane Roar.

mini|350px|Ein A-League-Spiel im Aussie Stadium in Sydney

Die Bezeichnung football kann in Australien mehrdeutig sein. Historisch wurde der Sport analog zu den USA als soccer bezeichnet, heute aber benutzen viele offizielle Organisationen und Vereine (u. a. der Fußballverband selbst) den Begriff football gemäß den internationalen Gepflogenheiten.

2023 ist Australien zusammen mit Neuseeland Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen.

Golf

Die Australian Open wurden erstmals 1904 ausgetragen und sind eines der wichtigsten jährlichen Golf-Turniere in der PGA Tour of Australasia. Der Royal Park Golf Club war einer der ersten Golfclubs in Melbourne. Einer der bekanntesten australischen Golfer ist Greg Norman, der in den 1980er und 1990er Jahren die Weltrangliste anführte. Weitere bekannte Spieler sind Stuart Appleby, Steve Elkington, Ian Baker-Finch, Nick O’Hern, Federico Nondolez und Karrie Webb.

Hockey

Hockey ist ein beliebter Profisport in Australien. Das traditionelle Feldhockey, das während des Winters gespielt wird, ist die üblichste Form des Spiels, aber Hallenhockey erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Auf dem höchsten Level waren die australischen Hockey-Mannschaften in der jüngeren Vergangenheit sehr erfolgreich. Die Damen-Nationalmannschaft hat 1988, 1996 und 2000 drei olympische Goldmedaillen gewonnen. Das Herren-Team gewann 2004 olympisches Gold, ist amtierender Weltmeister seit 2010 und mit elf Titeln Rekordsieger der FIH Champions Trophy. Zuletzt gewann das Herren-Team am 15. Juni 2014 in Den Haag erneut die Hockey-WM. Die Damen-Mannschaft gewann in den 1990er Jahren fünfmal in Folge die Champions Trophy der Damen und ist mit sechs Titeln zusammen mit den Niederlanden Rekordtitelträger.

Für andere Hockeysportarten wie Eishockey oder Inlinehockey gibt es nur wenige Wettbewerbe.

Motorsport mini|Der Bathurst 1000

Motorsport ist bei den Zuschauern in Australien beliebt, obwohl es wegen der relativ hohen Kosten nur wenige Sportler gibt. Das meiste Interesse erwecken die V8 Supercars, v. a. der Bathurst 1000. Andere Klassen sind die Formel 3 und die Formula Holden (open wheel-Rennen) sowie die Superbikes und die Tourenwagen. In Australien finden einige internationale Rennen statt: Großer Preis von Australien in der Formel 1 Großer Preis von Australien im Rahmen der Motorrad-Weltmeisterschaft Champ Car – Lexmark Indy 300 Superbike-Weltmeisterschaft World Rally Championship – Telstra Rally Australia

Jack Brabham gilt als bester australischer Rennfahrer. Er gewann drei Formel 1 Weltmeisterschaften in den Jahren 1959, 1960 und 1966 und fuhr insgesamt 14 Grand Prix Siege ein. Alan Jones ist neben Jack Brabham der einzige australische Formel 1 Weltmeister. Er schaffte es 1980 als erster Fahrer in einem Williams.

Zu den bekanntesten australischen Motorradrennfahrern zählen Wayne Gardner, Mick Doohan, Troy Bayliss, Troy Corser, Chris Vermeulen, Casey Stoner und Andrew Pitt. Doohan gewann zwischen 1994 und 1998 fünf Mal in Folge die Weltmeisterschaft in der 500-cm³-Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft, Bayliss und Corser konnten jeweils zwei Weltmeistertitel in der Superbike-Weltmeisterschaft feiern. Auch Casey Stoner gewann zwei Titel der Motorrad-Meisterschaft [2007 und 2011].

Jason Crump wurde Speedway-Weltmeister 2004, 2006 und 2009. Chris Holder holte sich 2012 den Titel des Speedway-Einzelweltmeisters und Jason Doyle im Jahre 2017. Der erst 21-jährige Darcy Ward wurde 2009 und 2010 Speedway U21-Weltmeister und ist seit der letzten Saison permanenter Speedway-Einzel-WM Grand Prix Teilnehmer.

Am 26. Oktober 2002 fand im Telstra Stadium von Sydney im Rahmen der Speedway-Einzelweltmeisterschaft der Speedway-WM Grand Prix von Australien statt. Am 24. Oktober 2015 findet im Etihad Stadium von Melbourne im Rahmen der Speedway-Einzelweltmeisterschaft der Speedway-WM Grand Prix von Australien statt.

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