Atlantikschlacht ist ein Sammelbegriff für die Kampfhandlungen zwischen der deutschen Kriegsmarine und der deutschen Luftwaffe und Kriegsschiffen, Geleitzügen und Luftstreitkräften der Alliierten im Atlantik über die gesamte Dauer des Zweiten Weltkrieges.

Nach dem Rückzug der letzten schweren deutschen Überwasserstreitkräfte aus den französischen Atlantikhäfen im Februar 1942 (Unternehmen Cerberus) wurde die Atlantikschlacht von deutscher Seite fast ausschließlich als U-Boot-Krieg geführt.

Hintergrund und Vorbereitung Infolge der Bestimmungen des Friedensvertrags von Versailles nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg war dem Deutschen Reich der Besitz von U-Booten generell untersagt, ebenso die Entwicklung und der Bau von Flugzeugträgern. Die meisten politischen Gruppen der Weimarer Republik setzten sich für eine Revision dieses Vertrages ein. Die 1933 zur Macht gekommene NSDAP unter Adolf Hitler machte darin keine Ausnahme und ging rücksichtslos an deren Verwirklichung. Schon 1933 wurde mit der massiven Aufrüstung begonnen. Gemäß dem 1934 beschlossenen Flotten-Ersatzplan wurde unter optimistischer Beurteilung des diplomatischen Klimas der Bau eines Flugzeugträgers und mehrerer großer Kriegsschiffe in Auftrag gegeben. Deren Größe und Anzahl wurden mehrfach nach oben korrigiert. Das deutsch-britische Flottenabkommen von 1935 lockerte die Einschränkungen des Versailler Vertrages und ermöglichte Deutschland offiziell den Aufbau einer U-Bootflotte.

Als Argument für die Notwendigkeit eines Flottenausbaues über die Maßgaben des Versailler Vertrages hinaus diente die Forderung nach einem Gleichgewicht zu den Seestreitkräften Frankreichs (Parität). Die Schlüssigkeit dieser Forderung war stets umstritten, denn die Wahrscheinlichkeit eines Seekrieges mit Frankreich war aufgrund der langen gemeinsamen Grenze, die einen Landkrieg ermöglichte, nur hypothetisch. Der Drang zum Ausbau der Flotte hatte eher seine Begründung in dem Bedürfnis einer aufstrebenden Großmacht, auch eine bedeutende Kriegsflotte zu befehligen. Das Vorbild dazu lieferte Großadmiral Alfred von Tirpitz, der ab etwa 1897 mit uneingeschränkter Unterstützung von Kaiser Wilhelm II. den Aufbau einer deutschen Hochseeflotte forcierte. Im Gegensatz zum deutschen Kaiser vor dem Ersten Weltkrieg war Hitler diesem Vorhaben gegenüber reserviert. Doch Admiral Raeder als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine verstand es, durch regelmäßige Vorsprachen bei Hitler die Belange der Kriegsmarine zu protegieren. Bereits 1934 machte Raeder nach einer Besprechung mit Hitler eine Notiz, dass England ein künftiger Gegner sein könnte. Offiziell wurde aber bis zum Frühjahr 1939 stets betont, dass die Royal Navy aufgrund ihrer Überlegenheit nicht als Gegner für die Kriegsmarine in Frage käme.

+ Kräftevergleich der Seestreitkräfte 1939 Großbritannien Frankreich Deutschland USA Flugzeugträger 8 2 0 6 Schlachtschiffe 15 9 0 15 Schlachtkreuzer 3 0 2 0 Panzerschiffe 0 0 3 0 Schwere Kreuzer 15 7 2 18 Leichte Kreuzer 49 12 6 19 Zerstörer 201 71 22 k. A. U-Boote 38 76 57 90 Infolge des Flottenabkommens verdoppelten sich 1935 zwar die Rüstungsausgaben für die Kriegsmarine aus dem Jahr 1934, blieben aber in ihrem Zuwachs bis 1938 deutlich hinter denen des Heeres und der Luftwaffe zurück. So waren nicht die Rüstungsabkommen, sondern allein die Leistungsfähigkeit der deutschen Rüstung und die Verteilung der Rohstoffe an diese bestimmend für die Stärke der deutschen Kriegsmarine bei Kriegsbeginn.

Der Flottenausbauplan Z-Plan, der den Bau einer großen Schlachtflotte sowie von vier Flugzeugträgern vorsah, erhielt erst im Januar 1939 das Placet Hitlers. Bei Kriegsbeginn verfügte die Kriegsmarine zwar über mehrere größere Überwasserkriegsschiffe und eine U-Bootflotte (sowie über Seerettungsflugzeuge und Seeaufklärer); die Verwirklichung des Z-Planes war jedoch gerade erst in Angriff genommen worden. Von den zusätzlichen Schlachtschiffen waren in der kurzen Zeit nur die Kiele gelegt worden, Bauarbeiten daran wurden bei Kriegsbeginn sofort gestoppt. Von den geplanten Flugzeugträgern war nur einer (Graf Zeppelin) kurz vor der Fertigstellung, sie wurde jedoch durch den Kriegsverlauf zugunsten der U-Boot-Produktion immer wieder hinausgezögert und fand letztendlich nie statt.

