Kürten ist eine Gemeinde des Rheinisch-Bergischen Kreises im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Sie trägt den Namenszusatz Die Stockhausen-Gemeinde.

Geographie Geographische Lage Als typische Flächengemeinde erstreckt sich Kürten mitsamt seinen Gemeindeteilen (vier Kirchdörfer, zahlreiche Hofschaften) über eine Nord-Süd-Ausdehnung von 11,2 Kilometern und eine Ost-West-Ausdehnung von 10,8 Kilometern.

Kürten liegt im Bergischen Land rund 24 Kilometer (Luftlinie) nordöstlich von Köln. Die Gemeinde gehört zum Naturpark Bergisches Land. Durch das Ortsgebiet fließt die Kürtener Sülz, der nördliche Quellfluss der Sülz. Nordwestlich des Ortsteiles Herrscherthal befindet sich die höchste Erhebung von Kürten, der Hämmerich mit einer Höhe von 292 m.

Nachbargemeinden Städte: Wermelskirchen, Wipperfürth, Overath, Bergisch Gladbach Gemeinden: Lindlar, Odenthal.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Kürten gehören neben dem namengebenden Kernort die Ortsteile Bechen, Biesfeld, Miebach, Dürscheid, Offermannsheide und Olpe. Das Gemeindegebiet umfasst die Gemarkungen Bechen, Breibach, Collenbach, Engeldorf, Dürscheid, Kürten und Olpe. Das Gemeindegebiet Kürten umfasst darüber hinaus eine Vielzahl von Dörfern, Weilern und Hofschaften, siehe unten: Navigationsleiste Ortsteile, Ortschaften und Wohnplätze von Kürten.

Einwohnerstatistik Kürten gehört zu den historisch langsam gewachsenen Orten im Bergischen Land. Mit Beginn der 1960er-Jahre erfolgte ein signifikanter Anstieg der Einwohnerzahl. Seit 2000 stagniert die Einwohnerzahl. Jahr Einwohner 30.06.1829 2373 30.06.1890 2591 30.06.1925 2329 30.06.1938 2684 30.06.1946 3903 30.06.1953 3617 31.12.1962 10170 31.12.1963 10520 31.12.1964 10810 31.12.1965 11155 31.12.1966 11456 31.12.1967 11676 31.12.1968 12145 31.12.1969 12516 31.12.1970 12932 31.12.1971 13254 31.12.1972 13526 Jahr Einwohner 31.12.1973 13988 31.12.1974 14340 31.12.1975 14776 31.12.1976 15253 31.12.1977 15630 31.12.1978 15751 31.12.1979 16060 31.12.1980 16371 31.12.1981 16514 31.12.1982 16601 31.12.1983 16690 31.12.1984 16853 31.12.1985 16755 31.12.1986 16830 31.12.1987 16599 31.12.1988 16814 31.12.1989 17084 Jahr Einwohner 31.12.1990 17516 31.12.1991 17946 31.12.1992 18211 31.12.1993 18401 31.12.1994 18574 31.12.1995 18771 31.12.1996 19014 31.12.1997 19250 31.12.1998 19443 31.12.1999 19544 31.12.2000 19570 31.12.2001 19679 31.12.2002 19986 31.12.2003 20040 31.12.2004 20116 31.12.2005 20077 31.12.2006 20059 Jahr Einwohner 31.12.2007 19963 31.12.2008 19817 31.12.2009 19767 31.12.2010 19639 31.12.2011 19481 31.12.2012 19489 31.12.2013 19458 31.12.2014 19553 31.12.2015 19893 31.12.2016 19900 31.12.2017 19855 31.12.2018 19768 31.12.2019 19662 31.12.2020 19716 31.12.2021 19832 mini|600px|links|Einwohnerentwicklung von Kürten von 1839 bis 2020

Konfessionsstatistik Die Pfarrgemeinde St. Marien wurde am 1. Januar 2010 als selbständige Pfarrei errichtet. Ihr Pfarrgebiet ist fast deckungsgleich mit dem Gebiet der Gemeinde Kürten. In 2009 lebten 11.278 Katholiken in Kürten, mit Stand 2015 zählten insgesamt ca. 10.860 Katholiken zur Pfarrgemeinde. Gemessen an der Einwohnerzahl war das ein Anteil von ca. 55 %.

Geschichte mini|Das Bürgerhaus mini|Die Wipperfürther Straße (L 286) ist die Hauptstraße durch den Ort mini|Kürtener Wohnhaus im Bergischen Fachwerkstil mini|Ein auffallendes Wandgemälde im Ortsteil Dürscheid Kürten und der „Liber Valoris“, 1308 bis 2008 Der vorerst früheste gesicherte schriftliche Nachweis für die Existenz eines Kirchdorfes Kürten datiert aus Anfang des 14. Jahrhunderts. Um 1308 verzeichnet der Liber valoris ecclesiarum Coloniensis dioceses, kurz Liber valoris, den Ort CURTINE als Pfarrgemeinde zu der Kirche St. Johannes Baptist mit Pastorat und Vikariat, angesiedelt im Dekanat Deutz. Heute lagert das Dokument im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland.

