mini|Lorenz Fries. Autorenbild 1523. Lorenz Fries, auch Lorenz Phryes genannt, latinisiert Laurentius Phrisius (* um 1490; † 1531/32 in MetzWilfried Kettler: Untersuchungen zur frühneuhochdeutschen Lexikographie in der Schweiz und im Elsass. Strukturen, Typen, Quellen und Wirkungen von Wörterbüchern am Beginn der Neuzeit. Peter Lang, Bern/Berlin/Brüssel/Frankfurt am Main u. a. 2008, ISBN 978-3-03911-430-6, S. 384.Werner E. Gerabek: Fries […], Lorenz. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 441.) war ein deutscher Arzt, Astrologe und Geograph, dessen Lebensmittelpunkt im Elsass lag. Sein bekanntestes Werk ist der „Spiegel der Arznei“ (zwölf Auflagen 1518–1557).

Leben und Wirken mini|Carta Marina Navigatoria 1530. Indischer Ozean

Geburtsdatum und Geburtsort des Lorenz Fries sind nicht sicher zu bestimmen. Als mögliche Geburtsdaten wurden diskutiert: „um 1485“, 10. August 1489 oder „nach 1490“.Baas 1907. - Öhlschlegel 1985, 21-22. - Sudhoff 1904. Als mögliche Geburtsorte wurden angegeben: Mülhausen oder Colmar, Metz, Schwaben (Markgröningen).Sudhoff 1904. - Baas 1907. - Bittel 1943. - Friedrich 1980, 11-12. Sudhoff (1904) und Öhlschlägel (1985) vermuteten, Fries habe in Padua, Piacenza, Montpellier und Wien, wo er wahrscheinlich sein Studium abschloss, studiert. Belege dafür gibt es nicht.

Fries’ Name erschien erstmals gesichert 1513 auf einem Nürnberger Einblattdruck.Wundergeburt zu Rom vom 7. März 1513. Einblattdruck. Johann Weissenburger, Nürnberg 1513 (Digitalisat).Eugen Holländer (1867–1932): Wunder, Wundergeburt und Wundergestalt in Einblattdrucken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts. Kulturhistorische Studie. Stuttgart 1921, S. 312. – Jean Michel Friedrich (1980), S. 255–257 (u. a. Abbildung des Blattes). Ende 1518 wohnte er im Colmarer Augustinerkloster.Brief des Magistrats von Straßburg an den von Colmar (18. April 1525). – Charles Schmidt (1890), S. 528. In Colmar war er wahrscheinlich als praktischer Arzt tätig.Werner E. Gerabek: Fries […]. In: Enzyklopädie Medizingeschichte. 2005, S. 441. Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe 1518 des „Spiegel der Arznei“ nannte er sich „von Colmar / der Philosophy vnd Artzney Doctor“. Er widmete diese Arbeit Johann Dingler, dem Schlettstädter Zunftmeister der Fischer.

Im März 1519 zog Fries nach Straßburg. Im Juli desselben Jahres folgte er einem Ruf nach Freiburg im Üechtland, wo er für 8 Monate das Amt des Stadtarztes bekleidete und wo ihm Agrippa von Nettesheim begegnete. Mitte des Jahres 1520 kehrte er nach Straßburg zurück und heiratete Barbara Thun, die Tochter des verstorbenen Straßburger Glasermeisters Ambrosius Thun. Damit wurde Fries Bürger von Straßburg und Mitglied der Zunft „Zur Steltz“ (Goldschmiede und Drucker). Im Mai 1525 gab Fries sein Straßburger Bürgerrecht auf und verließ die Stadt.

Bis zum Winter 1528 hielt er sich in Trier auf, wo er als Arzt tätig war. Am 28. Februar 1528 schrieb der aus Basel geflüchtete Paracelsus an Bonifacius Amerbach: „Phrusius de Colmaria optime valet, sumque optimus familiae et totam civitatem“. („Fries von Colmar befindet sich aufs beste, und ich bin aufs beste aufgenommen in seiner Familie und in der ganzen Stadt.“)Theophrast von Hohenheim. Sämtliche Werke. Herausgegeben von Karl Sudhoff. Barth, München 1922, I. Abteilung, 6. Band, S. 33–35. Im Juli 1528 schrieb Fries eine „Prognostication“ für das Jahr 1529 in Diedenhofen. In Metz erstellte er im Oktober 1528 eine französischsprachige „Prognostication“ für das Jahr 1529 und am 14. November 1528 ein Geburtshoroskop für seinen Freund Nicolas de Heu (1494–1547), den Bürgermeister von Metz. In der im Jahre 1532 bei Balthasar Beck in Straßburg gedruckten Ausgabe des „Spiegel der Arznei“ wurde ein Vorwort von Lorenz Fries abgedruckt, das dieser am 23. Juli 1530 in Metz verfasst hatte. Darin vermerkte er beiläufig: „… Laßt mich Gott ein kurtze zeyt leben …“ Ein weiteres Vorwort in derselben Ausgabe war am 14. Mai 1532 durch Otto Brunfels verfasst worden. Darin hieß es: „ … derhalb dann der Author dißes bůchs der hochberümpt doctor Laurentius Fries vor seinem todt verursacht ist / solchs zů corrigieren …“. Aus diesen Aussagen wurde geschlossen, dass Fries zwischen Juli 1530 und Mai 1532 gestorben ist.Jean Michel Friedrich: Laurent Fries, médecin, astrologue et géographe à Colmar, Strasbourg et Metz. Straßburg 1980, S. 9–27.Rudolf Öhlschlegel: Studien zu Lorenz Fries und seinem Spiegel der Arznei. Tübingen 1985, S. 21–49.