Die Royal Navy vernachlässigte im Vergleich zur Kriegsmarine den Ausbau der U-Bootwaffe. Stattdessen forcierte sie, ähnlich der US Navy und der japanischen Marine, den Einsatz von Flugzeugträgern.

Ziele Die Operationen der deutschen Kriegsmarine im Atlantik waren zunächst durch Einzeloperationen großer Überwasserkriegsschiffe und U-Boote gekennzeichnet. Beim Unternehmen Weserübung, der Eroberung Dänemarks und Norwegens im Frühjahr 1940, waren fast alle Kräfte der deutschen Kriegsmarine beteiligt. Während die Eroberung gelang, zeigten sich im Bereich der Marine bereits Schwierigkeiten, der Royal Navy zu begegnen.

Ab dem Westfeldzug erfolgte eine deutliche Schwerpunktlegung des Seekrieges auf die Versorgungsrouten der Britischen Inseln. Der einzige im Westen verbleibende Gegner sollte nach misslungener Luftschlacht um England und Invasionsdrohung durch Abschneiden der lebenswichtigen Versorgung zur Aufgabe gezwungen werden. Winston Churchill räumte ein, dass er 1941 Zweifel am Überleben Englands hatte.

Operationen deutscher Überwasserkriegsschiffe Kaperfahrt der Admiral Graf Spee von September bis Dezember 1939 mini|Das brennende Wrack der Admiral Graf Spee nach der Sprengung in der Mündung des Rio de la Plata Am 21. August 1939 verließ das Panzerschiff Admiral Graf Spee Wilhelmshaven, um sich im Atlantik südlich des Äquators in eine Warteposition zu begeben. Am 26. September erhielt es den Befehl, alliierte Handelsschiffe anzugreifen. Vom 30. September bis zum 7. Dezember versenkte das Schiff im Atlantik und im Indischen Ozean insgesamt neun britische Handelsschiffe mit zusammen 50.089 Bruttoregistertonnen.

Am 13. Dezember 1939 traf die Admiral Graf Spee vor der Mündung des Río de la Plata auf einen gegnerischen Schiffsverband, bestehend aus dem britischen Schweren Kreuzer Exeter, sowie dem britischen Leichten Kreuzer Ajax und dem neuseeländischen Leichten Kreuzer Achilles. Im Laufe des Gefechts wurde die, abgesetzt von den beiden leichten Kreuzern operierende, HMS Exeter schwer beschädigt (61 Tote und 23 Verwundete) und außer Gefecht gesetzt. Die beiden Leichten Kreuzer, aber auch die Admiral Graf Spee, erhielten Beschädigungen und brachen das Gefecht ab, um in Montevideo einzulaufen. Dieses Seegefecht ging in die alliierte Seekriegsgeschichte auch als Battle of Honour ein.

Aufgrund von politischem Druck auf Uruguay aus Großbritannien musste das Schiff wieder auslaufen, ohne dass notwendige Reparaturen durchgeführt werden konnten. Um einen sinnlosen Opfergang der Mannschaft zu verhindern, wurde die Admiral Graf Spee am 17. Dezember von der eigenen Besatzung in der Mündung des Río de la Plata versenkt. Der verantwortliche Kapitän zur See Hans Langsdorff starb kurz darauf durch Suizid.

Unternehmen Weserübung von April bis Juni 1940 mini|Der Leichte Kreuzer Köln mit einem Seeaufklärer Heinkel He 60 Anmerkung: Das Unternehmen Weserübung wird in manchen deutschsprachigen Publikationen als Trennlinie zwischen der Ersten Atlantikschlacht und der Zweiten Atlantikschlacht betrachtet. In englischsprachigen Publikationen wird der Ausdruck Erste Atlantikschlacht (engl. first battle of the atlantic) auf den Seekrieg im Ersten Weltkrieg bezogen, die Zweite Atlantikschlacht (engl. second battle of the atlantic) auf den Seekrieg im Zweiten Weltkrieg.