Dieses erste Manuskript mit Beleg für die Existenz einer Gemeinde Kürten erschien knapp anderthalb Jahrhunderte später als das früheste schriftliche Zeugnis für die heute längst eingemeindeten Orte Bechen und Olpe. Hinweise für ein höheres Alter des Kirchdorfs Kürten gibt der Kirchenbau selbst, dessen wenige verbliebene Sockelreste unter dem Kirchturm ins frühe Hochmittelalter zu datieren sind. Mit der Namensgebung „Sankt Johannes Baptist“ ist das Gotteshaus Johannes dem Täufer geweiht. Diese Taufkirchen reichen vielfach in die Zeit der Christianisierung des Bergischen Landes zurück. Kürten könnte also bereits in der Merowingerzeit, zwischen 700 und 800, besiedelt worden sein. Diese Annahme stützt auch ein Hinweis im Prümer Urbar, einem Güterverzeichnis von 893: Hier wird eine nicht näher bezeichnete Kirche erwähnt, die zwischen den beiden Orten Enkeln und Vogelberg liegt, beide eine „halbe Meile“ vom Kloster Altenberg entfernt. Nach Meinung einiger Lokalhistoriker handelt es sich hierbei um die Kürtener Kirche; generell herrscht aber Unsicherheit hinsichtlich der topographischen Zuordnung der Angaben des Prümer Urbar.

Ortsname und Topografie Als Schreibweise des Orts- und auch Familiennamens Kürten galt bis 1930 allgemein „Cürten“. In den Jahrhunderten zuvor erschienen auch die Formen „Curten“, „Cürthen“, „Cörten“ und „Corten“. Für die Herkunft des Ortsnamens selbst gibt es mehrere Auffassungen. Kürten könnte sich ableiten aus „Op de Corte“, sinngemäß: „Auf dem kurzen (Wasserlauf)“. Diese Meinung vertrat der Heimatforscher Theo Stockberg. Tatsächlich existierte ein solcher Zufluss zur Sülz in der Nähe der heutigen Gesamtschule Kürten. Eine naheliegendere Interpretation des Ortsnamens „Kürten“ begründet sich wie folgt: Die herkömmliche Auslegung des Ortsnamens beruft sich auf das mittellateinische „curtis“ für Hof, Fronhof oder Hofstelle. Dabei umschreibt „curtis“ den freien, viereckigen Platz innerhalb eines eingefriedeten Hofes. Für die Deutung von „curtis“ als „Hof“ spricht diese Darstellung: „Indem sich die hofhörigen Kötter um den Herrenhof ansiedelten, entstand das Dorf. In naturgemäßer Entwicklung wurde dann das Wort curtis – in der Form „Curts“, „zur Cürten“ – von den Siedlern zunächst auf den Hof selbst und in späterer Zeit auf das Dorf übertragen. Im Mittellateinischen ist „curtina“ ≈ kleine curtis ≈ kleiner Hof. Als Endsilbe „court“ erscheint das Wort (neben der gebräuchlichsten Endung „-hofen“ und den weiteren seltenen Endungen „-hoop“, „-hop“) zur Bezeichnung des Herrenhofs und von Gruppen von Bauanwesen.“Peter Opladen: Das Dekanat Wipperfürth, Verlag F. Schmitt, Siegburg 1955, S. 187

Dieser Ansatz ist historisch untermauert: Faktisch existieren Hinweise auf einen Herrenhof, der wahrscheinlich zum Kölner Domkapitel gehörte. Kürten als Ort eines Landgerichts erscheint erstmals in Aufzeichnungen von Gerichtsprotokollen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts: Kürten erhielt 1555 ein eigenes Siegel. Das Landgericht Kürten war zuständig für die Kirchspiele Kürten, Bechen und Olpe. Die Kürtener Gerichtsbarkeit selbst war damals und noch in den folgenden Jahrhunderten dem Amt Steinbach unterstellt.

Bereits im Liber valoris des Jahres 1308 ist Kürten als „Curtine“ vermerkt. Phonologie und Semantik sowie historische Befunde legen nahe, den Ortsnamen „Kürten“ tatsächlich aus „Curtine“ herzuleiten. Gegenüber der Auslegung von „curtis“ als „Fronhof“ erfährt das spätmittelalterliche „Curtine“ insofern einen erweiterten Bedeutungsumfang, als „Curtina“ eben nicht nur „Kleiner Hof“/„Gerichtshof“, sondern auch „Wall“ oder „Mauer“ (als Teil einer „curtis“) bedeutet; dies ebenso wie das neuhochdeutsche „Kurtine“. Unter Kurtine versteht man noch heute die Verbindungsmauer zwischen zwei Türmen oder Bastionen einer Burg oder Festung. Auch topographische Bezüge unterstützten die Curtine-Deutung. Zweieinhalb Kilometer östlich des Kernorts Kürten, bereits zum Kirchspiel Kürten-Olpe gehörend, existiert ein ehemaliger Burg- beziehungsweise Ringwall. In unmittelbarer Nähe zu dieser Anlage findet sich auch der heute zu Kürten gehörende Weiler Burgheim.