Eine „lang geübte Früntschafft“ verband Fries mit dem Straßburger Drucker und Verleger Johannes Grüninger, der den Großteil seiner Werke publizierte.Zitat von Fries aus dem Vorwort in Uslegung der Mercarthen (1527).

Schriften

Wundergeburt zu Rom vom 7. März 1513. Einblattdruck. Johann Weissenburger, Nürnberg 1513Wundergeburt zu Rom vom 7. März 1513. Einblattdruck. Johann Weissenburger, Nürnberg 1513 (Digitalisat) Spiegel der Artzny […]. Von 1518 bis 1557 in zwölf Auflagen bei verschiedenen Verlegern gedruckt und ab 1529 durch den Humanisten Otto Brunfels bearbeitet. Traktat der Wildbäder Natur. Joh. Grüninger, Straßburg 24. Juli 1519Traktat der Wildbäder Natur. Joh. Grüninger, Straßburg 24. Juli 1519 (Digitalisat); Bartholomäus Grüninger, Straßburg 1538Traktat der Wildbäder Natur. Bartholomäus Grüninger, Straßburg 1538 (Digitalisat). Synonyma und gerecht ußlegung der wörter so man in der artzny, allen Krütern, Wurtzlen, Bluomen, Somen, Gesteinen, Safften und anderen Dingen zuo schreiben ist […]. Joh. Grüninger, Straßburg 29. November 1519Synonyma und gerecht ußlegung […]. Joh. Grüninger, Straßburg 29. Nov. 1519 (Digitalisat bsb)(Digitalisat Heidelberg); Barth. Grüninger, Straßburg 1535Synonyma und gerecht ußlegung […]. Barth. Grüninger, Straßburg 1535 (Digitalisat). Synonymenregister der einfachen Arzneimittel in Latein, Hebräisch, Griechisch, Arabisch und Deutsch auf der Grundlage des Mainzer Gart der Gesundheit vom Jahre 1485 und des Kleinen Destillierbuchs. Kurze Schirmred der Kunst der Astrologiae. Joh. Grüninger, Straßburg 28. November 1520Kurze Schirmred der Kunst der Astrologiae. Joh. Grüninger, Straßburg 28. November 1520 (Digitalisat) Claudii Ptolemaei / Alexandrini Mathematicor. principis. Opus Geographie. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1522Claudii Ptolemaei / Alexandrini Mathematicor. principis. Opus Geographie. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1522 (Digitalisat), 30. März 1525. Auslegung und Gebrauch des Astrolabs. Joh. Grüninger, Straßburg 23. Juni 1522. – Expositio et usus astrolabii. Joh. Grüninger, Straßburg 7. September 1522. Prognostikationen: 1523, 1524, 1525 (Judenpractica), 1526, 1529Prognostication 1529 (Digitalisat), 1530, 1531 Ars memorativa. Joh. Grüninger, Straßburg 7. März 1523. – Ein kurzzer Bericht wie man die Gedechtnisz […] stercken mag. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1523. Ein kurzer Bericht wie man das Gedächtnis stärken mag. Joh. Grüninger, Straßburg 12. März 1523 (Digitalisat) Wie man alte Schäden mit dem Holz Guaiaco heilen soll. Joh. Grüninger, Straßburg 7. Januar 1525; Johann Prüss, Straßburg 1530 und 1539. Niederländische Übersetzung: Een grondelike bestendighe heylsame cure der grousamigher Pocken. Symon Cock, Antwerpen 1548 und Peter Warnerson, Kampen 1566. Die Ausgaben 1525 und 1530 sind anonym. Erst die Ausgabe 1539 nennt Fries als Autor. Karl Sudhoff (1904, S. 771) nahm an, dass Fries alle diese Syphilisschriften verfasste – der Arzt, Bibliothekar und Medizinhistoriker Ernest Wickersheimer (1880–1965) bezweifelte die Friessche Autorenschaft für alle Ausgaben.Ernest Wickersheimer. Le Guaiac à Strasbourg au XVIe Siècle. In: Analecta Medico-Historica. I. Materia Medica in the XVIth Century. Proceedings of the Symposium of the International Academy of the History of Medicine held at the University of Basel, 7. September 1964. Hrsg. von M. Florkin. Oxford 1966, S. 55–66. Auslegung der Meerkarten (von Martin Waldseemüller). Joh. Grüninger, Straßburg 2. März 1525, 3. Juni 1527Auslegung der Meerkarten (von Martin Waldseemüller). Joh. Grüninger, Straßburg 2. März 1525, 3. Juni 1527 (Digitalisat), Carta Marina Navigatoria 22. April 1530 22. April 1530 (Digitalisat). Fries prägte um 1525 wahrscheinlich als erster den deutschen Begriff „Karte“. Carta Marina Navigatoria Portugalien Navigationes : atque tocius cogniti orbis terrae marisque formae naturam situm et terminos noviter recognitos et ab antiquorum traditione differentes hec generaliter monstrat, 1525 Joh. Grüninger, Straßburg 1530 (Digitalisat) Zusammen mit Johannes Nidepontanus (Metz): Sudor anglicus. Joh. Knobloch d. J., Straßburg 1529. Fries berichtete u. a. von einer Epidemie in Freiburg im Üechtland im Jahre 1519, die er als Ausbruch des Sudor anglicus deutete. Defensio medicorum Principis Avicennae ad Germaniae medicos. Johann Knobloch. d. J., Straßburg 24. August 1530Defensio medicorum Principis Avicennae ad Germaniae medicos. Johann Knobloch. d. J., Straßburg 24. August 1530 (Digitalisat) Epitome opusculi de curandis pusculis. Henricus Petrus, Basel 1532Epitome opusculi de curandis pusculis. Henricus Petrus, Basel 1532 (Digitalisat) Liber De Morbo Gallico : In Qvo Diuersi celeberrimi in tali materia scribentes, medicine contine[n]tur auctores videlicet. Nicolavs Leonicenus Vicentinus. Vlrichvs De Hvtten Germanus. Petrvs Andreas Mattheolo Senensis. Lavrentivs Phrisius. Ioannis Almenar Hispanus... Cremer, Venedig 1535 (Digitalisat)