Für das Unternehmen Weserübung hatte die Seekriegsleitung insgesamt elf Kriegsschiffgruppen zusammengestellt, die ersten fünf davon waren für die Eroberung Norwegens bestimmt. Die für Narvik bestimmte Kriegsschiffgruppe 1 bestand aus zehn Zerstörern. Auf jedem der Zerstörer waren 200 Gebirgsjäger des Gebirgsjägerregiments 38 eingeschifft worden. Die für Trondheim bestimmte Kriegsschiffgruppe 2 setzte sich aus dem Schweren Kreuzer Admiral Hipper und vier Zerstörern zusammen. Die Kriegsschiffgruppen 1 und 2 nahmen am 7. April 1940 um 3:00 Uhr unter dem Schutz der Schlachtschiffe Gneisenau und Scharnhorst aus der Deutschen Bucht gemeinsame Fahrt nach Norden auf. Es handelte sich um den größten Flottenverband, den die Kriegsmarine im Verlauf des Zweiten Weltkrieges für eine offensive Operation zusammenstellen konnte.

Auf dem Marsch nach Norden versenkte der Schwere Kreuzer Admiral Hipper am Morgen des 8. April den britischen Zerstörer Glowworm.

Die Kriegsschiffgruppe 1 erreichte planmäßig Narvik. Die Küstenpanzerschiffe Eidsvold und Norge wurden vor und im Hafenbecken von Narvik von den Zerstörern Z 21 Wilhelm Heidkamp und Z 11 Bernd von Arnim torpediert und versenkt. Die als Fernsicherung weiter entfernt von der Küste nach Norden steuernden Scharnhorst und Gneisenau trafen hier auf den britischen Schlachtkreuzer Renown. Die mit nur sechs schweren Geschützen in der Feuergeschwindigkeit unterlegene Renown konnte dank der größeren Reichweite ihrer 381-mm-Geschütze die deutschen Schiffe auf Distanz halten und entkam ohne Treffer. Die Gneisenau bekam einen Volltreffer in den Artillerie-Leitstand auf der Vormars-Plattform. Die deutschen Schiffe brachen das Gefecht ab und kehrten einige Tage später nach Wilhelmshaven zurück.

Nachdem es bereits am 10. April im Ofotfjord zu einem Gefecht gekommen war, in dem die Zerstörer Z 21 Wilhelm Heidkamp und Z 22 Anton Schmitt sanken und die Briten ihrerseits die Zerstörer Hardy und Hunter verloren hatten, kehrten die Briten drei Tage später mit Verstärkung zurück. Am 13. April 1940 kam es zu einem Gefecht mit einem britischen Flottenverband, das aus dem Schlachtschiff Warspite und neun Zerstörern bestand. Dabei gingen alle acht deutschen Zerstörer verloren. Sie hatten nicht rechtzeitig den Rückmarsch antreten können, da die Treibstoffübernahme zu lange dauerte. Ohne die Möglichkeit, den Angriffen auszuweichen, verschossen sie ihre gesamte Munition und alle Torpedos und mussten schließlich aufgegeben werden. Einige britische Zerstörer wurden beschädigt.

Eine vom Katapult der Warspite gestartete Fairey Swordfish versenkte das deutsche U-Boot U 64. Ein Angriff von U 25 gegen den britischen Verband am 13. April 1940 sowie ein weiterer Angriff von U 25 und U 48 im Vestfjord gegen das Schlachtschiff Warspite am 14. April 1940 schlugen wegen Torpedoversagern fehl. Am 14. April 1940 versenkte der Schwere Kreuzer Suffolk nordwestlich Bodo den deutschen Versorgungstanker Skagerrak (6.044 BRT).

Die Kriegsschiffgruppe 3, bestehend aus den Leichten Kreuzern Köln und Königsberg und mehreren kleineren Schiffen, konnte sich erfolgreich in Bergen und Stavanger durchsetzen. Ebenso die Kriegsschiffgruppe 4 mit dem Leichten Kreuzer Karlsruhe in Kristiansand.

Die Kriegsschiffgruppe 5 bestehend aus den schweren Kreuzern Blücher und Lützow, dem Leichter Kreuzer Emden und mehreren Torpedobooten, wurde beim Durchbruch durch den gut 100 Kilometer langen Oslofjord von Küstenbatterien beschossen. Die Blücher erhielt mehrere Geschütz- und Torpedotreffer und sank östlich der Insel Askholmene. Der norwegische Minenleger Olav Tryggvason versenkte das deutsche Räumboot R 17. Das norwegische Torpedoboot Aegir versenkte den deutschen Nachschubfrachter Roda (6.780 BRT) und wurde seinerseits durch einen Fliegerangriff versenkt.

Am Vormittag des 10. April liefen die Schiffe der Kampfgruppe in den Hafen von Oslo ein. Erst am 10. Juni 1940 unterschrieb das norwegische Oberkommando die Kapitulationsurkunde, und die Bevölkerung ging teilweise zum aktiven und passiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus über.

Unternehmen Juno im Juni 1940 mini|Der britische Flugzeugträger Glorious