Daher verweisen die archäologischen und ortsnamenskundlichen Befunde rund um Kürten, also auch Burgheim mitsamt seinem Ringwall und der sicherlich dazugehörenden Kurtine, in die Zeit der Christianisierung der fränkischen Stämme im beginnenden Mittelalter. Für die damalige Zeit kann man von einem vermehrten Bedarf an vermutlich befestigten Taufstätten und Gemeindegründungen auf vormals heidnischem Boden in der Region ausgehen – mithin auch von einer exklusiven Verehrung des Johannes des Täufers.

Archiv der Gemeinde Das Kürtener Gemeindearchiv enthält überwiegend Verwaltungsakten. Die Unterlagen, die das Altarchiv verwahrt, beginnen mit der Zeit der Verwaltungsstrukturierung nach dem Code civil unter napoleonischer Herrschaft. Bestand 1 umfasst die Akten von 1804 bis 1918, Bestand 2 bezeichnet die Sammlung vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, Bestand 3 bezieht sich auf die Akten der Nachkriegszeit von 1945 bis 1963. Hinzu kommen etliche Bestände eigener und fremder Provenienz, von privaten Nachlässen, Sammlungen und Ausstellungs-Materialien, etwa zu Karlheinz Stockhausen (fortlaufend), zur Währungsreform 1948, zur 700-Jahr-Feier (2008); zuletzt bildete sich ein Bestand „Kürten vor, in und nach dem Zweiten Weltkrieg“ mit Bezug zu der aus Gemeindearchivalien entstandenen Ausstellung „Rückblicke auf Kürten 1933–1955“ (2012).

Aufgrund mangelnder schriftlicher Zeugnisse aus der Zeit vor Napoleon kann das Archiv lediglich Auskunft geben über einen Zeitraum von 200 Jahren – mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Im Jahr 2000 gelangte ein Bündel von 160 weitaus älteren Schriftstücken in das Gemeindearchiv: Neun Original-Akten aus dem 16. Jahrhundert, zum einen Kirchenakten aus dem Dorf Olpe, zum anderen Protokolle des von Landsbergische Lehnsgericht Olpe. Dabei handelt es sich um Originalunterlagen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und insbesondere aus der Zeit um 1780. Das älteste Dokument in der betreffenden Sammlung, ein Gerichtsprotokoll, stammt aus dem Jahre 1572. Fotokopien dieser Lehnsgerichtsprotokolle wurden von N. J. Breidenbach in den 1980er-Jahren angefertigt und befinden sich in der Katholischen Öffentlichen Bücherei der Pfarrgemeinde St. Margareta in Kürten-Olpe und in der Privatsammlung „Quellen & Materialien“ N. J. Breidenbach in Wermelskirchen.

Das Zwischenarchiv beherbergt die in neuester Zeit registrierten Verwaltungsakten.

Zur örtlichen Historie siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kürten

Das Gemeindearchiv bewahrt die Personenstandsurkunden seit 1810, aktuelle Dokumente werden vom gemeindlichen Standesamt verwahrt. Seit 2009 erstellt das Gemeindearchiv Auskünfte im Bereich der Familien- und Ahnenforschung. Seit 2024 besteht eine Kooperation zwischen dem Gemeindearchiv und dem Geschichtsverein Kürten e.V. zur Erleichterung der privaten Familien- und Ahnenforschung. Die Personenstandsurkunden des Gemeindearchivs können in den Räumen des Geschichtsvereins eingesehen werden.

Das Gemeindearchiv im Rathaus-Neubau und das Archiv des Geschichtsvereins Kürten e.V., das seit 2017 im Rathaus-Altbau untergebracht ist, arbeiten eng zusammen: Für Bürgerinnen und Bürger ergibt sich so die Chance, gleich zwei Archive wahrzunehmen als ein örtliches Zentrum für heimatgeschichtliche Forschung und Bildung. Das Gemeindearchiv verfügt über Altaktenbestände sowie über ein Zwischenarchiv. Gemäß NRW-Archivgesetz lagern hier die örtlichen Verwaltungsakten ab dem Jahr 1810. Darüber hinaus ist das Gemeindearchiv verpflichtet, für die Ortsgeschichte relevante Sammlungen aus verwaltungsferner Herkunft, etwa private Überlassungen, zu übernehmen. Ergänzend dazu betreut das Archiv der Geschichtsvereins Kürten Bücher, Zeitschriften, Hefte, Briefe und Bildbestände. Auch hier lagern Überlassungen aus hiesigen Privathaushalten, Vereinen und Institutionen. Nach Voranmeldung können die Bestände beider Archive eingesehen werden.

Zeittafel vermutl. 9. Jhdt.: Hinweise auf eine Besiedlung und Kirchengründung