Spiegel der Arznei Fries Hauptschrift, der Spiegel der Arznei, wurde von 1518 bis 1557 in zwölf Auflagen bei drei Verlegern gedruckt und ab 1529 durch den Humanisten Otto Brunfels bearbeitet. Der Erstdruck erschien am 1. September 1518.

Die Ausgaben

1. Ausgabe Johannes Grüninger, Straßburg 1. September 1518Spiegel der Arznei. Gedruckt bei Johannes Grüninger in Straßburg. 1. Auflage, 1. September 1518 (Digitalisat). 2. Ausgabe, J. Grüninger, Straßburg 1. September 1519. 3. Ausgabe. J. Grüninger, Straßburg 17. März 15293. Ausgabe, J. Grüninger, Straßburg 17. März 1529 (Digitalisat) 1529 ließ der Verleger Balthasar Beck in Straßburg den Spiegel der Arzney durch Otto Brunfels bearbeiten. Drei Auflagen dieser Fassung wurden gedruckt: 18. August 1529 Spiegel der Arznei, Beck, Straßburg 18. August 1529 (Digitalisat), 14. März 1532 Spiegel der Arznei, Beck, Straßburg 1532 (Digitalisat) und 1546 Spiegel der Arznei, Beck, Straßburg 1546 (Digitalisat). 1542 straffte Johann Dryander den Friesschen Spiegel, hängte einen kurzen Anatomieteil an und veröffentlichte ihn unter dem Titel Der ganzen Arznei gemeiner Inhalt beim Verleger Christian Egenolph in FrankfurtJohann Dryander 1542 (Digitalisat). 1547 hängte Dryander noch einen Abschnitt über Chirurgie an. Dazu bediente er sich der deutschen Übersetzung der Kleinen Wundarznei Lanfranks, die 1528 von Otto Brunfels besorgt und von Christian Egenolph gedruckt worden war. In dieser Form erschienen noch zwei weitere Auflagen des Spiegels: 1547 und 1557 Mit dem Anhang der Kleinen Wundarznei Lanfranks. 1547 und 1557 (Digitalisat).

Die Bibliothek des Zürcher Medizinhistorischen Instituts besitzt 2 Doppelfolianten, in denen seit dem 16. Jh. der Spiegel der Arznei mit dem Kreuterbuch des Eucharius Rösslin zusammengebunden ist: 1. Doppelfoliant: Spiegel der Arznei 1532 und Kreuterbuch 1533. 2. Doppelfoliant: Spiegel der Arznei 1546 und Kreuterbuch 1550.

Die Quellen mini|Quellen des Spiegel der Arznei 1518 Im Anschluss an die Einleitung führt Fries seine Quellen auf. Es ist kaum möglich und bisher auch noch nicht versucht worden, all diese Quellen im Spiegel nachzuweisen. Als Hauptquelle kann Avicennas Kanon der Medizin angenommen werden, der – insbesondere auf Galen fußend – einen Gesamtüberblick über das gibt, was wir heute „Innere Medizin“ nennen.Rudolf Christian Ludwig Öhlschlegel: Studien zu Lorenz Fries und seinem „Spiegel der Arznei“. Medizinische Inaugural-Dissertation, Tübingen 1985, S. 98–103: Zu den Quellen des Werkes.

Zielpublikum und deutsch-lateinischer Sprachenstreit. Setzerwillkür